Tade Tramm Wirtschaftsinstrumentelles Rechnungswesen konkret...

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  • C:\Users\Bianca\Desktop\Tade Tramm Aufsätze sortiert\2005\Tramm, Tade_Wirtschaftsinstrumentelles Rechnungswesen konkret_2005.doc

    Erstelldatum 08.12.2014 09:48:00 Seite 1 von 26

    Tade Tramm

    Wirtschaftsinstrumentelles Rechnungswesen konkret

    1. Einführung

    Seit Anfang der 1990er Jahre das Konzept des Wirtschaftsinstrumentellen

    Rechnungswesens entwickelt und zur Diskussion gestellt wurde (Preiß/Tramm

    1990); gab es von Seiten der Lehrerschaft in zahlreichen Diskussionen ein

    ausgesprochen verbreitetes Rezeptionsmuster: Einerseits wurde der Kritik am

    herkömmlichen Rechnungswesenunterricht weithin zugestimmt, die curricula-

    ren und didaktischen Postulate des Alternativkonzepts stießen auf große Ak-

    zeptanz und der Wunsch nach entsprechenden Veränderungen der eigenen

    Unterrichtspraxis wurde häufig artikuliert. Zugleich jedoch wurden Bedenken

    geäußert, ob dieser neue Ansatz mit seinen spezifischen Erklärungsmustern

    denn tatsächlich fachlich tragfähig und, mehr noch, ob er unterrichtspraktisch

    realisierbar und durchhaltbar sei. Meist kulminierte diese Argumentation in der

    Forderung nach einem Lehrbuch, in dem das Konzept konsequent durchdekli-

    niert werde und das im eigenen Unterricht einsetzbar sein sollte.

    Spätestens mit Vorlage der Dissertation von Preiß im Jahre 1999 sollten die

    Zweifel an der fachwissenschaftlichen Tragfähigkeit des wirtschaftsinstrumen-

    tellen Ansatzes für jedermann nachvollziehbar aus dem Wege geräumt sein.

    Dies um so mehr, als es seit der erstmaligen Veröffentlichung des Konzepts

    1990 keine seriösen Einwände in dieser Hinsicht gegeben hat.

    Praktisch schwerwiegender war ohnehin offenbar lange Zeit das Fehlen ein-

    schlägiger Lehr- und Lernmaterialien. Erst ab 2001/2002 hat sich diese Situa-

    tion grundlegend verändert, einerseits durch die Veröffentlichung eines beleg-

    orientierten Grundkurses Rechnungswesen auf der Grundlage des Modellun-

    ternehmens A & S GmbH durch Getsch und Preiß (2001), der insbesondere

    auf die Ausbildung von Industriekaufleuten und das Fachgymnasium Wirt-

    schaft gerichtet war, und andererseits durch das Erscheinen des Lernbuches

    „Wirtschaftsinstrumentelles Rechnungswesen“ von Joost, Kripke und Tramm

    (2002), das auf die Berufsfachschule Wirtschaft zielt.

    Mit diesem Beitrag soll am Beispiel des letztgenannten Lernwerkes gezeigt

    werden, wie Wirtschaftsinstrumentelles Rechnungswesen und die damit ver-

    bundene Modellierungsmethode konkret unterrichtlich umgesetzt werden kön-

  • C:\Users\Bianca\Desktop\Tade Tramm Aufsätze sortiert\2005\Tramm, Tade_Wirtschaftsinstrumentelles Rechnungswesen konkret_2005.doc

    Erstelldatum 08.12.2014 09:48:00 Seite 2 von 26

    nen. Hierüber soll der Anspruch auf Lauffähigkeit dieses Ansatzes gestützt

    werden, zugleich jedoch soll damit versucht werden, die Diskussion von der

    rein programmatischen auf die pragmatische Ebene auszuweiten. Hierzu ge-

    hört letztlich auch das „Eingeständnis“, dass es sich bei diesem neuen Ansatz

    zunächst und noch immer um eine „technologische Hypothese“ handelt (vgl.

    Bunge 1967; Achtenhagen 1984), also um einen theoriegeleiteten Handlungs-

    entwurf, dessen innovatives Potenzial zwar mit guten Argumenten begründet,

    aber sicher noch nicht hinreichend empirisch belegt ist. Immerhin liefern hier

    gerade die Bamberger Forschungsarbeiten interessante und ermutigende Be-

    funde (Seifried/Brouer/Sembill 2002; Seifried 2004). Zum Wesen technologi-

    scher Theorien gehört es aber durchaus, dass sie in der praktischen Bewäh-

    rungsprüfung adjustiert werden. In diesem Sinne gehen wir davon aus, dass

    die konkrete Umsetzung dieses Modells optimierungsfähig und optimierungs-

    bedürftig ist, so wie auch die praktische Umsetzung der Bilanzmethode seit

    den 20er Jahren in vielfältiger Weise erprobt und variiert worden ist.

    Abbildung 1: Entwicklungslinien des Wirtschaftsinstrumentellen Rechnungswesens

    In der Linie dieser Argumentation liegt es schließlich auch, dass mit den Unter-

    richtsmaterialien von Getsch/Preiß auf der einen und Joost/Kripke/Tramm auf

    der anderen Seite zwei unterschiedliche Umsetzungsmodelle des wirtschafts-

    instrumentellen Ansatzes vorliegen, die im Grundsätzlichen übereinstimmend

    Wirtschaftsinstrumentelles Rechnungswesen und Modellierungsmethode

    Preiß / Tramm 1990; 1996; Preiß 1999

    Göttinger Linie

    Getsch / Preiß 2001

    Beleggeschäftsgang und Arbeithefte im Gehlen - Verlag/BV Eins

    MU: A & S GmbH

    Industriekaufleute Fachgymnasium

    Hamburger Linie

    Joost/ Kripke / Tramm 2002

    „Wirtschaftsinstrumentelles Rechnungswesen“

    - im BV Eins

    MU: BüroComfort GmbH

    Berufsfachschule

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    Erstelldatum 08.12.2014 09:48:00 Seite 3 von 26

    doch zu teilweise unterschiedlichen fachdidaktischen Umsetzungen und Ak-

    zentsetzungen gelangt sind.

    Im Folgenden sollen zunächst noch einmal die zentralen gemeinsamen

    Grundannahmen des wirtschaftsinstrumentellen Ansatzes rekonstruiert wer-

    den, bevor im Hauptteil dieses Beitrages die spezifischen Charakteristika der

    Hamburger Entwicklungslinie herausgearbeitet werden. Abschließend sollen

    kurz offene Fragen und Entwicklungsperspektiven der Rechnungswesendidak-

    tik thematisiert werden.

    2. Der konzeptionelle Rahmen des wirtschaftsinstrumentelles Rechnungswesens und der Modellierungsmethode

    Weshalb sollen junge Menschen, die einen kaufmännischen Beruf erlernen

    wollen, heute noch Buchführung lernen? Viele Unternehmen lassen ihren Jah-

    resabschluss von Steuerberatern erledigen und für die alltäglichen Buchungen

    gibt es leistungsfähige Finanzbuchhaltungsprogramme.

    Der Lerngegenstand Buchführung steht auf dem Prüfstand. Er kann als Ge-

    genstand der kaufmännischen Grundbildung heute nicht mehr damit legitimiert

    werden, für Arbeiten der Finanzbuchhaltung zu qualifizieren. Zugleich sind je-

    doch Aspekte des Rechnungswesens und Controllings deutlicher als je zuvor

    Kernbereiche betriebswirtschaftlichen Handelns und Denkens in allen Abtei-

    lungen und auf allen Hierarchiestufen, und damit liegen hier auch Kernkom-

    petenzen für alle Kaufleute. In diesem Sinne kann das Rechnungswesen als

    Schlüssel zum wirtschaftlichen Denken verstanden werden: Nur mit Hilfe des

    Rechnungswesens und der Buchführung ist es möglich festzustellen, ob ein

    Unternehmen wirtschaftlich arbeitet und Gewinne erzielt. Nur mit Hilfe der

    Buchführung kann man die notwendige Übersicht im Geschäftsablauf behal-

    ten. Und nur mit Hilfe des Rechnungswesens kann ein Unternehmen seine

    Preise kalkulieren, kann es ermitteln, ob eine Investition „sich rechnet“ oder

    welche Abteilung bzw. welche Produkte zum Erfolg beitragen.

    Mit dieser veränderten Funktion verbinden sich zugleich zwei Akzentverschie-

    bungen, die im Hinblick auf die traditionelle Ausrichtung des Rechnungswe-

    senunterrichts von erheblicher Bedeutung sind (vgl. hierzu Reichelt 2004; vgl.

    auch den Beitrag von Preiß in diesem Band):

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    Erstelldatum 08.12.2014 09:48:00 Seite 4 von 26

     Das betriebswirtschaftliche Interesse richtet sich viel deutlicher als in der

    Vergangenheit auf Prozesse in der Unternehmung, während der traditio-

    nelle Buchführungsunterricht noch immer über seine Fixierung auf die Bi-

    lanz Strukturen in den Mittelpunkt stellt. Prozesse werden (im Bilanzver-

    gleich) nur summarisch in ihren Auswirkungen auf die Bilanzpositionen in

    den Blick genommen und sie werden auch nur insoweit berücksichtigt, wie

    sie Veränderungen von Bilanzpositionen bewirken. Die Kosten- und Leis-

    tungsrechung, mit der erst die Leistungsprozesse in den Mittelpunkt gestellt

    werden, wird üblicher Weise erst im Anschluss an die Finanzbuchführung

    eingeführt.

     Aus betriebswirtschaftlicher Sicht rückt zunehmend die Funktion des inter-

    nen Rechnungswesens für Steuerungs- und Controllingprozesse in den

    Vordergrund. Und es sind genau diese Fragen, die auch aus der Sicht ei-

    nes wirtschaftsinstrumentellen Rechnungswesenunterrichts von besonde-

    rer Bedeutung sind. Fragen der externen Rechnungslegung, insbesondere

    der Bilanzierung und Bewertung stellen sich relativ abgelöst von der Steue-

    rung betrieblicher Prozesse auf einer eher unternehmenspolitischen Ebene.

    Der herkömmliche Rechnungswesenunterricht stellt demgegenüber Funkti-

    on und Normen der externen Rechnungslegung deutlich in den Vorder-

    grund, ohne dass er Fragen der Bilanzierung wirklich aus einer Gestal-

    tungsperspektive heraus thematisiert.

    Im Ergebnis ist also aus einer curricularen Sicht heraus festzustellen, dass der

    Rechnungswesenunterricht heute wichtiger denn je ist. Dies gilt allerdings nur

    unter der Vorausse