Roemer Scheich Safi Von Ardabil

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Sonderdrucke aus der Albert-Ludwigs-Universitt Freiburg

HANS ROBERT ROEMER Scheich af von ArdablDie Abstammung eines f-Meisters der Zeit zwischen Sad und fi

Originalbeitrag erschienen in: Wilhelm Eilers (Hrsg.): Festgabe deutscher Iranisten zur 2500 Jahrfeier Irans. Stuttgart: Hochwacht Dr. 1971, S. 106-116

Scheich Saft von ArdabilDie Abstammung eines Sfi-Meisters der Zeit zwischen Saccli und klfiz Von Hans Robert Roemer, Freiburg

Die Lebenszeit Scheich Safis von Ardabil, des Eponymus der safawidischen Herrscher Persiens, fr die gewhnlich die Jahre 1252 bis 1334 angegeben werden 1, berschneidet sich am Anfang mit derjenigen Saedis und reicht am Ende in die Kindheit des 1-jea Hfiz hinein. Saedi stand bei der Geburt Safis schon in vorgerckten Jahren und lebte in Schiras, als der Ahnherr der Safawiya 1279 oder kurze Zeit spter dort auf der Suche nach einem geistigen Lehrmeister eintraf 2 Da klfiz 1390 3 im Alter von 65 Mondjahren verstorben ist, drfte er um 1327 geboren und beim Tode des Scheichs erst sieben Jahre alt gewesen sein. ber ein Zusammentreffen Safis mit Saedi gibt es verschiedene Berichte. In spteren Aufzeichnungen heit es 4 er habe bei seinem Besuch in Schiras den Dichter getroffen und manche glckliche Stunde im Gesprch mit ihm verbracht". Ein Autor, der Scheich Safi noch persnlich gekannt hat, Ibn Bazz z 5 , spricht ebenfalls von dieser Begegnung, berichtet aber, der Jngling aus Ardabil habe ein Autograph eines seiner Werke, das Saedi ihm als Geschenk zugedacht hatte, zurck. ,

Mahmud B ina-Motla gh, Scheich Safi von Ardabil, Diss. phil. Gttingen 1969, S. 29 und 139 ff., hlt das von Br o wne, LHP IV, S. 42 f. ermittelte Geburtsjahr nicht fr stichhaltig und pldiert fr das Jahr 1260, oder zwei bis drei Jahre davor". 2 Er wollte den Scheich Narb ad-din 'Ali b. Buzrig ag-Sirzi aufsuchen, einen Schler Sihb ad-din Suhrawardis. Doch war Ibn Bu4rig, als dessen Todesjahr 1279 bekannt ist, kurz vor seiner Ankunft gestorben. 3 Argumente, die fr dieses (und nicht fr das vorhergehende) Jahr sprechen, findet man zusammengestellt bei Abdlbaki Glpinar 11, Hafiz Divani, Vorwort, wo auch eine Reihe weiterer Angaben zur Biographie des Dichters mitgeteilt wird; vgl. unsere Abhandlung, Probleme der Hafizforschung und der Stand ihrer Lsung, Abh. AWL (Mainz) 1951, S. 9. Auch Muhammad Q az w int hat sich in Revue de la Faculte des Lettres de Tabriz 11 (1328/1949-50), S. 30-40, fr das Todesjahr 1390 ausgesprochen. 4 So etwa der 1591 schreibende Qii Ahmad bei Erika Glassen, Die frhen Safawiden nach Qii Ahmad Qumi, Freiburg 1970, S. 120. 5 Nach Bina -Mo tl a g h, op. cit. 19 f., war Ibn Bazzz beim Tode Scheich Safts fnfundzwanzig Jahre alt oder lter, jedenfalls einer seiner Schler.1

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gewiesen, weil man mit diesem Diwn nicht zu Gott gelangen knne". Von welchem seiner Bcher hier auch die Rede sein mag 8 Saedi war damals ein anerkannter Dichter, dessen Werke groes Ansehen genossen. Es lt sich leicht ermessen, wieviel Wahrscheinlichkeit eine derartige Erzhlung fr sich hat. Bei dem Alter, in dem Hfiz zu Lebzeiten Safis stand, sind persnliche Beziehungen auszuschlieen. Ob er spter mit dem Ardabiler Orden in Berhrung kam, mag dahingestellt bleiben. In unserem Zusammenhang ist nur von Bedeutung, da die geistige Welt, in der er lebte und wirkte, derjenigen des safawidischen Ordensmeisters noch recht nahe stand. Wir haben im brigen nicht die Absicht, Scheich Safis Verhltnis zu den beiden Dichtern oder zu ihren Werken zu klren, vielmehr mchten wir einige Erwgungen ber sein Leben und seine Zeit vortragen, die letzthin Gegenstand wissenschaftlicher Forschungen gewesen sind, aber noch nicht allgemein bekannt geworden sein drften 7 . Seit Henri Masse und eAbd ar-Rasl bi ayympr ber Saedi, Qsim a n 1 und Roger Les co t ber 1- 1fiz geschrieben haben 8 wissen wir, wie wichtig es wre, genauere Kenntnis von den Zeitverhltnissen dieser Dichter zu haben. Zwar sind wir ber die damalige politische Geschichte ziemlich gut orientiert, und auch die Schleier ber den wirtschaftlichen Verhltnissen beginnen sich zu lichten 9 . Viel weniger wissen wir dagegen ber den Alltag, die sozialen Verhltnisse und die geistige Situation, die den Hintergrund fr die Werke der Dichter bildeten. Von Fortschritten unserer Kenntnisse auf diesem Gebiet wird aber ein besseres Verstndnis mancher Schwierigkeiten abhngen, die die Interpretation ihrer Dichtungen einstweilen noch bereiten. Infolge der Bedeutung, die der Ardabiler Orden schon in frher Zeit hatte und erst recht durch die politischen Unternehmungen seiner spteren Angehrigen erlangte, sind uns ber Scheich Safr mancherlei Angaben erhalten, die auf seine Lebenszeit neues Licht fallen lassen. Hieraus knnte sich auch der eine oder andere Hinweis auf historische Zusammenhnge ergeben, die hinter den Dichtungen stehen, deren Autoren der gegenwrtige Kongre gewidmet ist"., . ,

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Nach Glassen, op. cit. 120, Anm. 5, wre es der Bustn (diwn-i arr) gewesen, nach der fr Freiburger Islamstudien" im Druck befindlichen Untersuchung The Origins of the Safawids: Sieism, Sfism, and the Gult (Index) von Michel M. Mazzaoui dagegen der Gulistn. 7 Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die bereits genannten Arbeiten von Bina-Motlagh, Glassen und Mazzaoui sowie des letzteren Dissertation Shieism and the Rise of the Safavids, Princeton 1966 (nicht gedruckt). 8 M asse, Essai sur le poete Saadi, Paris 1919. tl ayy mpr, Farhang-i subanwarn, Tabriz 1340, besonders S. 269 ff. G a n i, Bahs dar sr wa-ahwl-i Hfiz, Bd. I und 11,1 (alles Erschienene), Teheran 1321-22. Le sc ot, Essai d'une chronologie de l'oeuvre de 1-.Ifiz", Bulletin d'ttudes Orientales, Bd. X, Beyrouth 1944, S. 57-100. 9 I. P. Petrushevsky, Zemledelie i agrarnie otnogeniya w Trane XIIIXIV ww., Moskau-Leningrad 1960, sowie desselben Beitrag zu The Cambridge History of Iran, Bd. V, S. 483-537, The Socio-economic Condition of Iran under the Il-Khns". 10 Den Text dieses Beitrages habe ich bei dem von der Universitt Schiras veranstalteten107

IIZunchst empfiehlt sich ein Blick auf die Quellen, die uns fr die Biographie Scheich Safis zur Verfgung stehen. Es handelt sich dabei, wenn wir von spteren Berichten oder dubiosen Werken absehen, um nur wenige Zeugnisse, allerdings verschiedenen Umfangs. Zwei davon gehen auf Hamdallh Mustaufi Qaz wini zurck, der in seiner 1330 geschriebenen Chronik Trib-i guzida 11 den Scheich Safi mit Namen als eine noch lebende Persnlichkeit bezeichnet, der das Verdienst zukomme, durch groen Einflu bei den Mongolen viele Menschen vor den von diesen ausgehenden Unbilden bewahrt zu haben. Derselbe Autor erwhnt in seinem geographischen Werk Nuzhat al-qul b 12 , das auf das Jahr 1340 zurckgeht, bei der Beschreibung von Ardabil, die Einwohner dieser Stadt huldigten in der Mehrzahl dem ifiitischen Madhab und seien Anhnger des (inzwischen) verstorbenen Scheich Safi. Nicht ganz so unanfechtbare Belege wie diese beiden sind zwei Briefe Raid ad-din Fadlallhs (hingerichtet 1318), des berhmten Staatsmannes und Historikers der Mongolenzeit, die als Nr. 45 und 49 in dessen Briefsammlung 13 enthalten sind. Der erste ist an den Scheich selbst gerichtet und bezieht sich auf eine Schenkung an seinen Konventikel, woraus das Ansehen zu erkennen ist, das der Briefschreiber dem Sfi zollt. Doch auch der zweite, der sich an Raid ad-dins Sohn Mir Ahmad richtet, den damaligen Statthalter von Ardabil, beweist die Wertschtzung des Ministers fr den Ordensmann. Reuben Levy hat gegen die Echtheit der Sammlung, in der die Briefe enthalten sind, Zweifel von einigem Gewicht angemeldet 14 In einer Auseinandersetzung mit Levy s Argumenten, von denen brigens keines sich auf die uns hier interessierenden Briefe bezieht, hat krzlich Bina-Mot1 a g h 15 Erwgungen vorgetragen, die zwar nicht alle Zweifel Levys zerstreuen, die hier zitierten Stcke aber als wahrscheinlich echt erweisen. Scheich Safi kommt auch in der Biographie des Scheichs 'Ali Hamadni (1314 bis 1385) vor, die einer von dessen Schlern, Mauln Nr ad-din Bada tO i, unter.

Sa`cli- und 171fiz-Kongre am 29. April 1971 im Asia Institute zu Schiras in englischer Sprache vorgetragen. 11 Hamdallh al-Mustaufi al-Qazwini, Trib-i guzida, Faksimile-Ausgabe von Browne und Nicholson, 2 Bde, London und Leiden 1911-14 (GMS XIV,1 und 2). 12 Qazw in i, Nuzhat al-qulb, ed. Muljammad Dabir-i Siyqi, Teheran 1336. 13 Muktabt-i Ra's'idi, ed. Muhammad Safie, Lahore 1945. 14 The Letters of Rashid al-Din Fadl-Allh", JRAS 1946, S. 74-8. 15 Scheich Safi von Ardabil, S. 140-45. Wie aus dem in Anmerkung 9 an erster Stelle genannten Werk, S. 19, hervorgeht, ist Petrushevsky von der Echtheit der Briefe berzeugt. Nheres darber drfte sich finden in seiner mir nicht zugnglichen Arbeit K woprosu o podlinnosti perepiski Ran d ad-dina po powodu R. Levy", Westnik Leningradskogo Universiteta 1948, No. 9.-

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dem Titel IGI ulsat al-manqib geschrieben hat 16 Darin wird der Traum eines Sfi mitgeteilt, der auf den Ardabiler Ordensmeister an und fr sich nicht gut zu sprechen war. In diesem Traum erscheint Safi im Paradies als einer von zwei Trhtern des Propheten Muhammad. Die Hauptquelle fr Scheich Safi ist indessen ein Werk mit dem Titel Saf wat ae-saf oder Mawhib as-saniya fi 1-manqib as-safawiya, das um 1358 von Tawakkuli b. Ismll b. 1714g al-Ardabili, bekannt unter dem Namen Ibn Bazzz, den wir soeben schon erwhnten, geschrieben worden ist. Der Verfasser war ein Angehriger des safawidischen Ordens, der bei dem Tode Scheich Safis zu dem engen Kreis um den Meister gehrt haben" mu 17 , weil er nmlich ber dessen Todesstunde und sein Begrbnis allem Anschein nach als Augenzeuge berichtet. Ihm kam es vor allem darauf an, in seinem Buch Wundertaten seines Meisters festzuhalten, fr die er jeweils Gewhrsleute nennt, hufig Scheich Sadr ad-din, den Sohn und Nachfolger Salis, aber auch einfache Ordensangehrige (muridn) und Emissre (bulaf'), sowie Pfrtner, Bcker und Kche, also