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Populationsdichten des Rotfuchses im Stadt-Land-Gradienten und deren Determinanten 89Beitrge zur Jagd- und Wildforschung, Bd. 38 (2013) 8994

Beitrge zur

forschung 38

Einleitung

Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) zhlt zu einer der am intensivsten erforschten Wildarten. Seine Biologie erffnet ihm, wie kaum einer ande-ren Tierart, eine groe Flexibilitt in Bezug auf Raum- und Habitatnutzung, Ernhrungsstrate-gie, Populationsdynamik und Sozialverhalten (Janko 2012). Das groe Verbreitungsareal basiert zustzlich auf der enormen Anpassungs-fhigkeit an die Umwelt und an sich ndernde Umweltbedingungen. Seine Biologie und die Anpassungsfhigkeit erffnet dem Rotfuchs die erfolgreiche Besiedlung mannigfaltigster Lebensrume. Neben der offenen Kulturland-schaft zhlen zum Lebensraum des Rotfuchses heute auch unsere Drfer, Kleinstdte (Janko 2003, Janko 2012) und Grostdte (Brner et al. 2009, knig 2005). Im vorliegenden Beitrag wird die Frage nach der Populationsdichte des Fuchses in einem integralen Ansatz auf groer Flche untersucht. Das Untersuchungsgebiet umfasst sowohl den lndlichen Raum im Land-kreis Starnberg, als auch die darin eingebetteten Drfer und Kleinstdte und Teile der angren-zenden Grostadt Mnchen. Alle drei Habita-te a.) Grostadt, b.) Drfer/ Kleinstadt und c.) lndlicher Raum (ohne Drfer/Kleinstdte) lie-gen in einem Untersuchungsraum und sind, im

Christof Janko, Daniel trappmann, Wolfgang sChrDer, stefan linke, anDreas knig, Freising

Populationsdichten des Rotfuchses (Vulpes vulpes) im Stadt-Land-Gradienten und deren DeterminantenSchlagworte/key words: Populationsdichte, Vulpes vulpes, Rotfuchs, urban, rural

Vergleich zu anderen Studien, nicht rumlich voneinander getrennt. Methodisch wird auf die Welpenbaukartierung und die Radiotelemetrie zurckgegriffen. Mithilfe dieser unterschied-lichen Methoden konnten fr die drei Lebens-raumtypen die jeweiligen Populationsdichten ermittelt werden. Abschlieend werden die De-terminanten herausgearbeitet, welche die un-terschiedlichen Populationsdichten in den drei Lebensrumen erklren.

MethodeUntersuchungsgebietDas Relief des Untersuchungsgebietes im Landkreis Starnberg und der daran angrenzen-den Grostadt Mnchen entstand in erster Linie durch die glaziale berprgung der letzten Eis-zeit vor etwa 10.000 Jahren. Daraus resultierte eine fr das Alpenvorland typische hgelige Mornenlandschaft, die Fchsen gute Mglich-keiten zur Anlage von Bauen bietet. Ein Viertel der Flche wird von Wald bedeckt, ein weiteres Viertel entfllt auf landwirtschaftliche Nutz-flchen und Grnland. In die Landschaft ein-gebettet liegen Drfer und Kleinstdte. In den Ortschaften Herrsching am Ammersee und See-feld leben zwischen 3400 und 8600 Einwohner.

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Fr den urbanen Raum wurde die Gemeinde Grnwald herangezogen. Grnwald gehrt zum Landkreis Mnchen, hat stdtischen Charakter, und in der Gemeinde leben rund 11000 Brger.

WelpenbaukartierungDie Anzahl an Fuchswrfen in einem Gebiet stellt die Grundlage fr die Ermittlung der Po-pulationsdichte dar. Hieraus wird zunchst die Fuchsfamiliendichte (Fuchsfamilien/km) er-mittelt. Anschlieend erfolgte die Berechnung des Frhjahrsbesatzes (Altfchse/km) nach der Methode von stuBBe (1988). Der Frhjahrsbe-satz ergibt sich hierbei aus der Multiplikation der Fuchswrfe pro Flche mit dem Faktor 2,5. Beim Faktor 2,5 wird ein verschobenes Ge-schlechterverhltnis von 1,5:1 (Rden :Fhen) angenommen, zudem schliet der verwendete Faktor den Protzentsatz nichttrchtiger Fhen ein. Die Welpenbaukartierung fand in den Frh-jahrsmonaten statt (April bis Juni). Um die Anwesenheit von Fuchswelpen festzustellen wurden mehrmalige Baukontrollen durchge-fhrt. Als Anzeichen fr das Vorhandensein von Fuchswelpen dienten Sichtkontakte, Losung, Welpenspielpltze, Spuren und Beutereste am Bau. In Einzelfllen wurden fotographische Nachweise per Fotofallen zur Feststellung von Welpen eingesetzt. Die rtliche Bevlkerung wurde im Rahmen einer intensiven ffentlich-keitsarbeit aufgerufen Fuchs- und Welpenbaue zu melden (Janko 2012).

RadiotelemetrieDie Abschtzung der Fuchsdichte basiert auf der Annahme, dass innerhalb der Homeran-ge im Minimum zwei Fchse leben und keine

geschlechtsspezifischen berlappungen vor-kommen (maCDonalD 1983). In der Praxis ist es schwierig Fhe und Rde eines Familienver-bandes und der benachbarten Familienverbnde zu fangen, daher verursacht diese Berechnungs-methode eine Unterschtzung, so dass diese Methode eine Minimumpopulationsdichte wie-dergibt (Janko et al. 2012). Basierend auf der durchschnittlichen Homerangegren von Alt- und Jungfchsen und der Annahmen, dass F-hen im mitteleuropischen Raum vier bis fnf Welpen werfen (stuBBe 1988, keuling et al. 2010) lassen sich Frhjahrs- und Sommerbest-ze berechnen (Janko et al. 2012). Diese Dichte stellt wie angemerkt die Minimaldichte fr ei-nen Lebensraum dar. Zur Ermittlung der Streif-gebietsgren fr Jung- und Altfchse wurden 22 Fchse gefangen, mit VhF Halsbandsendern ausgestattet und anschlieend telemetriert.

Ergebnisse

In der Grostadt betrgt die Dichte rund 16 Alt-fchsen pro km2 im Frhjahrsbestand und liegt somit mehr als zehnmal so hoch wie in Wald- Feldgebieten des lndlichen Raumes, wo die Dichte bei einem Fuchs pro km2 liegt. In Dr-fern und Kleinstdten liegt die Populationsdich-te bei 2,5 Altfchsen im Frhjahrsbestand. Die-ser Wert berechnet sich aus zwei untersuchten Drfern mit 1,7 respektive 3,3 Altchsen pro km2. Diese stellen die Ergebnisse der Welpen-baukartierung dar (Tabelle 1). Whrend Fchse des lndlichen Raumes ihre Wurfbaue zu 80 % in Wldern und in Waldrandbereichen anlegten, fanden sich die Wurfbaue urbaner Fchse zu 96 % in Grten. Die Radiotelemetriestudie weist durchschnittli-chen Homerangegren von 74,6 ha (95MCP)

Habitat Methode Gebiet FuchsdichteFrhjahrFuchsdichte

Sommer

Grostadt Wurfbaukartierung Grnwald 15,7/km 33,3/kmDorf/Kleinstadt Wurfbaukartierung Herrsching 2,5/km 6,5 kmDorf/Kleinstadt Radiotelemetrie Herrsching 2,7/km 13,4/kmlndlicher Raum Wurfbaukartierung LK Starnberg 1,0/km 2,7/km

Tabelle 1 Fuchsdichten in den Lebensrumen Grostadt, Drfer/Kleinstadt und lndlicher Raum anhand Welpenbaukartierung und Radiotelemetrie

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aus. Adulte Fuchse besetzten mit 96,0 ha sig-nifikant grere Homerange als subadulte In-dividuen mit 35,3 ha (Mann-Whitney-U-Test: p = 0,003) (Janko et al. 2012). Darauf basierend berechnete sich eine Dichte von 2,7 Altfchsen pro km2 fr Drfer und Kleinstdte.

Diskussion

Je stdtischer der Lebensraum desto hher die Fuchsdichte, lauten die Ergebnisse der Studie. Hierbei folgt die Fuchsdichte einem Stadt- Land Gradienten und nimmt von Offenlandbe-reichen ber Drfer und Kleinstdte bis hin zur Grostadt kontinuierlich zu. Die Ergebnisse stehen im Kontext zu Studien zu Fchsen der Offenlandschaft und Stadtfch-sen (harris 1980, maCDonalD 1981, Cavalli-ni & lovari 1994, reynolDs & tapper 1995, Dekker et al. 2001, kaphegyi 2002, marks & BloomfielD 2006) und zeigen, dass Fuchsdich-ten in groben Einheiten nach Lebensrumen definierbar sind (Abb. 1). Diese Grundaussage wird im Besonderen ermglicht durch die Er-gebnisse zu Dorffchsen, welche die bisherige Wissenslcke zu diesem Lebensraum schliet. Dorffchse nehmen sowohl in ihrer Raumnut-zungsverhalten und der daraus resultierenden Populationsdichte eine Zwischenstellung ein. Sie zeigen ein wechselseitiges Raumverhalten, durchstreifen in der Nacht die Ortschaften und die daran angrenzenden Wiesen, Wlder und Felder und ziehen sich tagsber in Wald- und Schilfgebiete zurck. Gelegentlich werden Tagesschlafpltze innerhalb der Drfer in ver-wilderten Grten oder unter Gartenhtten be-zogen. Ihr Aktivittsraum beschrnkt sich auf die Ortschaften und einen Bereich von rund 500 m um die Siedlungen (Janko et al. 2012). Dies ist der Raum, auf welchen sich die Bau-kartierung als Kernlebensraum der Dorffchse konzentriert hat. Hieraus ergibt sich eine Dichte von 2,5 Altfchsen pro km2 aus der Welpen-baukartierung. Dem gegenber stehen die Te-lemetrieergebnisse mit 2,7 Altfchsen pro km2. Die Dichtewerte harmonieren im Kontext gut, verursachen jedoch in der Detailbetrachtung diskussionsbedarf. So variieren die Fuchsdich-ten zweier untersuchter Drfer zwischen 1,7 und 3,3 Altfchsen pro km2. Die Mechanismen

dieser vorgefundenen Dynamik sind schwer definierbar. Neben jhrliche Schwankungen in der Fuchspopulation knnten ebenso Vorlieben oder Abneigungen der Fhen bei der Wurfbau-wahl eine Rolle spielen. Eine gewichtige Rolle spielt dabei die unterschiedlich intensive An-passung von Fchsen an den Menschen. Dies zeigte sich beispielweise in der Nutzung der Ortschaft als Tagesschlafplatz durch Fchse, wobei einzelne Individuen diese Hemmschwel-le berwinden, der Groteil aber nicht (Janko 2012). Sicher ist, dass das potentielle Wurf-platzangebot (Garagen, Gartenhtten, Terras-sen) in Drfern und Kleinstdten hoch ist und derzeit nicht ausgeschpft wird. Angenommen wird weiterhin, dass im stdtischen Lebens-raum die Anpassungsfhigkeit des Fuchses an den Menschen eine elementare Rolle bei dessen Neuerschlieung und Besetzung spielt. Nimmt die Fhe den Menschen nicht als Gefahr war, bieten Gartenhtten oder Garagen optimale Wurfbaustandorte, die aufgrund ihrer innerrt-lichen Lage schnellen Zugang zu einem ber-angebot an Nahrung ermglichen. Sie erfllen somit zentrale Parameter bei der Wurfplatzaus-wahl. In einem Fall wurde dokumentiert, dass eine besenderte Fhe (35jhrig) ihren Wurfbau gezielt in ortsrandnhe verlagerte und somit in einen Bereich den sie das restliche Jahr ber nicht frequentierte. Einen Fuchsbau in ihrem Streifgebiet nutzte sie im Winter, nicht aber als Wurfbau im Frhjahr. Generell schwanken Fuchsdichten ebenso in anderen Lebensru-men, dennoch sollten die Mechanismen der Popu