Holighaus/Reis: »Das verfluchte Nest!« K¶nig Ludwig II. und M¼nchen

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    09-Mar-2016
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König Ludwig II. von Bayern hat zu Lebzeiten wahrlich der »Bauteufel« geritten hat – seine Prunkschlösser im bayerischen Voralpenland zeugen davon and ziehen bis heute Millionen Besucher aus aller Welt an. Umso erstaunlicher ist es, dass die Haupt- und Residenzstadt München in den zwanzig Jahren seiner Regierungszeit praktisch leer ausging. Kein einziges Bauwerk entstand hier und nur ganze drei Monate im Jahr hielt es Ludwig überhaupt in diesem »verfluchten Nest« aus. Woher diese Abneigung rührte und wo der »Kini« aber trotzdem in München zu finden ist, zeigt der an Überraschungen reiche Spaziergang von Kristin Holighaus und Barbara Reis.

Transcript of Holighaus/Reis: »Das verfluchte Nest!« K¶nig Ludwig II. und M¼nchen

  • Allitera Verlag

  • Mnchner STATTreisen Band 3

    Bisher erschienen:

    Susanna LajtosIn luxurisen BettenMnchner Nobelherbergen und ihre Geschichte(Band 1)

    Christian ErtlMachts den Krach leiser! Popkultur in Mnchen von 1945 bis heute(Band 2)

    Angelika Dreyer & Carmen FinkenzellerAuf gehts, auf dWiesn! Ein Spaziergang ber das Oktoberfest(Band 4)

  • Kristin Holighaus & Barbara Reis

    Das verfluchte Nest!Knig Ludwig II. und Mnchen

    Allitera Verlag

  • Weitere Informationen ber den Verlag und sein Programm unter:www.allitera.de

    Fr unsere groartigen Mnner danke fr die stete Untersttzung!

    K. H. und B. R.

    Mai 2011Allitera VerlagEin Verlag der Buch&media GmbH, Mnchen 2011 Buch&media GmbH, MnchenRedaktion: Dietlind Pedarnig, MnchenLayout: Kay Fretwurst, FreienbrinkUmschlaggestaltung: Dietlind Pedarnig & Alexander Strathern, MnchenGestaltung Stadtplne: Victoria Keller, MnchenKnig-Ludwig-II-Icon: Friedrich Wall, FreienbrinkHerstellung: TZ-Verlag und Print GmbH, RodorfPrinted in Germany isbn 978-3-86906-103-0

  • Inhalt

    Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

    Standpunkt 1 St. MichaelTod und Mythos . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11

    Standpunkt 2 FrauenkirchePrinz und Bruder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17

    Standpunkt 3 MarienplatzVerfluchtes Nest und moderne Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27

    Standpunkt 4 DienerstrasseGedeih und Verderb . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37

    Standpunkt 5 NationaltheaterWahn und Wagner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43

    Standpunkt 6 Hofkapelle der ResidenzLebende und Tote . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51

    Standpunkt 7 CuvillistheaterTheater und Separe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 59

    Standpunkt 8 OdeonsplatzKrieg und Frieden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 67

    Standpunkt 9 Caf Tambosi Vter und Erzeuger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 77

    Standpunkt 10 Eingang HofgartenNibelungen und Paradiese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83

    Standpunkt 11 Kaiser- und ApothekenhofFrauen und Mitbewohner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91

    Standpunkt 12 MarstallPferde und Reiter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 101

    Standpunkt 13 MaximilianeumAbsetzung und Entmndigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 107

    Standpunkt 14 MaximiliansanlagenEnde und Anfang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115

    Knig-Ludwig-Lied . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124

    Anhang . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126Zeittafel, Literatur (Auswahl), Bildquellen

  • 7Nein, gemocht hat er sie wirklich nicht, die Residenzstadt Mnchen. Im Gegenteil. Wenn man das ver-fluchte Nest doch nur an allen Ecken anznden knnte!, schumte Lud-wig II. gar nicht kniglich-vornehm gegenber einem Mitglied seines Kabinetts. Und in der Tat: Wo er nur konnte, mied der Monarch die bayeri-sche Hauptstadt und ihre Bewohner. Nur ganze fnf Mal besuchte er als Monarch das Oktoberfest! Ein Faux-pas, den sich auch die Regierenden von heute nicht erlauben drfen: Man stelle sich vor, ein bayerischer Minis-terprsident wrde sich nicht auf dem grten Volksfest der Welt zeigen!Ludwig beklagte sich bei Richard Wagner ber den Mnchner Plebs, bezeichnete Mnchen mehr als ein-mal als unselige Stadt und fr kurze Zeit zog er sogar in Erwgung, seine Residenz ganz nach Nrnberg zu verlegen. Ja berhaupt, so sein kniglicher Stallmeister, habe Seine Knigliche Hoheit den berhaupt nicht frommen Wunsch geuert, dass ganze bayerische Volk mge nur

    einen Kopf habe, damit man es auf ei-nen Streich hinrichten lassen knne. Dementsprechend lie er sogar ernst-haft prfen, wo er sein Idealbild eines Knigtums von Gottes Gnaden auer-halb Bayerns verwirklichen knnte. Zum Beispiel in Afghanistan Von den 296 Regierungstagen seines ersten Jahres als Knig verbrachte Ludwig gerade einmal 68 in Mn-chen, insgesamt also nicht mehr als drei Monate. Im Sommer und Winter regierte er lieber von seinen Schlssern und Berghtten aus was das Leben fr seine Kabinettsekret-re, die ihm hinterherreisen mussten, nicht gerade einfacher machte. Lie er sich anfangs noch auf Bllen in der Stadt sehen und gab Hoftafeln in der Residenz, so zog er sich ab 1870 im-mer mehr von der Stadt und seinem Volk in die Einsamkeit in der Natur zurck. Am Ende konnte der Mon-arch so gut wie gar keine Auftritte in der ffentlichkeit mehr ertragen.Wenn Ludwig von seinen Winter-aufenthalten in Schloss Hohen-schwangau zurckkehren musste,

    Vorwort

  • 8wollte er unterwegs oft noch umkeh-ren. In Mnchen angekommen, ver-lie er dann mehrere Tage seine Wohnung nicht und klagte ber Un-wohlsein. 1877 beschrieb Ludwig in einem Brief die Residenz als seinen goldenen Kfig und erklrte weiter: Kaum kann ich das Heranrcken je-ner seligen Tage im Mai erwarten, um die verhate, unselige Stadt auf lange Zeit zu verlassen, an welche mich nichts fesselt, die ich mit unber-windlichem Widerwillen bewohne.Kein Wunder, dass Ludwig die Tra-dition seines Grovaters Ludwig I. und seines Vaters, Maximilian II., nicht fortsetzte und Mnchen kei-nen eigenen architektonischen Stempel aufdrckte. Abgesehen da-von, dass sich die Landeshauptstadt zu dieser Zeit generell vom knig-lichen Einfluss emanzipierte, war Ludwig auch endgltig beleidigt, seit er den Traum vom eigenen Fest-spielhaus fr seinen Freund Richard Wagner hier nicht verwirklichen konnte. Und trotzdem: Wenn man sich in Mnchen auf die Suche nach Knig Ludwig II. macht, fgen sich wie bei einem Puzzle Stck fr Stck wich-tige Stationen seines Lebens zusam-men. Dabei dem wahren Ludwig auf die Spur kommen zu wollen, ist allerdings ein Ding der Unmglich-keit. Vielleicht ist es ja gerade seine Widersprchlichkeit und Zerrissen-heit, die es zu entdecken gilt.Auf der einen Seite pflegte Ludwig sich als Person des ffentlichen Le-bens. Er liebte die Fotografie und war ein groer Frderer dieser neu-en Technologie, bei jeder Gelegen-heit verteilte er Karten mit seinem Konterfei und signierte sie auch. Auf der anderen Seite lie er das Theater vom Publikumsverkehr ru-

    men, um nicht gestrt zu werden, und lieber versenkte er sich in den Anblick der Berge als in den der bay-erischen Brger. Das Volk hat dem Monarchen zu Lebzeiten seinen re-alen und emotionalen Rckzug sehr wohl bel genommen und es stellt sich die Frage, warum gerade er, der sich nicht besonders volksnah zeig-te, nach seinem Tod zu solch einer Ikone wurde. Der streng auf hfi-sche Etikette bedachte Ludwig lebte weder bayerisches Brauchtum noch Sprache. Von seinem Personal hat er gefordert, dass es beim Servieren der Gerichte diese korrekt auf Franz-sisch ankndigte. Wenn da auf Bai-erisch etwas Falsches gesagt wurde, soll er sogar Strafen angedroht ha-ben. Er war beileibe nicht der Kini, sondern Seine Majestt oder Le Roi und im Gegensatz zu seinem Vater Maximilian II. oder seinem populren Nachfolger, Prinzregent Luitpold, war ihm die Distanz zum Volk gerade recht. Dennoch wurde Ludwig nach sei-nem Tod bald wie ein Heiliger ver-ehrt. Sein Konterfei schmckte jede zweite Postkarte aus Bayern von denen ein Groteil aberwitzig kit-schig war und es setzte sich eine gigantische Maschinerie in Bewe-gung, die bis heute Kapital schlgt aus dem Monarchen und seinen Bauten. Und zwar weltweit Es ist notwendig, sich Paradiese zu schaffen, poetische Zufluchtsorte, wo man auf einige Zeit die schau-derhafte Zeit, in der wir leben, ver-gessen kann, hat Ludwig einmal gesagt. Mnchen war ihm kaum ein solcher Zufluchtsort und dennoch: Spuren des berhmtesten aller baye-rischen Knige findet man einige, wenn man mit wachen Augen durch Mnchens Straen geht.

  • 11

    Mnchen trgt Trauer19. Juni 1886: Knig Ludwig II. von Bayern wird in der Jesuitenkirche St. Michael beigesetzt und Mnchen trgt Trauer. Alle Geschfte sind ge-schlossen, an den Husern hngen schwarze Fahnen aus. Tausende su-men die Straenrnder, um Ludwig auf seinem letzten Weg die Ehre zu erweisen. Entlang der Wegstrecke

    des Trauerzugs werden Fensterplt-ze fr teures Geld angeboten, wer einen ergattern kann, hat jetzt eine gute Sicht von oben. Mittags, gegen Viertel vor 1 Uhr, verlsst der Sarg mit dem toten K-nig die Hofkapelle in der Residenz. Ursprnglich sollte er auf krzes-tem Weg nach St. Michael gebracht werden. Doch wegen