Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe Schriftenreihe der Evangelischen Hochschule...

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  • Denken und Handeln

    Beiträge aus Wissenschaft und Praxis Neue Folge Band 16

    Sandra Sadowski / Katharina F. Trelenberg / Sebastian Rose / Marina Knäpper

    Prämierte Abschlussarbeiten

  • Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe

  • Denken und Handeln

    Beiträge aus Wissenschaft und Praxis Neue Folge Band 16

    Sandra Sadowski / Katharina F. Trelenberg / Sebastian Rose / Marina Knäpper

    Prämierte Abschlussarbeiten

  • Denken und Handeln Beiträge aus Wissenschaft und Praxis

    Schriftenreihe der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe

    Herausgegeben von Esther Almstadt, Lars Klinnert, Stefan Schache

    Neue Folge Band 16

  • Sandra Sadowski, Katharina F. Trelenberg,

    Sebastian Rose, Marina Knäpper

    Prämierte Abschlussarbeiten

    Bochum, August 2016

  • Online: www.evh-bochum.de

  • Anne Larissa Feierabend – Inklusives Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung auf Grundlage von Artikel 19… ________________________________________________________________________________________________

    5

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort 7

    Sandra Sadowski

    Zwischen Resilienz und Retraumatisierung.

    Grenzgänge unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland 9

    Katharina F. Trelenberg

    Kirchenasyl als Möglichkeit politischer Positionierung von Kirche 125

    Sebastian Rose

    Erlebnis und Spiritualität als gemeindepädagogische Herausforderung 189

    Marina Knäpper

    Grundverschieden oder doch ähnlich?

    Vergleich der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland und Chile 266

  • _____________________________________________________________________________________

    6

  • Vorwort ________________________________________________________________________________________________

    7

    Vorwort

    Die in diesem Band abgedruckten vier Abschlussarbeiten von Studierenden an der Evangelischen Hochschule RWL wurden 2015 fertig gestellt. Sie wurden als herausragende Arbeiten am Ende des Wintersemesters 2015/16 mit Förderpreisen ausgezeichnet. Die Entscheidung traf eine Jury, in der die Organisationen vertreten sind, die Preise für besonders überzeugende Abschlussarbeiten gestif- tet haben: Der Verein der Freunde und Förderer unserer Hochschule, der Neukirchener Erziehungs- verein, das Evangelische Johanneswerk und die Diakonie Ruhr. Ich danke den genannten Organisa- tionen sehr herzlich für die Stiftung der Förderpreise. Vertreterinnen und Vertreter dieser Einrich- tungen haben alle eingereichten Arbeiten sorgsam gesichtet – und dabei insgesamt rund 1000 Sei- ten durchgearbeitet. Den Mitgliedern der Jury – Prof. Dr. Sigurd Hebenstreit, Klaus Biedermann, Dr. Bodo de Vries und Frau Pfarrerin Ursula Borchert möchte ich sehr herzlich für die damit verbundene Arbeit danken. Nach Auffassung der Jury zeichnen sich die vier prämierten Abschlussarbeiten insbe- sondere dadurch aus, dass sie jeweils ein aktuelles Thema aus einem Bereich des Sozial- und Bil- dungswesens sowie von Kirche und Diakonie luzide darstellen, wissenschaftlich sehr gut durchdrin- gen und praxisorientiert reflektieren. Den Autorinnen und dem Autor der prämierten Bachelorarbeiten gratuliere ich von Herzen. Die Förderpreise sind Zeichen der Anerkennung für hervorragende Leistungen. Die Arbeiten, die in pa- radigmatischer Weise zeigen, wie der Regelkreis von Theorie und Praxis, produktiv gestaltet werden kann, verdienen es, öffentlich zugänglich gemacht zu werden. Die Abschlussarbeiten geben zu den- ken und bieten Impulse für das Handeln. Die Veröffentlichung der Bachelorarbeiten in der Schriften- reihe unserer Hochschule vermag hoffentlich auch Studierende, die ihre Bachelor- oder Masterthe- sis noch zu schreiben haben, anzuspornen und zu ermutigen. Sandra Sadowski behandelt Möglichkeiten und Grenzen sozialpädagogischer Arbeit mit unbegleite- ten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) – und damit eine Thematik, die im Kontext der sog. Flücht- lingskrise hoch aktuell ist. Rechtliche Grundlagen und lebensweltliche sowie lebenslagenspezifische Bedingungen kommen zur Darstellung. Signifikante Ambivalenzen und Spannungsfelder, die für die Situation der UMF und Sozialer Arbeit kennzeichnend sind, werden markiert: Dauerunsicherheit und Vertrauen, Marginalisierung und Integration, Hilfebedarf und Autonomie, Retraumatisierung und Resilienz. Die Arbeit zielt darauf zu zeigen, welcher rechtlicher Änderungen es bedarf und wie sozial- pädagogische Interventionen zu konzipieren sind, um die Resilienz unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zu fördern. Ebenfalls im Zusammenhang mit der aktuellen Flüchtlingsthematik erörtert Katharina Trelenberg das „Kirchenasyl als Möglichkeit politischer Positionierung von Kirche“. Sie untersucht die geschichtliche Entwicklung des kirchlichen Asyls und analysiert die heutige Praxis. Theologische wie menschen- rechtliche Begründungszusammenhänge werden zur Geltung gebracht. Mit Hilfe von Expertenin- terviews kommen Motive und Handlungsorientierungen kirchlicher Akteure in den Blick. Die Verfas- serin versteht Kirchenasyl als „zivilen Ungehorsam im Sinne der Wahrung der Menschenwürde“, der nicht in Opposition zum Rechtsstatt steht, sondern darauf zielt, rechtliche und politische Handlungs- spielräume auszuloten. Kirchenasyl ist konkretes Eintreten für Menschen, die von Abschiebung be- droht sind und deren Leben damit bedroht erscheint. Zugleich ist damit in fundamentaler Weise die Demokratie im Blick. Kirchenasysl versteht sich dezidiert als ein Dienst am Rechtsstaat, indem es den Staat an Gerechtigkeitslücken erinnert.

  • Vorwort _____________________________________________________________________________________

    8

    Die Bachelorarbeit von Sebastian Rose geht von der Beobachtung aus, dass zunehmend versucht wird, Jugendlichen die christliche Botschaft durch erlebnispädagogische Events mit spirituellen Kon- notationen schmackhaft zu machen. Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, ob christliche Spiritualität durch bestimmte Erlebnisse pädagogisch gezielt angebahnt werden kann bzw. ob und wie Gemeindepädagogik methodisch angemessen auf den „Zusammenhang von Erlebnis und Spiri- tualität“ einzugehen vermag. Kennzeichnend für die Arbeit ist ein interessanter Bogen zwischen the- oretischer Fundierung und praktischer Ausrichtung. Grundlegende Begriffe: Leben – Erleben – Er- lebnis – Erfahrung, werden in interdisziplinärer Perspektive erhellt und sorgfältig differenziert. Ent- sprechende Phänomene werden im Sinne einer spezifischen Lesart theologisch gedeutet. Praxis- Modelle belegen schließlich, wie Bildungsbemühungen eine erlebnisgrundierte Spiritualität ermögli- chen und zur Subjektwerdung beitragen können. Marina Knäpper vergleicht in ihrer Abschlussarbeit die Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland mit der in Chile. Der Blick auf ein anderes System – so die Autorin – kann helfen, Konturen der eigenen Praxis scharf herauszuarbeiten und kritisch zu reflektieren. Bemerkenswert ist, dass und wie sich die Verfasserin im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in dem südamerikanischen Land die Kenntnisse der chilenischen Kinder- und Jugendhilfe selbst erschlossen hat - durch das Studium einschlägiger Literatur, umfangreiche Gesetzesrecherchen und Experteninterviews Die Systeme in Deutschland und Chile werden jeweils analysiert und kontextuell verortet. Dabei treten unterschied- liche Herausforderungen, rechtliche Grundlagen, Finanzierungswege und Interventionsmöglichkei- ten, aber auch Gemeinsamkeiten zutage. Ich bin überzeugt, dass die vorliegenden Abschlussarbeiten wichtige Anregungen und Anstöße für die einschlägigen Fachdebatten beinhalten, und hoffe, dass sie auf großes Interesse stoßen. Bochum, im September 2016 Prof. Dr. Gerhard K. Schäfer, Rektor

  • Sandra Sadowski – Zwischen Resilienz u. Traumatisierung – Grenzgänge unbegl. minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland ________________________________________________________________________________________________

    9

    Sandra Sadowski

    Zwischen Resilienz und Retraumatisierung.

    Grenzgänge unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutsch-

    land

    1. Einleitung

    1.1 Problemstellung und Zielsetzung

    Unbestreitbar ist das 21. Jahrhundert stark durch jene Prozesse beeinflusst, die oftmals unter der Aufschrift der Globalisierung subsumiert werden. Dies betrifft insbesondere die Zunahme medialer Berichterstattung, welche es ermöglicht direkte Einblicke in die verschiedensten Bereiche des Welt- geschehens zu erhalten. In der heutigen Zeit stellt es beinahe eine Unmöglichkeit dar, nicht über die Kriegs- und Krisenherde sowie die katastrophalen Lebensbedingungen in anderen Teilen der Welt informiert zu sein. Anders verhält es sich mit der Notwendigkeit jene Missstände gezielt ver- handeln und partiell Verantwortung für sie übernehmen zu müssen. Nicht nur angesichts des er- schreckenden Umgangs mit Flüchtlingen an den europäischen Außengrenzen erweist sich ein derar- tiges Verhalten als naiv, kurzsichtig und inhuman. Es löst weder vorhandene Problematiken der Welt- und Flüchtlingspolitik, noch mindert es die Zahl zwangsgeflüchteter Personen. Angesichts des Selbstverständnisses Sozialer Arbeit dürfen je