Zukunft 5 - FACTS · PDF file können sie die Herausforderungen, die sie stellt, meistern...

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    04-Jun-2020
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  • FACTS 2-3/201842

    FACTS-TITEL Digitalisierung Moderne Arbeitswelten

    Zukunft 5.0 – wer verpasst den Anschluss? Kein Diskussionsbeitrag, kein Fernsehbericht, kein Vortrag, der sich nicht auf den mittlerweile zum universalen Schlachtwort mutierten Begriff Digitalisierung bezieht. Sogar Politiker haben die magische Parole für sich entdeckt und dozieren darüber in allen Variationen. Doch wie sieht die Realität aus? Wie weit sind Unternehmen mit der Umsetzung der digitalen Transformation? Und wie können sie die Herausforderungen, die sie stellt, meistern und die Potenziale, die sie birgt, erschließen?

  • 2-3/2018 FACTS 43

    Moderne Arbeitswelten

    D ie digitale Transformation überrollt Gesellschaft und Wirtschaft in einem nie da gewesenen Tempo. Kein Bereich, der vom

    Wandel unberührt bleibt. Was die Folgen die-

    ser tiefen Veränderung unserer gesamten Welt

    angeht, so sind manche bereits seit Jahren er-

    kennbar und prägen unseren Alltag. Andere

    dagegen bleiben unvorhersehbar oder zumin-

    dest nur sehr ungenau darstellbar.

    Und doch scheinen alle darüber Bescheid

    zu wissen, allen voran die Politik. So halten

    Vertreter verschiedenster Parteien, ungeachtet

    ihrer sonstigen Ansichten, unermüdlich die

    gleiche Rede. Stets geht es darum, im Rahmen

    einer perfekten Vernetzung von Wirtschaft

  • Moderne ArbeitsweltenFACTS-TITEL Digitalisierung

    und Wissenschaft den Technologietransfer

    zu forcieren und Innovationen zu erschaffen.

    Dabei wolle man die Industrie unterstützen

    und Forschung sowie Bildung fördern.

    Zweifellos schöne Parolen und idyllische

    Aussichten. Wenn da nicht die ernüchternde

    Realität wäre. „Derzeit schöpft Deutschland

    lediglich zehn Prozent seines digitalen Po-

    tenzials aus und bleibt damit nicht nur weit

    hinter dem Spitzenreiter USA (18 Prozent)

    und anderen führenden Ländern wie Großbri-

    tannien (17 Prozent), Schweden (15 Prozent)

    oder Frankreich (12 Prozent) zurück, sondern

    liegt auch deutlich unter dem europäischen

    Durchschnitt von 12 Prozent“, schreiben die

    Verfasser der von McKinsey Anfang 2017 ver-

    öffentlichten Kurzstudie „Die Digitalisierung

    des deutschen Mittelstands“. Im Umkehr-

    schluss bedeute dies: Würde es Deutschland

    gelingen, zur internationalen Spitze aufzu-

    schließen, ließe sich bis 2025 eine zusätzliche

    Wertschöpfung zwischen 374 und 603 Milli-

    arden Euro jährlich generieren.

    EIN LANGER WEG

    Doch davon sind wir noch weit entfernt.

    „Die Umfrageergebnisse machen besonders

    eines deutlich“, betonen die Autoren. „Zwar ist

    das Thema Digitalisierung im Mittelstand an-

    gekommen, doch die meisten mittelständi-

    schen Unternehmen haben erst in Ansätzen

    die notwendigen Schlüsse aus dieser ,Revolu-

    tion in Lichtgeschwindigkeit‘ gezogen – und

    sind auch deshalb bislang nur eingeschränkt

    in der Lage, ihr Geschäftsmodell zu digitalisie-

    ren und Digitalisierung ,at scale‘ umzusetzen.“

    Soll heißen: Der Mittelstand erkenne die Re-

    levanz der Digitalisierung, betrachte diese aber

    primär noch als bloßes IT-Phänomen und als

    Hebel allein zur Produktivitätsverbesserung,

    weshalb nicht nur attraktive Chancen wie et-

    wa die Erschließung neuer Geschäftsfelder

    mittels Digitalisierung auf der Strecke blieben,

    sondern mittel- und langfristig auch die Wett-

    bewerbsfähigkeit Schaden nehmen könne.

    Dabei eröffnet die digitale Transformation

    mittelständischen Unternehmen viele Chan-

    cen, denn mit dem wohlklingenden Begriff

    ist die Entwicklung von Technologien ge-

    meint, die es erlauben, Daten in elektroni-

    scher Form zu erfassen und aufzubereiten, zu

    speichern und zu übertragen. Der Einsatz

    dieser digitalen Technologien und die Bereit-

    stellung der Daten, die sie produzieren, ver-

    DIGITALE TRANSFORMATION: Sie erweist sich als eine komplexe Angelegenheit und stellt alle Wirtschaftsakteure vor immense Herausforderungen.

    hilft Unternehmen und Organisationen zur

    Schaffung neuer Produkte, Dienstleistungen

    und Geschäftsmodelle. „Die Digitalisierung

    bietet vielfältige Möglichkeiten, gerade auch

    für den Mittelstand: Neue Produkte können

    schneller hergestellt, Kundenwünsche besser

    berücksichtigt, neue Geschäftsfelder und

    Services angeboten werden“, schildert das

    Bundesministerium für Wirtschaft und Ener-

    gie (BMWi). Vor allem für kleinere Unterneh-

    men erleichtere das Internet die Teilhabe an

    Wertschöpfungsketten und verändere die

    Beziehungen zu Beschäftigten, Kunden und

    Lieferanten grundlegend.

    BRANCHENUNTERSCHIEDE

    Um die Digitalisierung voranzutreiben,

    arbeiten 20 Prozent der Unternehmen mit

    Partnern aus der eigenen Branche zusam-

    men, 15 Prozent auch branchenübergrei-

    fend. Aber nur etwa vier Prozent der Unter-

    nehmen kooperieren aus diesem Grund

    bislang mit Start-ups. Diese Zahlen liefert

    der Monitoring-Report „Wirtschaft DIGITAL

    2017“ – jedes Jahr misst der Monitor die Fort-

    schritte bei der digitalen Transformation der

    deutschen Wirtschaft und wird im Auftrag

    des Bundeswirtschaftsministeriums von

    Kantar TNS und dem Zentrum für Europäi-

    sche Wirtschaftsforschung (ZEW ) Mann-

    heim erstellt. Der diesjährige Report be-

    richtet, dass sich der Digitalisierungsgrad

    mittelständischer Unternehmen im Ver-

    FACTS 2-3/201844

    NACHHOLBEDARF: Die meisten mittelständischen Unternehmen sind bisher nur bedingt in der Lage, ihr Geschäftsmodell zu digitalisieren.

  • FACTS-TITEL Digitalisierung Moderne Arbeitswelten

    MEHR UNTERSTÜTZUNG BITTE: Viele Mitarbeiter in Unternehmen fühlen sich auf die neuen Begebenheiten nicht ausreichend vorbereitet.

    gleich zum Vorjahr zwar etwas verbessert

    habe und dass die deutsche Wirtschaft er-

    freulicherweise zunehmend in Industrie 4.0

    investiere. Allerdings nutze nur jedes dritte

    Unternehmen „Smart Services“ und nur je-

    des fünfte „Big Data“. Künstliche Intelligenz

    stehe noch am Anfang. Weitere Entwick-

    lungspotenziale liegen in der Internationali-

    sierung und der Exportorientierung der

    deutschen IKT-Unternehmen.

    Der digitale Wandel betrifft die gesamte

    Wirtschaft, doch es gibt deutliche Bran-

    chenunterschiede. „Die Digitalisierung trifft

    die einzelnen Branchen in unterschiedlicher

    zeitlicher Abfolge und mit unterschiedlicher

    Wucht“, stellen die McKinsey-Analysten

    fest. „Weniger anlagenintensive Branchen

    beispielsweise sehen sich bereits jetzt deut-

    lich stärker durch digitale Wettbewerber

    unter Druck gesetzt als solche – wie etwa

    Fabriken – mit großen physischen Assets

    (Anlagevermögen).“ Und auch beim Thema

    Personalgewinnung gebe es eine ungleiche

    Lage je nach Branche. So falle die mittel-

    und langfristige Bindung von digitalen

    Fachkräften insbesondere Unternehmen des

    Groß- und Einzelhandels schwer. Gründe

    dafür seien häufig das vergleichsweise we-

    nig attraktive Image mittelständischer Un-

    ternehmen sowie ihr Standort. Speziell Be-

    triebe, deren Hauptsitz sich in Städten mit

    weniger als 300.000 Einwohnern befindet,

    seien davon betroffen.

    UNZUREICHENDE VORBEREITUNG

    Umso wichtiger ist es vor diesem Hinter-

    grund, die bereits vorhandenen Mitarbeiter

    bei dem Wandel zu begleiten. Doch auch

    hier macht sich Nachholbedarf bemerkbar.

    Laut einer im Juli 2017 durchgeführten

    Google-Umfrage von OpenText, einem An-

    bieter von Enterprise-Information-Ma-

    nagement (EIM), bei der 300 Deutsche im

    Alter von 18 bis 70 Jahren zum Thema digi-

    tale Transformation im Arbeitsumfeld in-

    terviewt wurden, fühlen sich Arbeitnehmer

    nicht ausreichend vorbereitet. Der Erhe-

    bung nach seien rund 45 Prozent der Mei-

    EINSEITIGES VERSTÄNDNIS: Laut Experten erkennt der Mittelstand die Relevanz der Digitali- sierung, betrachtet diese aber primär noch als bloßes IT-Phänomen.

    FACTS 2-3/201846

  • FACTS-TITEL Digitalisierung Moderne Arbeitswelten

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    nung, dass Arbeitgeber ihre Ausbildungs-

    pflichten im Hinblick auf die Digitalisierung

    vernachlässigen. „Vor allem Männer (49 Pro-

    zent) finden, dass Unternehmen mehr dafür

    tun sollten, um Angestellte auf die digitale

    Zukunft vorzubereiten. Bei den weiblichen

    Befragten beläuft sich die Zahl auf 36 Pro-

    zent“, fanden die Experten heraus. Außer-

    dem wünschen sich 40 Prozent aller

    Befragten, stärker in technologische Ent-

    scheidungen einbezogen zu werden. Neue-

    rungen in digitalen Prozessen sollen kla