Verkehrsbuch der Schweiz

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    12-Mar-2016
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  • Das Verkehrsbuch der SchweizFaszinierendes und Ungewhnliches rund um das Thema Mobilitt.

  • 144 145Rettung aus der Luft Fieseler Fi 156 Storch // Alouette IIIFieseler Fi 156 Storch // Alouette III Rettung aus der Luft

    Rettung aus der LuftAlpinisten oder Lawinenopfer in Bergnot, von Hochwasser eingeschlossene Bauernfamilien, auf offener See

    treibende berlebende von Schiffshavarien die Stossgebete verzweifelter Menschen nach einem rettenden Engel

    verhallten whrend Jahrhunderten ungehrt. Dies nderte sich Ende November 1946.

  • 144 145Rettung aus der Luft Fieseler Fi 156 Storch // Alouette IIIFieseler Fi 156 Storch // Alouette III Rettung aus der Luft

    Rettung aus der LuftAlpinisten oder Lawinenopfer in Bergnot, von Hochwasser eingeschlossene Bauernfamilien, auf offener See

    treibende berlebende von Schiffshavarien die Stossgebete verzweifelter Menschen nach einem rettenden Engel

    verhallten whrend Jahrhunderten ungehrt. Dies nderte sich Ende November 1946.

  • 146 147Fieseler Fi 156 Storch // Alouette III Rettung aus der LuftFieseler Fi 156 Storch // Alouette III Rettung aus der Luft

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    Pltzlich, um 14.25 Uhr, auf einer Hhe von 3350 Metern, setzt die Ma-

    schine mit voller Reisegeschwindigkeit von 280 km/h auf einem Gletscher

    auf, schiebt sich durch den tiefen Neuschnee bergwrts und kommt

    inner halb von nur 80 Metern zum Stehen. Alles, was nicht niet- und

    nagelfest ist, fliegt durch die Kabine. Wie durch ein Wunder berleben

    alle zwlf Insassen die frchterliche Havarie, allerdings zum Teil mit erheb-

    lichen Ver letzungen.

    Eine Stunde nach diesem Vorfall sendet das intakt gebliebene

    Bordfunkgert den ersten Notruf durch den ther: Mayday, Mayday, US

    Z68846 crashed, Position unbekannt, Hhe 3350 Meter ber Meer ....

    Die grsste alpine Rettungsaktion der noch jungen Nachkriegszeit beginnt.

    Strche auf dem GauligletscherSchon seit Stunden schrauben sich die Propeller der zweimotorigen DC-3 Dakota durch die orkanartigen

    Sturmben. Die Piloten der amerikanischen Militrmaschine navigieren im Instrumentenflug durch den dichten

    Nebel. Ihr Reiseziel ist Marseille.

    Drei Tage und Nchte verschollen Amerikanische und britische Flugzeuge suchten tagelang den gesamten

    Alpenraum zwischen Innsbruck und Grenoble nach der Unglcksmaschine

    ab. Aber erst am dritten Tag nach dem Unglck, kurz vor dem Eindunkeln,

    konnte Militrpilot Victor Hug, der mit einer wendigen C-35 vom Flugplatz

    Meiringen gestartet war, die Dakota auf dem oberen Teil des Gauligletschers

    im Berner Oberland ausmachen.

    Frh am Morgen des vierten Tages machte sich eine 50 Mann

    starke Rettungskolonne Bergfhrer, rzte und krftige Trger auf den

    langen und beschwerlichen Weg ber tief verschneite Gletscherabbrche

    hinauf zur Unglcksstelle. Pista Hitz, auch er ein versierter Militrpilot, flog

    derweil mit einem Fieseler Storch zur Dakota und warf einen Container

    mit frischem Brot, heissem Tee, Kse, Speck und anderem mehr fr die

    nach drei eiskalten Tagen und Nchten vllig entkrfteten Passagiere ab.

    Wenige Minuten spter warf Hug, auch er mit einem Fieseler Storch unter-

    wegs, eine Funkstation ab. Whrend des ganzen Tages flogen die beiden

    Piloten dringend bentigtes Material in die Hhe. Und sie versorgten auch

    die 50 Mnner der Rettungskolonne, die nach dreizehnstndigem Marsch

    durch den Tiefschnee ziemlich erschpft angekommen waren, mit Decken

    fr die bevorstehende Biwaknacht. In der Dakota gab es fr so viele Ret-

    ter schlicht nicht genug Platz.

    Schweizer Militrpiloten wagen GletscherlandungObwohl es vorgesehen war, die Amerikaner auf Rettungsschlitten talwrts

    zu transportieren, beschlossen die Piloten Hug und Hitz, die Dakota-Passa-

    giere auf dem Luftweg zu retten. Sie beurteilten den Transport der Verun-

    fallten auf den Schlitten als zu riskant und zeitraubend, zumal die Wetter-

    voraussagen erneute Schneeflle im Gebirge ankndigten.

    1 Spuren im Schnee: Passagiere und Rettungskolonne haben noch eine kalte Biwak nacht vor sich. 2 Nach 13 Stunden Aufstieg durch den Tiefschnee: Die Rettungskolonne trifft beim Flugzeugwrack ein.

    Seite 144/145 Ein Fieseler Storch der Schweizer Armee kurz vor der Ausmusterung: Das vielseitige Flugzeug mit seinen Kurzstart und landeeigenschaften befindet sich heute im Verkehrshaus.

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    Pltzlich, um 14.25 Uhr, auf einer Hhe von 3350 Metern, setzt die Ma-

    schine mit voller Reisegeschwindigkeit von 280 km/h auf einem Gletscher

    auf, schiebt sich durch den tiefen Neuschnee bergwrts und kommt

    inner halb von nur 80 Metern zum Stehen. Alles, was nicht niet- und

    nagelfest ist, fliegt durch die Kabine. Wie durch ein Wunder berleben

    alle zwlf Insassen die frchterliche Havarie, allerdings zum Teil mit erheb-

    lichen Ver letzungen.

    Eine Stunde nach diesem Vorfall sendet das intakt gebliebene

    Bordfunkgert den ersten Notruf durch den ther: Mayday, Mayday, US

    Z68846 crashed, Position unbekannt, Hhe 3350 Meter ber Meer ....

    Die grsste alpine Rettungsaktion der noch jungen Nachkriegszeit beginnt.

    Strche auf dem GauligletscherSchon seit Stunden schrauben sich die Propeller der zweimotorigen DC-3 Dakota durch die orkanartigen

    Sturmben. Die Piloten der amerikanischen Militrmaschine navigieren im Instrumentenflug durch den dichten

    Nebel. Ihr Reiseziel ist Marseille.

    Drei Tage und Nchte verschollen Amerikanische und britische Flugzeuge suchten tagelang den gesamten

    Alpenraum zwischen Innsbruck und Grenoble nach der Unglcksmaschine

    ab. Aber erst am dritten Tag nach dem Unglck, kurz vor dem Eindunkeln,

    konnte Militrpilot Victor Hug, der mit einer wendigen C-35 vom Flugplatz

    Meiringen gestartet war, die Dakota auf dem oberen Teil des Gauligletschers

    im Berner Oberland ausmachen.

    Frh am Morgen des vierten Tages machte sich eine 50 Mann

    starke Rettungskolonne Bergfhrer, rzte und krftige Trger auf den

    langen und beschwerlichen Weg ber tief verschneite Gletscherabbrche

    hinauf zur Unglcksstelle. Pista Hitz, auch er ein versierter Militrpilot, flog

    derweil mit einem Fieseler Storch zur Dakota und warf einen Container

    mit frischem Brot, heissem Tee, Kse, Speck und anderem mehr fr die

    nach drei eiskalten Tagen und Nchten vllig entkrfteten Passagiere ab.

    Wenige Minuten spter warf Hug, auch er mit einem Fieseler Storch unter-

    wegs, eine Funkstation ab. Whrend des ganzen Tages flogen die beiden

    Piloten dringend bentigtes Material in die Hhe. Und sie versorgten auch

    die 50 Mnner der Rettungskolonne, die nach dreizehnstndigem Marsch

    durch den Tiefschnee ziemlich erschpft angekommen waren, mit Decken

    fr die bevorstehende Biwaknacht. In der Dakota gab es fr so viele Ret-

    ter schlicht nicht genug Platz.

    Schweizer Militrpiloten wagen GletscherlandungObwohl es vorgesehen war, die Amerikaner auf Rettungsschlitten talwrts

    zu transportieren, beschlossen die Piloten Hug und Hitz, die Dakota-Passa-

    giere auf dem Luftweg zu retten. Sie beurteilten den Transport der Verun-

    fallten auf den Schlitten als zu riskant und zeitraubend, zumal die Wetter-

    voraussagen erneute Schneeflle im Gebirge ankndigten.

    1 Spuren im Schnee: Passagiere und Rettungskolonne haben noch eine kalte Biwak nacht vor sich. 2 Nach 13 Stunden Aufstieg durch den Tiefschnee: Die Rettungskolonne trifft beim Flugzeugwrack ein.

    Seite 144/145 Ein Fieseler Storch der Schweizer Armee kurz vor der Ausmusterung: Das vielseitige Flugzeug mit seinen Kurzstart und landeeigenschaften befindet sich heute im Verkehrshaus.

  • Mobilitt im Zeichen der Zeit Verkehrsgeschichte der Schweiz

    164 165Verkehrsgeschichte der Schweiz Mobilitt im Zeichen der Zeit

    halfen. 1905 Dieselmotorschiff Venoge Die Gebrder Sulzer AG in Winterthur erbauten 1905 das weltweit erste Schiff mit einem Dieselmo-tor, das auf dem Genfersee eingesetzte Gterschiff Venoge. 1906 Simplonlinie Nach einer Bauzeit von acht Jahren wurde 1906 der Simplon-tunnel, mit rund 20 km Lnge fr viele Jahre der lngste Eisenbahntunnel der Welt, dem Betrieb bergeben. Von Anfang an verkehrten die Zge

    elektrisch, wobei ursprnglich Drehstrom, ab 1930 jedoch das normale SBB-Wechelstromsystem zur Anwendung gelangte. 1906 Sulzer-Schiffs-dieselmotoren 1906 ist der erste umsteuer bare Zweitaktmotor der Gebrder Sulzer Winterthur fr den Schiffsantrieb vorgestellt worden. Er be-grndete einen bis in die 1970er Jahre andauernden weltweiten Erfolg der Sulzer Zweitakt-Schiffsdieselmotoren. 1908 Wetterhornaufzug 1908 wurden erstmals Personen mit ffentlichen Luftseilbahnen befrdert: In Bozen gaben die Behrden die vorerst als Warentransportanlage konzipierte

    Kohlernbahn fr den Personentransport frei, und in Grindelwald ging die erste eigens fr die Personenbefrderung konzipierte Luftseilbahn der Welt,

    der Wetterhornaufzug, in Betrieb. 1910 Luftschiffstation Luzern 1910 nahm die Aero Genossenschaft Luzern ihren Betrieb auf. Von der Luft-schiffstation auf Tribschen aus stieg das franzsische Prall-Luftschiff Ville de Lucerne gut 100-mal auf. Die Passagierzahlen lagen unter den Erwar-

    tungen, und der Ausbruch des Ersten Weltkrieges setzte den Fahrten des ersten gewerbsmssigen Lufttransportunternehmens der Schweiz ein

    Ende. 1910 Dufaux No. 5 Armand Dufaux berflog am 28. August 1910 mit seinem Flugapparat No. 5 den Genfersee in seiner ganzen Lnge. Da-mit berbot er den bisher lngsten Flug b