Schweizerische Bienen-Zeitung Mai 2015

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Monatszeitschrift des Vereins deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde BeeTraffic – VDRB App erleichtert Kontakt mit Inspektoren Wie sehr schmerzen Bienenstiche? Auf den Beutenkäfer vorbereitet sein Erfahrungen mit dem Bau von Wildbienenhotels FOTO: FRANZ-XAVER DILLIER Die Biene besucht eine Brombeerblüte.
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BeeTraffic – VDRB App erleichtert Kontakt mit Inspektoren, Wie sehr schmerzen Bienenstiche?, Auf den Beutenkäfer vorbereitet sein, Erfahrungen mit dem Bau von Wildbienenhotels

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  • Bienen-Zeitung SCHWEIZERISCHE 05/2015 Monatszeitschrift des Vereins deutschschweizerischer und rtoromanischer Bienenfreunde

    BeeTraffic VDRB App erleichtert Kontakt mit Inspektoren Wie sehr schmerzen Bienenstiche? Auf den Beutenkfer vorbereitet sein Erfahrungen mit dem Bau von Wildbienenhotels

    FOTO: FRANZ-XAVER DILLIER

    Die Biene besucht eine Brombeerblte.

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  • 3EDITORIAL

    Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015 3

    ROBERT SIEBER, LEITENDER REDAKTOR

    Liebe Imkerinnen, liebe Imker

    Viele ethische Werte, welche das Zusam-menleben der Menschen in unserer Gesell-schaft festlegen, sind uns im Laufe der Zeit verloren gegangen. Geld regiert die Welt, heisst die heutige Devise. Dem finanziellen Gewinn wird vieles untergeordnet. Muss man es vor diesem Hintergrund zu ver-stehen versuchen, dass ein Imker in einer kleinen Stadt in der Ostschweiz zusammen mit einem Kollegen aus Deutschland die-sen Frhling 1 000 Bienenvlker importieren wird? Nein, nicht von irgendwoher, sondern aus Italien. Nicht aus Kalabrien, wo der Kleine Beutenkfer gefunden wurde, sondern aus dem be-nachbarten Apulien. Dort wurde der Kfer dem Vernehmen nach noch nicht gefunden. Oder wurden die Funde verschwiegen, um die Bienenvlker vor der Vernichtung zu be-wahren? Wir wissen es nicht.

    Dem Imker, der die 1 000 Vlker importieren wird, wollen wir zu Recht halten, dass er alle Bewilligungen eingeholt hat und ihm diese erteilt wurden.

    Trotzdem lief der Zentralvorstand des VDRB gegen dieses Vorhaben Sturm. Das geht doch nicht, ist grobfahrlssig! Will da wirklich einer die Schweizer Bienenvlker der Gefahr des Befalls mit dem Beutenkfer aussetzen, nur wegen des Gewinnes?

    Die Behrden verweigern die Untersttzung. Der Import sei gesetzeskonform. Wenn ihr eure Imker nicht im Griff habt, um Bienen-importe zu verhindern, ist dies nicht unser Problem, so das Verdikt. Dabei htten doch die Quarantneauflagen so verschrft werden knnen, dass ein Import nicht mehr attraktiv gewesen wre. Es kommt aber noch schlimmer. Es soll Bieneninspek-toren geben, welche sich vom Importeur

    eine Italienreise bezahlen lassen werden, um sich vor Ort berzeugen zu lassen, dass es dort keine Beutenkfer gebe

    Auch der Importeur winkte auf die Auffor-derung des Zentralvorstandes, auf den Im-port der Vlker zu verzichten, ab. Er habe sich vertraglich verpflichtet, msste beim Rcktritt vom Vertrag finanzielle Konse-quenzen tragen. Und finanzielle Verluste sind natrlich viel gravierender als ein paar Kfer. Der VDRB knne ja diesen Verlust bernehmen. Nicht nur bei ihm, sondern

    bei allen andern auch, welche mit diesem Feuer spielen.

    Ist der Importeur der Bienenvlker aus Italien kategorisch zu ver-urteilen? Unbedingt! Andere aber auch. All diejenigen nmlich, welche dem Importeur ein Bienenvolk fr fast 250 Franken ab-kaufen werden, ihre Bestellungen bereits deponiert haben, obwohl sie wissen, dass die Vlker aus dem kferverseuchten Italien stammen. Ohne Kufer gbe es schliesslich keine Importe.

    Und was tut der VDRB? Wenn diese Vlker wirklich importiert werden, verffentlichen wir den Namen des Importeurs auf unse-rer Internetseite. Auch die Namen all der uns namentlich bekannten, welche solche Vlker kaufen. Gleichzeitig wollen wir uns berlegen, wie im frhen Frhjahr gen-gend gnstige Jungvlker zur Verfgung gestellt werden knnen, damit Vlkerim-porte nicht mehr notwendig sein werden. Hoffentlich ist es dann nicht schon zu spt.

    Herzlich Ihr

    Robert [email protected]

    Wenn persnliche Bereicherung ber ethischen Werten steht ...

    ... Schweizer Imker wird 1000 italienische Bienen-

    vlker importieren!

  • 4 Bienen-Zeitung SCHWEIZERISCHE Monatszeitschrift des Vereins deutschschweizerischer und rtoromanischer Bienenfreunde138. Jahrgang Nummer 05 Mai 2015 ISSN 0036-7540

    IMPRESSUM / INHALT

    Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    Dieter Schrer 9999 Musterhausen Tel. 072 795 55 50 Fax 072 795 55 51 [email protected] www.swisshoney.ch

    IMPRESSUMHERAUSGEBERVerein deutschschweizerischer und rtoromanischer Bienenfreunde (VDRB)Internet: www.vdrb.ch oder www.bienen.ch

    PRSIDENTRichard Wyss, Strahlhttenstrasse 99050 Appenzell (AI), Tel.: 071 787 30 60

    GESCHFTSSTELLE VDRBOberbad 16, 9050 Appenzell (AI)Tel.: 071 780 10 50, Fax: 071 780 10 51E-Mail: [email protected]: www.vdrb.ch

    REDAKTIONE-Mail: [email protected]

    Internet: www.vdrb.ch (Rubrik: Bienen-Zeitung > Leserservice)

    Robert Sieber, leitender RedaktorSteinweg 43, 4142 Mnchenstein (BL)Tel.: 079 734 50 15

    Franz-Xaver Dillier, RedaktorBaumgartenstr. 7, Postfach 333, 6460 Altdorf (UR)Tel.: 031 372 87 30

    Pascale Blumer Meyre, Lektorat7993 Summerhill Dr., Park City, UT 84098, USA

    ABONNEMENT, ADRESSNDERUNGEN UND INSERATEGeschftsstelle VDRBOberbad 16, 9050 Appenzell (AI)Tel.: 071 780 10 50, Fax 071 780 10 51

    E-Mail: [email protected]: www.vdrb.ch (Rubrik: Bienen-Zeitung > Abo)

    E-Mail: [email protected] Internet: www.vdrb.ch (Rubrik: Bienen-Zeitung > Inserenten-Service)

    INSERATESCHLUSS9. des Vormonats

    REDAKTIONSSCHLUSS1. des Vormonats

    DRUCK UND VERSANDVogt-Schild Druck AGGutenbergstrasse 1, 4552 Derendingen

    ABONNEMENTSPREISInland: Fr. 60. pro Jahr, inkl. Imkerkalender und kol lektiver Haftpflicht versicherungAusland: Euro 60. pro Jahr

    AUFLAGE13 200 Exemplare, Erscheint 12-mal jhrlich zu Monatsbeginn

    COPYRIGHT BY VDRB

    ZEICHNUNGSFARBE FR DIE KNIGINNEN:

    INHALT

    ARBEITSKALENDER 6Arbeiten im Mai: Die Vlker wachsen schnell und tragen Nektar ein 6Kniginnenvermehrung im Mini Plus 8

    BEOBACHTEN STATT STREN 10Wichtige Hinweise erkennen 10

    PRAXIS 11Autsch! Wie schmerzhaft sind die Stiche 11 von Honigbienen?BeeTraffic die neue App des VDRB 14 fr das Verstellen von BienenvlkernKampf dem Beutenkfer: 16 Mitarbeit der Imker/-innen ist entscheidendWas tun, wenn der Kleine Beutenkfer auftaucht? 18Jedem Bienenvolk seine eigene Brste 20

    WILDBIENEN 22Optimale Voraussetzungen fr Wildbienen schaffen 22

    TRACHTPFLANZEN 26Lorbeerweide (Salix pentandra) 26 die am sptesten blhendePrachtvolle Magnolien 28

    LESERBRIEFE 31Schwarmevent in Basel-Stadt 31Bienenimporte aus Italien was soll denn dieser Unsinn? 31Eine zu bekmpfende Seuche? 32Kaum zu glauben, aber wahr! 33Die Traubenhyazinthe 33

    NACHRICHTEN AUS VEREINEN UND KANTONEN 34Imkerverein Wolhusen-Willisau 34 Generationenwechsel im VorstandBienenzchterverein Oberhasli: Dreizehn neue Jungimker/-innen 34Unteremmentaler Bienenfreunde: Hauptversammlung 2015 35Apitherapie-Tagung 35Buchbesprechung: Die Weisheit der Bienen Erstaunliches 36 ber das wichtigste Tier der Welt

    APISTISCHER MONATSBERICHT 37Phnologische Beobachtungen (MrzApril) 37Apistische Beobachtungen: 16. Mrz bis 15. April 2015 38Sturm, Orkan & Co. 38Kurzberichte aus den Beobachtungsstationen 39

    VERANSTALTUNGEN 43Veranstaltungskalender 43ffentliche Veranstaltungen 44

    MITTEILUNGEN 46Honigsensorik-Seminar mit einheimischen Honigen 46Pestizide in der EU erneut im Fokus 46Vergnstigte Honiganalysen fr Siegelimker/-innen 47Wissenschaftlerin fr Bienenforschung geehrt 48Konstellationskalender: Behandlungstage Mai 2015 48

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    Die Grosse Holzbiene (Xylocopa violacea ) gehrt mit 2028 mm Krperlnge zu den grssten unter den einheimischen Wildbienen.

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    DIE GROSSE HOLZBIENE ... ... (Xylocopa violacea) saugt Nektar in der Wickenblte. Ihr grosser hummelhnlicher Krper ist tiefschwarz und auch die Flgel sind sehr dunkel und auffllig blau schillernd. Das Weibchen beginnt im AprilMai mit dem Anlegen seines Nestes, das in hartes Totholz genagt wird. Die wrmeliebende Art ist in den letzten Jahren bei uns hufiger geworden. Regelmssig kann ich diese eindrucksvollen Bienen beim Bltenbesuch in meinem Garten beobachten.

  • 6 Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    ARBEITSKALENDER

    Die Vlker wachsen schnell und tragen Nektar ein

    ARBEITEN IM MAI

    Der Mai ist fr uns Imker einer der arbeitsintensivsten Monate. Die Natur spriesst, die Matten tragen das gelbe Kleid des Lwenzahns. Die Obstbume sind zum Teil bereits verblht. Auf den ckern blhen die Kulturen, in meiner Umgebung ist dies vor allem der Raps.

    ROBERT LERCH, KAPPEL ([email protected])

    Jetzt heisst es, den Vlkern gen-gend Platz fr ihre Entwicklung zu geben. Mittelwnde werden schn ausgebaut und rasch bestiftet. Mein Ziel ist es, rund einen Drittel der Wa-ben, durch Neubau zu ersetzen. Im Mai ist der Laurenzkasten, ein Kni-ginnennachzuchtkasten, gefllt. So stehen mir bei Bedarf immer Ersatz-kniginnen zur Verfgung. Wem ist nicht schon eine Knigin verunglckt?

    AblegerVon starken Vlkern mache ich Ab-leger. Dabei verwende ich 5-Waben-Jungvolkksten, die ich mit vier Waben bestcke. Eine mit auslaufender Brut, eine mit jngsten Mdli und je zwei Vorratswaben links und rechts dieses Brutnestes. Dies schafft in den Mutter-vlkern Platz, den ich nach und nach wieder mit Mittelwnden aufflle. Sobald die letzten Larven geschlpft sind, besprhe ich diese Vlker mit 2,1 %-iger Oxalsure. So werden die Jungvlker von der Varroa befreit. Nicht selten habe ich Ende des Mo-nats meinen Bienenbestand verdop-pelt. Diese Jungvlker bilden die Basis fr die Erneuerung der Standvlker.

    SchwarmzeitIm Mai ist auch Schwarmzeit. Der Schwarm ist die natrlichste Form der Vlkervermehrung. Es ist stets ein berwltigendes Spektakel, das Schwrmen eines Volkes mitzuerle-ben: die geschftig umherschwirren-den Spurbienen, das Brummen des fliegenden Schwarms und die Bildung der Schwarmtraube.

    Leider werden Schwrme nicht mehr von allen Imkern eingefangen. Deshalb haben wir im Verein Olten und Umgebung auf unserer Home-page die Adressen von Imkern publik gemacht, die Schwrme einfangen. Diese fremden Schwrme knnen oft keinem Imker zugeordnet wer-den. Ich schlage diese nach der Kel-lerhaft in Jungvolkkisten aus Karton ein. Fr diese Schwarmvlker konnte ich in einer Waldzunge einen Stand einrichten. Dort bleiben sie, bis ich die Brut auf Brutkrankheiten kon-trollieren kann. Bis jetzt konnte ich

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    Eine schn ausge-baute Bienenwabe als Bestandteil des Ablegervolkes.

    Jungvolkbildung im Api-Box-5-Wabenkasten.

  • 7Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    ARBEITSKALENDER

    Jungvlker sind ein wichtiges Standbein jeder Imkerei: (v. l. n. r.) Laurenzkasten, Api-Plus-Box und Api-Box- 5-Wabenkasten.

    Mit dem roten Bienenmobil und Schwarmsack an einer Teleskopstange fange ich Schwrme. Aufsetzen und Ergnzen der Honigrume.

    bei keinem dieser Vlker Anzeichen von Krankheiten erkennen. Natrlich werden alle Schwrme vor der ersten Brut gegen die Varroa behandelt.

    Erweiterung des HonigraumesGlnzt es auf der hintersten Honig-wabe, hnge ich die hintere Hlfte der Honigrahmen nach vorne in den zweiten Honigraum. Der leere Platz im unteren Honigraum wird wieder durch Honigrahmen mit neuen Mittelwnden aufgefllt. Seit einigen Jahren habe ich wieder auf 28 mm breite Honigrahmen umgestellt. Gemss meiner Erfahrung haben die schmleren Rhmchen zwei entscheidende Vorteile:1. Durch die geringere Tiefe der Zellen

    knnen die Bienen den Wassergehalt sehr gut auf die fr die Lagerung n-tige Menge reduzieren. Ich habe so-mit beim Schleudern keine Probleme mit dem Wassergehalt des Honigs.

    2. Durch das kleinere Speichervolu-men der Zellen sind die Rhmchen

    etwas leichter. Dies ermglicht es mir, die Ernte in einem Tag zu ver-arbeiten. Die krperliche Anstren-gung ist somit wesentlich kleiner.

    Die erste Honigernte steht normaler-weise Ende Mai an. Dabei kann ich auf

    die aktive Hilfe meiner Frau Christina zhlen. Wir teilen uns die Arbeit auf. So bringe ich den Honig ohne Bie-nen in den Schleuderraum. Sie ge-winnt den Honig. Es ist schn, so zu-sammenzuarbeiten.

  • 8 Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    ARBEITSKALENDER

    Kniginnenvermehrung im Mini PlusMit einem Mini Plus Volk lassen sich pro Jahr ohne grossen Aufwand mehrere Jungkniginnen aufziehen, welche dann fr verschiedene Zwecke eingesetzt werden knnen.

    JRG GLANZMANN, KERZERS ([email protected])

    Junge Kniginnen sind die Garanten fr leistungsstarke, vitale Vlker. Ich bin immer sehr dankbar, bereits im Mai ber neue Kniginnen aus eigener Nachzucht zu verfgen. Sind diese vorhanden, verwende ich die Kniginnen zum Umweiseln von Schwrmen abgeschwrmter Vlker oder zum Erstellen von Ablegern. Auch unter Kollegen sind Kniginnen um diese Jahreszeit sehr gefragt.

    Zucht ist vielfltig, je nach System auch sehr aufwendig und fr einen Durchschnittsimker, der weniger als zehn Vlker besitzt, oft zu arbeits-intensiv. Mit dem Mini Plus System

    kann ganz einfach und mit sehr we-nig Mitteln begonnen werden. Dieses einfache System fhrt auch meist um-gehend zum Erfolg und die Lust auf mehr oder nach intensiver Zucht kann damit gefrdert werden. Ein Durch-schnittsimker ist bereits mit wenigen Kniginnen glcklich und bentigt nicht 10 oder 20. Imker/-innen kn-nen selber auswhlen, wie viele und wann sie Kniginnen bentigen. So-bald die Brutableger erstellt sind, dauert es etwa einen Monat, bis die neuen Kniginnen verfgbar sind. Bei uns im Flachland sind auch die Begattungserfolge sehr gut. Von vier erstellten Mini Plus Vlkern knnen meist drei oder sogar alle Kniginnen geerntet werden. Neben dem Mini Plus gibt es weitere Systeme wie Mini-Swiss oder viele Eigenkonstruktionen, die fr die einfache Kniginnenver-mehrung ebenso geeignet sind.

    Vermehrung im Mini PlusDas Mini Plus Volk, das ich zur Nach-zucht verwende, sollte jetzt aus fnf bis sechs Zargen bestehen. Im Idealfall ist dieses mit einer Belegstellenkni-gin oder einer guten, auf dem eigenen

    Stand geprften Knigin, versehen. Diese Kniginnen sollten bereits zwei- oder dreijhrig sein und ihre Leistung unter Beweis gestellt haben. Ist noch nicht die richtige Knigin im Mini Plus, das zur Zucht verwendet wer-den soll, kann sptestens eine Woche vor Vermehrungsbeginn die richtige Knigin zugesetzt werden. Auch fr Mini Plus habe ich Kniginnengitter anfertigen lassen, um den Brutraum vom Honigraum zu trennen. Normal-erweise halte ich die Vlker auf drei bis vier Brutzargen. Der Rest besteht aus Honigzargen.

    VorgehenDas Vorgehen ist eigentlich ganz ein-fach: wir erstellen Brutableger (siehe auch www.apiservice.ch), das heisst, wir teilen das Stammvolk auf. Zu-erst wird die Knigin gesucht. Dies ist nicht immer ganz einfach, da die Zargen meist prall voll mit Bienen sind. Zu diesem Zweck sind die Kni-ginnengitter sehr dienlich. Circa eine Woche vor dem Erstellen der Brutab-leger fhre ich zustzlich zwischen jede Brutzarge ein Kniginnengitter ein. So kann ich schnell feststellen,

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    Mini Plus auf fnf Zargen: Dieses Mini Plus Volk ist bereit fr die Bildung von Ablegern. Kniginnengitter: Kniginnengitter leisten auch in der Mini Plus Imkerei ganz wertvolle Dienste.

  • 9Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    ARBEITSKALENDER

    Kniginnenvermehrung im Mini Plus

    wo sich die Knigin befindet; nmlich dort, wo offene Brut vorhanden ist. Ich kann dann diese Zarge mit einer Zarge Mittelwnden und einem Auf-satz mit Honig am Standort belassen und den Rest des Volkes auf die Mini Plus Zargen aufteilen.

    Einen Brutableger respektive eine Mini Plus Zarge bestcke ich wie folgt:

    1 Futterwabe (Honigwabe) 1 Futtergeschirr 3 Brutwaben, davon mindestens

    eine mit offener Brut1 Mittelwand

    Es ist darauf zu achten, dass gen-gend Bienen in die neuen Vlklein kommen, um eine gute Pflege der nachzuziehenden Knigin zu gewhr-leisten. Je nach Alter und Menge an Brutzellen werden dann auch noch mehr oder weniger Nachkommen zum Volk stossen. Bei guter Tracht muss die Futtertasche nicht mit Fut-terteig gefllt werden; es kann auch eine zweite Futterwabe anstelle einer Brutwabe gegeben werden.

    Verstellen der BrutablegerDie neu erstellten Brutableger werden nun an einen anderen Standort ge-bracht, der mindestens zwei, besser drei Kilometer vom Stand entfernt ist. Dort knnen die Fluglcher um-gehend geffnet werden. Zum Ver-schliessen der Fluglcher whrend des Transportes verwende ich ein Ab-deckband. Sollte ich einmal vergessen, die Fluglcher zu ffnen, erledigen dies die Bienen selber, indem sie das

    Fr den Transport wird das Flugloch des Ablegervolkes mit einem Malerklebeband verschlossen.

    Klebeband durchbeissen. Der Einfach-heit halber lasse ich die Brutableger selber walten ich breche auch keine Zellen aus. Die Bienen sind dafr sel-ber zustndig. Ich ffne die Vlklein erst nach vier Wochen, um den Erfolg zu begutachten. Ein vorheriges ff-nen ist nicht ntig und kann zu Miss-erfolgen fhren. Am Flugloch knnen die ntigen Beobachtungen gemacht werden. Nur bei einem begrnde-ten Zweifel, wenn beispielsweise ein Volk schwach ist, ffne ich es. Wie bei normalen Brutablegern empfehle ich, unbedingt eine Oxal- oder Milchsu-rebehandlung im brutfreien Zustand durchzufhren. Die Varroabehandlung im Mini Plus ist nicht ganz einfach, da es keine verbindliche und geprf-te Dosierung betreffend Sommerbe-handlungen gibt. Somit nutze ich die Brutfreiheit der Vlker.

    Mit einem Mini Plus Volk lassen sich sicher zwei, wenn nicht drei Serien pro Saison vermehren. So knnen Kni-ginnen nach Bedarf produziert werden und es besteht keine Pflicht, grosse Se-rien zu zchten. Wenn schon nur jeder fnfte Imker auf einfache Weise K-niginnen vermehren wrde, wre der Schweizer Imkerei sehr gedient. Dies ist ein Anfang zur Zucht; mit dem gleichen Material knnen Sie zum Profizchter werden. Auf unserer Homepage finden Sie eine Powerpoint-Prsentation ber die Zucht im Mini Plus. Dort wird ge-zeigt, dass mit weiteren Anschaffungen eine Zucht im grossen Stil betrieben werden kann.

    In den Ableger kommen (von oben nach unten): drei Brutwaben (mindestens eine mit offener Brut, eine mit geschlossener Brut), eine Mittelwand, eine oder zwei Futterwaben sowie eine Futtertasche.

  • 10 Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    BEOBACHTEN STATT STREN

    Wichtige Hinweise erkennen

    ALFRED HHENER, MHLETURNEN ([email protected])

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    Je nach Hhenlage geht die Apfel-baumblte bereits im Mai zur Neige und somit die Frhtracht ihrem Ende entgegen. Bereits steht das Schleudern des Bltenhonigs an. In den letzten Wochen konnte man am frhen Morgen Kondenswasser in den Fluglchern erkennen. Das ist ein gutes Zeichen, zeigt es doch, dass die Bienen gut mit Nahrung versorgt sind.

    ZwischentrachtBei der Vlkerdurchsicht stellen wir fest, dass der Drohnenbau stockt oder ganz eingestellt wurde. Ein untrgliches Zeichen dafr, dass die Frhlingstracht abgeschlossen ist. Nun mssen wir die Bienen gut ber die trachtlose Zeit begleiten, damit sie stark und gesund sind, wenn die Spttracht beginnt.

    Nach der Honigernte finden wir auf dem Flugbrett pltzlich Jung-bienen mit verkmmerten Flgeln. Dies knnte auch auf einen starken Virenbefall hinweisen. Bei erfolg-reicher Varroabehandlung sollten sich im Mai aber noch keine sol-chen Symptome zeigen. Auch wer-den schlaffe, weisse Drohnenlarven

    von den Bienen aus dem Volk ge-tragen. Die Bienen sind aufgeregt und nicht wie gewohnt sanftmtig. Sie wurden zu Kannibalen. Um ihren Eiweissmangel zu decken, ha-ben sie Drohnenbrut aufgerissen und ausgesaugt. Um weiteren Schaden vorzubeugen, muss sofort mit zwei bis vier Liter Zuckersirup gefttert werden. Anschliessend sollte Futter-teig zur Verfgung gestellt werden, bis die Waldtracht einsetzt. Leider wird der Zwischentrachtftterung oft zu wenig Beachtung geschenkt. Aber Achtung: Bei Flssigftterung muss die dreiwchige Wartefrist bis zum Aufsetzen des Honigraumes einge-halten werden. Oder wollen wir Ende Juli Zuckerwasser schleudern? Aus-serdem muss der Zeitpunkt und die Menge der Flssigftterung auf dem Formular Selbstkontrolle dokumen-tiert werden. Man muss bedenken, dass die Vlker zu dieser Jahreszeit stark sind und deshalb sehr viel Fut-ter bentigen. Das erkennen wir auch daran, dass trotz starkem Bienenflug die Stockwaage tglich nur eine ge-ringe Gewichtszunahme anzeigt. Da die klimatischen Bedingungen jedes Jahr anders sind, mssen wir zu dieser Jahreszeit die Bienen gut beobachten.

    Sauerbrut?Auf dem Flugbrett finden wir am fr-hen Morgen mglicherweise einzel-ne, schlpfrig-gelbliche Larven. Dies deutet auf die Brutkrankheit Sauer-brut hin. Bevor der Imker und der Bieneninspektor in der Lage sind, die Sauerbrut physisch zu erkennen, ver-geht einige Zeit. Im Anfangsstadium sind die Bienen problemlos in der Lage, die Sauerbrutbakterien zu bekmpfen. Nehmen die Bakterien aber berhand, wird die Brut befallen, welche dann ab-stirbt und morgens aus dem Stock ge-schafft wird. Erst wenn das Volk strker von der Sauerbrut befallen ist und die Bienen es nicht mehr schaffen, alle be-fallenen Bienenlarven auszurumen, ist die Krankheit auch physisch erkennbar und das Volk verloren.

    SchwarmvorbereitungDer tgliche Polleneintrag ist im Mo-ment enorm. Bei einigen Vlkern stellen wir aber fest, dass der Pollen-eintrag eingestellt wurde. Ein untrg-liches Zeichen, dass diese Vlker in den nchsten zwei Tagen schwrmen werden. Sind sie einmal in Schwarm-stimmung, knnen sie nur mit einer Schwarmvorwegnahme (Kniginnen-ableger) daran gehindert werden.

    Im Bienenhaus tutet es aus einem Bienenkasten. Wenn wir rasch reagieren, knnen wir die schlpf-bereiten Zellen ausbrechen und Schwarmkniginnen gewinnen. Ach-tung, das Schlpfen der Jungknigin-nen geht sehr schnell und fr jede Zelle ist ein Gefss erforderlich, damit sie nicht miteinander Kontakt haben und sich abstechen.

    Fr Imker/-innen kommt nun die Zeit mit der hchsten Arbeits-belastung. Trotzdem wollen wir das Wohl der Vlker nicht aus den Augen verlieren und rechtzeitig auf wichtige Anzeichen reagieren.

    Gnadenloser Kampf mit einer Wachsmotte.

    Resultat der Stockreinigung: herausgeschaffte Kalkbrut.

  • 11Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    PRAXIS

    Wichtige Hinweise erkennen Autsch! Wie schmerzhaft sind die Stiche von Honigbienen?Wenn Honigbienen zustechen, tut es weh! Vor allem Bienenstiche in die Wangen, in die Lippen und in die Nase sind sehr schmerzhaft. Auch wenn der Volksmund die Hornisse als giftigstes Insekt bezeichnet, Bienengift ist bis 15-mal strker als das Gift der Hornisse.

    JRG VOLLMER, CHUR ([email protected])

    Die meisten Imker zeigen kaum eine Reaktion auf Bienenstiche. Im Gegensatz dazu reagieren bis fnf Pro-zent der Menschen allergisch auf Insek-tenstiche und brauchen nach einem Bie-nenstich sofort Erste Hilfe. Dies gilt auch bei Stichen im Mund- und Rachenraum von Nicht-Allergikern und bei Stichen in den Kopf von Kleinkindern.

    Bienen sind 15-mal giftiger als HornissenWhrend Wespen, Hummeln und Hor-nissen ihren Stachel behalten, bleibt der Bienenstachel mit seinem Wider-haken in der menschlichen Haut ste-cken und die Biene stirbt. Ein Nerven-knoten am Stachel pumpt den Inhalt der Giftblase bis zwanzig Minuten lang in unseren Krper. 90 % des Bienengif-tes werden aber in den ersten zwanzig Sekunden injiziert. Deshalb sollte der Stachel sofort mit einem Fingernagel seitwrts weggeschoben werden.

    Auch wenn der Volksmund die Hor-nisse als giftigstes Insekt bezeichnet, Bienengift ist bis 15-mal giftiger, als das Gift der Hornisse. Die sogenannte LD50

    Schmerz Insekt Schmerzbeschreibung

    1,0 Blutbiene, Furchenbiene Leicht, flchtig, fast fruchtig. Als ob ein winziger Funke ein einziges Haar auf dem Arm ansengt.

    1,2 Feuerameise Scharf, pltzlich, etwas beunruhigend. Als ob man ber einen Flokatiteppich (flauschiger griechischer Wollteppich) luft, sich statisch aufldt und einen elektrischen Schlag bekommt.

    1,8 Knotenameise Ein seltener, stechender, irgendwie hoher Schmerz. Als ob jemand eine Heftklammer in deine Wange schiesst.

    2,0 Kurzkopfwespe Reichhaltig, herzhaft und heiss. Als ob jemand eine Zigarre auf deiner Zunge auslscht.

    2,0+ Honigbiene Wie ein abgebrochener Streichholzkopf, der auf deiner Haut abbrennt.

    3,0 Ernteameise, Feldwespe tzend, brennend und unerbittlich. Als ob jemand einen Bohrer benutzt, um einen eingewachsenen Zehennagel freizulegen oder man einen Becher mit Salzsure ber eine Schnittwunde schttet.

    4,0 Mexikanische Weg-Wespe (Pepsis formosa)

    Heftig, blendend, furchtbar elektrisch. Als ob jemand einen laufenden Haartrockner in dein Schaumbad fallen lsst.

    4,0+ 24-Stunden-Ameise Reiner, intensiver, strahlender Schmerz. Als ob man ber glhende Kohlen luft und dabei einen sieben Zentimeter langen, rostigen Nagel in der Ferse stecken hat.

    Tabelle 1: Mit dem Schmidt Sting Pain Index vergleicht der Forscher verschiedene Schmerzintensitten.

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    Im Grund- kurs lernen Jungimker nicht nur die Varroabehand- lung, sondern auch, wie man mit Bienensti-chen umgeht.

    (Giftmenge, die in 50 % aller Flle zum Tode fhrt) liegt bei 2,8 mg Bienengift je Kilo Krpergewicht. Das entspricht 40 Bienenstichen pro Kilo Krperge-wicht im Vergleich dazu sind erst 154 bis 180 Hornissenstiche pro Kilo Krpergewicht tdlich.

    Das strkere Bienengift ist evolu-tionsgeschichtlich leicht zu erklren: Die Honigbienen haben im Vergleich zu Wespen, Hummeln und Hornissen in ihrem Nest einen grossen Honig- und Pollenvorrat sowie die eiweiss-reiche Brut. Im doppelten Sinne des

    Wortes ein gefundenes Fressen, das die Honigbiene gegen Ruber vertei-digen muss von der Spitzmaus ber den Dachs bis hin zum Braunbren und dem Menschen.

    Sting Pain Index tut beim Lesen wehWie schmerzhaft ist ein Bienenstich nun aber wirklich? Der Insektenfor-scher Justin O. Schmidt studierte am Carl Hayden Bee Research Center in Tucson, Arizona (USA), die che-mischen Abwehrmechanismen von

  • 12 Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    PRAXIS

    Ameisen, Bienen und Wespen. Dabei wurde Schmidt von 150 verschiede-nen Insektenarten gestochen eine hieb- und vor allem stichfeste Daten-basis fr seinen Sting Pain Index.

    Dieser Stichschmerz-Index ver-gleicht die Schmerzintensitt ver-schiedener Insektenstiche, wobei die Honigbiene als Referenzpunkt dient. Schmidts Humor hat bei den schmerzhaften Selbstversuchen of-fenbar keinen Schaden genommen: Die Beschreibungen des Insektenfor-schers erinnern an Degustationsnoti-zen eines Sommeliers mit einer ausge-prgt masochistischen Veranlagung.

    Um statistische Fehler zu vermeiden, liess sich Justin O. Schmidt von jedem Insekt mehrmals stechen. Auch von der 24-Stunden-Ameise, deren Stich mit der hchsten Schmerzintensitt 4,0+ einen ganzen Tag lang hllisch wehtut. Warum aber der rostige Nagel in dieser Stichschmerz-Beschreibung exakt sieben Zentimeter lang sein muss, wird wohl fr immer ein Ge-heimnis der Wissenschaft bleiben.

    Bienenstiche in Wangen, Lippen und NaseJahre spter erforschte Michael L. Smith von der Cornell Universitt in Ithaca, New York (USA), wie unterschiedlich die Schmerzintensitt von Insektensti-chen an 25 verschiedenen Krperstel-len ist. Einziger freiwilliger Proband der Studie mit je drei Stichen an 25 Krper-stellen war wen wundert es Profes-sor Michael L. Smith selbst.

    Smith fhrte die Studie mit Honig-bienen durch, weil weltweit die meis-ten Insektenstiche von Bienen verur-sacht werden. Der Insektenforscher bewertete die Schmerzen an verschie-denen Krperstellen auf einer Skala von 1 bis 10, wobei ein Stich in den Unterarm einen mittleren Schmerz von 5 Punkten verursacht.

    Drei Monate lang liess sich Smith jeden Morgen um 9 Uhr von fnf Honigbienen gezielt stechen. Smith packte die Bienen an den Flgeln und drckte sie fnf Sekunden lang auf die jeweilige Krperstelle. Den Stachel liess er eine Minute in der Haut, be-vor er ihn entfernte. Der erste und der fnfte Stich jeweils in den Unterarm waren die Referenz mit 5 Punkten.

    Erfahrene Imker arbeiten oft ohne Schutz-kleidung. Fr Jungimker im Grundkurs ist aber Schutzklei-dung empfeh-lenswert, weil sie damit weni-ger schreckhaft mit den Bienen umgehen.

    Ohne Hand-schuhe lsst sich umsichtiger mit den Honig-bienen arbeiten. Und eine Biene, welche ber die Hand luft, will nicht notwendi-gerweise stechen.

    Mit dem Smo-ker imitieren Imker einen Waldbrand. Die Bienen ziehen sich instinktiv in die Honigwaben zurck und packen einen Notvorrat, mit dem sie vor dem Waldbrand flchten knnen.

    Auch am Abend knnen die Honigbienen noch stechig sein, wenn zuvor zum Beispiel ein Traktor bei der Feldarbeit die Bienenbeuten er-schttert hat.

  • 13Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    PRAXIS

    Schmerzintensitt Krperteil

    2,3 Schdel

    2,3 Zehenspitze

    2,3 Oberarm

    3,7 Gesss

    3,7 Wade

    4,0 Kreuz

    4,7 Handgelenk

    5,0 Fussgelenk

    5,0 Unterarm

    5,0 Kniegelenk

    5,3 Nacken

    5,3 Hinter dem Ohr

    5,3 Handrcken

    6,7 Bauch

    6,7 Fingerspitze

    7,0 Achsel

    7,0 Wange

    7,0 Hand-Innenseite

    8,7 Lippe

    9,0 Nase

    Tabelle 2: Der Honey bee sting pain index by body location vergleicht die Schmerz-intensitt an verschiedenen Krperstellen.

    Infografik Honey bee sting pain index by body location.

    Die drei Stiche dazwischen wurden mit der Referenz verglichen und mit 1 bis 10 Punkten bewertet.

    Der Honey Bee Sting Pain Index by Body location zeigt, dass Bienen-stiche in den Schdel, in die Zehen und in den Oberarm am wenigsten schmerzhaft sind (2,3 Punkte). Am schmerzhaftesten sind Bienenstiche in die Wangen (7 Punkte), in die Lippen (8,7 Punkte) und Autsch! in die Nase (9 Punkte).

    Wie vermeidet man Bienenstiche?Jeder Imker weiss, Honigbienen stechen in der Regel nur, wenn sie festgehalten oder gedrckt werden. Oder wenn besondere Umstnde ihr Abwehrverhalten aktivieren. Des-halb sollte man heftige Abwehr-bewegungen vermeiden. Wenn der Imker die Ruhe bewahrt, wird sich normalerweise auch die Biene ruhig verhalten und nach kurzer Zeit weg-fliegen. Wer in Eile ist, kann die Ho-nigbiene sanft (!) abwischen.

    Versuchen Sie aber nie, die Ho-nigbiene wegzupusten! Menschen

    atmen Kohlendioxid CO2 aus wie der schlimmste Honigruber, der Braunbr. Die erste zustechende Ho-nigbiene markiert deshalb auch den menschlichen Ruber mit chemi-schen Substanzen (welche die gebte Nase des Imkers leicht wahrnehmen kann), die das Bienenvolk alarmieren und die Angriffslust verstrken. Und jeder weitere Stich verstrkt diese Duft-Markierung.

    Deshalb tragen manche Imker keine Handschuhe und waschen ihre Schutz-kleidung regelmssig. Auch wenn Bie-nenstiche nicht durch den Stoff drin-gen konnten, die Pheromone bleiben haften. Nachdem man von einer Biene gestochen wurde, sollte man sich des-halb auch fr ein paar Minuten zurck-ziehen, weg von der Bienenbeute, bis sich das Volk wieder beruhigt hat.

    Vorsichtige Imker duschen sich mit einer parfmfreien, duftneutralen Sei-fe, bevor sie zu ihren Bienen gehen. Denn Handcremes, Lotions, Parfms, Haarsprays und andere Kosmetika knnen Duftstoffe enthalten, die fr die Bienen wie Alarm-Pheromone rie-chen. Einen hnlichen Effekt haben Alkohol- und Schweissgeruch, welche die Bienen irritieren.

    Nach einer Velotour und ein bis zwei verdienten Weizenbieren total

    verschwitzt schnell noch zu den Bie-nen zu schauen, ist also eine denkbar schlechte Idee. Ausser man ist Insek-tenforscher und mchte mit seinem eigenen Stichschmerz-Index in die Wissenschaft eingehen.

    Literatur1. Schmidt, J. O. (1986) Chemistry,

    pharmacology, and chemical eco-logy of ant venoms. In T. Piek [Ed.], Venoms of the Hymenoptera. 425508. Academic Press, London.

    2. Schmidt, J. O. (1990) Hymenoptera venoms: striving toward the ultima-te defense against vertebrates, pp. 387419. In D. L. Evans and J. O. Schmidt [Eds.], Insect defenses: ad-aptive mechanisms and strategies of prey and predators. State Uni-versity of New York Press, Albany.

    3. Schmidt, J. O.; Blum, M. S.; Overal, W. L. (1984) Hemolytic activities of stinging insect venoms. Arch. In-sect Biochem. Physiol. 1:155160.

    4. Smith, M. L. (2014) Honey bee sting pain index by body location. https://peerj.com/articles/338/

    Link fr Allergiker5. http://ow.ly/KUG81 Informationen

    zu Bienenstichen und Bienengift-allergie von Agroscope.

  • 14 Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    PRAXIS

    BeeTraffic die neue App des VDRB fr das Verstellen von BienenvlkernBienen, Imker und Inspektoren knnen auch von den Neuen Medien profitieren. Der VDRB hat eine App entwickelt, die kostenlos heruntergeladen werden kann. Mit BeeTraffic so heisst die App knnen die gesetzlich vorgeschriebenen Meldungen an die Bieneninspektoren des Herkunft- und des Zielstandes verschickt und ihre Zustimmung eingeholt werden.

    BRUNO REIHL, SPRECHER DES FORUMS DER KANTONALEN BIENENINSPEKTOREN

    ([email protected]) UND RICHARD WYSS, ZENTRALPRSIDENT DES VDRB

    ([email protected])

    Alle Nutztiere, aber auch Pfer-de und Hunde mssen in der Schweiz in der Tierverkehrsdaten-bank (TVD) erfasst sein. Geburten, Besitzerwechsel, Schlachtungen oder Tod durch Krankheit mssen inner-halb gesetzlicher Frist vom Tierhalter gemeldet werden. Damit sollen Tier-seuchen verhindert und bekmpft werden, welche immer wieder gros-se wirtschaftliche Schden verursacht haben. Die gesetzliche Grundlage da-fr bildet die Tierseuchenverordnung (TSV) von 1995, die vom Bundesrat immer wieder aktualisiert wird.

    Seit 2013 gelten auch fr Bie-nen entsprechende gesetzliche Regelungen: Artikel 19a1 der TSV regelt die Kennzeichnung der Bienen und die Meldepflicht der Imker beim Verstellen:

    1) Bienenstnde sind von aussen gut sichtbar mit der kantonalen Identi-fikationsnummer zu kennzeichnen.

    2) Bevor Bienen in einen anderen In-spektionskreis verbracht werden, muss der Imker dies dem Bienen-inspektor des alten sowie des neu-en Standorts melden. Der Bienen-inspektor des alten Standorts fhrt ntigenfalls eine Gesundheitskon-trolle durch. Das Verstellen von Be-gattungseinheiten auf Belegstatio-nen muss nicht gemeldet werden.

    Eine nationale TVD fr Bienen gibt es noch nicht bzw. ist noch nicht voll-stndig. Um den Imkern dennoch die Mglichkeit zu geben, schon jetzt die gesetzlich vorgeschriebene Meldepflicht beim Verstellen von Bie-nenvlkern zu erfllen, hat der VDRB BeeTraffic entwickelt. Diese App luft

    auf Smartphones mit dem iOS und Android Betriebssystemen (wie z. B. Apples iPhone oder Samsungs Gala-xy) und kann kostenlos herunterge-laden werden. Sie luft in den drei Landessprachen Deutsch, Franzsisch und Italienisch, die sich bei Installa-tion automatisch nach der Sprache des Smartphones einrichten.

    So einfach funktioniert $GG6TCHENach der Installation und dem An-klicken des Icons auf der Nutzer-oberflche muss der Nutzer seine persnlichen Daten eingeben, ins-besondere seine E-Mail-Adresse und Telefonnummer. Will der Imker dann Bienenvlker verstellen, muss er die Koordinaten des Herkunftstandes und des Zielstandes, die Anzahl der Vlker und das Verstelldatum in die App eingeben. Der BeeTraffic Server erzeugt dann je ein E-mail an die zustndigen Bieneninspektoren des Herkunfts- und Zielstandes. Auch der Imker bekommt das E-Mail und eine

    Bee Traffic die neue App, welche der VDRB seinen Mitgliedern als Dienstleistung kostenlos zur Verfgung stellt.

  • 15Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    PRAXIS

    BeeTraffic die neue App des VDRB fr das Verstellen von Bienenvlkern

    Besttigung auf seinem Smartphone, dass er auf das OK beider Inspektoren warten muss, bis er die Vlker ver-stellen darf. Die beiden OKs der Ins-pektoren knnen per E-Mail, per SMS oder per Telefon kommen, wenn z. B. keiner der Stnde in einem Sperrkreis liegt oder eine frische Inspektion der Vlker auf dem Herkunftsstand statt-gefunden hat und sie als gesund ein-gestuft wurden.

    Herkunfts- und Zielstandort der Bienenstnde knnen auf einer Kar-te positioniert und gespeichert wer-den. Der Nutzer erhlt zugleich die Schweizer Koordinaten seiner Stn-de angegeben. Auch mit Eingabe der Postleitzahl findet der Imker leicht auf der Karte den Standort, indem er sich dort hineinzoomt. Die E-Mails an die Bieneninspektoren und an den Imker enthalten an-schliessend die Links auf die Karte und die Standorte, welche dann im Smartphone oder im Browser auf dem Computer-Bildschirm die geo-grafischen Details zeigen. Im hier il-lustrierten Beispiel sollen zwei Jung-vlker aus dem Zrich-Oberland auf den Stand SZ 117 in Galgenen im Kanton Schwyz verstellt werden. In dem E-Mail hat die BeeTraffic App alle Details des Herkunfts- und des Zielstandortes inkl. der zu-stndigen Bieneninspektoren mit

    Bee7raffiF FunNtionsZeiseBee7raffiF 6erYer

    'aten der BieneninsSeNtoren,(0ail und 0oEiltelefonnummer,

    /andNarten, 3ostleitzahlen

    ,mNer,mNerin

    BieneninsSeNtor+erNunftstandort

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    9erstellInfo

    BieneninsSeNtor=ielstandort

    (0ail

    ihren Telefonnummern und E-Mail- Adressen aufgelistet. Es sind die-selben Angaben, die seit Jahren im schweizerischen Imkerkalender ver-wendet werden.

    Die BeeTraffic App soll Mitte April aufgeschaltet werden, siehe Home-page VDRB (www.vdrb.ch), z. B. Apple Store oder Google Play Store, fr die verschiedenen Software Platt-formen. Wir sind gespannt, wie sie sich bewhrt. Am Anfang sind Kin-derkrankheiten nicht auszuschlies-sen. Wir werden diese aber sofort

    Die drei Screen-shots: Sobald der Imker den Wunsch zum Verstellen von Bienenvlkern eingegeben hat, muss er nur noch auf die Antwort der Inspektoren warten.

    Bee Traffic Funktionsweise: der Kommuni-kationsfluss von Bee Traffic.

    beheben, wenn die Nutzer uns eine Rckmeldung schicken. Die be-schriebene Funktionalitt ist erst der Anfang dieser App. In Zukunft gibt es Ausbaumglichkeiten: z. B. ein Protokoll fr jeden Imker am Jahresende, was schon fast einer Bestandeskontrolle entsprche; oder die Visualisierung von Sperrkreisen bei Faul- und Sauerbrutfllen oder die Migration auf weitere Software Plattformen. Der VDRB ist offen fr Vorschlge und wnscht allen Nut-zern viel Spass mit BeeTraffic.

  • 16 Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    PRAXIS

    Kampf dem Beutenkfer: Mitarbeit der Imker/-innen ist entscheidendNoch wissen wir nicht, wann, wo und in welchem Ausmass sich der Beutenkfer in der Schweiz ausbreiten wird. Um den unerwnschten Parasiten mglichst erfolgreich unter Kontrolle zu halten, sind alle Imker/-innen zur Mitarbeit aufgerufen.

    ROBERT LERCH, APISERVICE GMBH / BIENENGESUNDHEITSDIENST ([email protected])

    In Zusammenarbeit mit Peter Neumann (IBH),Jean-Daniel Charrire (ZBF) und Marc Schfer (Entwickler der Schfer-Falle) hat der Bienengesundheitsdienst (BGD) das Schweizer Diagnose fallen-Set zusammengestellt. Fr die Frherken-nung wird empfohlen, alle Vlker eines

    Standes mit Diagnose fallen auszustat-ten. Im Verdachtsfall ist der Bienenins-pektor unverzglich zu benachrichtigen. Das Gleiche gilt auch, wenn in einem Bienenvolk verdchtige Insektenlarven entdeckt werden. Einer sehr sorgflti-gen und regelmssigen Vlkerkontrolle

    Mit der Diagnose-falle ist die Kontrolle eines mglichen Befalls durch den aus-gewachsenen Beutenkfer einfach zu bewerkstelligen.

    Die Diagnosefalle wird durch die Flugffnung auf den sauberen, von Gemll und Propolis befreiten Beutenboden ein-geschoben. Offe-ne Bden mssen mit dem Varroa-Schieber geschlos-sen werden.

    Nach 48 Stunden wird die Falle rasch herausge-zogen (damit die Kfer nicht fliehen knnen) und im bereitliegenden Ausschlagbeutel ausgeklopft.

    Die Falle aus dem Beutel ziehen und den Ausschlagbeutel mit einem Klebestreifen gut verschliessen.

    ist dieses Jahr deshalb besondere Auf-merksamkeit zu widmen.

    Das Diagnosefallen-Set besteht aus drei Elementen:1) Diagnosefalle nach Marc Schfer2) Wiederverwendbarer Ausschlagbeu-

    tel (spezielle Plastiktte)3) Bestimmungshilfe, um den Kleinen

    Beutenkfer zu erkennen, und eine Beschreibung zum korrekten Einsatz der Diagnosefalle

    Durch das Frherkennungsprojekt APINELLA (siehe Beitrag S. 1819: Was tun, wenn der Kleine Beutenkfer auf-taucht? und dank dem aktiven Enga-gement der Imker/-innen hoffen wir, diesen neuen Bienenschdling mg-lichst lange unter Kontrolle zu halten. Zur Erreichung dieses Ziels arbeiten alle beteiligten Organisationen eng zusam-men: der Bund, die Veterinrmter der Kantone, die Bieneninspektoren, der Bienengesundheitsdienst, Verbnde und Imker aller Sprachregionen. Sie alle ziehen am gleichen Strick.

    Machen auch Sie mit wir sind gerstet. FO

    TOS:

    API

    SERV

    ICE

  • 17Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    PRAXIS

    Das Diagnosefallen-Set kann auf der Geschftsstelle des VDRB bezogen werden (Preis pro Stck: CHF 3.20 inkl. MWST, zuzglich Portokosten. Erhltlich in Sets 10 Stck).

    Die gefangenen Kfer mindestens 10 Stunden im Tiefkhler abtten.

    Die der Diagnosefalle beiliegende Bestim-mungshilfe hilft, die to-ten Kfer zu bestimmen. Beim kleinsten Verdacht muss sofort der Bienen-inspektor informiert werden. Dies gilt auch, wenn noch keine Kfer im Volk, aber mgliche Larven des Bienenkfers entdeckt werden.

    Damit der Ausschlagbeutel wieder verwendet werden kann, werden die verdchtigen toten Kfer in einen kleinen wie-derverschliessbaren Plastiksack gefllt und dem Bienen-inspektor bergeben.

    Der Bieneninspektor wird die Probe zur defi-nitiven Bestimmung an das schweizerische Referenzlabor wei-terleiten. Der Kleine Beutenkfer knnte allenfalls mit Speck-kfern verwechselt wer-den. Von denen sind in Mitteleuropa ber 100 Arten bekannt.

  • 18 Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    PRAXIS

    Was tun, wenn der Kleine Beutenkfer auftaucht?

    Seit dem 1. April 2015 sind die angepasste Tierseuchenverordnung und die Technischen Weisungen zum Kleinen Beutenkfer in Kraft. Die wichtigsten Punkte daraus werden hier vorgestellt.

    Der vollstndige Wortlaut der offiziellen Dokumente kann von der BLV-Homepage www.blv.admin.ch > Themen > Tiergesundheit heruntergeladen werden. Smtliche der darin erwhnten Massnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Kleinen Beutenkfers bei einem epidemiologisch eng eingrenzbaren Befall zu verhindern, respektive bei einem grossflchigen Auftreten die Befallsdichte tief zu halten.

    Bedrohung durch den Kleinen BeutenkferEine Einschleppung des Kleinen Beutenkfers in die Schweiz kann auf zwei Arten erfolgen: entweder ber den Import oder ber den natrlichen Einflug. Wann der Beutenkfer auf natrlichem Wege in die Schweiz ge-langt, ist schwer vorauszusagen. Ver-mutlich wird dies mehrere Jahre dau-ern. Die grsste Gefahr geht sicherlich von Importen aus (Bienen- und Hum-melvlker, Imkereinebenprodukte und gebrauchtes Imkereimaterial). Dadurch kann der Beutenkfer jederzeit in die Schweiz gelangen.

    FrherkennungJe frher eine allfllige Prsenz des Klei-nen Beutenkfers in der Schweiz er-kannt wird, desto rascher knnen geziel-te Massnahmen gegen die Ausbreitung des Kfers ergriffen werden. In diesem Sinne sind alle Schweizer Imker/-innen dazu angehalten, sich bei Verdacht auf einen Kferbefall sofort beim zustndi-gen Bieneninspektor zu melden.

    Um die Frherkennung zustzlich zu strken, werden einerseits Import- Imker berwacht und andererseits wird das Projekt APINELLA (siehe unten) umgesetzt.

    Smtliche Importe mssen den kan-tonalen Veterinrmtern mit den not-wendigen Importdokumenten gemel-det werden. Das BLV empfiehlt den Kantonen, alle im laufenden oder im Vorjahr importierten Bienen oder Hum-melvlker bis auf Weiteres auf den Kleinen Beutenkfer zu kontrollieren. Der Kantonstierarzt beauftragt den Bieneninspektor mit der berprfung der Importvlker. Die Kosten dieser Kon-trolle gehen zulasten des Importeurs.

    Neben dem seit Januar 2015 gltigen Importverbot aus Sizilien und Kalabrien gibt es keine offi-ziellen Importbeschrnkungen. Der

    Bienengesundheitsdienst bittet daher alle Schweizer Imker/-innen im Inter-esse der ganzen Branche freiwillig auf jegliche Importe zu verzichten.

    Im Rahmen des nationalen Frh-erkennungsprogramms APINELLA untersuchen pro Kanton mindestens fnf Vertrauensimker ihre Bienenstn-de an strategischen oder exponierten Lagen regelmssig mittels Schfer-Diagnosefalle auf einen allflligen Kferbefall. Die in APINELLA von den Vertrauensimkern gesammelten Daten werden vom Bienengesund-heitsdienst laufend ausgewertet und geben eine gute bersicht ber die aktuelle Lage in der Schweiz. Die Im-ker bermitteln ihre Daten dabei sehr einfach ber eine Smartphone-App oder mittels Computer.

    Vorgehen bei Verdacht auf Befall mit Kleinem BeutenkferDer Kleine Beutenkfer ist eine melde-pflichtige Seuche. Im Verdachtsfall ist umgehend der Bieneninspektor beizu-ziehen. Das anschliessende Vorgehen luft in folgenden Schritten ab: Kfer- und allenfalls Larvenproben

    in einem dichten Plastiksack min-destens 10 Stunden tiefgefrieren.

    Nach Besttigung des ersten Ver-dachts durch den Bieneninspektor werden die Kfer in einen wieder-verschliessbaren Plastikbeutel um-gefllt und anschliessend in eine Kartonschachtel verpackt. Dieses Pckchen ist zwischen Montag und Donnerstag als Priority- oder Express-Sendung ans Referenzlabor fr Bienenkrankheiten (Zentrum fr Bienenforschung ZBF) zur Untersu-chung zu senden. Damit die Kfer im Labor mglichst frisch eintreffen, bitte freitags keine Proben senden, sondern diese bers Wochenende im Tiefkhler aufbewahren.

    Die endgltige Besttigung oder Widerlegung des Verdachts erfolgt durch das Referenzlabor.

    Massnahmen bei Befall mit dem Kleinen BeutenkferDer Kleine Beutenkfer ist bisher in der Schweiz noch nie nachgewie-sen worden. Wird er in der Schweiz gefunden und handelt es sich dabei um einen eng eingegrenzten Befall,

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    Der Kleine Beutenkfer (Aethina tumida).

    ANJA EBENER, GESCHFTSLEITERIN APISERVICE GMBH / BIENENGESUNDHEITSDIENST

    ([email protected]) UND ELENA DI LABIO, BUNDESAMT FR

    LEBENSMITTELSICHERHEIT UND VETERINRWESEN BLV, TIERSEUCHENBEKMPFUNG

  • 19Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    PRAXIS

    kommen die in der Tierseuchenver-ordnung festgelegten Entseuchungs- und Sanierungsmassnahmen uneinge-schrnkt zur Anwendung. Der Kleine Beutenkfer soll dadurch wieder aus-gerottet werden.

    Ist ein Bienenstand oder ein Hum-melnest vom Kleinen Beutenkfer be-fallen, ordnet der Kantonstierarzt um-gehend eine Sanierung an. Smtliche Bienen oder Hummeln des betroffe-nen Standes werden abgeschwefelt. Das Imkermaterial (Ksten, Rahmen, Wabenmaterial und ein Grossteil des Imkereizubehrs) muss nach den An-weisungen des Bieneninspektors ver-nichtet oder vor Ort mit einer geeig-neten Methode (z. B. Tiefkhlung) entseucht werden. Das restliche Im-kermaterial, Gertschaften, Imkerei-zubehr aus Metall, Bienenhuser und weitere Rumlichkeiten der Imkerei mssen gereinigt und entseucht wer-den. Der Verlust der Bienen wird nach den Reglementen der kantonalen Ve-terinrdienste entschdigt.

    Da sich die Beutenkfer-Larven im Bo-den rund um den Bienenstand verpup-pen, muss dieser in einem Umkreis von einem Meter um den Stand mit einem speziellen Insektizid behandelt werden.

    Schutz- und berwachungszoneInnerhalb der Schutzzone (3 km Ra-dius) fhrt der Bieneninspektor bei allen Stnden eine visuelle Kontrolle durch und platziert in allen Vlkern Fallen.

    In der berwachungszone (10 km Radius), dem weiteren Umkreis des befallenen Standes, muss mindestens ein Drittel der Bienenstnde nach den Anweisungen des Bieneninspektors mittels Fallen kontrolliert werden.

    Alle mit Diagnosefallen ausgestat-teten Bienenstnde in der Schutz- und berwachungszone mssen durch den Bieneninspektor beziehungsweise den Imker, von Mrz bis Oktober min-destens alle zwei Wochen kon trolliert und die Ergebnisse protokolliert wer-den. Die Diagnosefallen werden im vorangehenden Beitrag von Robert Lerch vom BGD Kampf dem Beuten-kfer: Mitarbeit der Imker/-innen ist entscheidend vorgestellt.

    Bienen und Hummeln, gebrauch-tes Imkereimaterial, Wabenhonig und Imkereinebenprodukte drfen

    innerhalb beider Zonen nicht verscho-ben werden.

    Im Falle eines grossflchigen Kferbe-falls wird auf die Vernichtung der Bienen-vlker, des Imkereimaterials, der Imkerei-nebenprodukte und des Wabenhonigs

    Ein fiktives Bei-spiel einer Schutz- respektive ber-wachungszone.

    GRA

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    : ZB

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    verzichtet und auch keine Boden-Be-handlung mehr durchgefhrt. Viel mehr wird es darum gehen, die Kferdichte durch eine angepasste imkerliche Pra-xis mglichst gering zu halten und mit dem Kfer zu leben.

    Entwarnung nach Verdacht auf Kleinen Beutenkfer im Kanton UriIn einem Bienenstock im Kanton Uri wurden am 28. Mrz verdchtige Larven entdeckt. Die Bieneninspekto-ren sowie die zustndigen Behrden und Organisationen reagierten sofort. Die Urner Imker wurden gewarnt, weil die wahrscheinlichste Einfallsroute des Kleinen Beutenkfers mit Gtertransporten durch den Gotthard direkt ins Urnerland fhrt. Der Leitende Bieneninspektor Bruno Reihl fror die Waben ein, um Eier, Larven und adulte Tiere abzutten. Der Bienenkasten wurde gereinigt und sterilisiert. Kantonstierarzt Andreas Ewy dank-te dem betroffenen Imker, dass er so schnell gehandelt hatte und sprach sofort eine Standsperre als seuchen-behrdliche Massnahme aus. Und der Kantonstierarzt erklrte den Urner Talboden von Gschenen bis zum Urnersee zum Sperrgebiet, aus dem kein Bienen- oder Imkermaterial ausgefhrt werden darf.

    Es war eine Hauptprobe mit Lerneekt fr Alle!In der Zwischenzeit hat das Zentrum fr Bienenforschung ZBF die Wabenproben analysiert und gab am Abend des 2. April bekannt: Die verdchtigen Larven waren Fliegenlarven. Zum Glck war es nur ein Fehlalarm! Red.

    Beutenkfer-, Wachsmotten- oder Fliegenlarve?Unterscheidungsmerkmale, die mit einer Lupe zu erkennen sind:

    Larve des Kleinen BeutenkfersAethina tumida

    Larve der Grossen und KleinenWachsmotteGalleriamellonella / Achroia grisella

    Larve der Schmeiss- und FleischfliegeCalliphoridae und Sarcophagidae (= Made)

    Larve der GrossenWachsmotte

    Larve der KleinenWachsmotte

    Grsseausgewachsene Larvebis ca. 10 mm,junge Larven sinddeutlich kleiner

    Grsse ausge-wachsene Larvebis ca. 30 mm,junge Larven sinddeutlich kleiner

    Grsse ausgewachsene Larvebis ca. 1215 mm,junge Larven sind deutlich kleiner

    3 gut ausgebildete Beinpaare am Brustsegmentgut sichtbarer Kopfkeine Bauchfsse am Hinterleibkein Beinpaar als Nachschieber amHinterleibsende2 Dornenreihen auf dem Rcken

    keine Beine am Brustsegmentkein Kopf, die Mundwerkzeuge sind amspitzen Ende der MadeHinterleib beinlosMade vorne spitz und hinten am breitestenRcken glatt (keine Borsten oder Dornen)

    3 kurze Beinpaare am Brustsegmentgut sichtbarer Kopf

    stummelfrmigeBauchfsseam Hinterleib

    ein sog. Nachschieber

    (Mehr Informationen zu Unterscheidungsmerkmalen und Merkblatt zum Herunterladen zusammengestellt von Eva Sprecher unter: www.vdrb.ch/aktuelles/news)

  • 20 Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    PRAXIS

    Jedem Bienenvolk seine eigene BrsteBienenbrsten knnen zur bertragung von Brutkrankheiten wie Faul- und Sauerbrut beitragen. Dies kann mit einer volkseigenen Bienenbrste vermieden werden.

    THOMAS HOFMANN, STV. BIENENINSPEKTOR BEZIRK DIELSDORF ([email protected])

    ESTHER KOBI, BIENENINSPEKTORIN BEZIRK DIELSDORF ([email protected])

    Im Jahr 2012 trat in unserem Bezirk eine Hufung von Sauer- und z. T. Faulbrut auf. Bei vielen Standbesu-chen hatten wir neben dem Befall und der Dokumentation auch immer eine mangelnde Betriebshygiene zu beanstanden. Dazu gehrte auch die Bienenbrste: Imker besitzen in

    der Regel pro Standort lediglich eine einzige Bienenbrste, welche fr alle Vlker verwendet wird.

    Anlsslich einer Inspektion eines Bienenhauses zeigte uns ein ge-standener Metzger stolz seine Bie-nenbrste, welche schon sein Va-ter im Einsatz hatte. Nach erstem

    Unverstndnis unserer mssigen Freu-de ber das handwerklich wunderbar gefertigte Stck und unserem Vor-schlag, die Brste doch als Erinnerung an die Wand zu nageln, erwiderte uns der Imker, wir sollten doch, anstatt nur Seuchenpolizei zu spielen, auch ein-mal einen konstruktiven Vorschlag zur Behebung der Situation machen.

    Er hatte recht wir versprachen eine Lsung.

    Krankheitsbertragung durch Imker vermeidenUm die bertragung von Keimen durch Schmierinfektionen (Cross- Kontamination) zu vermeiden, muss fr jedes Volk sauberes Werkzeug zur Verfgung stehen. Bei den Stock-meisseln, Wabenzangen und ande-rem Imkergert wird dies durch Ab-flammen sicher und effizient erreicht. Bienenbrsten bestehen aber aus Ma-terialien, welche dies nicht erlauben. Deshalb war es unser Ziel, jedem Bie-nenvolk seine eigene Brste bereitzu-stellen, welche fr jede Imkerin und jeden Imker erschwinglich ist.

    Eine volkseigene Bienenbrste ist ein Puzzleteil zur Erhhung der Bie-nengesundheit. Die bertragungs-mglichkeiten werden eingeschrnkt und die Betriebshygiene wird mit we-nig Aufwand verbessert. Dies kann natrlich auch erreicht werden, wenn man die Brsten ganz weglsst und die Bienen von den Waben klopft.

    Die HerausforderungNach etlichen Diskussionen mit be-freundeten Imkern und Bienenins-pektoren, Herstellern von Reinigungs-material und Hochschulkollegen von Co-Autor Thomas Hofmann war das Anforderungsprofil unserer idealen Bienenbrste definiert: Gutes Abwischen der Bienen von

    der Wabe Optimale Besatzstrke, um Verlet-

    zungen der Bienen zu vermeiden. Brstenbreite fr alle gngigen

    Wabenmasse Feld zum Beschriften mit Volks-

    nummer

    Die Keime der Faul- und Sauerbrut berleben sehr lange. Es lohnt sich deshalb, mgliche bertragungsquellen durch den Imker zu eliminieren.

    Diese Angaben sind den Unterlagen vom Bieneninspektoren Kurs entnommen.

    Exposition / Substrat Keimfhigkeit

    Widerstandsfhigkeit der Faulbrutsporen (Paenibacillus larvae)

    Sonne (UV-Strahlen) 46 Wochen

    Frost unempfindlich

    Honig (20 C) ber ein Jahr

    Vergraben 60 Jahre

    Widerstandsfhigkeit der Sauerbrutsporen (Melissococcus plutonius)

    Kot 56 Monate

    Pollen mehrere Monate

    Honig wenige Monate

    Ausstrich Glasobjekttrger 3 Jahre

    Vergleich und Beurteilung der verschiedenen Prototypen. FO

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  • 21Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    PRAXIS

    Jedem Bienenvolk seine eigene Brste Material: Polypropylen (ohne Chlor, zu recyclen) Preis gnstiger als im Fachhandel Ergonomie im Einsatz Hygiene des Materials Zu waschen mit Wasser Brsteneinzug in der SchweizAufgrund dieses Anforderungspro-fils hat sich Thomas Hofmann an die Arbeit gemacht, um unter Einsatz von viel Freizeit einen gangbaren Weg zur Herstellung einer solchen Bienenbrs-te zu finden.

    Die ersten Prototypen, mit moderns-ter 3-D-Drucker Technologie hergestellt, standen im Sommer 2013 bereit und konnten am Standbesuch der interes-sierten Imkerschaft prsentiert und von ihr getestet werden. Danach wurden letzte Anpassungen vorgenommen.

    Untersttzung durch den VDRBDie Entwicklung bis zur Marktreife berstieg die finanziellen Mittel der Entwickler. Es musste also ein Partner gefunden werden, welcher an diesem Produkt interessiert war und sich da-ran auch finanziell beteiligte. Erfreuli-cherweise wurde ein Gesuch an den VDRB durchwegs positiv beantwortet. Der VDRB verpflichte sich zudem, die Bienenbrsten ber seine Geschfts-stelle zu vertreiben.

    Das neue Produkt ist ein mehr-heitlich in der Schweiz gefertigtes Qualittsprodukt, welches in Zu-sammenarbeit mit der Brstenfab-rik Edi Baur in Fehraltorf entwickelt wurde und die eingangs geforder-ten Kriterien vollumfnglich erfllt. Damit besteht eigentlich kein Grund mehr, warum nicht jedes Volk ber seine eigene Bienenbrste verf-gen sollte. Dank der Untersttzung durch das QuNaV Programm kn-nen die Bienenbrsten fr Siegel-imker/-innen wiederum vergnstigt abgegeben werden.

    Die neuen Bienenbrsten knnen ab sofort bei der Geschftsstelle des VDRB bezogen werden:

    3.50 Franken pro Stck fr Siegelimker/-innen (inkl. MwSt, zzgl. Versandspesen)

    7.00 Franken pro Stck fr Nicht-Siegel-Imker/-innen (inkl. MwSt, zzgl. Versandspesen)

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    Bienenbrste mit Feld zum Beschriften mit dazugehren-dem Bienenvolk (links) und dem Logo des VDRB (rechts).

    Das fertige Produkt ist bereit zur Auslieferung.

    Jedem Bienenvolk seine eigene Bienenbrste.

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  • 22 Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    WILDBIENEN

    Optimale Voraussetzungen fr Wildbienen schaffen

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    Welche Nistmaterialien werden von den Wildbienen angenommen, welche nicht? Welche Materialien werden zuerst besiedelt, welche spter? Wie lange halten welche Materialien den Witterungseinflssen stand? Das Projekt sollte auf all diese und weitere Fragen Antwort geben.

    RITA JAKOB-LTHY, WEIER I. E. ([email protected])

    Als ich 2007 die Anfrage erhielt, im Areal des ABC-Zentrums in Spiez ein grsseres Wildbienenho-tel aufzustellen, sah ich es als eine grosse Chance, mit dieser Wildbie-nenbehausung eine ganze Anzahl von Fragen zu beantworten, welche mich schon seit langer Zeit beschf-tigten. Dadurch, dass dieses Haus im militrisch geschtzten Bereich zu stehen kam, ist es auch nicht fr je-dermann zugnglich. Fremdeinfls-se sind somit kleiner. Bei der Zusam-menstellung der Materialien ging es mir darum, solche auszuwhlen, die bei uns in der Umgebung anfallen. Material, das von Menschen, die von mir betreut werden, gesammelt und verarbeitet werden kann. Das Ganze sollte robust sein, gleichzei-tig aber ohne Klebstoffe und Farben auskommen.

    Bei dieser Untersuchung ging es nicht um die Frage, welche Wildbie-nenarten diese Unterkunft besiedeln. Vielmehr sollte beantwortet werden, welches natrliche Nistmaterial von den Wildbienen am besten ange-nommen, zu welchem Zeitpunkt die-ses besiedelt wrde und wie lange die unterschiedlichen Nistmaterialien ver-wendet werden knnen.

    Im Mrz 2008 wurde das Wild-bienenhaus mit den verschiedenen Materialien an einer sdwestlich exponierten Betonmauer im ABC- Zentrum in Spiez montiert. Jeweils Ende Jahr wurde die Frontseite foto-grafiert. Gleichzeitig wurden die durch natrlichen Schwund entstandenen Lcken wieder aufgefllt. Zuhause konnte aufgrund der Bilder beurteilt werden, welche Materialien im Laufe des vorangegangenen Jahres von den Wildbienen besetzt worden waren.Das Wildbienenhaus des ABC-Zentrums in Spiez misst ohne Dach 1 x 1 m und ist ca. 80 kg schwer.

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  • 23Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    WILDBIENEN

    Die erste SaisonBei der ersten Auswertung zeigte sich, dass die Halme aus Roggenstroh be-reits im ersten Sommer von den Wild-bienen gut besiedelt wurden. Dies war insofern berraschend, als dnnwan-diges Roggenstroh in einigen Litera-turquellen als ungeeignet bezeichnet wird. Aufgrund der unterschiedlichen Verdeckelung darf zudem davon aus-gegangen werden, dass verschiedene Wildbienenarten am Werk gewesen sein mussten. Auch Bambus entspricht offenbar dem Geschmack verschiede-ner Wildbienenarten, wie die unter-schiedlich dicken, gut besiedelten Rhrchen zeigten. Auf ebenso grosses Interesse stiess der Mischbereich mit verschiedenen Stngeln. Demgegen-ber wurden Hartholzstcke, Karden und das Ton-Sand-Zement-Gemisch, in welches wir Lcher gebohrt hat-ten, gar nicht angenommen. Ebenso schlecht schnitten im ersten Jahr ge-brannter Ton, Sonnenblumenstngel, Himbeer- und Brombeerranken sowie die Glasrhrchen ab.

    Bei der Auswertung der Bilder konnte auch festgestellt werden, dass in einigen Fllen die Bienen be-reits whrend des ersten Sommers geschlpft waren, in andern Fllen aber offensichtlich in den Stngeln berwinterten.

    Neue Fragen nach einem Jahr ErfahrungNach dem ersten Jahr blieben viele Fragen offen: Werden zum Beispiel markhaltige Stngel, bei welchen von den Bienen vor der Benutzung das Mark weggenagt werden muss, erst angenommen, wenn es keine an-deren verfgbaren Nistmglichkeiten gibt? Oder warum werden in einigen Hartholzstcken einzelne Brutrhren angenommen und andere nicht? Hat es mglicherweise von dieser Wild-bienenart (noch) zu wenige Exempla-re auf dem Gelnde? Einige anfangs sauber gebohrte Lcher wiesen nun wahrscheinlich witterungsbedingt freistehende Fasern auf. Kommt dies auch bei natrlichen Frassgn-gen vor? Sollten die entsprechenden Lcher neu gebohrt oder ausgeschlif-fen werden oder wrden sie trotzdem noch besiedelt werden?

    Vernderungen im dritten JahrAm Ende des dritten Jahres, sah das Bienenhotel auf den ersten Blick we-nig besiedelt aus. Beim genaueren Hinsehen musste die Beurteilung aber differenziert vorgenommen werden. Von den vielen angebotenen Brutrhren im Hartholz waren nur wenige, dnne besiedelt. Neu waren einige Rhren in den Tondreiecken bewohnt. Die Rog-genstrohstngel im oberen Teil waren hingegen bereits mehrfach genutzt und auch im Winter zum Teil noch besiedelt. Auch die Holunder-, Cassis- Himbeer- und Sommerfliederstngel waren nun zu einem guten Teil besiedelt worden, nachdem das Mark dieser Stngel zu verwittern begann. Einige Gnge waren verdeckelt, andere schon wieder frei. Et-was Interessantes war beim Haselrund-holz zu erkennen: Die Brutrhre ganz links im Holz wurde benutzt und dann durch einen Riss gespalten. Offenbar hat die Brut dies aber berlebt und war aus-geschlpft. Dies war am ebenfalls aufge-spaltenen Rest des von den Jungbienen entfernten Deckels zu erkennen.

    Die Jahre vier und fnf Im Laufe dieser Jahre waren praktisch alle angebotenen Materialien ein oder mehrmals besiedelt worden. Gespannt hatte ich auf die Besiedelung der Woh-nungen aus Ton-Sand-Zement-Gemisch gewartet: Hatten sie in diesen Folge-jahren mehr Wildbienen angezogen? Diese Frage konnte bejaht werden: Ein schner Teil der Brutrhren war nun be-siedelt und auch die Spuren bereits wie-der ausgeflogener Gste waren an den Rckstnden in den Brutrhrchen noch zu erkennen. Auch das kleine Dreieck aus gebranntem Ton war fast vollstndig und sichtlich mehrmals hintereinander besiedelt worden. Die Karden und auch der Bambus waren weiterhin recht gut besetzt. Nicht besiedelt waren hingegen auch nach fnf Jahren Sonnenblumen-stngel und die Glasrhrchen. Andrer-seits strte es die Wildbienen offensicht-lich nicht, dass Hartholzrhrchen sich im Laufe der Zeit der Lnge nach spalteten: sie wurden trotzdem besiedelt.

    Fazit nach sieben JahrenWie schon in frheren Jahren bemerkte ich auch im 6. Jahr auf den ersten Blick keine wesentlichen Vernderungen.

    Roggenstroh wurde innerhalb weniger Wochen besiedelt.

    Warum wurden beim Hartholz wohl nur einzelne Rhren benutzt?

    Bambus ist grundstzlich ein beliebtes Material. Neben vollen sind zum Teil bereits wieder leere Brutrhren zu erkennen.

    Erst bei genauerer Betrachtung so-wie beim Stopfen und Ersetzen der entstandenen Lcken konnten einige interessante Feststellungen gemacht werden. Die verschiedenen Stngel waren unterschiedlich verwittert. Ei-nige wenige waren nie besiedelt wor-den, der weitaus grsste Teil hingegen mehrmals, was durch die Reste der Deckel in den Rhren belegt wurde. Die noch gefllten Brutrhren wiesen ganz unterschiedliche Deckel auf. Dies besttigte die Besiedlung durch unter-schiedliche Wildbienenarten.

    In der letzten Beobachtungsperiode waren nun auch Brutrhrchen aus Glas angenommen worden. Beim Eingang der bebrteten Rhrchen war an den Rckstnden zu erkennen, dass diese mehrfach benutzt worden waren. In den Glasrhrchen knnten zudem durch

  • 24 Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    WILDBIENEN

    einen Experten auch die Arten der Be-wohner bestimmt werden.

    Nach sieben Beobachtungsjahren knnen die eingangs gestellten Fra-gen weitgehend beantwortet werden. Selbstverstndlich beschrnken sich die Aussagen auf den Standort Spiez, die vorhandenen Nistmaterialien, das jah-resspezifische Wetter, die Nahrung im bestehenden Magerwiesengelnde und die lokal vorhandenen Wildbienenarten. Die gemachten Erfahrungen knnen also nicht ohne weiteres auf andere Re-gionen bertragen werden, was solche Untersuchungen auch spannend macht.

    Akzeptanz der MaterialienAlle verwendeten Naturmaterialien mit Ausnahme von Sonnenblumen-stngeln wurden von den Wildbie-nen besiedelt. Auch Gnge in einem Gemisch aus Zement, Sand und Ton sowie in gebranntem Ton wurden gerne verwendet. Bambus und China-schilf sind streng genommen keine

    einheimischen Pflanzen. Sind aber hier gewachsen und geerntet worden. Da sie sehr gerne und rasch besiedelt werden, verwende ich sie weiterhin.

    Dass Sonnenblumenstngel nicht angenommen werden, habe ich aus vielen Rckmeldungen aus praktisch allen Regionen der Schweiz besttigt erhalten. Vorderhand verzichte ich deshalb auf dieses Material.

    Die Glasrhrchen werden usserst selten als Brutrhren benutzt. Ich bin jedoch im Besitz von Fotos auch vom Wildbienenhaus Spiez welche belegen, dass einige wenige doch und mehrfach hintereinander besie-delt wurden. Da Glas nicht ein Pflan-zenmaterial ist und zudem die Gefahr durch Splitter besteht, verwende ich die Rhrchen nur noch auf Wunsch.

    Baumscheiben aus Hartholz knnen im Laufe der Zeit spalten. Davon kn-nen Brutrhren betroffen werden. Dass die Brut dadurch geschdigt oder gar vernichtet wird, ist mglich, aber nicht in jedem Fall zutreffend. Auch gut ge-trocknete Rundholzstcke knnen feine Haarrisse bekommen. Dies scheint die Wildbienen nicht zu stren. Bezglich der Spaltenbildung scheint der Stand-ort entscheidend zu sein. Bei einem seit zehn Jahren hngenden Wildbienen-dreieck auf der Sonnseite eines Bauern-hauses mit weit vorragendem Dach gab es in keinem einzigen Holzstck Risse.

    In einigen Hartholzstcken gab es stirnseitig gebohrte Gnge, in ande-ren rechtwinklig zu den Jahrringen verlaufende. Auf die Besiedlung hatte dies keinen Einfluss.

    Einige wenige Brutrhren in sonst hufig benutztem Material blieben immer unbesiedelt. Der Grund dafr ist nicht bekannt. Anderseits wurden die meisten Materialien mehrfach hin-tereinander besiedelt. Brutrhrchen mit einem Durchmesser von weniger als zwei und mehr als acht Millimeter wurden nicht besiedelt

    Zeitpunkt der BesiedelungCassis, Sommerflieder, dnnwandiges Material wie Stroh und feines Schilf wurden zuerst besiedelt. Danach nahmen die Wildbienen ein Gemisch aus verschiedenen hohlen Stngeln mit verschiedenen Durchmessern an. Gleichzeitig wurden auch Bambus Ende Winter 2014 / 2015 Das Haus nach sieben Sommern. Die Zeit hat Spuren hinterlassen.

    Die Material- und Werkzeugkiste eines Bienenhotelbauers.

  • 25Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    WILDBIENEN

    Spalten im Rundholz scheinen die Bienen nicht zu stren.

    In der Baumscheibe aus Eiche wurde der Spalt, der sich im Laufe der Jahre bildete, mit verschiedenen Pflanzen-stngeln ergnzt (links). Mit der Zeit wurden auch Ton-Sand-Zement-Gemisch Rhrchen besiedelt (rechts).

    An den verschiedenen Verschlssen kann man erkennen, dass die Rhrchen von verschiedenen Wildbienenarten besiedelt wurden.

    Die Entwicklung der Wildbienen kann in Glasrhrchen gut verfolgt werden. Leider werden diese nicht gerne besiedelt.

    und grobes Schilf benutzt. In Hartholz gebohrte Gnge, Rhren in gebrann-tem Ton und das Ton-Sand-Zement-Gemisch wurden erst spter belegt. Das Mark in Stngeln muss anschei-nend erst einige Jahre trocknen und verwittern, bevor solche Stngel be-nutzt werden knnen.

    Es scheint ein Zusammenhang zu be-stehen zwischen der Langlebigkeit des Materials und der Geschwindigkeit, in der dieses besiedelt wird: kurzlebige Strohstngel umgehend, langlebige wie gebrannter Ton oder Betongemisch erst in Folgejahren.

    Brombeer- und Himbeerranken, aber auch Holunder werden nach meinen Beobachtungen an verschiedenen Wild-bienenhusern in verschiedenen Ge-genden der Schweiz erst nach einigen Jahren besiedelt. Bohrt man hingegen das Mark von Anfang an aus, werden sie gerne und sofort angenommen.

    Im Jahr 2013 musste wegen ander-weitigem Nutzen der Betonwand das ganze Wildbienenhaus an eine andere, nordstliche Wand versetzt werden. Im darauffolgenden Sommer waren deutlich weniger neu besetzte Brut-rhren anzutreffen als sonst blich.

    Lebensdauer der MaterialienDie verwendeten Tragelemente aus Holz waren unbehandelt, wie eingangs erwhnt. Nur die Schindeln waren als Wetterschutz gelt worden. Diese Ma-terialien berdauerten den Versuch pro-blemlos. Die Stabilitt musste gelegent-lich mit ein paar zustzlichen Schrauben sichergestellt werden.

    Stroh berdauerte lngstens drei, Schilf lngstens vier Jahre. Dann mussten die Materialien ersetzt werden. Auch dnnere Bambusstcke oder sonstige Stngel haben sich vereinzelt nach vier bis fnf Jahren gespalten oder wurden brchig. Alle brigen Pflanzen und das Holz konnten auch nach sieben Jahren so belassen werden.

    Im Winter 2012 waren zahlreiche Stngel herausgefallen mglicher-weise als Folge von Schwund oder Ein-wirkung von Vgeln. Diese konnten zum Teil wieder eingesetzt werden oder wurden durch neue ersetzt. Dabei wur-de das ganze Wildbienenhaus mit dn-nen Stngeln enger gestopft. Dies hatte auf die Besiedlung im darauffolgenden

    Sommer keinen Einfluss. Grundstzlich sollte ein Wildbienenhotel aber jedes Jahr kontrolliert und bei Bedarf ergnzt werden. Stroh sollte nach drei, Schilf nach vier Jahren ersetzt werden, falls es nicht vorher verrottet oder am Zerfallen ist. Alle brigen Materialien halten min-destens sieben Jahre.

    Ein Ausputzen oder gar Ausbohren von Rhrchen ist weder ntig noch hilfreich. Die Bienen tragen altes Ma-terial selber heraus oder verwenden Teile davon gar fr die neuen Einzel-zellen. Sollte eine herausgenommene Rhre doch noch Brut enthalten, muss sie sorgfltig an einen sonnigen, tro-ckenen Standort gelegt werden, da-mit die Bienen schlpfen knnen.

    SchlussbemerkungDieser Versuch zeigt, wie gerne Wild-bienen von Menschen angefertigte Nisthilfen annehmen. Eine schnere Belohnung kann es fr jemanden, der solche Wildbienenhotels produziert, gar nicht geben.

    Auch die Rhrengnge im gebrannten Ton stiessen im Laufe der Zeit auf Interesse.

  • 26 Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    TRACHTPFLANZEN

    CHRISTOPH JAKOB-LTHY, WEIER I. E. ([email protected])

    Die meisten Fruchtbume sind verblht, die Wiesen gemht und es folgt die alljhrliche Trachtlcke, welche fr die Nektar- und Pollenversorgung der Bienen sehr heikel sein kann. Hier schafft eine Weidenart in Kombination mit andern Pflanzen Abhilfe.

    unbedingt ber Jahre hinweg an nahe-gelegenen Bachlufen oder Waldrn-dern gesteckt werden. Auch hier gilt:

    Es gibt noch viele andere Pflan-zen, welche einen Waldrand oder eine Uferhecke aufwerten und die Trachtlcke berwinden helfen kn-nen. So sind Eberesche (Sorbus aucuparia), Schwarzer Holunder (Sambucus nigra), Linde (Tilia) und Kastanie (Castanea sativa) leicht an Waldrndern oder Bachufern zu set-zen. Da gedeiht auch das Geissblatt (Lonicera), eine viele Meter lange, ran-kende Pflanze. Sie blht mehrmals pro Jahr und bis in den Sptherbst hin-ein. Alle diese Bltenpflanzen kn-nen ber Stecklinge oder Wurzelst-cke vermehrt werden und sind somit gratis. Himbeeren und Brombeeren (Rubus) blhen praktisch den gan-zen Sommer ber und weisen zudem Nektar- und Pollenwerte zwischen 3 und 4 auf, also gut bis sehr gut. Dies gilt auch fr Kardendistel (Dipsacus sativus), Skabiosen (Scabiosa), Rin-gelblumen (Calendula) und die ver-schiedensten Mohnarten (Papaver). Sie knnen wie auch Flockenblume (Centaurea), Phacelia (Phacelia tana-cetifolia), Esparsette (Onobrychis) und Honigklee (Melilotus) nicht nur im Garten gehalten, sondern sonnseitig an Heckenrndern ausgest werden.

    Aufforderung an Imker/-innenDie beste Mglichkeit, eine Hecke oder einen Waldrand mit Trachtpflanzen aufzuwerten, ist folgende: Im Juni und Juli mit offenen Augen Spazier-gnge unternehmen und einzelne, an einem Ort hufig vorkommen-de, blhende Pflanzen ausstechen

    Die Lorbeerweide bildet ihre Bltter erst im Mai und es wird Juni, in hheren Lagen gar Juli, bis sie blht. Daran und an der dunklen Farbe, der mit einer Wachsschicht berzogenen der Bltter, ist sie gut zu erkennen. Die Blattform und der leicht angenehme Duft haben ihr zu ihrem Namen ver-holfen. Dieser Duft stammt von einem klebrigen Saft, der von Drsen am Blattrand ausgeschieden wird und dort deutlich sprbar ist. Mit einer Hhe von 1215 Metern bildet die Lorbeerwei-de einen recht ansehnlichen Baum. Werden die Austriebe am Boden nicht

    entfernt, bildet sie einen Busch. Der wird dann deutlich weniger hoch, da-fr breiter und wirkt dadurch mchti-ger. Die Lorbeerweide ist nicht gerade hufig und deshalb meist nur im Fach-handel erhltlich. Vielleicht kennt man aber auch einen Imker, welcher die Art bereits besitzt und einem mit Steck-lingen aushelfen kann. Eine Lorbeer-weide beim Bienenstand zu setzen, sollte fr jeden Imker ein Muss sein. Sie alleine beseitigt die Trachtlcke im Juni aber nicht. Wenn die eigene Lorbeerweide gross genug ist, um Stecklinge zu liefern, sollten solche

    Lorbeerweide (Salix pentandra) die am sptesten blhende

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    Die Bltter der Lorbeerweide treiben lange vor der Blte aus.

    Eine Lorbeerweide alleine macht noch

    kein Bienenvolk satt, ein ganzes Bachufer, ein Waldrand oder

    eine Hecke voll davon hingegen schon.

  • 27Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    TRACHTPFLANZEN

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    und sie an der aufzuwertenden Stel-le pflanzen. Es wre schn, wenn je-der Imker und jede Imkerin ein Stck Waldrand oder Bachufer ber Jah-re pflegen und naturnah aufwerten wrde. Ich bin sicher, der betreffende Landwirt oder die Gemeinde wren noch so froh um die Zeitersparnis, welche sie dadurch erzielten.

    Eigentlich msste jeder Bienenver-ein pro Jahr einen Heckenaufwer-tungsanlass fest in sein Jahrespro-gramm aufnehmen. Whrend einiger weniger Stunden kann so ein hundert

    Lorbeerweide (Salix pentandra) die am sptesten blhende

    Meter langes Heckenstck aufgewer-tet werden. Wenn es nicht die Bienen-haltenden tun, wer dann? Schliesslich haben sie auch den grssten Nutzen davon. Ich bin berzeugt, dass, wenn mit den Jahren in jeder der ber zweitausend Gemeinden der Schweiz mehrere Hecken aufgewertet wrden, die Trachtlcke zu einem grossen Teil geschlossen werden knnte.

    Mehr ber das naturnahe Auf-werten von Hecken finden Sie auch unter: www.vdrb.ch > Bienenwelt > Uferwelten.

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    Die weibliche Blte der Lorbeerweide.

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    Das Geissblatt (Lonicera), der duftende Langeblher.

    Der Schwarzdorn (Prunus spinosa) gehrt in jede Hecke. Im Gegensatz zum Weissdorn (Crataegus sp.) erscheinen beim Schwarzdorn die Blten vor den Blttern.

    Die Brombeere auch sie ist ein attraktiver Sptblher.

  • 28 Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    TRACHTPFLANZEN

    Bienen besuchen Magnolienblten nicht nur wegen des zuckerhaltigen Saftes der Fruchtbltter, sondern auch weil sie dabei auch noch eine warme Stube geniessen knnen: Innerhalb der Blte ist die Temperatur bis zu 10 C hher als draussen.

    HELMUT HINTERMEIER, 91605 D-GALLMERSGARTEN, ([email protected])

    Prachtvolle Magnolien

    Wenn die meisten unserer heimi-schen Strucher und Bume erst zaghaft ihre Knospen sprengen, stehen in Parkanlagen fremdlndische Gehl-ze bereits in voller Pracht und bezau-bern Spaziergnger und Naturfreunde jedes Jahr aufs Neue. Die Rede ist vom Frhlingstraum der Magnolien. Der Gattungsname geht auf den franzsi-schen Botaniker Pierre Magnol (16381715) zurck. Ihm wird das Verdienst zugeschrieben, den Begriff der Pflan-zenfamilie geschaffen zu haben.

    Einst auch in Europa heimischDie Familie der Magnoliengewchse (Magnoliaceae) umfasst 10 Gattun-gen mit rund 215 Arten. Natrliche Vorkommen finden sich im indonesi-schen Raum, ausserdem in Sd- und

    am hufigsten vertreten ist die Tulpen-magnolie (Magnolia x soulangeana), die bereits 1826 von einer Baumschule bei Paris in den Handel gebracht wur-de. Sie ist ein Bastard zwischen Yulan- und Purpurmagnolie. Der eine Eltern-teil, die Yulan- oder Lilienmagnolie (M. denudata) hat duftende, weisse Blten mit bis zu 15 cm Durchmesser, der andere Elternteil, die Purpurmag-nolie (M. liliiflora) besitzt innen weis-se, aussen purpurne, 810 cm lange Bltenbltter. Die Tulpenmagnolie bringt von April bis Mai noch vor dem Laubaustrieb bis 10 cm lange, weisse, am Grunde und auf der Aussenseite rosarot berlaufene Blten hervor.

    Kfer und Bienen als BltengsteDie Bltenglocken der Tulpenmag-nolie sind zweigeschlechtlich und

    Ostasien sowie vom atlantischen Nord-amerika bis zum nrdlichen Sdameri-ka. Zur Gattung Magnolie (Magnolia) gehren ungefhr 35 Arten. Entwick-lungsgeschichtlich handelt es sich um sehr alte bedecktsamige Pflanzen, die in Nordamerika und Europa bereits in der Kreidezeit nachweisbar sind. Im Tertir waren die Magnolien auch in Europa verbreitet und gediehen selbst in Grnland und Spitzbergen. Die Eis-zeit haben sie nicht berlebt, sodass sich ihre heutige natrliche Verbrei-tung auf Nordamerika und Nordasien beschrnkt.

    Am bekanntesten: die TulpenmagnolieIn Mitteleuropa werden gegenwrtig 17 Arten kultiviert. In Parks und Grten

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    Von 17 in Mittel-europa kultivier-ten Magnolien-Arten ist die Tulpenmagnolie (Magnolia x soulangeana) die bekannteste.

  • 29Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    TRACHTPFLANZEN

    radirsymmetrisch gebaut. Die neun Bltenhllbltter wachsen in einem Wirtel (botanische Bezeichnung fr eine Anordnung von Blttern, bei der zwei oder mehr Bltter an einem Kno-ten ansetzen). Sie stehen aber soweit zusammengedrngt, dass sie wie drei dreizhlige Kreise erscheinen. Im Bl-teninneren befindet sich ein Wirtel aus vielen Staubgefssen, im Zentrum des Bltenbodens, ebenfalls wirtelig ange-ordnet, mehrere Stempel. Schon der ursprngliche Bltentyp der Magno-lien wurde von Insekten bestubt.1 Dabei zeigt es sich, dass viele In-sektenklassen, die Bestuber stellen, schon vor der Kreideformation vor-handen waren. Besonders die Kfer (Coleoptera) fallen ins Gewicht: 36 % der Insekten des Erdmittelalters wur-den von ihnen gestellt.2

    Weitere Arten kurz vorgestelltIm Sdosten Nordamerikas behei-matet ist die Grossbltige Magnolie (M. grandiflora) mit gelblich-weissen, 1530 cm breiten Blten; sie bentigt viel Wrme und wird deshalb nur in Sdeuropa als Zierbaum angepflanzt.

    Die Sternmagnolie (M. stellata) mit weissen, gelegentlich auch rosa gefrb-ten, 1015 cm breiten Blten stammt aus einem kleinen Verbreitungsgebiet in Japan. Bei uns wird sie als nur 25 m hohes Ziergehlz gepflanzt.

    Die Kobushi-Magnolie (M. kobus) aus Japan besitzt 8 cm lange Blten-bltter. Der berhmte Grtner Boerner sagte von ihr: Von einem blhenden Baum glaubt man, dass sich grosse Scharen schneeweisser, flatternder V-gel im Gest niedergelassen haben.

    Die Gurkenmagnolie (M. acuminata) hat bis zu 9 cm breite Blten und wchst wild im Osten Nordamerikas. Ihr Name bezieht sich auf die unregel-mssig gekrmmten Frchte. Sie kann eine Hhe bis zu 30 m erreichen.

    Die Bergmagnolie (M. fraseri) wchst ebenfalls im stlichen Nordamerika. Die cremeweissen Blten erreichen einen Durchmesser von bis zu 30 cm.

    TulpenbaumDer Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) aus der Familie der Magnolinege-wchse (Magnoliaceae) ist in Nord-amerika beheimatet, zwischen den

    Der als fertiges Insekt berwinterte, sehr variable Asiatische Marienkfer (Harmonia axyridis ) verzehrt Pollen.

    Honigbienen nutzen die Magnolienblten als frhe Nektar- und Pollenquelle.

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    Staaten Massachusetts, Wisconsin, Florida und Missouri. Grosse Be-stnde finden sich in den Appala-chen und auf den Piedmontflchen von Pennsylvania bis Georgia. Wie die bereits kurz vorgestellten Mag-nolien bilden auch die Tulpenbume stammesgeschichtlich eine sehr alte Gehlzgruppe. Fossil sind sie bereits aus Kreideformationen in Nordame-rika und auf der Insel Sachalin be-kannt. Im Alttertir (Palogen) ka-men sie auch in Europa vor. Bis in die Gegenwart konnten sich nur zwei Arten halten, die nordamerikanische L. tulipifera und die ostasiatische L. chinense. Fr den ltesten Baum mit 41 m Hhe und knapp 2 m Durchmesser werden maximal 450 Jahre angegeben. Er steht in Queens, New York City, und wird Queens Giant genannt.

    Seit 1663 in EuropaDer Anblick mchtiger blhender Tulpenbume musste europische Einwanderer geradezu berwlti-gen. Leierfrmige Bltter und tul-penhnliche Blten an 50 m hohen Bumen waren fr sie etwas vllig Ungewohntes. Daher wurden sie ver-stndlicherweise relativ frh in Kul-tur genommen. Sie gehren zu den ganz frhen Importen aus der Neuen Welt; bereits 1663 wurden sie erst-mals nach Europa gebracht. Eines der ersten Exemplare wurde in Fullham (England) herangezogen.

    Prchtige BltenDie tulpenhnlichen Blten sind 45 cm lang und 68 cm breit; sie sind zwittrig und stehen einzeln an den Zweigen-den. Die drei Kelchbltter sind grn, die sechs aufrecht stehenden Kron-bltter gelb (in seiner nordamerikani-schen Heimat heisst der Baum auch yellow poplar, also Gelbe Pappel) und trgt an der Basis ein orangefar-benes Saftmal. Die zahlreichen Staub- und Fruchtbltter sind an einem lan-gen, fleischigen Zapfen (Bltenachse) spiralig angeordnet. Eigentliche Nek-tarien sind nicht vorhanden, der Nek-tar wird an der ganzen Oberflche der Fruchtbltter ausgeschieden. Darber hinaus scheiden die Narben einen zu-ckerhaltigen Saft ab.

  • 30 Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    TRACHTPFLANZEN

    Die glocken-frmigen Blten des Tulpenbaumes (Liriodendron tulipifera ) sind sehr nektar-reich. Sie ffnen sich bereits im April-Mai.

    Nur zwei bis fnf Meter hoch wird die auch fr kleinere Grten bestens geeignete Sternmagnolie (Magnolia stellata ).

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    Die Frchte der Tulpenmagnolie sind zu einem zapfenartigen, 5 cm langen Fruchtstand zusammengeschlossen.

    Bienen und Hummeln als BltengsteDie Nektarabsonderung ist ausseror-dentlich reichlich. Sie betrgt 1,6 bis 3 g je Blte mit einem Zuckergehalt von 1736 %. Sie kann so ausgiebig sein, dass der Nektar in Tropfen aus den Blten fllt. Die Nektarmenge, die ein Tulpenbaum liefert, wird auf 4,5 kg geschtzt, was einer Honig-menge von gut einem Kilo entspricht. In Europa spielt der Tulpenbaum, wie auch die verwandten Magno-lienarten, eine untergeordnete Rol-le fr die Bienenzucht, weil stets nur einzelne Bume in Grten und Parkanlagen angepflanzt werden. Liriodendron-Befunde sind deshalb in europischen Honigen selten. Sie finden sich hauptschlich in Honigen aus Stadtgebieten (z. B. Heidelberg, Genf, Zrich). Einseitiger Liriodendron-Honig wird in Mittelamerika und den Sdstaaten von Nordamerika geerntet. Er ist in der Farbe dunkelrotbraun und besitzt ein starkes Aroma.3

    Holz mit vielseitiger VerwendungDer sommergrne Tulpenbaum ist raschwchsig und winterhart. Das Holz ist leicht, weich, rissfest und gut zu bearbeiten. Das dauerhafte Kernholz, das mit dem Alter dun-kelt, wird in England auch Pap-pelholz genannt: Holz von jungen Bumen ist weiss (white poplar), von lteren gelb (yellow poplar), von sehr alten blau (blue poplar). Das Holz ist vielseitig verwendbar zur Herstellung von Tren, Fenstern, Furnieren, Verschalungen, Sperrholz,

    Gussformen, Musikinstrumenten, Spielwaren, Bleistiften, Zndhlzern. Schwcheres Holz dient zur Zellstoff- und Papierherstellung.

    Literatur1. Barth, F. G. (1982) Biologie einer

    Begegnung. Die Partnerschaft der Insekten und Blumen. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart, 304 S.

    2. Hess, D. (1983) Die Blte. Ulmer, Stuttgart, 458 S.

    3. Maurizio, A.; Schaper, F. (1994) Das Trachtpflanzenbuch, Ehrenwirth, 334 S.

  • LESERBRIEFE

    31Schweizerische Bienen-Zeitung 05/2015

    Bienenimporte aus Italien was soll denn dieser Unsinn?

    Da hatte ich mich am Mor-gen noch soooo gefreut, dass smtliche meine Bienchen gut aus dem Winter gekommen sind. Torkelnd taumeln sie direkt in den Frhling hinein, die Sonne scheint, lau und lind ist die Luft und dann am Imkertreff diese Information: Da bietet doch ein Imker, der sich Stadtimkerei nennt, Kunstschwrme aus Ita-lien an ab Anfang Mai fr 245. CHFR 1 kg Bienen mit Knigin aus Italien, garantiert beuten-kferfrei (besttigter Gwunder per Telefon).

    Wer kauft denn Anfang Mai solches Zeug? Die Kirschenbl-te ist wohl schon vorbei, fr die

    Hochstmme wird es zu spt, bis das Volk stark genug wrde. Spter im Sommer htte es auch sonst genug Bienen und eignen sich sditalienische Kniginnen zum Wandern ins Gebirge? Ist das standortgerechte Imkerei und dem Wesen der Bienen entspre-chend? Oder ist es eher dem We-sen von Menschen entsprechend: Da trifft sich Geschftemacherei mit Kurzsichtigkeit, Gier mit Un-verstand! Auslffeln mssen es dann diejenigen Imker, die sich noch frher als wahrscheinlich mit dem Beutenkfer herum-schlagen drfen!

    Solch ein Bldsinn auf allen Ebenen! Und das Beste ist dann

    die EU-Tierexport-Gesundheits-prfung als Sichtprfung mit einem Hkchen zum Selber-machen. Das ist, als ob jeder Kfer einen roten Kleber drauf htte, oder als ob man Bienen aus einem gefhrdeten Gebiet kurz umdeklarieren knnte, die dann schwuppdiwupp ganz un-gefhrlich wren.

    Aber am seltsamsten sind die Kufer: 245. CHFR fr ein Volk in dieser Grsse? Solch ein Hufchen Bienen lsst man sogar sausen, wenn es zu hoch in den Bumen hngt! Andert halb Kilo kosten laut dem Imkerkalender so um die 4050 Franken und manchem

    Jungimker werden sie noch ger-ne geschenkt! Ab wann gibt es Schwrme? Richtig, so ab Mitte Mai, je nachdem wie man das Volk fhrt. Aber ein Volk mit einer guten Knigin legt im Mai so richtig los.

    Die zustndigen Amtstierrz-te sind meinen Ausknften nach sehr interessiert, wenn das Buschtelefon ber solche Verkufe etwas weiss. Also kei-ne Gerchte streuen, aber das Buschtelefon bentzen: lieber zwei Kontrollen zu viel als eine zu wenig! Es wird ja jeder sei-nen Bieneninspektor und seinen Amtstierarzt kennen. Alles klar?

    Gerd Schur, Frauenfeld

    Schwarmevent in Basel-Stadt

    Seltsamerweise kommt es im-mer wieder vor, dass irgend-jemand jemanden kennt, der mit Bienen zu tun hat. So geschehen in der Stadt Basel im Wonnemo-n