SBWL „Controlling“ an der JKU - .schnitts der SBWL „Rechnungswesen“ eingeführt....

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  • SBWL Controlling an der JKU

    Harald Stiegler

    Emeritus und Vorstand bis 2005, Institut fr Controlling und Consulting, Johannes Kepler Universitt Linz

    Management Summary In Form dieses Beitrags wird eine persnliche Retrospektive auf die Entstehung der SBWL Controlling an der JKU gegeben. Mithilfe von Original-Informationsblttern werden Meilensteine in der Entwicklung der SBWL Con-trolling aufgezeigt. Der Beitrag schliet mit einer kritischen Betrachtung aktueller Entwicklungen im universitren Forschungsbetrieb.

    1. Einleitung Hier wird eine persnliche Retrospektive abgebildet es handelt sich somit um keine aus mehreren Perspektiven gesehene umfassende Historie. Die Spezielle Betriebswirtschaftslehre (SBWL)1 Controlling wurde vor 25 Jahren an der Johannes Kepler Universitt (JKU) eingerichtet; Controlling als Lehrangebot der JKU ist allerdings de facto bereits 35 Jahre alt und der Vorlufer Fallstudien-seminar wurde erstmals vor 40 Jahren an der damaligen Lehrkanzel fr Rech-nungswesen abgehalten.2

    Die betriebswirtschaftliche Funktion Controlling entstand nicht per Ur-knall, sondern allmhlich und nicht aufgrund eines genialen Einfalls eines Wissenschafters, sondern als Kollektion innovativer und erprobter Lsungsvor-schlge von Praktikern und Theoretikern fr jeweils aktuelle betriebswirtschaft-liche Probleme (letztere konnten mit den jeweils herkmmlichen Lsungsalter-nativen nicht beherrscht werden).

    1 Zum Zeitpunkt der Einfhrung der SBWL Controlling an der JKU war noch die

    Bezeichnung Besondere Betriebswirtschaftslehre blich; im Folgenden wird jedoch die aktuell verwendete Bezeichnung SBWL verwendet.

    2 Vgl. Hoppichler (1979), S. 6 ff.

  • Ein Blick in die jngere Geschichte3 der Betriebswirtschaftslehre zeigt, dass sich das Fach jeweils am aktuellen Engpass der Wirtschaftspraxis weiterentwi-ckelt.4 Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg herrschten irregulre Schwarz- und Graumarktbedingungen; erst 10 Jahre spter, 1955, wurde mit der Schilling-Erffnungsbilanz wieder die Rckkehr zur regulren Sozialen Marktwirtschaft gefunden.

    In den folgenden 10 sterreichischen Wirtschaftswunderjahren herrschte Mangelwirtschaft, der dominante Engpass, der einer ganzen Epoche Namen und Leitbild gab, war der Beschaffungssektor. Das angesprochene und vielfach mit berzeugung geuerte Leitbild der (Pionier-)Unternehmer war: Wir haben Ideen und produzieren, gute Verkufer bringen unser Angebot an den Mann.5 Mitte der 1960er Jahre wurde ein hohes Ma an Marktsttigung erreicht; dies mit modernsten Investitionen, zu denen die Unternehmen gezwungen wurden, da beim Abzug der Besatzungstruppen die bis dort verwendeten Aggregate okkupiert und in die jeweiligen Heimatlnder mitgenommen wurden. Dies war der Beginn der Marketing-Epoche, der Engpass verlagerte sich zum Verkauf, das Leitbild musste neu formuliert werden: produziert wird nur, was der Markt verlangt/honoriert.

    Wieder ca. 10 Jahre spter waren die wesentlichen Marketing-Probleme ge-lst, nach 30 Jahren stetigem Wirtschaftswachstums lernten Unternehmer, dass es auch Krisen geben kann (zwei Erdlkrisen Mitte der 1970er Jahre). Eben diese Krisensituation und der zwingend logisch resultierende Versuch, sie zu beherrschen, war der Beginn der Controlling-Epoche: Die ca. 30 Jahre nicht gelebte strategische Planung wurde zur Existenzsicherung wieder entdeckt, es gab innovative Vorschlge fr effizientes Krisenmanagement. fr Frherken-nung, fr Risikomanagement, etc. Das zugehrige Controlling-Leitbild, die Philosophie, ist kurz mit Ziel- und Ergebnisorientierung auf allen Entschei-dungsebenen der Unternehmung zu beschreiben.

    Nach ca. zwei Jahrzehnten der Controlling-Epoche lag ein beachtlicher Stock an strategischen und operativen Controlling-Instrumenten vor. Der nchste Engpass, die nchste Epoche lie nicht auf sich warten: Finanzierungsfragen

    3 Die Geschichte der BWL als Wissenschaft ist 111 Jahre alt; die Habilitationsschrift von E.

    Schmalenbach (ber Verrechnungspreise) im Jahr 1903 gilt als Beginn der BWL-Zeitrechnung. Jedoch ist die Geschichte der BWL gemessen am Einsatz betriebswirt-schaftlicher Instrumente lter als 4.000 Jahre; vgl. Bellinger (1967), S. 13 ff.

    4 Vgl. Stiegler (1999), S. 26 f. 5 Das generische Maskulinum war zeitgemer Standard, also noch nicht verpnt.

  • waren die neue Herausforderung mit der Begrndung einer radikal sinkenden Kapitalproduktivitt immer teurerer Investitionen.

    Sptestens seit 2008 ist bekannt, dass der Engpass richtig prognostiziert wur-de, die Begrndung jedoch zu schwach war: Wohlstandsverwahrlosung, konkret die politisch entschiedene Abkopplung der Finanz- von der Realwirtschaft und fehlende internationale Mindest-Codes fr Finanzgeschfte, ist Hauptursache fr die Engpassexistenz.

    2. Controlling-Vorlufer Vor ca. 40 Jahren, im WS 1973/74 wurde ein Fallstudienseminar als Pflichtver-anstaltung fr Studierende der Betriebswirtschaftslehre des zweiten Studienab-schnitts der SBWL Rechnungswesen eingefhrt. Rechnungswesen umfasste substanziell Buchhaltung, Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Pla-nungsrechnungen wie z.B. Budgetrechnungen, Plankostenrechnungen

    Das Lernziel der Seminarteilnehmer bestand in der selbstndigen Lsung ei-nes konkreten und aktuellen Controlling-Problems iwS durch eine Kleingruppe von zwei bis fnf Studierenden. Die Problemstellung erfolgte dabei einvernehm-lich von der jeweiligen Unternehmensleitung sowohl privater als auch ffent-licher Unternehmungen und dem Seminarleiter. Auf diese Weise sollten einerseits wissenschaftliche Relevanz und andererseits Praxistauglichkeit gesi-chert werden. (Detailinformationen sind der Literaturquelle in Funote 2 und den JKU-Vorlesungsverzeichnissen/Studienfhrern ab 1973 zu entnehmen).

    Vor 35 Jahren, im Dezember 1979 schlug ich der Institutskonferenz des In-stituts fr Revisions-, Treuhand- und Rechnungswesen (RTR) vor, Controlling nicht weiterhin als Teil der SBWL Rechnungswesen zu organisieren, sondern als eigene SBWL, welche ab WS 1980/81 angeboten werden sollte. Diese schien wichtig, weil siehe oben nach 30 Jahren Wirtschaftswachstums die Wirt-schaftskrisen Mitte der 1970er Jahre mit dem vorhandenen Instrumentarium nicht beherrscht wurden. Schlichte Wachstumsplanung gengte nun nicht mehr, mit dem damals kreierten Schlagwort Schnwettermanagement wurde auf diesen Umstand pointiert hingewiesen.

    Die Institutskonferenz stimmte zu, befrwortete das vorgelegte Controlling-Lehrprogramm und den empfohlenen Studiengang6; der Institutsvorstand bean-tragte Lehrauftrge und informierte die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftli-che (SOWI) Fakultt diese sah sich als allein zustndiges Entscheidungsgre-

    6 Vgl. JKU-Universittsnachrichten 1979/80, Nr. 4, S. 3, Nr. 5, S. 6, Nr. 6, S. 5.

  • mium (gem. 31 UOG), dominierte die Institutsentscheidung und lehnte ab. Entsprechend blieb Controlling eine Teilmenge der SBWL Rechnungswesen und damit ein Torso u.a. mit der Begrndung: Linz braucht kein Control-ling.7

    3. Controlling als Institution Fachgebiet am RTR-Institut Vor 27 Jahren, 1987 plante ich einen einjhrigen Hochschul-Lehrgang Control-ling und legte das Programm der Fakultt vor. Nach ausfhrlicher, kurzweiliger Diskussion ergab sich folgende Entscheidungsbilanz: Kurie und Akademischer Mittelbau billigten den Lehrgang, Studierendenvertreter stimmten nur unter der Bedingung zu, dass das RTR-Institut eine komplette SBWL Controlling zeit-gleich mit einem Lehrgang anbietet.

    Letztlich einigten sich die Entscheidungstrger auf die Implementierung der SBWL Controlling mit WS 1989/90. Die Studierendenvertreter erreichten auf diesem Weg ein kompaktes, staatlich finanziertes Lehrangebot also ohne Teilnahmegebhren, wie bei einem Lehrgang erforderlich. 1988 wurde der erste Controlling-Lehrgang8 durchgefhrt; wie ein Zwischenbericht nach 20 Jahren und 20 Lehrgngen ergab, handelte es sich um ein aktuelles und problemadqua-tes Lehrangebot.9 1989 wurde die SBWL Controlling an der JKU Linz einge-richtet; nachstehendes Informationsblatt (siehe Abbildung 1) wurde vom RTR-Institut aufgelegt.

    Abb. 1: Informationsblatt zur erstmaligen Durchfhrung der speziellen Betriebswirtschaftslehre Controlling

    7 Diese Argumentation stellt fr die JKU eine historisch bemerkenswerte Wiederholung

    dar: Anfangs der 1960er-Jahre kam die sterreichische Rektorenkonferenz zu dem lapida-ren Schluss sterreich braucht keine Universitt Linz!

    8 Als Absolvent des ersten Controlling-Lehrgangs grndete der IT-Manager Josef Dumhart 1990 den Controlling Club Linz, welcher eng mit der Lehrkanzel zusammenarbeitete insbesondere im Sektor Controlling-Weiterbildung

    9 Vgl. Information der ON (Obersterreichische Nachrichten) vom 05.07.2008, s.n.

    Neue Besondere BWL Controlling

    Ab dem WS 89/90 besteht erstmals die Mglichkeit in Linz, Controlling als Besondere BWL zu studieren, d.h. Controlling ist ein eigenes Diplompr-fungsfach im zweiten Studienabschnitt.

  • Abb. 1 (fortgesetzt): Informationsblatt zur erstmaligen Durchfhrung der speziellen Betriebswirtschaftslehre Controlling

    Das Aufgabengebiet Controlling hat in diesem Jahrzehnt groe Aktuali-tt und Bedeutung erlangt zuerst im anglo-amerikanischen Raum, nunmehr auch in sterreichischen Unternehmungen, Controlling-Instrumente werden gleichermaen in privaten wie in ffentlichen Unter-nehmen eingesetzt.

    Controlling-Ziele: Empirische Untersuchungen ber das Berufsbild des Controllers haben ergeben, dass fr den deutschsprachigen Raum folgende Controlling-Funktionen wesentlich sind:

    betriebliche Planung und Budgetierung Leistungs- und