Riding Giants

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    10-Mar-2016
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Ben Wilson ist so tief in der Barrel, dass ihm fast die Filmkamera aus der Hand gerissen wird Text_Gavin McClurg dt. Bearbeitung_Sören Otto Foto_Jody MacDonald 3535 3434 Je höher die Wellen, desto fetter werden die Aerials – eine Rechnung nach Bens Geschmack Jesse Richman kennt große Wellen aus seiner hawaiianischen Heimat, hatte aber in Lakey ordentlich Muffensausen 3636 3737

Transcript of Riding Giants

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    GIGANTENJAGDText_Gavin McClurg dt. Bearbeitung_Sren Otto Foto_Jody MacDonald

    Die Giganten der Meere faszinieren und verngstigen zugleich. Eine Truppe unerschrockener Waverider stieg in Indonesion auf Gavin McClurgs weltreisenden Katamaran und suchte Monsterwellen. Der Kapitn berichtet ber eine erfolgreiche Mission.

    Ben Wilson ist so tief in der Barrel, dass ihm fast die Filmkamera aus der Hand gerissen wird

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    Die, auf die wir so instndig hoffen, kommen immer aus dem Sdpo-larmeer. Von da aus reisen sie schnell, donnern uns mit 600 nauti-schen Meilen am Tag entgegen. Giganten werden ausschlielich dann kreiert, wenn ein heftiges Tiefdruckgebiet vom Polarkreis aus eine wei-te Strecke zurcklegt und auf dem Weg Windgeschwindigkeiten von bis zu 160 km/h generiert ein Sturm also, der weit strker ist als ein tropischer Zyklon. Auf der Wetterkarte sehen sie aus wie ein dickes, leuchtendes, wirbelndes Fragezeichen in karminrot. Fr das untrainier-te Auge ist diese Farbe nicht spannender als eine rote Ampel. Aber fr jene, welche die grten Wellen der Welt abreiten wollen, knnte kein schneres Kunstwerk existieren.

    Indonesien fngt den Swell aus dem Sdpolar-meer wie ein riesiger Magnet ab

    Jeden Winter machen sich Surfer zu den bekannten indonesischen Inseln auf, in der Hoffung, dass die antarktische Furie ihre Energie an den dortigen Riffen freisetzt. Die Chancen stehen gut. Die Inselgruppe ist geographisch einzigartig gelegen, um den Swell aus dem Sdpo-larmeer wie ein riesiger Magnet abzufangen. Tausende Kilometer Ks-tenlinie von Timor bis Sumatra entgegnen dem saubersten viele sa-gen sogar, es sei der beste Swell auf diesem Planeten. Es gibt einen bestimmten Ort, dem sich Surfer und in letzter Zeit vermehrt Kitesurfer Jahr fr Jahr zuwenden: Lakey Peak in Sumbawa. Zwischen August und Oktober versuchen Pro s und Amateure hier ihr Glck. Alle auf der Suche nach der perfekten Barrel. Leider ist Lakey auch fr Malaria, Dengue-Fieber und andere lebensbedrohliche Krankheiten berhmt. Doch davon lieen sich dieses Jahr nur Wenige abschrecken.

    Ein bestimmter Wellenjger hat sich in seiner langen Karriere beson-ders dem Lesen und Auswerten von Wetterkarten verschrieben. Wie kein anderer ist Ben Wilson permanent auf der Suche nach den bun-ten Kreisen. Immer dem Swell auf der Spur und seitdem er kitet - in Kombination mit Wind natrlich. Er reist mehr, als dass er bei Frau und Kind im gemeinsamen Haus an der australischen Sunshine Coast ist. Das ist der Preis, wenn man sich als professioneller Kitesurfer behaupten will. Mit Ben hatten sich pnktlich zur Ankunft des Swell ein Dutzend Waverider in Lakey eingefunden. Nicht nur, um die Welle ihres Lebens zu nden, sondern auch, um Fotos fr Sponsoren zu sammeln. Nichts verkauft sich besser als Monsterwellen. Ben schrieb mir bereits zwei Wochen, bevor er sich auf unserem Boot Discovery einschiffen sollte: Gavin, das Teil sieht mchtig aus, Kumpel. Ich be-obachte es weiter. Zu diesem Zeitpunkt sorgte der Sturm bereits fr zwlf Meter Swell, war aber noch ber 12.000 Kilometer entfernt. Viel zu weit weg, um durchzudrehen, aber trotzdem verfolgungswrdig.

    Nichts verkauft sich besser als Monsterwellen

    Lakey, Sumbawa liegt in der Huu Bay. Sie ist eine Bucht, so gro, dass ich whrend unseres zweimonatigen Aufenthalts nicht eine Men-schenseele getroffen habe, die je den einzigen Bahnhof der Region gesehen hat. Diese Gre ist aber auch der Grund dafr, dass etwas entsteht, an dem es in sonstigen Teilen Indonesiens mangelt: Wind. Er fngt irgendwann im August an, konstant und stark zu wehen, bis der Monsun Ende Oktober einsetzt. Doch der Wind ist auch hier launisch und setzt oftmals spter ein oder ganz aus. Viele Kitesurfer bekamen das schon zu spren. Es gibt mehr Theorien ber den Wind als es

    Jesse Richman kennt groe Wellen aus seiner hawaiianischen

    Heimat, hatte aber in Lakey ordentlich Muffensausen

    Je hher die Wellen, desto fetter werden die Aerials

    eine Rechnung nach Bens Geschmack

    GIGANTENJAGD

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    Moskitos gibt und davon gibt es schon verdammt viele. Eine besagt, dass das Hinterland sich im hie-sigen Winter dermaen aufheizt, dass es irgendwann zum Knall kommt und Seewind entsteht. Huu Bay be-herbergt ber ein halbes Dutzend Weltklasse-Breaks, der berhmteste ist Lakey. Startet man ganz oben in der Bucht, kann man downwind Cobblestones, Lakey Pipe, Lakey Peak, Nungas sowie Periscopes kiten und es vor Sonnenuntergang nach Hause schaffen.

    Seit seiner Jugend ist Ben 15 Jahre am Stck nach Lakey gekommen

    Der Kite wird von einem Kiteboy abgebaut und getragen. Diese Jungs verdienen mit drei Dollar gemessen am relativ niedrigen Einkom-men recht viel. Sie begleiten einen am Strand mit dem Motorroller, sammeln einen ein und fahren wieder zum Ausgangspunkt. In Lakey

    Bertrand Fleury bremst kurz ab, um in der

    Barrel untertauchen zu knnen

    Die Idylle an Land trgt: Drauen auf dem Riff

    entladen sich gigantische Wassermassen

    GIGANTENJAGD

    Das Leben in Indonesien ist einfach und wird

    geprgt von Fischerei und Landwirtschaft Auf Sumbawa gibt es auch Tage ohne Swell aber verdammt wenige

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    GIGANTENJAGD

    entstehen die meisten Fotos von hohlen Tubes; dieser Break ist den Pros vorbehalten. Welleneinsteiger kommen in Nungas zum Zuge, wo auch 20-sekndige Ritte mglich sind und ein Sturz eher das Ego verletzt als den eigenen Krper. Auch an normalen Tagen. Und uns erwartete nichts Normales.

    Die Vorhersage legte noch zu und Befrchtungen machten die Run-de, es knnte zu gro werden. Die Wellenperiode pendelte sich zwischen 18 und 20 Sekunden ein, was in Wellenreitkreisen ge-nerell fr schla ose Nchte sorgt. Ben Wilson und sein Kollege, der australische F-One-Teamfahrer Daniel Bevin checkten lange vor dem groen Swell ein, um sich an das Leben an Bord zu gewhnen. Whrend die Leute an Land sich mit einem Magenvirus und den Moski-tos herumschlugen, wurden wir auf offener See von unserem balinesi-schen Meisterkoch verwhnt. Seit seiner Jugend ist Ben 15 Jahre am Stck nach Lakey gekommen. An-gesichts seines Lchelns, wenn er seinen Kite bei uns auf dem Vorder-deck absetzen und nicht auf dem Strand landen musste, kam es mir so vor, als gensse es unser hoher Gast dieses Mal ganz besonders.

    In den Tagen vor dem groen Er-eignis beschwerten wir uns alle nur ber eine Sache: zu wenig Schlaf. Meine Beklemmung resultierte aus persnlichen Zweifeln, ob meine Fhigkeiten ausreichen wrden, um solch einen Swell zu berleben, und daraus, ob ich eine ruhige An-kerstelle fr die Discovery nden wrde. Wir ankerten hinter Nungas, wo der Halt auf dem Grund gut und es in den letzten Wochen stets ruhig war. Aber es war nicht schwer, sich vorzustellen, wie sich unser wohl behtetes Nest in einen Strudel verwan-deln wrde.

    Die Pros kmpften auch mit ngsten, wenn auch aus anderen Grnden: Jeder Trip kommt fr sie einem Glcksspiel gleich. Sie mssen ihre Kosten immer ins Verhltnis zum Ertrag setzen. Wrde der Swell wirklich so gro wer-den, dass sich ihre Mhen gelohnt haben? Wenn ja, wrden sie auch die von den Spon-soren geforderten Fotos bekommen? Diese

    mung paddelten, um sich im Line-Up in Position zu bringen. Ich sah mehr gebrochene Boards als erfolgreiche Drop-Ins.

    Wie durch ein Wunder gab ihn das Riff frei und splte ihn zu uns an Bord

    Am Nachmittag motorten wir zum Riff und versuchten, uns im Schutz versprechenden Channel zwischen Peak und Pipe zu positionieren. Auf diese Weise htte Jody vom Mast aus fotogra e-ren knnen. Das Risiko war jedoch enorm hoch. Wrde ich den kleinsten Fehler am Steuerrad begehen, wre unser 18 Meter langer und eine Million teurer Katamaran dahin. Und mit ihm unsere Trume. Der Swell sorgte fr fnf Meter hohe Wellen, die sich teilweise im Channel entluden. Eine Stelle, die normalerweise locker mit dem Beiboot befahren werden kann, entwi-ckelte sich in ein beispielloses Chaos. Die Kitesurf-Show war atemberaubend. In Wellen, die kein Surfer anpaddeln knnte, lieen sich die wenigen Waverider von ihren Kites hineinziehen.

    zweite Sorge mag fr den einen oder anderen banal erscheinen. Aber in der vergleichsweise jungen Kite-Industrie mssen sich Pros hervor tun, sich von der Masse abheben. Das kann mitunter bedeuten, sein Leben aufs Spiel zu setzen. Oder das des Fotografen.

    Ich sah mehr gebrochene Boards als erfolgreiche Drop-Ins

    Am letzten Freitag des Septembers waren die Tage des Ausharrens gezhlt. Nungas feuerte doppelt kopfhoch. Lakey Pipe verursachte Wasserexplosionen, so hoch, dass man sie aus zwei Kilometern Entfernung sehen konnte. Samstagmorgen mussten wir die Discovery hundert Meter weiter in Richtung offene See und vom Break weg verholen. Die Swellhhe verdoppel-te sich erneut. In Periscope einen Abgang zu machen, war gleichbedeutend mit einer Partie Russisch Roulette. Lakey Peak und Pipe kamen hnlichen Todesfallen gleich. Die wenigen Wellenreiter, die sich trauten, probierten es in Nungas, wo sie eine Stunde gegen die Str-

    Dreifach kopfhohe Giganten hm-merten gnadenlos auf das Riff. Wir saen in der ersten, obgleich be-ngstigenden Reihe. Ben Wilson, Cameron Dietrich, Bertrand Fleury, Jessie Richman, Marc Ramseier, Philippe Alengrin und einige wei-tere Furchtlose trotzten den Was-serbergen oder wurden von ihnen kurzzeitig begraben.

    Das erste Opfer des gigantischen Swells war der Brite Christian Black, ein Veteran der Actionsport-Fotogra e. Da die Fischer sich weigerten, ihr Leben und das ihrer Khne aufs Spiel zu setzen, muss-ten die Fotografen umdisponie-ren. Die Option, von Land aus mit groen Objektiven zu arbeiten, el weg, weil der Spray der brechen-den Wellen einen dichten Nebel erzeugte. Die vor Jahren fr einen Surf-Contest errichtete Tribne auf dem Riff war unerreichbar.

    Enorme Wassermassen waren in Bewegung. Whrend Jody mit einer