Licht, Farben, Sehen - Stiftung Haus der kleinen Forscher · 3 Stiftung „Haus der kleinen...

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LICHT, FARBEN, SEHEN EINE IDEENSAMMLUNG FüR DIE PROJEKTARBEIT IN DER KITA Helmholtz-Gemeinschaft Siemens Stiftung Deutsche Telekom Stiftung Dietmar Hopp Stiftung Partner:

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  • Licht, Farben, SehenEinE idEEnsammlung fr diE ProjEktarbEit in dEr kita

    Helmholtz-Gemeinschaft Siemens Stiftung Deutsche Telekom StiftungDietmar Hopp StiftungPartner:

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    Die Stiftung Haus der kleinen Forscher will Kindern bundesweit die alltgliche

    Begegnung mit naturwissenschaftlichen, mathematischen und technischen Themen

    ermglichen. Alle Kinder sollen die Chance erhalten, dieses spannende Feld mit Freude

    fr sich zu entdecken. Das geschieht vor allem, indem die Stiftung Haus der kleinen

    Forscher pdagogische Fachkrfte bei der Integration des Bildungsbereichs Naturwis-

    senschaften, Mathematik und Technik in den Alltag untersttzt und sie kontinuierlich und

    pdagogisch zielgerichtet fortbildet.

    Im Zentrum stehen dabei das gemeinsame Lernen und Forschen der Kinder mit den

    Erwachsenen als Lernbegleiterinnen und Lernbegleiter. Experimentieren frdert nicht nur

    die Neugier und Begeisterung fr naturwissenschaftliche und technische Phnomene,

    sondern auch eine Reihe weiterer Basiskompetenzen, die die Mdchen und Jungen fr

    ihren spteren Lebensweg bentigen. Dazu gehren u. a. Sprach- und Sozialkompetenz,

    Feinmotorik sowie ein Zugewinn an Selbstbewusstsein und innerer Strke.

    Mit ihren Angeboten trgt die Stiftung so zur Strkung der Bildung von Kindern im Kita-

    und Grundschulalter und zur langfristigen Nachwuchssicherung sowohl in den natur- und

    ingenieurwissenschaftlichen als auch in den technischen Berufen in Deutschland bei.

    Der Entwicklung der Fortbildungen und Materialien der Stiftung Haus der kleinen

    Forscher liegen neben den Vorgaben der Bildungsprogramme der Bundeslnder immer

    auch aktuelle Erkenntnisse der Frhpdagogik, Entwicklungspsychologie, Lernforschung

    und Fachdidaktik zu Grunde. Zudem fliet eine Vielzahl praktischer Erfahrungen und

    inhaltlicher Anregungen der Stiftung ein, die aus regelmigen Besuchen in Kitas und

    Grundschulen, den Workshops fr Trainerinnen und Trainer sowie aus Hospitationen in

    den Netzwerken resultiert.

    Die Stiftung Haus der kleinen Forscher engagiert sich seit 2006 als grte deutsche

    Bildungsinitiative im frhkindlichen Bereich in Einrichtungen des Elementarbereichs.

    2011 wurde das Stiftungsangebot auf Kinder im Grundschulalter ausgeweitet. Partner

    der Stiftung Haus der kleinen Forscher sind die Helmholtz-Gemeinschaft, die Siemens

    Stiftung, die Dietmar Hopp Stiftung und die Deutsche Telekom Stiftung. Gefrdert wird

    sie vom Bundesministerium fr Bildung und Forschung. Schirmherrin des Hauses der

    kleinen Forscher ist Prof. Dr. Annette Schavan, MdB, Bundesministerin fr Bildung und

    Forschung.

    StiFtung hauS der kLeinen ForScher

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    Stiftung Haus der kleinen Forscher

    Gruwort

    ber die Broschre

    licht, farbEn, sEhEn als forschungsthEma in dEr kita

    Licht- und Farbphnomene im Alltag

    Das Thema Licht, Farben, Sehen in den Bildungsplnen

    Der Blick vom Kind aus

    Projektarbeit in der Kita

    anrEgungEn fr diE PdagogischE Praxis

    Licht und Sehen Beobachtungen zu den Eigenschaften des Lichts

    Licht und Schatten Projektidee Schattentheater

    Licht und Spiegel Versuchsanregungen zum Phnomen Spiegelung

    Licht und Farben Ideen fr die Projektarbeit

    naturwissEnschaftlichE hintErgrndE wissEnswErtEs fr intErEssiErtE ErwachsEnE

    Literaturverzeichnis, Lese- und Internettipps

    Danksagung, Impressum

    Stiftung Haus der kleinen Forscher

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    inhaLt

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    Liebe erzieherin, Lieber erzieher,

    haben Sie schon einmal versucht, Schatten zuzudecken? Und mochten Sie es als Kind, mit

    Ihrer Armbanduhr oder mit einem Spiegel Lichtflecken an die Wand zu werfen? Haben Sie

    sich auch schon einmal ber Ihre von Blaubeeren verfrbte Zunge gewundert?

    Sowohl die Kinder als auch wir Erwachsene erleben eine Welt voller Licht und Farben um

    uns herum. Aus naturwissenschaftlicher Sicht sind das Licht und die Farben sehr heraus-

    fordernde Themenfelder. Es gibt viele wissenschaftliche Abhandlungen ber das Licht. Die

    Farbenlehre beschftigt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit Jahrhunderten.

    Kann es vor diesem Hintergrund gelingen, dieses Thema auch in der Kita aufzugreifen und

    den Kindern vielfltige Erfahrungen dazu zu ermglichen?

    Ja! Denn in unserer tglichen Erfahrungswelt lassen sich viele spannende Anknpfungs-

    punkte entdecken, um Licht und Farben zu erforschen. Diese Phnomene sind fr Kinder

    und Erwachsene gleichermaen interessant und vielseitig. Um Neues zu erfahren, lohnt es

    sich, Fragen darber zu stellen und dazu zu forschen.

    Dieses Thema weist zahllose Facetten auf die Vielfalt reicht von Schatten, Spiegel,

    Regenbogen, Seifenblasen, Sonnenbrille ber Malfarben, bunte Blten, blauer Himmel,

    Ostereierfrben bis hin zu den durch Fruchtsaft verursachten farbigen Flecken auf einem

    T-Shirt. Licht und Farben knnen unser Wohlbefinden und unsere Stimmung beeinflussen.

    Fast jeder, ob gro oder klein, hat eine Lieblingsfarbe und unterschiedliche Assoziationen

    und Erinnerungen, die mit einer Farbe verbunden sind. Farben informieren uns: Eine gelbe

    Banane ist reif, eine grne noch unreif; eine rote Markierung weist oft auf eine Gefahr oder

    ein Verbot hin; ein Schornsteinfeger ist meist schwarz gekleidet.

    Diese Broschre wurde von der Stiftung Haus der kleinen Forscher zusammengestellt,

    um Sie mit Ideen dabei zu untersttzen, in der Kita gemeinsam mit den Kindern aus unter-

    schiedlichen Blickwinkeln das Thema Licht, Farben, Sehen zu erkunden. Viel Spa beim

    gemeinsamen Forschen und Entdecken!

    Dr. Peter Rsner

    Geschftsfhrer der Stiftung Haus der kleinen Forscher

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    Gruwort / ber die Broschre

    Licht und Farben haben groen Einfluss auf unser Leben. Ohne das Licht gbe es kein Leben

    auf der Erdoberflche, weder Pflanzen noch Tiere und Menschen knnten sich entwickeln.

    Knstliches Licht ermglicht uns das Sehen auch bei Dunkelheit, Schatten entstehen nur bei

    Licht und um Farben wahrnehmen zu knnen, bentigen wir ebenfalls Licht.

    Die Stiftung Haus der kleinen Forscher mchte mit dieser Broschre Kinder und Fachkrfte

    anregen, gemeinsam die vielfltigen Phnomene des Lichts zu erforschen, in die Welt der

    Farben einzutauchen und damit auch Spannendes ber das Sehen zu erfahren. Die Brosch-

    re ergnzt den Kartensatz Licht, Farben, Sehen und besteht aus drei Teilen.

    Im ersten Teil wird das Thema Licht, Farben, Sehen als Forschungsthema in der Kita aus

    verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Nach einem kurzen Blick in die Bildungsplne fr

    den Elementarbereich wird auf die Entwicklung des Sehens und auf das Lernen in der frhen

    Kindheit eingegangen. Eine sehr vielseitige Methode, um die Freude und den Wissensdurst

    der Kinder zu strken, ist die Projektarbeit. Hierzu werden einige wichtige Prinzipien darge-

    stellt.

    Der zweite Teil der Broschre enthlt praktische Anregungen zum Entdecken und Erforschen

    von Licht- und Farbphnomenen und bietet viele Beispiele fr die Projektarbeit. Die Praxis-

    anregungen beziehen Themenbereiche ein, die auch in den verschiedenen Bildungsplnen

    der Lnder immer wieder angesprochen werden: Das Kapitel Licht und Sehen macht auf die

    Bedeutung des Lichts fr unser Sehen und Wahrnehmen aufmerksam; im Kapitel Licht und

    Schatten wird ausgehend von einem Schattentheaterstck ber den Projektverlauf und die

    einzelnen Aktivitten berichtet. Im Kapitel Licht und Spiegel finden sich zahlreiche Ideen

    und Tipps fr Versuche mit Spiegeln und Spiegelungen. Das Kapitel Licht und Farben geht

    auf ein Farbprojekt in einer Kita zurck und gibt Anregungen fr das Forschen mit Lichtfar-

    ben. Es beschftigt sich mit der Farbwahrnehmung von uns Menschen und veranschaulicht,

    wie Farben als Signale unser Leben beeinflussen. Begleitet werden die Texte immer wieder

    von Reimen, Liedern und knstlerischen Aktivitten, die die Vielfalt an Mglichkeiten fr

    die Einbettung anderer Bildungsthemen in diesen spannenden Teilbereich der Naturwissen-

    schaften aufzeigen.

    Der dritte Teil der Broschre enthlt naturwissenschaftliche Hintergrundinformationen fr

    Erwachsene zum Thema Licht, Farben, Sehen.

    Die Broschre soll dazu einladen, Dinge einmal in einem ganz anderen Licht zu betrachten.

    Ziel ist es, die Neugier der Kinder hinsichtlich im Alltag erlebter Phnomene aufzugreifen,

    ihre Fragen und Beobachtungen im Bereich Licht, Farben, Sehen wahrzunehmen und

    ihnen gemeinsam auf den Grund zu gehen.

    ber die broSchre

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    Licht, Farben, Sehen aLS ForSchungSthema in der kita

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    Licht- und Farbphnomene kennen Kinder aus ihrem Alltag. Sie erleben, dass es am Tag

    hell und nachts dunkel ist. Sie bemerken, dass sie Spielzeuge, Mbel oder Gegenstn-

    de im Licht der Dmmerung und im Dunkeln in ihren Farben anders wahrnehmen als bei

    Tageslicht. Wenn es nachts im Zimmer dunkel ist, knnen sie nichts sehen, erfahren aber,

    dass sich dies ndert, wenn sie das Licht anknipsen. Kinder wissen, dass sie auch Kerzen

    oder Taschenlampen benutzen knnen, um das dunkle Zimmer zu erleuchten.

    Kinder malen gern mit bunten Stiften oder Tusche und beobachten dabei, wie die Farben

    auf dem weien Papier wirken. Es macht Mdchen und Jungen Freude, ihre Spielsachen

    nach Farben zu sortieren. Ihnen fllt auf, dass sich die Farben in der Natur im Frhling,

    Sommer, Herbst und Winter voneinander unterscheiden. Sie schauen aufmerksam, welche

    Farben das Essen auf ihren Tellern hat, und stecken ihre Finger in Tomatenketchup, Spinat

    oder Himbeermarmelade.

    An einem Sptnachmittag im Herbst: Zwei Kita-Kinder sind auf dem

    Weg nach Hause. Es ist dunkel, die Straenlaternen beleuchten den

    Brgersteig. Dabei bemerken die Kinder, dass sie vom eigenen Schatten

    verfolgt werden, ihre Schatten sich also mit ihnen bewegen. Manchmal

    laufen ihnen die Schatten hinterher, manchmal sogar vor ihnen, manch-

    mal sind sie lang, manchmal kurz. Die Kinder fangen an, mit ihren Schatten

    zu spielen, und stellen dabei fest: Gehen wir auf eine Laterne zu, ist unser

    Schatten hinter uns und verliert an Lnge. Befinden wir uns unter der Laterne,

    liegt der Schatten neben uns und ist kurz, entfernen wir uns von der Later-

    ne, ist unser Schatten vor uns und wird wieder lnger.

    Themen wie Licht und Schatten, natrliche Lichtquellen, Spiegel und Spiegelbild, Lichtfar-

    ben und Krperfarben kennen die Kinder durch vielfltige Erlebnisse und Beobachtungen.

    Diese alltglichen Grunderfahrungen knnen in der Kita beim gemeinsamen Forschen

    vertieft werden.

    7

    Licht- und Farbphnomene im aLLtag

    Licht, Farben, Sehen als Forschungsthema in der Kita

  • 8

    Das Thema Frhe naturwissenschaftliche Bildung wird in den Bildungsplnen smtlicher

    Bundeslnder aufgegriffen und ist daher ein wichtiger Bestandteil der Elementarpda-

    gogik. Ein in allen Bildungsplnen aufgefhrter Bereich ist die Auseinandersetzung mit

    Fragen an die unbelebte Natur, z. B. die Physik, zu der auch Licht- und Farbphnomene

    zhlen. Enthalten sind Themen wie:

    Ohne Licht knnen wir nichts sehen

    (hell und dunkel, Tag und Nacht, Sonnenlicht und Wrme),

    Licht und Schatten (Entstehung des Schattens, groer und kleiner

    Schatten, Schattentheater),

    Licht und Spiegel (Spiegel reflektiert das Licht, glatte oder

    gewlbte Spiegelflchen, verzerrte Spiegelbilder) sowie

    Licht und Farben (Licht enthlt viele Farben, Farben des Sonnenlichts,

    Signalfarben, Farbmischungen, Naturfarben).

    Licht- und Farbphnomene werden von uns Menschen in unterschiedlichsten Zusammen-

    hngen erlebt. Auch Kinder knnen diese schon bewusst erfahren. Die Mdchen und Jun-

    gen kennen das Thema Licht aus ihrem Alltag, sie knnen konkrete Beobachtungen zur

    Sonne, zu Tag und Nacht oder zu hell und dunkel machen. Dies greifen die Bildungsplne

    auf und empfehlen zudem, das Thema mit vielen anderen Bildungsbereichen zu vernet-

    zen, so dass die Kinder ein ganzheitliches Verstndnis erwerben. Es gibt beispielsweise

    Querverbindungen zur biologie (Pflanzen, Tiere und Menschen brauchen Licht zum Leben,

    Glhwrmchen produzieren ihr eigenes Licht, Eulen knnen nachts besser sehen als

    tagsber), zur technik (Gewinn des Lichts und die Erfindungen knstlicher Lichtquellen,

    Spiegel aller Art), zur kunst (mit Farben kreativ gestalten, Farben aus der Natur gewinnen,

    verschiedene Farben mischen), zur bewegung (Schattenspiele, Schatten fangen), zur

    philosophie (Bedeutung, Emotion und Symbolik von Licht und Farben, unsere Welt ohne

    Farben) und zur sprachlichen bildung (Beschreibung der Erfahrungen, Benennung von

    Gegenstnden, Reime, Lieder, Geschichten und Mrchen).1

    Um solch eine ganzheitliche Betrachtungsweise konkret in der Kita umsetzen zu knnen,

    ist die Projektarbeit als Methode besonders gut geeignet. Sie ermglicht eine langfris-

    tige Auseinandersetzung mit einem Thema und kann somit immer wieder einen neuen

    Fokus setzen und andere Bildungsbereiche in die Betrachtung einbeziehen (s. a. Kapitel

    zur Projektarbeit, S. 12). Die Stiftung Haus der kleinen Forscher mchte pdagogische

    Fachkrfte durch die vielen praktischen Anregungen und Ideen in dieser Broschre darin

    bestrken, das Thema Licht, Farben, Sehen in Projekten aufzugreifen und mit den Kin-

    dern umzusetzen.

    1 Vgl. Fthenakis, W. E. (Hrsg.) (2009)

    daS thema Licht, Farben, Sehen

    in den biLdungSpLnen

  • 9

    Licht, Farben, Sehen als Forschungsthema in der Kita

    der bLick vom kind auS

    Um Kinder in ihren Entwicklungs- und Lernprozessen gut untersttzen zu knnen, ist es

    wichtig, ihre Vorerfahrungen und Interessen aufzugreifen, die Mdchen und Jungen zu be-

    obachten und wahrzunehmen, was sie von sich aus tun, was sie fasziniert und womit sie

    sich gerade beschftigen.2 Besonders im Bereich des Sehens sind Kita-Kinder bereits sehr

    kompetent. Die folgenden Seiten geben eine bersicht ber die Entwicklung des Sehens

    und beschreiben einige Lernprinzipien aus neurobiologischer Sicht.

    die entwickLung deS SehenS

    Kinder wie Erwachsene nehmen ihre Umwelt und all das, was sie umgibt, ber die Sinne

    wahr. Dabei spielt der Sehsinn eine sehr wichtige Rolle. Die Entwicklung des Sehens voll-

    zieht sich innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraums nach der Geburt. Der Sehsinn

    eines achtmonatigen Suglings ist bereits voll ausgebildet und so funktionsfhig wie bei

    einem Erwachsenen. Das Blickverhalten von Kindern vermittelt spannende Einsichten in

    das Denken und die Erwartungen der Mdchen und Jungen. Mit neuen Methoden, die die

    Blickdauer und das Interesse von Suglingen fr bestimmte Spielzeuge oder Ereignisab-

    folgen analysieren, wird in der Entwicklungsforschung festgestellt, welches Grundwissen

    und welche kognitiven Fhigkeiten bei Kindern im ersten Lebensjahr schon vorhanden

    sind.

    Gerade Kleinkinder, die motorisch noch eingeschrnkt sind und z. B. noch nicht laufen

    oder gezielt greifen knnen, lernen enorm viel durch Beobachten und Hinschauen. Dabei

    ist auch der Blickkontakt zur Bezugsperson fr ein Kind sehr wichtig. Wenn es bei seiner

    Erkundung auf etwas berraschendes oder Unbekanntes stt und sich dabei unsicher

    fhlt, wirft es einen fragenden Blick auf seine Bezugspersonen (das nennt man auch sozi-

    ales Referenzieren). Wenn das Kind die Umwelt erkundet, mchte es von frh an wissen,

    was andere Menschen zu den Dingen, die es erforscht, sagen und wie sie damit umge-

    hen. Diese Fhigkeit zur geteilten Aufmerksamkeit (gleichzeitig einen Gegenstand und

    eine andere Person ins Geschehen einzubinden) ist ab einem Alter von ca. acht Monaten

    vorhanden und zeigt, dass das Interesse der Mdchen und Jungen nicht nur ihrer Umwelt,

    sondern auch der Sicht ihrer Bezugspartner auf die Dinge in der Umgebung gilt Ko-Kons-

    truktion beginnt also schon im Kleinkindalter!3

    2 Vgl. Pauen, S., Pahnke, J. (2009)3 Berk, L. E. (2005)

  • 10 4 Spitzer, M. (2006), S. 160

    Die folgende Tabelle gibt einen berblick ber die Entwicklung des Sehens, die bereits vor

    der Geburt beginnt:

    Sehvermgen

    Licht (hell und dunkel)

    Formen

    Farben

    Tiefensehen

    Suglinge blicken schon kurz nach der Geburt um sich und betrachten die Objekte, die in ihrem Blickfeld auftauchen.

    Sie sehen anfangs nur Dinge scharf, die nicht weiter als 20 bis 25 cm entfernt sind. Die Sehschrfe erreicht zwischen dem sechsten und achten Lebensmonat das

    Niveau eines Erwachsenen.

    Schon siebenmonatige Ften im Mutterleib sind lichtempfindlich, d. h., sie reagieren auf Lichtreize und knnen hell und dunkel unterscheiden.

    Suglinge knnen in den ersten Lebensmonaten verschiedene Helligkeitsstufen differenzieren.

    Die Differenzierung verschiedener Helligkeitsstufen ermglicht es Suglingen, Kontraste und Formen besser wahrzunehmen. Muster wie z. B. die eines Schachbretts schauen sie daher besonders gern an.

    Suglinge haben eine Vorliebe fr menschliche Gesichter und gesichtshnliche Formen. Das Betrachten von Gesichtern beschrnkt sich anfangs auf die Randbereiche wie den Haaransatz oder das Kinn, da diese besonders kontrastreich sind. Ab etwa dem zweiten Lebensmonat nehmen Suglinge auch die Gesichtsmitte im Detail wahr.

    Neugeborene schauen gern bunte Farbgebungen an, knnen aber einzelne Farben noch nicht gut unterscheiden.

    Bis zum zweiten Lebensmonat erlernen sie, Rot, dann Blau, Gelb und spter Grn voneinander zu unterscheiden.

    Mit ungefhr vier Monaten knnen sie den gesamten Farbbereich differenzieren.

    Die Fhigkeit zum Tiefensehen, d. h., Entfernungen zwischen Gegenstnden untereinander und im Verhltnis zu sich selbst einzuschtzen, ist angeboren. Diese Fhigkeit ist beispielsweise fr das Ergreifen von Dingen wichtig.

    Das Tiefensehen wird durch das eigene Bewegen trainiert und weiter ausgeprgt. Mit sechs bis sieben Monaten knnen die meisten Kinder tiefe und flache Stellen unterscheiden und abfallende Bereiche vermeiden, die gefhrlich aussehen.

    Lernen in der Frhen kindheit

    Lernen gelingt besser und nachhaltiger, wenn es in Situationen erfolgt, die emotional

    anregend sind. Dies gilt fr Kinder und Erwachsene gleichermaen. Was den Menschen

    umtreibt, sind nicht Fakten und Daten, sondern Gefhle, Geschichten und vor allem andere

    Menschen.4

    Wenn Kinder lernen, lernt immer das ganze Kind mit allen Sinnen, Emotionen, geistigen

    Fhigkeiten und Ausdrucksformen. Gespeist wird das Lernen aus der Neugier und der

    Freude am Ausprobieren, Experimentieren und Entdecken. Whrend Erwachsene auch ge-

    zielt reine Daten und Fakten lernen knnen, ist das Lernen der Kinder immer mit konkreten

    Dingen und Situationen verknpft.

  • 11

    Beispiel Spielsituation:

    Ein etwa acht Monate altes Kind liegt vor zwei Spiegelbausteinen und betrachtet

    diese. Zufllig bewegt es seinen Kopf nach unten und stellt dabei fest, dass sich das

    Bild im Spiegel wandelt. Es wiederholt diese Bewegung immer wieder, wobei sich jedes

    Mal die Entfernung zwischen seinem Gesicht und den Spiegelflchen verndert. Das Kind

    beobachtet ganz genau, was sich im Spiegel tut.

    Wie das obige Beispiel zeigt, ist das Lernen von Kindern durch viele Wiederholungen

    geprgt. Diese sind aus entwicklungspsychologischer Sicht sehr wichtig fr das Sammeln

    von Lernerfahrungen: Durch wiederholtes Ausprobieren lernen die Mdchen und Jungen

    die Eigenschaften der Dinge kennen und entdecken mit der Zeit Zusammenhnge.

    Auch die Neurowissenschaften betonen, dass Lernen ber Wahrnehmen, Erfahren und

    Handeln erfolgt. Whrend das Kind den Gegenstand (z. B. den Spiegelbaustein) wahr-

    nimmt und sich damit beschftigt, werden die Nervenzellen (= Neuronen) im kindlichen

    Gehirn ber die Sinneskanle aktiviert. Die aktivierten Nervenzellen wiederum verbinden

    sich untereinander ber so genannte Synapsen. So werden die Informationen (die Eigen-

    schaften des Spiegelbausteins) neuronal verarbeitet und dem Gegenstand (Spiegelbau-

    stein) zugeordnet. Das Lernen knnte man also als einen Prozess der Verinnerlichung von

    Erfahrungen beschreiben und gleichzeitig neurobiologisch als eine fortwhrende Entwick-

    lung der synaptischen Verbindungen im Gehirn. So werden aus anfangs noch sehr dn-

    nen Nervenwegen allmhlich immer besser ausgebaute und leichter aktivierbare, fest im

    Hirn verankerte Straen. Sie werden immer breiter, je mehr sie benutzt werden, um eine

    bestimmte Leistung zu erbringen, oder wenn sie immer wieder aktiviert werden. Je kompli-

    zierter und verzweigter diese Straennetze im Gehirn herausgebildet werden, desto mehr

    kann ein Kind im spteren Leben miteinander verbinden und in Beziehung setzen [].5

    In der Zeit, in der die neuronalen Verbindungen in hohem Mae ausgebildet werden, sind

    die Mdchen und Jungen besonders neugierig. Sie fassen die Gegenstnde in ihrem Um-

    feld an und beobachten ganz genau; sie probieren stndig Neues aus und machen viel-

    fltige Erfahrungen. Von den neuronalen Verbindungen werden allerdings nur diejenigen

    stabilisiert und erhalten, die auch wirklich immer wieder benutzt und gebraucht werden.

    Der Rest wird einfach wieder abgebaut, nach dem Motto: use it or loose it6 (benutze

    oder verliere sie). Das macht deutlich, wie wichtig frhe Lernerfahrungen sind und dass

    die Auseinandersetzung mit Naturphnomenen in diesem Alter einen nachhaltigen Ein-

    fluss auf die geistige Entwicklung der Kinder hat.

    Die vorangegangenen Ausfhrungen zeigen, dass Kinder von Geburt an sehr aufnah-

    mebereit fr Entdeckungen und Erfahrungen sind und sie schon im Kita-Alter wichtige

    Voraussetzungen und Kompetenzen fr die Auseinandersetzung mit Licht- und Farbphno-

    menen mitbringen: Die Mdchen und Jungen haben bereits im ersten Lebensjahr ein gutes

    Sehvermgen, knnen Helligkeiten, Farben und Formen unterscheiden. Die Beschftigung

    mit Naturwissenschaften in der Kita ermglicht viele Grunderfahrungen und erweitert

    5 Hther, G. (2011), S. 76 Ebd.

    Licht, Farben, Sehen als Forschungsthema in der Kita

  • 12

    projektarbeit in der kita

    das Wissen der Kinder. Durch eigenes Forschen mit passender Lernbegleitung entwickeln

    die Mdchen und Jungen so nach und nach ein vertieftes Verstndnis von physikalischen

    Phnomenen im Bereich Licht, Farben und Sehen.

    waS iSt projektarbeit?

    In Anlehnung an Katz & Chard7 lsst sich Projektarbeit folgendermaen beschreiben:

    Projektarbeit ist eine langfristige Auseinandersetzung mit einem Thema. Sie kann

    Tage, Wochen oder auch Monate dauern.

    Projektarbeit untersucht verschiedene Aspekte eines Themas (Sachverhalte) und

    berhrt unterschiedliche Bildungsbereiche.

    Projektarbeit wird von den Kindern oder einer pdagogischen Fachkraft initiiert.

    Projektarbeit wird von der pdagogischen Fachkraft mit den Kindern gemeinsam

    geplant und durchgefhrt.

    Projektarbeit wird von der pdagogischen Fachkraft begleitet und untersttzt.

    Projektarbeit wird von der pdagogischen Fachkraft gemeinsam mit den Kindern

    dokumentiert und reflektiert.

    Die Forscherkinder unseres Kindergartens haben ein Projekt zum Thema Licht und

    Farben durchgefhrt. Dabei haben sie u. a. herausgefunden, dass Farben nur durch Licht

    erkennbar sind. Whrend der Suche nach den Regenbogenfarben in der Natur sind die

    Kinder einer blinden Frau begegnet. Dadurch haben die Mdchen und Jungen viele Fragen

    gestellt: Fr was braucht die Frau einen Stock? Wie kann die Frau die Farbe an der Ampel

    wissen? Wie kann sie die gewnschte Kleidung aus dem Kleiderschrank aussuchen?

    Wie kann sie im Supermarkt bezahlen? Danach fingen die Kinder an, mit Untersttzung

    von uns nach Antworten zu suchen. Die Begegnung mit der blinden Frau brachte einen

    neuen und unerwarteten Aspekt fr das gesamte Projekt.

    Bericht einer Erzieherin des Stdtischen Kindergartens Neige

    7 Vgl. Katz, L. G., Chard, S. C. (2000)

  • 138 Vgl. Fthenakis, W. E. (Hrsg.) (2009)

    waS zeichnet die projektarbeit auS?

    Projekte greifen die Neugier und die Lernbegierde der Kinder auf und stehen

    immer in Bezug zu ihrer Erfahrungswelt.

    Kinder sind aktiv an der Planung und Durchfhrung eines Projekts beteiligt

    (Partizipation).

    Kinder erleben und lernen ein Thema in verschiedenen Bezgen und in greren

    Zusammenhngen kennen. Durch die Projektarbeit werden alle Sinne des Kinds

    angesprochen.

    Projekte sind auf die Strkung kognitiver, sprachlicher, motorischer und sozial-

    emotionaler Kompetenzen der Kinder ausgerichtet.

    Projektarbeit ermglicht den Mdchen und Jungen, die Methode, das Tempo und

    die Sozialform ihres Lernens selbst zu bestimmen und individuell zu gestalten.

    Projektarbeit untersttzt das ko-konstruktive Lernen. Kinder und Erwachsene oder

    Mdchen und Jungen untereinander bilden eine lernende Gemeinschaft und bringen

    gleichermaen ihre Ideen, Vorschlge und Erklrungen in das Projekt ein.

    Durch Dokumentation und Reflexion sprechen die Kinder ber Lerninhalte und

    Lernprozesse, d. h., darber, was sie lernen und wie sie lernen. Dies wird als Meta-

    kognition bezeichnet.

    Projektarbeit strkt das Selbstbewusstsein und das Gefhl bei Kindern,

    eigenstndig etwas bewirkt zu haben und kompetent zu sein (Ich kann!).8

    Licht, Farben, Sehen als Forschungsthema in der Kita

  • 14 9 Vgl. Fthenakis, W. E. (Hrsg.) (2009)

    der verLauF einer projektarbeit

    Die Projektarbeit beinhaltet verschiedene Phasen.9

    Phase 1: Entstehung der Projektarbeit, gemeinsame Findung des Projektthemas

    Die Themen der Projektarbeit entstehen oft dadurch, dass die Kinder groes Interesse

    an einem Gegenstand/Sachverhalt zeigen und dies von den Fachkrften aufmerksam

    wahrgenommen wird. Hufig ergeben sich Themen fr die Projektarbeit im Dialog mit den

    Mdchen und Jungen. Natrlich kann der Impuls zu einem Projektthema auch von den

    Fachkrften selbst ausgehen.

    Phase 2: Planung und Vorbereitung des Projekts

    Sobald sich die Gruppe auf ein Projektthema geeinigt hat, arbeitet sich die Fachkraft

    zunchst selbst in den Bereich ein und informiert sich darber. Sie entwickelt eine grobe

    Idee, welche Aktivitten sie in welchem Zeitraum mit den Kindern gemeinsam durchfhren

    kann, und stimmt dies mit den Mdchen und Jungen ab.

    Phase 3: Durchfhrung eines Projekts

    Beim Einstieg in das Projekt ist es zunchst wichtig, Informationen ber das Vorwissen

    bzw. die Vorerfahrungen der Kinder zu dem Projektthema zu sammeln. Durch Interaktion

    zwischen Kindern und Fachkraft oder den Kindern untereinander erleben die Mdchen

    und Jungen bewusst, dass man Unterschiedliches ber dasselbe Thema denken und

    wissen kann.

    Gemeinsam wollen Kinder und Fachkraft in einem ko-konstruktiven Prozess Antworten auf

    ihre Fragen und Erklrungen fr ihre Entdeckungen finden. Mit Hilfe verschiedener Aktivi-

    tten sammeln sie Informationen zum Projektthema. Hypothesen werden durch Beobach-

    tungen, Messungen und Experimentieren berprft. Dabei berichten sich alle Beteiligten

    gegenseitig immer wieder ihre Erfahrungen und prsentieren ihre neuen Erkenntnisse auf

  • 15

    Licht, Farben, Sehen als Forschungsthema in der Kita

    10 Der Ansatz und die pdagogischen Leitlinien der Stiftung sind ausfhrlich in der Broschre Pdagogischer Ansatz der Stiftung Haus der kleinen Forscher dargestellt (auch als PDF zum Download unter www.haus-der-kleinen-forscher.de).

    vielfltige Weise (z. B. ber Fotos, Erzhlung, Zeichnungen). Die Kinder reflektieren mit der

    Fachkraft zusammen den Verlauf der Aktivitten. Daraus ergeben sich oft neue Fragen und

    weitere Ideen.

    Phase 4: Abschluss des Projekts

    Wann ein Projekt zu Ende ist, richtet sich nach den Bedrfnissen der Kinder und lsst sich

    im Vorhinein nicht genau festlegen. Hier gilt es, aufmerksam zu sein, wann die Fragen der

    Kinder beantwortet sind und sie den gewnschten Erkenntnisgewinn erreicht haben. Ein

    Projekt endet sinnvoll und gewhnlich damit, dass die Kinder ihr Projektergebnis anderen

    vorstellen, z. B. durch eine Wandprsentation, eine Ausstellung oder im Rahmen eines

    Fests.

    projektarbeit und pdagogiSche LeitLinien der StiFtung hauS der kLeinen ForScher

    Im Mittelpunkt des pdagogischen Ansatzes der Stiftung Haus der kleinen Forscher

    stehen ein ko-konstruktives Miteinander aller am Forschungsprozess Beteiligten sowie

    eine Untersttzung der Kinder in der Entwicklung metakognitiver Kompetenzen.10

    Projektarbeit ist eine anspruchsvolle pdagogische Methode, um Kindern ein ganzheitli-

    ches, lebensnahes und exemplarisches Lernen zu einem gemeinsam mit ihnen ausgewhl-

    ten Thema zu ermglichen und damit die Freude der Mdchen und Jungen am Forschen

    und Verstehen zu strken. Im Laufe der Planung und Umsetzung eines Projekts bieten sich

    zahlreiche Mglichkeiten, Bildungsaktivitten im Sinne der Ko-Konstruktion gemeinsam

    zu gestalten und dabei ber das eigene Lernen zu reflektieren (Metakognition).

    Projektarbeit bietet viel Raum fr den Dialog zwischen Fachkrften und Kindern: Die

    Fachkraft reflektiert mit den Mdchen und Jungen, ermuntert sie, ihre Beobachtungen

    zu formulieren und festzuhalten. Kinder knnen den eigenen Vermutungen in Projekt-

    aktivitten nachgehen. In anschlieenden gemeinsamen Besprechungen der Beobach-

    tungen und Erlebnisse werden den Mdchen und Jungen neue Zusammenhnge klar; sie

    vergegenwrtigen sich ihren eigenen Lernweg. Das vermittelt ihnen Selbstbewusstsein

    und strkt ihr Kompetenzgefhl.

    Naturwissenschaftliche Aspekte innerhalb der Projektarbeit knnen mit der Methode

    Forschungskreis bearbeitet werden. Der Forschungskreis beinhaltet zentrale Etappen

    eines Forschungsprozesses. Anhand dieser kann das Forschen gemeinsam mit Kindern

    so gestaltet werden, dass die Mdchen und Jungen, ausgehend von ihren eigenen Fragen,

    neue Lernerfahrungen machen knnen. Vertiefende Informationen zur Methode For-

    schungskreis finden sich auf der Website der Stiftung Haus der kleinen Forscher

    und auf der Karte Forschungskreis.

    projektarbeit und pdagogiSche LeitLinien der StiFtung hauS der kLeinen ForScher

    Ko-Konstruktion

    Dialog

    Methode Forschungskreis

  • 16

    anregungen Fr die pdagogiSche praxiS

  • 17

    Anregungen fr die pdagogische Praxis

    Als praktische Hilfestellung fr das gemeinsame Forschen bietet sich der Kartensatz

    Licht, Farben, Sehen der Stiftung Haus der kleinen Forscher an. Die Entdeckungskar-

    ten laden zum Kennenlernen verschiedener optischer Phnomene ein und ermglichen

    Kindern, wesentliche Grunderfahrungen zu Licht, Schatten, Spiegeln und Farben zu

    sammeln.

    Weiterfhrende Fragen, die sich aus den Entdeckungen ergeben, knnen gut mit der Me-

    thode Forschungskreis untersucht werden. Auf den Forschungskarten des Kartensatzes

    werden exemplarisch zwei vertiefende Lernerfahrungen aus den Bereichen Farben und

    Schatten dargestellt:

    Beim Vermischen zweier Farben entsteht eine neue Farbe.

    Derselbe Gegenstand kann Schatten unterschiedlicher Gre werfen.

    Darber hinaus sind natrlich viele weitere Entdeckungs- und Forschungsideen mglich.

    Zustzliche Anregungen finden Sie auf den folgenden Seiten.

    AUSPROBIEREN UND VERSUCH DURCHFHREN

    Stellen Sie den Kindern Pipetten, blau und gelb eingefrbtes Wasser in kleinen Glsern und mehrere gleichartige schmale, hohe Gefe (z. B. Reagenzgl-ser) zur Verfgung.

    Die Kinder knnen nun mit Hilfe der Pipette etwas vom gelben Farbwasser aus dem kleinen Glas in ihr schmales, hohes Gef fllen. Mit einem wasser-festen Stift markieren sie den Fllstand auf dem Gef. Nun fgen die Kinder mit der Pipette vorsichtig etwas von dem blauen Wasser zum gelben hinzu. Die jeweiligen Mengen legen sie selbst fest.

    AUSPROBIEREN UND VERSUCH DURCHFHREN

    IDEEN UND VERMUTUNGEN SAMMELN

    Fragen Sie die Kinder, welche Mischfarben sie schon kennen. Was wissen die Kinder darber, aus welchen Farben sich eine bestimmte Mischfarbe herstellen lsst? Welche Farben sind beispielsweise in Orange enthalten, welche in Braun? Und welche Mischfarbe entsteht wohl, wenn sie Blau und Gelb miteinander mischen? Haben die Kinder eine bestimmte Vermutung? berlegen Sie gemeinsam, wie Sie vorgehen knnten, um das herauszufinden. Erinnern sich die Kinder in diesem Zusammenhang auch an die Versuche mit verschiedenfarbigem Wasser in den Reagenzglsern?

    Phnomen erforschen: Mischfarben BEIM VERMISCHEN ZWEIER FARBEN ENTSTEHT EINENEUE FARBE.

    FRAGE AN DIE NATURSTELLEN

    Tauschen Sie sich mit den Kindern darber aus, was passiert, wenn sie zu einer Farbe eine andere hinzugeben. Haben die Mdchen und Jungen schon einmal beobachtet, wie sich z. B. beim Malen zwei Farben miteinander vermischt haben?

    Welche Mischfarbe entsteht, wenn die Kinder Gelb und Blau miteinander mischen?

    LICHT, FARBEN, SEHEN

    03/2

    012

    ERGEBNISSEERRTERN

    Vergleichen Sie mit den Kindern die verschiedenen Farbnuancen, die entstanden sind. Gibt es hellere und dunklere? Wenn ja, welche Ursache knnte das haben?

    Betrachten Sie mit den Kindern die Markierungen auf den verschiedenen Gefen. Whlen Sie zusammen mit den Kindern ein Gef aus, in dem anfangs wenig, und ein weiteres, in dem viel gelbe Farbe war. Achten Sie bei der Auswahl auch darauf, dass sich die Wasserstn-de in den beiden Gefen mit der Mischfarbe nicht stark unterscheiden. Lassen Sie die Kinder vergleichen in welchem der Gefe ist ein helleres, in welchem ein dunkleres Grn entstanden? Was vermuten die Kinder, woran das liegen knnte?Funktioniert der Versuch auch andersherum? Entsteht ebenfalls Grn, wenn man zuerst blaue Farbe ins Gef gibt und dann gelbe hinzufgt? Was meinen die Kinder? Wer mchte es ausprobieren?

    ERGEBNISSE DOKUMENTIEREN

    Alle Mischfarben, die von den Kindern hergestellt wurden, werden in der Mitte des Tischs zusammenge-tragen; dafr eignen sich z. B. Reagenzglashalter. Lassen Sie die Kinder die Ergebnisse ihrer Mischver-suche dokumentieren, indem sie diese beispielsweise fotografieren oder auf Papier malen.

    BEOBACHTEN UND BESCHREIBEN

    Lassen Sie die Kinder beobachten, was geschieht, wenn sie zu der gelben Farbe die blaue hinzufgen.

    Was ist zu sehen? Interessant ist es auch, zu beobach-ten, auf welche Weise sich die beiden Farben miteinan-der vermischen tauschen Sie sich darber aus!

    Die Kinder knnen beschreiben, welche Mischfarbe bei ihnen entstanden ist. Lassen Sie die Kinder untereinan-der die Farben vergleichen hneln sie sich?

    Welche Bezeichnungen wrden die Kinder dem von ihnen gemischten Farbton geben (z.B. hellgrn, kiwigrn, grasgrn)?

    Materialien: mehrere gleichartige schmale, hohe Gefe (z. B. Reagenzglser mit Reagenzglashalter) Pipetten wasserfester Stift mit Krepppapier eingefrbtes blaues und gelbes Wasser in kleinen Glsern

    LICHT, FARBEN, SEHEN

    Darum gehts

    Die Kinder stellen Mischfarben auf unterschiedliche Arten her. Dafr nutzen sie nur wenige Farben, die sie miteinan-der kombinieren. Sie erfahren, welche Farbenvielfalt so entstehen kann.

    Wo begegnet es uns im Alltag?

    In der freien Natur lassen sich viele Farben entdecken, und auch die meisten Gegenstnde, die uns umgeben, sind far-big. Dabei finden sich von einer Farbe zahlreiche Nuancen: Grasgrn, Flaschengrn, Apfelgrn, Mintgrn, Tannengrn usw. Vielen Kindern sind das Malen und Mischen von Far-ben aus der Beschftigung mit Tusche und Aquarellfarben bereits bekannt.

    Phnomen entdecken: Mischfarben

    WIE vIELE FARBEN gIBT ES?

    Abb. 2: Zwei Farben miteinander mischen Abb. 3: viele MischfarbenAbb. 1: Wasser mittels Krepppapier frben

    Das wird gebraucht

    Krepppapier (mindestens rot, grn, blau, gelb) mehrere kleine Glser mit Wasser Reagenzglser oder andere schmale, hhere Glser Pipetten Unterlagen fr den Tisch farbige Transparentfolienstreifen (mit abgerundeten Ecken) Kchenkrepp rote, blaue, gelbe Lebensmittelfarbe (gegebenenfalls in Tropfflaschen) Teller oder groe Blumentopfuntersetzer

    Tipp: Legen Sie wasserfeste Unterlagen auf die Tische. Zum Schutz der Kleidung empfiehlt es sich, bei den Mischversuchen Schrzen oder alte Kleidungsstcke wie T-Shirts oder Oberhemden berzuziehen. Geben Sie den Kindern im Vorfeld die Mglichkeit, den Umgang mit einer Pipette ausgiebig zu ben. Wie bekomme ich Wasser in die Pipette? Und wie bekomme ich es in kleinen Mengen oder trpfchen-weise wieder aus ihr heraus?

    MANCHES KANN MAN FRBEN, MANCHES ENTFRBEN (EINSTIMMuNg) Die Farben des Krepppapiers sind wasserlslich. Diese Eigenschaft knnen die Kinder zum Herstellen von farbigem Wasser nutzen, das sich gut fr die nachfolgenden Mischversuche eignet. Jedes Kind whlt eine Krepppapierfarbe. Welche anderen Dinge kennen die Mdchen und Jungen in dieser Farbe (z. B. rot wie eine Erdbeere oder eine Rose)? Ein Schnipsel vom gewhlten Krepppapier wird in ein kleines wassergeflltes Glas gegeben. Die Kinder beo-bachten dann in Ruhe, was mit dem Papier im Wasser geschieht. Wie verndert sich das Wasser? Wie sieht das Papier aus, wenn sie es wieder aus dem Wasser nehmen? Kennen die Kinder noch andere Dinge, die abfrben (z. B. Schokolinsen in der schwitzenden Hand)?

    03/2

    012

    Mischt man mindestens zwei Farben entsteht eine weitere, andere Farbe. Je mehr Farben die Kinder miteinander vermischen, desto dunkler ist der Farbton der entstandenen Mischfarbe.

    Seht

    her

    FARBENvIELFALT

    Die Kinder nutzen nun die verschiedenfarbigen Flssigkeiten, mehrere schmale, leere Glser (z. B. Reagenzglser in einem Reagenz-glashalter) und die Pipetten zum Weiterforschen. Probieren Sie gemeinsam mit den Kindern aus, welche Farben entstehen knnen, wenn die eingefrbten Flssigkeiten gemischt werden. Zu Beginn ist es sinnvoll, immer nur zwei Farben miteinander zu mischen. Dafr geben die Kinder mit der Pipette von beiden Farben etwas in die schmalen Glser.

    Sammeln Sie die Glser der Kinder und betrachten Sie dann gemeinsam alle Mischergebnisse. Oft sind die Farben schner und besser zu sehen, wenn sie gegen das Licht oder vor einen weien Hintergrund gehalten werden. Tauschen Sie sich darber aus, welche Farben die Kinder jeweils vermengt haben. Finden Sie gemeinsam Farbbezeichnungen fr die neu entstandenen Farben. Wie viele unterschiedliche Grntne knnen die Kinder mischen? (weiter forschen mit der Forschungskarte Beim Vermischen zweier Farben entsteht eine neue Farbe) Welche Farbe entsteht, wenn man alle Farben zusammengiet? Die Kinder knnen es abschlieend ausprobieren.

    LICHT, FARBEN, SEHEN

    KuNTERBuNTES Stellen Sie Teller oder Untersetzer, rote, blaue und gelbe Lebensmittelfarbe sowie Bltter der Kchenrolle bereit. Bitten Sie die Kinder, je ein Blatt des saugfhigen Papiers auf einen Teller zu legen. Dann knnen die Kinder die drei Farben tropfenweise (per Pipette oder mit der Tropfflasche) auf das Papier geben. Was lsst sich beobachten? Was geschieht z. B. an Stellen, an denen mehrere Farben aufeinander-treffen?

    WissensWertes fr

    interessierte erWachsene

    Viele Farben sind herstellbar, indem man

    zwei und mehr Farben mischt.

    Die fr das Mischen verwendeten Farben

    werden auch als Pigmentfarben bezeich-

    net. Pigmente sind winzige, oft mit bloem

    Auge nicht erkennbare, farbgebende

    Teilchen, die z. B. im farbigen Wasser

    schweben.

    Die Pigmente haben Einfluss darauf,

    welche Anteile des einfallenden Lichts

    verschluckt und welche zurckgeworfen

    werden. Davon abhngig sehen wir Dinge

    (z. B. das eingefrbte Wasser) in einer

    bestimmten Farbe.

    Abb. 4: Farben auf saugfhigem Papier mischen

    Die Farbe verteilt sich auf dem Kchenkrepp. Es gibt berlappungen der Farbflchen, an denen Mischfarben entstehen.

    Seht

    her

    FARBENMISCHEN IM TRoCKENEN

    Mit Streifen transparenter Farbfolien knnen die Kinder ebenfalls herausfinden, aus welchen Ausgangsfarben welche Mischfarbe entsteht. Dazu legen sie mindestens zwei Folienstreifen unterschiedlicher Farbe auf einem weien Blatt bereinander oder halten sie hintereinander gegen das Licht. Wie beschreiben die Kinder die sichtbare Mischfarbe? Wird sie heller oder dunkler als die ursprnglichen Farben der beiden Folien? Finden die Kinder einen Namen fr die neue Farbe?

    Abb. 5: Farbige Folienstreifen bereinander legen

    Legt man die verschiedenen Transparentfarbfolien bereinander, erhlt man ein hnliches Ergebnis wie beim Mischen von Malfarben. Je mehr Farbfolien bereinander liegen, desto dunkler wird die Mischfarbe. Se

    ht h

    er

    Kartensatz Licht, Farben, Sehen

  • 18

    Licht ist fr uns so selbstverstndlich, dass wir es nur selten bewusst wahrnehmen

    auer in besonderen Situationen wie z. B. beim Betrachten eines Regenbogens, eines

    feuerroten Sonnenuntergangs oder eines glitzernden Schmuckstcks. Im Gegensatz dazu

    ist uns die Abwesenheit von Licht, die Dunkelheit, sofort bewusst, denn dann knnen wir

    nichts mehr sehen.

    Sprechen Sie mit den Kindern ber Licht und Dunkelheit. Welche Erfahrungen haben die

    Mdchen und Jungen damit gemacht, welche Gefhle lsen Licht und Dunkelheit in ihnen

    aus Freude oder Angst, Geborgenheit oder Heiterkeit?

    Um Licht und Dunkelheit bewusst zu erleben, wird ein gut zu verdunkelnder Raum mit wei-

    en Tchern ausgekleidet. Auf dem Boden liegen Matratzen oder Teppiche und Kissen, so

    dass es fr die Kinder angenehm ist, sich darauf niederzulassen. Lassen Sie die Mdchen

    und Jungen zunchst den dunklen, ruhigen Raum erleben und wahrnehmen. Dann knnen

    die Kinder den Raum mit farbigem Licht erhellen. Nutzen Sie dazu einfach normale Strah-

    ler, in denen sich rote, gelbe, blaue oder grne Glhlampen befinden. Wie empfinden die

    Kinder die unterschiedlichen Lichtfarben? Probieren Sie verschiedene Lichtkombinationen

    aus. Auerdem knnte auch eine Diskokugel aufgehngt werden, die dann z. B. mit einer

    Taschenlampe im dunklen Raum angestrahlt wird. Geschichten und Musik verstrken den

    Eindruck von Farben, Licht und Dunkelheit.

    Das Licht kommt von der Sonne!, rufen die Kinder vielleicht. Oder aus der Lampe.

    Es gibt verschiedene Arten von Lichtquellen: natrliche wie die Sonne, Blitz oder Feuer

    und knstliche wie die elektrische Glhlampe. Sogar einige Tiere senden Licht aus. So

    leuchten z. B. Glhwrmchen in der Nacht. Laternenfische besitzen scheinwerferhnliche

    Leuchtorgane in der Nhe ihrer Augen. Man nimmt an, dass die Leuchtorgane beider Arten

    bei der Partnerwerbung und beim Zusammenhalt des Schwarms eine Rolle spielen.

    Licht und Dunkelheit erfahren

    Wo kommt das Licht her?

    Licht und Sehen

    beobachtungen zu den

    eigenSchaFten deS LichtS

  • 19

    Anregungen fr die pdagogische Praxis Licht und Sehen

    Gehen Sie mit den Kindern auf Entdeckungsreise immer dem Licht auf der Spur! Als

    Lichtdetektive, ausgestattet mit Papier und Stiften, knnen sich die Mdchen und Jungen

    auf die Suche nach Lichtquellen im Haus oder auch drauen begeben.

    Um ihre Entdeckungen zu dokumentieren, knnen sie diese aufmalen oder fotografieren.

    Oder die Kinder schneiden Bilder von z. B. Lampen, Kerzen oder anderen Lichtspendern

    aus Zeitschriften aus und gestalten damit eigene Lichtbcher.

    Auf Fotos, die unsere Erde bei Nacht zeigen, kann man auf allen Kontinenten berall dort

    Lichtflecken sehen, wo sich groe Stdte befinden, viele Menschen leben und Straen,

    Wohnungen, Bros und Betriebe beleuchtet sind. Schauen Sie sich einmal zusammen

    mit den Kindern in der Umgebung Ihrer Kita um. Wo kommen Leuchtmittel zum Einsatz?

    Beispiele sind Straenlaternen, Autolichter, Ampeln, Warnlichter, Reklameschilder usw.

    was entdecken die Mdchen und Jungen auerdem?

    Frher nutzte man Kerzen und Fackeln, um einen Raum zu erleuchten. Mit der Erfindung

    der Glhlampe und der Elektrifizierung vieler Haushalte vereinfachte sich unser Leben

    sehr. Wird es abends dunkel, dann drcken wir einfach auf den Lichtschalter und es wird

    hell. Besprechen Sie mit den Kindern, dass wir mit Hilfe des Lichtschalters einen Strom-

    kreis schlieen also ohne elektrischen Strom auch kein elektrisches Licht htten. Fr

    eine Vertiefung an dieser Stelle knnten Sie den Kartensatz und die Projektbroschre

    Strom und Energie nutzen.11

    Das Laternenlied von den leuchtenden Sternen kennt wohl jedes Kind. Beim Blick in den

    nchtlichen Himmel sehen wir die Sterne. Sie sind natrliche Lichtquellen und leuchten.

    Ihr Licht erreicht unsere Augen und wir knnen sie sehen.

    Alles, was selbst leuchtet und dessen Licht in unsere Augen fllt, knnen wir sehen. Doch

    erstaunlicherweise sind auch Gegenstnde fr uns sichtbar, die selbst kein Licht abstrah-

    len: Ein Haus, eine Blume, unsere Hand etc. Dafr mssen diese Dinge mit Licht bestrahlt

    werden. Das Licht der Sonne oder einer anderen Lichtquelle trifft z. B. auf die Blume, wird

    von deren Oberflche zurckgeworfen und fllt in unsere Augen. Sobald ein Gegenstand,

    der nicht selbstleuchtend ist, nicht mit Licht bestrahlt wird, bleibt er fr uns unsichtbar.

    Licht als Sehhilfe

    Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir.

    Am Himmel leuchten die Sterne und unten leuchten wir.

    Mein Licht ist aus, wir gehen nach Haus.

    Rabimmel, rabammel, rabumm.12

    LIED

    11 Zum Download unter www.haus-der-kleinen-forscher.de12 Volkslied aus Holstein

  • 20

    Bauen Sie mit den Kindern eine Dunkelkammer, indem z. B. mehrere dicke Decken ber

    einen Tisch gelegt werden. Einzeln knnen die Mdchen und Jungen nun unter den Tisch

    krabbeln und verschiedene Gegenstnde im Dunkeln betrachten. Wie knnte man die Din-

    ge trotzdem wiedererkennen, obwohl man nichts sehen kann, z. B. unter Einsatz anderer

    Sinne wie dem Geruchs- oder Tastsinn?

    Wie wrden Sie eine Sonne malen? Und wie sieht die Sonne auf Kinderzeichnungen aus?

    Zumeist malen sowohl Kinder als auch Erwachsene die Sonne als runde Scheibe und ihre

    Strahlen als gerade Linien. Diese kindlich-naiv anmutende Vorstellung entspricht jedoch

    einer tatschlichen Eigenschaft von Licht: Es breitet sich, sofern es in seinem Verlauf nicht

    behindert wird, geradlinig und in alle Richtungen gleichmig aus.

    Erinnern sich die Kinder vielleicht, Folgendes schon einmal beobachtet zu haben? Ein

    bedeckter Himmel, pltzlich brechen die Wolken an einer Stelle auf. Lichtstrahlen durch-

    schneiden die vom Regendunst erfllte Luft. Wie Scheinwerfer auf einer Konzertbhne be-

    leuchten sie einen Teil der Landschaft. Oder beim Spaziergang im Wald: Die Sonne scheint

    durch das Bltterdach und in der feuchten Luft kann man einzelne Sonnenstrahlen sehen.

    Lichtstrahlen lassen sich ebenfalls sehr gut beobachten, wenn ein Leuchtturm seine Licht-

    signale in die neblige Nacht sendet.

    Auch bei einer Lasershow kann man die gerade Ausbreitung der Lichtstrahlen beobachten.

    Im Kleinen knnen Sie dies mit den Kindern nachvollziehen: Einfachste Lasergerte findet

    man beispielsweise im Bro- oder Heimtierbedarf (Laserpointer oder Katzenspielzeug).

    Normalerweise sieht man nur den Laserpunkt auf der Wand. Leitet man den Laserstrahl

    jedoch durch Wasserdampf, der z. B. aus einem Topf mit heiem Wasser aufsteigt, oder

    durch ein Glas Tee, wird der Laserlichtstrahl sichtbar.

    Wir nehmen Licht oft erst dann wahr, wenn es auf einen Gegenstand oder ein Hindernis

    trifft ob nun winzig klein wie Staubpartikel oder gro wie eine Wand. Denn dann prallt

    es zum grten Teil von dessen Oberflche ab, wird wie ein Pingpongball zurckgeworfen

    und fllt in unsere Augen.

    Wie breitet sich das Licht aus?

    Achtung beim Hantieren

    mit den Lasergerten!

    Der Laserstrahl darf nicht

    in die Augen kommen!

    Blendung der Augen bzw.

    Augenschden knnten

    sonst die Folge sein.

    Achten Sie darauf, nur

    Laserpointer der Laser-

    klasse 2 zu verwenden.

    Licht sehen

  • 21

    Anregungen fr die pdagogische Praxis Licht und Sehen

    Stellen Sie den Kindern leuchtstarke Taschenlampen und Papprhren zur Verfgung. Alle

    befinden sich in einem abgedunkelten Raum. Was geschieht, wenn die Mdchen und Jun-

    gen mit den Taschenlampen in ihre Rhren hineinleuchten? Bitten Sie die Kinder, darauf zu

    achten, ob sie, wenn sie die Rhre von der Seite betrachten, einen Lichtstrahl sehen kn-

    nen. Wo entdecken sie das Licht, das sie in die Rhren eingeleitet haben, im Raum wieder?

    Ist es dunkel und der Himmel klar, so ist neben den Sternen ebenfalls der Mond am

    Himmel zu erkennen. Leuchtet auch er von selbst und aus eigener Kraft? Nein! Wir sehen

    ihn nur, weil er das Licht der Sonne, die ihn anstrahlt, zurckwirft. Und wir sehen nur den

    Teil des Monds, der von der Sonne beschienen wird.

    Die Erde dreht sich um sich selbst und umkreist die Sonne. Auerdem wird die Erde vom

    Mond umrundet. Aus dieser Konstellation ergibt sich, dass in Abhngigkeit vom jeweiligen

    Stand von Erde, Sonne und Mond zueinander unterschiedlich groe Teile der Mondober-

    flche von der Sonne angestrahlt werden, die wir dann sehen. Die verbleibenden, unbe-

    leuchteten Teile des Monds sind fr uns (fast) unsichtbar.

    Obwohl der Mond niemals seine runde Gestalt verndert, sieht er von der Erde aus be-

    trachtet nicht immer gleich aus: Mal sehen wir ihn als Kreis, ein anderes Mal als Sichel,

    manchmal, bei Neumond, ist er aber auch gar nicht zu sehen.

    Wie wre es mit einer kleinen Hausaufgabe? Bitten Sie die Kinder und ihre Eltern darum,

    an mehreren Abenden je zwei Fotos zu machen: eines vom Mond am Abendhimmel und

    eines von einem Kalender, an dem das Datum und der Wochentag gut zu erkennen sind.

    Idealerweise ergibt sich so eine Fotofolge mit Zeitangabe, die den zunehmenden und

    abnehmenden Mond zeigt.

    Mondlicht

    LIED

    Seht ihr den Mond dort stehen? Er ist nur halb zu sehen

    Und ist doch rund und schn, so sind wohl manche Sachen

    Die wir getrost verlachen, weil unsere Augen sie nicht sehn.13

    13 Dritte Strophe des Lieds Der Mond ist aufgegangen von Matthias Claudius, 1778

  • Nicht nur vom Abbild des Monds lassen wir uns tuschen. Optische Tuschungen knnen

    nahezu alle Aspekte des Sehens betreffen: Es gibt z. B. Tiefen- und Farbillusionen, geo-

    metrische oder Bewegungsillusionen. In all diesen Fllen scheint das Sehsystem falsche

    Annahmen ber die Natur zu treffen, wie sich oft unter Zuhilfenahme weiterer Sinne zeigen

    lsst. Optische Tuschungen sind aber auch Beispiele fr die besonders gute Anpassung

    unseres Sehens an die normale Umgebung: Diese Anpassung ist allerdings so fest veran-

    kert, dass sie unter speziellen Bedingungen zu Fehlinterpretationen fhrt.

    Lassen Sie die Kinder kleine rechteckige Pappen zuschneiden (ca. 10 x 5 cm). Auf die Vor-

    derseite malen die Mdchen und Jungen einen Fisch, auf die Rckseite der Pappe an der

    gleichen Stelle und genau andersherum (also auf dem Kopf stehend) einen Aquarium.

    Nun wird die Pappe an den kurzen Seiten gelocht und jeweils ein Kchengummi daran

    befestigt. Die Kinder stecken ihre Zeigefinger durch die Gummis und drehen diese nun

    mehrfach mit der Pappe in dieselbe Richtung ein. Werden die Gummis dann auf Zug gehal-

    ten und die Pappe losgelassen, dreht sie sich ganz schnell zwischen den Zeigefingern und

    man sieht den Fisch im Glas schwimmen.

    Eine andere Mglichkeit, die weniger Feinmotorik erfordert, besteht darin, zwei identische

    Pappestcke auszuschneiden dafr knnten verschiedene Gegenstnde als Schablonen

    benutzt werden. Auf eine Pappe wird ein Vogel, auf die andere an der gleichen Stelle ein

    Kfig gemalt. Die Rckseiten der beiden Pappen werden mit Klebstoff versehen und mit

    einem dazwischen gelegten Schaschlikspie aufeinander geklebt. Dreht man nun den

    Spie schnell zwischen den Fingern, sind die wechselnden Bilder auf der Vorder- und

    Rckseite nur noch zusammen und nicht mehr einzeln erkennbar. Der Vogel sitzt also im

    Kfig.

    Oder basteln Sie mit den Kindern verblffende Farbkreisel. Hier knnen die Mdchen und

    Jungen CDs als Schablonen benutzen dabei auch das innere Loch der CD auf die Pappe

    bertragen. Die fertig ausgeschnittenen Pappscheiben mssen nun noch von den Kindern

    nach eigenen Vorstellungen farbig oder mit einem schwarz-weien Muster ver-sehen wer-

    den. Von oben wird eine Murmel in das Loch in der Mitte der Pappscheibe gelegt und mit

    Knete festgedrckt. Auf einer glatten Unterlage knnen die Kinder ihre Kreisel mglichst

    schnell tanzen lassen. Wie verndern sich dabei Farben und Muster?

    22

    Getuschte Wahrnehmung

  • 23

    PHILO

    SOPH

    IEREN

    Anregungen fr die pdagogische Praxis Licht und Sehen

    Denken Sie gemeinsam mit den Kindern darber nach, wie es wre, in einer Welt ohne

    Licht zu leben. Unsere Erdkugel wird von der Sonne beschienen. Ohne ihr Licht wre es

    finster und sehr kalt auf der Erde. Ohne Licht knnten wir die Farbenprchtigkeit unserer

    Umgebung nicht wahrnehmen, wir knnten keinen Gegenstand sehen. In Dunkelheit und

    Klte knnten keine Pflanzen wachsen und Lebewesen, also auch wir Menschen, nicht

    existieren.

    Um zu zeigen, dass Licht ein wichtiger Wachstumsfaktor fr Pflanzen ist, knnten die

    Kinder Kressesamen bei unterschiedlichen Lichtverhltnissen keimen lassen. Dazu wer-

    den zwei flache Schalen mit Watte ausgelegt, diese wird angefeuchtet und Kressesamen

    werden darauf verteilt. Eine der Schalen sollten die Mdchen und Jungen z. B. in einen

    Schuhkarton stellen, so dass kein Licht die Samenkrner erreicht. Die andere wird auf dem

    Fensterbrett positioniert. In beiden Schalen sollte die Watte feucht gehalten werden. Die

    Kinder knnen nun beobachten, in welcher der Schalen Kresse wchst.

    Philosophieren Sie weiter mit den Kindern: Was passiert, wenn kein Licht auf die Pflanzen

    fllt? Wie wrden wir uns ohne Licht fhlen? Werden wir ohne Licht mde? Scheint die

    Sonne eigentlich immer? Und wohin wandert sie, wenn sie am Abend untergeht? Ist der

    Mond auch am Tag zu sehen?

  • 24

    RT

    SEL

    Ein Sprichwort sagt: Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Schatten entstehen vielerorts auf

    natrliche Weise durch das Licht der Sonne, aber auch wir knnen mit Hilfe von knstli-

    chen Lichtquellen, z. B. einer Lampe oder einer Kerze, selbst Schatten erzeugen. Begeben

    Sie sich gemeinsam mit den Kindern auf die Suche nach Schattenwrfen, und untersttzen

    Sie die Mdchen und Jungen dabei zu erkennen, dass diese nur bei Licht entstehen.

    Allerdings bentigt man auch immer einen geeigneten Gegenstand, der diesen Schatten

    erzeugt. Treffen die Lichtstrahlen auf etwas, das teilweise oder gnzlich lichtundurchlssig

    ist, so findet man dahinter kein Licht, sondern eine Lichtlcke, einen schattigen Raum.

    Schattenwrfe sind gut auf einer hellen Flche zu sehen, einer Wand, dem Fuboden,

    einem Laken oder einem Blatt Papier.

    Zum Thema Licht und Schatten knnten Sie gemeinsam mit den Kindern ein Schatten-

    theaterstck besuchen. Informieren Sie sich in Ihrer Umgebung Puppen- oder Mario-

    nettentheater bieten Schattenstcke in ihrem Spielplan an. Zurck in der Kita haben die

    Kinder sicher groe Lust, ein eigenes Schattentheater zu inszenieren.

    berlegen Sie gemeinsam mit den Mdchen und Jungen, was man fr ein solches Thea-

    ter braucht. Wann und wo sind Schatten zu sehen? Wie knnen Schattenbilder erzeugt

    werden? Nutzen Sie dafr z. B. die Entdeckungskarte Schatten erforschen und die

    Forschungskarte Schatten.

    Besuch eines Schattentheaters

    Licht und Schatten

    projektidee

    Schattentheater

    (Der eigene Schatten.)

    Was ist das?

    Im Haus und auf dem Lande bleibt er bei dir und begleitet dich.

    Er klagt nicht, wenn du ihn trittst, er ist mal gro, mal klein,

    Wasser macht ihn nicht nass.

  • 25

    Ein Schattentheater lsst sich mit wenigen Mitteln selbst bauen: Hngen Sie ein groes,

    weies Bettlaken frei im Raum auf (z. B. an einer Wscheleine) und beleuchten Sie das

    Laken (Schattenvorhang) von hinten mit einer punktfrmigen Lichtquelle. Gut geeignet

    sind dafr beispielsweise ein Baustrahler (Vorsicht, da dieser hei werden kann), eine

    grere Schreibtischlampe oder ein Diaprojektor. Dunkeln Sie nun noch den Raum ab

    fertig ist die Schattenbhne!

    Bevor Sie dann ein eigenes Theaterstck mit den Kindern spielen, lassen Sie die Mdchen

    und Jungen viele Entdeckungen machen:

    Einige Kinder knnen sich hinter den Schattenvorhang stellen, whrend alle anderen

    versuchen, anhand des Schattenbilds zu erraten, wer zu welchem Schatten gehrt. Lassen

    sich die Mdchen und Jungen z. B. anhand der Frisur oder der Krpergre erkennen?

    Lsst sich herausfinden, welche Kleidung die Kinder tragen? Und die Farbe der Kleidung?

    Schwieriger und lustiger wird es nun, wenn die Mdchen und Jungen hinter dem Schatten-

    vorhang ihre Schatten verndern, indem sie sich beispielsweise ein Kissen vor den Bauch

    halten, ein Nudelsieb auf den Kopf setzen oder ihre Nase mit einer Papprhre verlngern.

    Natrlich knnen auch Gegenstnde hinter dem Schattenvorhang prsentiert werden, und

    alle davor raten, von welchem Gegenstand der Schattenwurf stammt. Beobachten Sie mit

    den Kindern, dass der Schatten eines beleuchteten Gegenstands seine Form, allerdings

    nicht seine Farbe erkennen lsst.

    Tragen Sie mit den Kindern unterschiedlichste Gegenstnde und Materialien zusammen,

    die durchsichtig oder die nicht lichtdurchlssig sind, wie z. B. weies und schwarzes

    Papier, einen Lffel, ein Glas oder eine durchsichtige Plastiktte. Was denken die Kinder

    durch welchen Gegenstand, durch welches Material kann das Licht hindurch wandern,

    wodurch nicht? Sortieren Sie dementsprechend und lassen Sie die Mdchen und Jungen

    ihre Vermutungen berprfen. Beobachten Sie mit den Kindern, wie der Schatten bei

    durchsichtigen im Vergleich zu den lichtundurchlssigen Gegenstnden aussieht.

    Mit den Hnden lassen sich unzhlige Schattenfiguren an Schattenwnden (z. B. helle,

    einfarbige Wand) bilden. Dazu stehen die Kinder vor der Schattenwand und halten ihre

    Hnde in bestimmten Positionen. Meist kennen die Mdchen und Jungen schon einige

    Schattenfiguren: Wie erzeugt man z. B. einen Hasen, wie einen Hund? Und wie mssen die

    Finger gehalten werden, damit der Schatten wie eine fliegende Taube aussieht? Lassen

    Sie die Kinder weiter probieren sicher entstehen noch viele andere, ganz ungeahnte

    Schattenbilder.

    Bau eines Schattentheaters

    Wer bin ich?

    Hat alles einen Schatten?

    Fingerspiele

    Anregungen fr die pdagogische Praxis Licht und Schatten

  • 26

    hnlich wie das Spiegelbild knnen Schatten eine Art Doppelgnger von uns sein. Probie-

    ren Sie mit den Kindern, ob sich die Erfahrungen mit dem Spiegelbild (s. a. Kapitel Licht

    und Spiegel, S. 20) auch auf den Schatten bertragen lassen. Bewegt sich unser Schatten

    synchron mit uns oder kann er sich auch von uns entfernen? Was passiert, wenn man vor

    der Schattenwand die Arme hebt und senkt? Verhlt sich das Schattenbild genauso?

    Wann knnen die Kinder beim Schatten ihre herausgestreckte Zunge sehen? Und lassen

    sich auch andere Grimassen im Schattenbild erkennen? Lenken Sie die Aufmerksamkeit

    der Mdchen und Jungen darauf, dass der Schatten lediglich die ueren Umrisse wieder-

    gibt. Die herausgestreckte Zunge ist daher nur im Profil, nicht aber von vorn zu sehen.

    Lassen Sie die Kinder diese Erfahrungen mit denen zum Spiegelbild vergleichen. Stellen

    Sie z. B. einen groen Spiegel neben die Schattenwand. Was unterscheidet Schatten- und

    Spiegelbild voneinander?

    Beobachtung eines Kinds: Es ist das Gleiche, als ob du dich im Spiegel siehst,

    nur dass der Schatten innen nichts hat, er ist ganz schwarz und lacht nicht.14

    Nicht immer sieht der Schattenwurf aus wie der zugehrige Gegenstand. Schattenbilder

    knnen sich drehen, ihre Form verndern, sich pltzlich oder ganz allmhlich wandeln.

    Beispielsweise lassen sich mit einem Plastiktrichter ganz unterschiedliche Schattenwrfe

    erzeugen je nachdem wie man ihn vor der Lichtquelle hlt: Mal sieht der Trichter aus

    wie ein Ball, dann wie eine Pfanne, wie Pinocchio, mal wie eine fliegende Untertasse oder

    tatschlich wie ein Trichter. Rtseln Sie gemeinsam mit den Kindern, was sich hinter den

    Schattenwrfen verbirgt.

    Auch Zwerge knnen lange Schatten werfen und wie regelrechte Riesen wirken. Probieren

    Sie mit den Mdchen und Jungen, wo man zwischen Lichtquelle und Schattenwand stehen

    muss, damit der eigene Schatten besonders gro aussieht.

    Die Gre bzw. Lnge des Schattens ist abhngig von der Entfernung zwischen Lichtquelle

    und Gegenstand, aber auch von der Distanz zwischen dem Gegenstand und der Schatten-

    wand. Je nher der Gegenstand oder die Person zur senkrechten Schattenwand steht,

    desto kleiner der Schattenwurf.15

    Doppelgnger

    Unbekannte Wesen

    14 Reggio Children (2005), S. 3115 Vgl. auch Schatten machen sich gro und klein in Ansari, S. (2009)

  • 27

    Anregungen fr die pdagogische Praxis Licht und Schatten

    Vergleichen Sie mit den Mdchen und Jungen den Schatten eines Kinds mit groem und

    den eines mit kurzem Abstand zur Schattenwand. Wer ist der grte Schattenriese?

    Die meisten zu beobachtenden Schattenwrfe sind grau. Gelingt es, Schatten auch einzu-

    frben? Ein Fundus verschiedenster Materialien, wie farbige Stoffe, Transparentfarbfolien,

    lichtdurchlssige, dnne Farbpapiere, Becher, farbiges Wasser, bietet den Kindern Anre-

    gungen, dieser Frage nachzugehen. Was beobachten die Mdchen und Jungen, wenn sie

    farbiges Wasser (z. B. Frchtetee) in ein Glas gieen und vor die Lichtquelle stellen?

    Doch nicht nur, wenn man farbige, transparente Materialien fr Schattenwrfe verwendet,

    entstehen farbige Schattenfiguren. Dies erreicht man auch, wenn man von vornherein

    farbiges Licht einsetzt. Besorgen Sie einfache (Klemm-)Strahler und farbige Glhbirnen in

    Rot, Blau und Grn. Die Lampen sollten nahe beieinander stehen bzw. klemmen. Halten

    die Kinder nun ihre Hnde zwischen die Lampen und die Schattenwand, entstehen viele

    bunte Schattenhnde. Wie sieht der Schatten aus, wenn nur eine der Lampen brennt?

    Welche Vernderungen bemerken die Mdchen und Jungen bei den Farben und der Anzahl

    der Schatten?

    Auch dieses ist ein schnes Spiel fr kleine Knstler: Hngen Sie ein groes, weies

    Papierblatt an die Wand. Ein Kind stellt sich davor und wird angestrahlt, so dass sein

    Schatten auf das Papier fllt. Nun hlt es ganz still, whrend die anderen den Schatten-

    umriss mit Filzstiften nachmalen. Spter knnen die entstandenen Figuren ausgemalt

    oder nach Lust und Laune eingekleidet werden.

    Auch die Profile der Kinder lassen sich so verewigen. Dafr werden die Schattenumrisse

    der Gesichter aller Kinder nachgezeichnet und anschlieend nebeneinander auf einem

    Plakat aufgeklebt.

    Eingefrbte Schatten

    scherenschnitte

  • 28

    PHIL

    OSO

    PHIE

    REN

    In alte Diarahmen lassen sich jede Menge Materialien einklemmen. Strahlt man sie mit Licht

    an, so dass ihr Schatten auf die Schattenwand fllt, kann das groe Rtseln beginnen, was

    sich wohl im Rahmen befindet. Wie sieht der Schattenwurf einzelner Sandkrner aus, wie

    der von Papierschnipseln, von Pflanzen oder Blumen? Lassen Sie die Kinder nach weiteren

    geeigneten Materialien suchen, die in die Diarahmen eingespannt werden knnen.

    Philosophieren Sie mit den Kindern ber ihre Erfahrungen mit den verschiedensten

    Schattenwrfen und forschen Sie gemeinsam vielen weiteren interessanten Frage-

    stellungen nach: Lassen sich Schattenwrfe in die Hand nehmen? Haben Schatten ein

    Gewicht? Gelingt es, einen Schatten zuzudecken? Ist der Schatten einer gefleckten Kuh

    auch fleckig? Knnen Schatten fliegen? Wer schafft es, schneller zu sein als sein

    Schatten? Wo ist der grte, wo der kleinste Schatten? Haben auch Wolken einen

    Schatten? Welchen Nutzen hat der Schatten?

    Die Flle der in diesem Kapitel gesammelten Erfahrungen bildet eine gute Basis, um nun

    ein gemeinsames Schattentheaterstck zu entwickeln. Ein Bilderbuch knnte dafr von

    den Kindern zum Drehbuch umgeschrieben und durch Nebengeschichten ergnzt werden.

    Kurze Texte werden von den Schattenschauspielerinnen und -schauspielern gelernt und

    selbstgestaltete Diarahmen als Theaterkulisse an die Wand geworfen. Die Kinder basteln

    Scherenschnitte und Schattenfiguren als Stabpuppen oder sind selbst Akteure und ver-

    kleiden sich mit Requisiten, um ihre Schattenwrfe zu verndern. Schattenriesen und

    -zwerge knnen auf der Leinwand erscheinen oder farbige Schatten zum Einsatz gebracht

    werden. Eine musikalische Untermalung rundet das Theaterstck ab.

    diashow

  • 29

    Licht und SpiegeL

    verSuchSanregungen

    zum phnomen SpiegeLung

    Frher waren Spiegel kostbares Gut der Reichen. In der Antike wurden sie aus polierter

    Bronze, Kupfer oder Silber geschaffen. Spiegel sind vollkommen glatte Oberflchen, die

    Licht sehr geordnet zurckwerfen. Heute werden sie meist aus Glas und Aluminium her-

    gestellt. Sie finden sich in jedem Haushalt, wir besitzen alle mindestens einen Spiegel,

    fr Kinder gehren sie zu den vertrauten Alltagsgegenstnden.

    Aber auch aus einem anderen Grund sind Spiegel den Kindern wohlbekannt: In vielen

    Mrchen und Geschichten begegnet er den Mdchen und Jungen als Ratgeber oder als

    Eingang zu einer anderen Welt.

    Schlagen Sie den Kindern vor, fr eine kleine Ausstellung Dinge zusammenzutragen, in

    denen man sich spiegeln kann. Werden diese auf einem groen Tisch drapiert, kann der

    Fundus anderen Kindern und den Besuchern der Kita vorgefhrt werden. Damit auch

    smtliche Gegenstnde wirklich zum Spiegeln einladen, sollten die Mdchen und Jungen

    prfen, welche eventuell noch poliert werden mssen. Mit Woll- und Kchentchern

    begeben sich alle auf die Jagd nach spiegelnden Oberflchen.

    Aber nicht nur in Gegenstnden kann man sich spiegeln. Wer kennt die ltesten Spiegel

    der Welt? Sie existieren noch immer und fast jeder hat sie schon gesehen: Nach einem

    krftigen Regenguss spiegelt sich die Umgebung in einer Pftze, bei Windstille liegen

    Seen ebenfalls spiegelglatt da, Wolken, Bume und auch der Mond spiegeln sich im

    Wasser.

    Spiegelsuche

  • 30 16 Nacherzhlt in Anlehnung an Schmitt, F., Bartel, U. (1997)

    Sie knnen den Kindern dazu passend eine kleine Geschichte vorlesen:

    Spiegelbilder sieht man nur bei Licht. Trifft ein Lichtstrahl auf eine beliebige Oberflche,

    so wird ein Teil des Lichts zurckgeworfen, einige Lichtanteile knnen vielleicht auch

    durch das Material hindurch wandern (z. B. ist Glas durchsichtig, d. h. lichtdurchlssig),

    einige Anteile werden aber auch von der Oberflche bzw. dem Material verschluckt.

    Spiegel sind Oberflchen, von denen nahezu alle einfallenden Lichtstrahlen wieder zu-

    rckgeworfen, also reflektiert werden. Sie sind lichtundurchlssig.

    Was meinen die Kinder ob Spiegel auch im Dunkeln funktionieren? Suchen Sie gemein-

    sam nach spiegelnden Oberflchen und lassen Sie die Mdchen und Jungen die Spiegel-

    bilder im Hellen und im Dunkeln vergleichen.

    Dass spiegelnde Oberflchen Licht zurckwerfen, erlebt man oft im Alltag. Fllt Sonnen-

    licht in einem gnstigen Winkel auf eine Fensterscheibe, eine Armbanduhr, ein Glas etc.,

    wird es reflektiert, und es entstehen Lichtflecken, die ber die Wnde huschen, oder wir

    werden gar selbst geblendet. Diskokugeln, die rundherum ber und ber mit kleinen

    Spiegeln beklebt sind, erzeugen einen wahren Himmel voller Lichtflecken.

    Probieren Sie zusammen mit den Kindern ein bekanntes Spiel aus: Einfallen-

    des Licht wird mittels eines (Hand-)Spiegels zurckgeworfen und an der Wand

    entstehen viele Lichtflecken. Bitten Sie einige Mdchen und Jungen, mit einer

    Taschenlampe auf die Spiegel zu leuchten. Die anderen versuchen, das reflek-

    tierte Licht mit dem Spiegel auf eine Wand zu lenken, die in einem dunkleren

    Teil des Zimmers liegt. Wird eine angeschaltete Schreibtischlampe aufgestellt,

    knnen mehrere Kinder gleichzeitig mit ihren Spiegeln Lichtflecken an einer

    dunkleren Wand oder der Zimmerdecke erzeugen.

    Ohne Licht kein Spiegelbild

    Spiegel werfen Licht zurck

    MR

    CHEN

    Den Tieren des Walds war der Knig gestorben. Daher baten die Tiere die Gevatterin Eule, die lteste

    Bewohnerin des Walds, um Rat, wie sie bei der Wahl des neuen Knigs oder einer neuen Knigin vor-

    gehen sollten. Die Eule riet: Es knne nur derjenige der Herrscher oder die Herrscherin ber die Tiere

    des Walds werden, der im Stande sei, ber den Mond zu gehen. Viele Tiere bewarben sich um das Amt,

    doch keinem gelang es, ber den Mond hinwegzugehen. Bis der kleine, schlaue Fuchs kam. Er rief die

    Tiere eines Abends zum Seeufer und hie sie warten. Langsam wurde es dunkel. Der Mond, rund wie eine

    Scheibe, stand am Himmel und spiegelte sich im Wasser. Genau oberhalb seines Spiegelbilds ragte

    ein langer Ast weit auf den See hinaus. ber diesen balancierte der Fuchs, und es

    sah aus, als liefe er ber den Mond hinweg. So ernannten die Tiere den kleinen

    Fuchs zu ihrem neuen Knig.16

  • 31

    Anregungen fr die pdagogische Praxis Licht und Spiegel

    In Italien gibt es einen kleinen Ort namens Viganella. Das Dorf liegt in einem Tal zwischen

    hohen Bergen, die an 83 Wintertagen im Jahr verhindern, dass die Sonne direkt in den Ort

    scheint. Die Sonnenstrahlen treffen nur auf die aufsteigenden Felswnde, das Tal errei-

    chen sie nicht. Viganella galt als der dunkelste Ort Italiens. Bis der Brgermeister eine

    wirklich gute Idee hatte. Nun reflektieren mehrere groe Spiegel, die an den Bergwnden

    aufgestellt bzw. befestigt wurden, Sonnenlicht in das Dorf.

    Knnte man das nachspielen? Groe Kisten stellen die hohen Berge dar, mit Spielfiguren

    und kleinen Husern knnen die Kinder das Dorf im Tal nachbauen. Eine Taschenlampe

    ersetzt die Sonne, ein groer Spiegel muss noch besorgt werden, und schon knnen die

    Mdchen und Jungen versuchen herauszufinden, wie Taschenlampe und Spiegel zuein-

    ander gehalten werden mssen, damit das Licht vom Spiegel auf den Dorfplatz fallen

    kann.

    Nutzen Sie mehrere (Hand-)Spiegel fr kleine Spiele. Es wre gut, wenn jedes Kind einen

    zur Verfgung htte. Lassen Sie die Mdchen und Jungen den Gruppenraum mit ihren

    Spiegeln erforschen. Was knnen sie alles sehen?

    Gelingt es ihnen beispielsweise, mit den Spiegeln um die Ecke oder hinter sich zu schau-

    en? Finden die Kinder einen Weg quer durch den Gruppenraum, wenn sie den Spiegel

    ber ihren Kopf halten, in ihn hineinschauen und sich lediglich anhand des Spiegelbilds

    orientieren?

    Bringen es die Mdchen und Jungen fertig, rckwrts Slalom um einige Gegenstnde zu

    laufen und zur Orientierung nur den Spiegel zu nutzen?

    Spiegelslalom

  • 32

    Spiegelkabinett

    Spiegelsaal

    Ein wirklich scharfes und unverzerrtes Spiegelbild kann nur dann entstehen, wenn eine

    ganz glatte und ebenmige reflektierende Flche als Spiegel genutzt wird. Aber auch

    in gebogenen Spiegelflchen kann man sich erkennen. Nach auen gewlbte Spiegel

    werden z. B. als berwachungsspiegel in Supermrkten genutzt oder sind an Straenaus-

    fahrten zu finden, weil durch die gewlbte Form ein grerer Raum gespiegelt und damit

    einsehbar wird.

    Durchstbern Sie zusammen mit den Kindern den Fundus an Spiegeln nach gebogenen

    Spiegelflchen. Gebogene spiegelnde Flchen (z. B. Lffel, Tpfe, Kellen, spiegelnde

    Christbaumkugeln, glnzende zylinderfrmige Edelstahlgegenstnde, Schminkspiegel)

    verndern das Spiegelbild oft auf lustige Art und Weise. Lassen Sie die Mdchen und

    Jungen dies erkunden.

    Suchen oder malen Sie ein Blatt Papier mit Karomuster. Die Linien des Musters sollten gut

    sichtbar sein. Lassen Sie die Kinder beispielsweise eine spiegelnde Kugel oder eine Kelle

    auf das Papier legen. Wie sieht das Muster im Spiegelbild aus?

    Auch biegsame Spiegel sind fr Kinder faszinierend und ermglichen eine spannende

    Auseinandersetzung mit dem eigenen Spiegelbild. Kleben Sie dazu Spiegelfolie auf eine

    dicke Pappe. Die Pappe sollte relativ gro sein, damit sich die Kinder mglichst groe

    Teile ihres Krpers gut im Spiegel ansehen knnen. Ein Kind kann den biegsamen Spiegel

    halten und ein anderes betrachtet sich darin. Was beobachten die Mdchen und Jungen?

    Wie verndern sich die Krperproportionen, wenn der Spiegel nach innen, nach auen

    oder mehrmals gewlbt ist? Sicher gibt es viel zu lachen!

    Bisher haben die Kinder ihre Erkundungen mit jeweils einem Spiegel durchgefhrt. Es

    gibt aber auch einige Anwendungen und damit spannende Entdeckungsmglichkeiten,

    bei denen zwei und mehr Spiegel gleichzeitig eine Rolle spielen. In der Umkleidekabine

    beispielsweise befinden sich oft mehrere Spiegel, dadurch kann man sich gleichzeitig

    von vorne, von hinten und auch von der Seite betrachten. Kaleidoskope sind wundersame

    und beliebte Spielzeuge, die jeweils aus mindestens drei Spiegeln bestehen, die zu einer

  • 33

    PHILO

    SOPH

    IEREN

    Anregungen fr die pdagogische Praxis Licht und Spiegel

    eckigen Rhre zusammengesetzt sind. Einige bunte Murmeln, Splitter etc. befinden sich in

    der Rhre, die dann durch die Spiegel vielfach gesehen werden.

    Bauen Sie gemeinsam mit den Kindern einen kleinen Spiegelsaal. Dazu mssen vier

    Spiegelfliesen zu einem Quadrat angeordnet werden. Kleine Figuren, die im Spiegel-

    saal platziert werden, werden ganz oft vervielfltigt. Probieren Sie gemeinsam mit den

    Mdchen und Jungen aus, unter welchem Blickwinkel und aus welcher Richtung man die

    Figuren wo und wie oft sieht.

    Eine weitere Idee ist der Bau einer Spiegelkiste, in der sich die Kinder ihren Kopf von

    vielen Seiten anschauen knnen. In einen groen Karton werden ein bis zwei groe Lcher

    geschnitten, so dass die Kinder bequem ihren Kopf in die Kiste stecken knnen. Die In-

    nenwnde des Kartons werden mit groen und kleinen Stcken Spiegelfolie oder einigen

    Spiegelfliesen beklebt.

    Wenn es in der Kita einen breiten Trrahmen gibt, knnten Sie berlegen, diesen innen mit

    Spiegeln (Sicherheitsspiegel) zu verkleiden. So knnen sich die Kinder ebenfalls mehrfach

    sehen.

    Der Spiegel hat einen spannenden Doppelcharakter, den Sie gemeinsam mit den Kindern

    ergrnden knnen: Er brgt fr die Realitt und ist doch Illusion! Die wahre Welt und ihr

    Abbild im Spiegel sind zwei sehr verschiedene Welten. Denn die wahre Welt lsst sich

    ertasten, anfassen, sie ist eine Tastwelt. Die Welt im Spiegel, die Spiegelwelt ob-

    wohl sie auch dreidimensional aussieht und farbig ist kann man nur ansehen, sie ist

    eine Sehwelt.

    Man knnte den ebenen Spiegel als ein Instrument zur Selbsterkenntnis bezeichnen: Er

    zeigt dem Menschen sein eigenes Bild, seinen Doppelgnger. Die Spiegelbilder folgen

    allen Bewegungen des Originals und liefern ein detailgetreues Abbild der Umgebung.

  • 34 17 Vgl. Kahlert, J., Demuth, R. (2010)

    Farben sind fr Kinder ein spannendes Thema, das zudem viele Anknpfungspunkte zum

    Forschen bietet. hnlich wie bei der Suche nach Lichtquellen, knnen Sie mit den Md-

    chen und Jungen auf Farben-Jagd gehen.

    Halten Sie beispielsweise gemeinsam in der Kita, in der Natur oder etwa in Zeitschriften

    nach Farbklecksen Ausschau. Diese werden gesammelt, fotografiert oder ausgeschnit-

    ten. Oder schlagen Sie Eltern und Kindern vor, einen Farben-Spaziergang zu machen,

    um die bunte Welt zu entdecken. Sie knnen besonders farbenfrohe Orte in der Umge-

    bung finden und mit Hilfe einer Digitalkamera festhalten. Spter knnen die Bilder und

    Schnipsel aufgeklebt werden bunt durcheinander oder nach Farben geordnet.

    Sortieren die Kinder nach Farben, wird auch offensichtlich, wie viele Farbnuancen eines

    Tons existieren Blau ist eben nicht gleich Blau! Oft sind die Farbnamen auch richtig

    anschaulich: Eine Pflaume ist nicht nur blau, sondern pflaumenblau, der Himmel himmel-

    blau, die Kornblume kornblumenblau usw. Vielleicht kreieren die Mdchen und Jungen

    auch noch selbst fantasievolle Farbnamen?

    Auch um Farben sehen zu knnen, brauchen wir das Licht. Betrachten wir z. B. eine rote

    Tomate im Sonnenlicht, so erkennen wir die Farbe Rot. Wird die Tomate allerdings mit

    einem gelben oder blauen Licht beschienen, dann erscheint sie uns nicht mehr rot. Der

    Farbeindruck hngt offensichtlich auch von der Art der Beleuchtung ab. Diesen Effekt

    erlebt man beispielsweise auch beim Kauf von farbigen Kleidungsstcken: Im Kaufhaus

    sehen die Farben unter der Beleuchtung der Leuchtstoffrhren oft ganz anders aus als bei

    Tageslicht. Der Farbeindruck, den unser Auge empfngt, entsteht also aus einer Wechsel-

    wirkung des Lichts mit dem Farbstoff des beleuchteten Gegenstands.17

    Licht und Farben

    ideen Fr die

    projektarbeit

  • 35

    Anregungen fr die pdagogische Praxis Licht und Farben

    Erkunden Sie gemeinsam mit den Kindern die Bedeutung des Lichts fr das Wahrnehmen

    von Farben und nutzen Sie dafr die Entdeckungskarte Ohne Licht keine Farben aus

    dem Kartensatz Licht, Farben, Sehen der Stiftung.

    Die nachfolgende Schilderung aus der Kita Zwergennest in Hllhorst skizziert als

    Beispiel eine alltgliche Begebenheit, die vor Ort Ausgangspunkt fr ein umfangreiches

    Farbprojekt wurde:

    Im Herbst brachte ich zum Morgenkreis Holunderbeeren mit, um den Kindern vorzu-

    schlagen, daraus Holundersaft herzustellen. Bei dem Hinweis Wir mssen dafr aber

    Kittel anziehen, Holundersaft frbt und die Farbe lsst sich nicht wieder aus den Hosen

    und Pullovern herauswaschen! bemerkten die Kinder, dass in dem Wort frben Farbe

    steckt.

    Die Kinder interessierten sich nun dafr, wie wir die Farbe aus den Holunderbeeren her-

    ausbekommen knnten und ob diese Farbe auch zum Malen geeignet ist. Wir probierten

    es aus.

    Die Kinder waren an smtlichen Arbeitsschritten beim Herstellen des

    Holundersafts aktiv beteiligt. Sie beobachteten mit allen Sinnen: Mmh,

    Holundersaft riecht aber gut! Wenn ich die Holunderbeeren mit der

    Gabel zerdrcke, spritzt die Farbe aber! Je nach Lichteinfall und Farbkon-

    zentration sah der Holundersaft auch ganz unterschiedlich aus: Bei mir

    ist die Farbe blau und bei dir ist sie lila! An deinem

    Mund ist die Holunderfarbe aber pink! Aber in meiner

    Tasse ist die Farbe schwarz! Vier Kinder, vier verschie-

    dene Aussagen zur Farbe der Holunderbeeren. Spter

    testeten die Kinder den Holundersaft auf verschie-

    denen Papieren aus und frbten damit Schafwolle.

    Das Experimentieren mit Holundersaft bereitete den

    Kindern so viel Freude, dass wir andere Materialien

    wie Rotkohl und Kurkuma zum Frben hinzunahmen.

    Als Konstantin eines Tags in die Kita kam, brachte er

    Rote-Bete-Saft mit am Tag zuvor hatte es zu Hause

    Rote Bete gegeben, und nun wollte er ausprobieren,

    ob auch Rote-Bete-Saft frbt.

    An einem anderen Tag schnitt ich mit den Kindern die

    trockenen Blten von unseren Geranien ab. Als wir

    danach unsere Hnde anschauten, bemerkten wir, dass sie ganz rot waren. Die Kinder

    sagten: Das ist wie mit den Holunderbeeren! Und so wurden weitere Blten abgepflckt,

    und die Kinder fingen wieder an, mit den Blten zu malen, indem sie diese auf Papier mit

    den Hnden zerrieben. Verschiedene Blten wurden ausprobiert und ganz unterschied-

    liche Farben erzeugt.

    Wie viel Farbe steckt im Holundersaft?

  • 36

    Fr Frbeversuche mit Pflanzensften bietet es sich besonders an, Blaubeeren, Heidelbee-

    ren (auch aus dem Glas), (frische) Rote Beete, Rotkohl, Himbeeren oder Johannisbeeren

    zu verwenden. Die Beeren werden in einer Schssel vorsichtig mit einem Lffel oder einer

    Gabel zerquetscht, damit ihr Saft austritt, mit dem gemalt werden kann. Zerschneiden die

    Kinder die Rote Bete oder den Rotkohl, haben sie anschlieend hchstwahrscheinlich ge-

    frbte Finger, die als Fingerabdrcke auf Papier gedrckt werden knnen. Beide Gemse

    knnen auerdem in ein wenig Wasser ausgekocht werden. Der dabei entstehende Sud ist

    sehr farbintensiv und frbend. Wie wre es mit selbst gefrbten Ostereiern? Oder frben

    Sie Stoff mit den Kindern ein. Besonders schne Effekte entstehen auch, wenn die Md-

    chen und Jungen mit den Frucht- bzw. Gemsesften auf Aquarellpapier malen.

    Stoffe frben: Wirklich einfach gelingt das Frben von Stoffen mit Rote-

    Bete- oder Blaubeersaft. Die Kinder bentigen gewaschene Stoffstcke

    (ohne Imprgnierung), die sie in eine Schssel mit dem jeweiligen Saft legen

    knnen. Naturfasern wie Leinen oder Nessel eignen sich besonders gut. Beim

    Frben kann Essigessenz als Fixiermittel benutzt werden (zwei Esslffel pro

    Liter Saft), dadurch lagern sich die Farben etwas besser an die Stofffasern an

    und die Stoffe waschen weniger schnell aus. Generell sollten die gefrbten

    Stoffstcke aber separat von anderer Wsche gewaschen werden.

    Auch Kohle und Ru eignen sich zur Herstellung von Farben. Nachfolgend eine weitere

    Begebenheit aus der Kita Zwergennest aus Hllhorst. Bestrkt durch die interessierte

    Begleitung der Erzieherin stellten die Kinder dabei letztendlich eine eigene Farbe her:

    Ein paar Tage, nachdem wir gemeinsam Marmelade auf unserer Feuerstelle gekocht

    hatten, entdeckten die Kinder die entstandene Holzkohle und holten sie heraus. Eines der

    Kinder hatte etwas Kohle unter seinem Schuh und so entstand ein Strich auf den Steinen.

    Die Kinder merkten also schnell, dass man mit Kohle malen kann, und wir holten Bltter

    heraus und begannen, Kohlebilder zu gestalten. Dabei rieben sich Kohlebrsel auf dem

    Papier ab, und die Kinder wollten nun Kohlepulver herstellen und dieses dann mit Wasser

    mischen, um flssige Farbe zu bekommen.

    Natrliche Malfarben

  • 37

    Anregungen fr die pdagogische Praxis Licht und Farben

    Kohle, aber auch gebrannte und ungebrannte Erde, gerieben oder gemahlen, dienen seit

    alters her als Farbpigmente. Pigmente sind also farbige Pulver. Sammeln Sie mit den

    Kindern Proben von Lehm, Erde oder Ziegelsteinen in mglichst verschiedenen Farben und

    lassen Sie diese von den Mdchen und Jungen zu Pulver zerstampfen.

    Damit die Farbpigmente am Maluntergrund gut haften, mischt man sie mit Binde- und

    Lsungsmitteln. So entstehen daraus auch haltbare Malfarben, die sich im Glas verschlos-

    sen gut aufheben lassen. Wasser und le (Leinl, Sonnenblumenl, Olivenl etc.) dienen

    z. B. als Lsungsmittel. Sie schwemmen die Pigmente auf und machen sie zu einer streich-

    fhigen Paste. Bindemittel haben die Aufgabe, die Pigmentteilchen untereinander und mit

    dem Maluntergrund zu verbinden. Als natrliche Bindemittel eignen sich beispielsweise

    Ei, Milcheiwei oder Leim (Tapetenkleister). So entstehen am Kchentisch Malfarben in

    den unterschiedlichsten Tnen.

    Rezeptur fr Malfarben: Stellen Sie zunchst Eitempera her: Ein frisches Eigelb wird mit

    der gleichen Menge Leinl in einem verschlossenen Gef durch Schtteln gut mitein-

    ander vermischt. Nun gibt man drei Teile Eitempera, zwei Teile Wasser und die mit dem

    Mrser fein zermahlenen Farbpigmente (z. B. Wandtafel- oder Pastellkreidereste) in ein

    Glas und schttelt dieses wiederum. Die Kinder knnen durch die Variation

    der Pigmentmengen unterschiedlich intensive Farben herstellen.

    Rezeptur fr farbige Kreiden: Lassen Sie die Kinder Gipspulver in Wasser

    einrhren, so dass ein dnnflssiger Brei entsteht. Dieser wird nun mit

    Abtnfarbe (aus dem Baumarkt) vermischt und eingefrbt. Die Masse kann

    anschlieend von den Kindern in leere Streichholzschachteln gefllt werden

    sie bentigt ungefhr einen Tag zum Trocknen. Am nchsten Tag wird die

    Kreide herausgenommen und muss noch einen weiteren Tag trocknen. Mit

    der Kreide kann auf rauem Papier oder auch auf Asphalt gemalt werden.

    Rezeptur fr Zuckerkreiden: Selbst hergestellte Zuckerkreiden sind wesentlich

    farbintensiver als die gngigen Tafelkreiden. Dafr fnf Teelffel Kristallzucker in

    einem viertel Liter abgekochtem Wasser auflsen. Nun legen die Kinder normale

    bunte Tafelkreide in die Zuckerlsung hinein, die Kreiden sollten mindestens

    30 Minuten in der Lsung liegen und sich vollsaugen. Die Mdchen und Jungen

    lassen die Kreiden kurz auf Kchenkrepppapier abtropfen und knnen sie dann

    sofort, noch feucht, zum Malen verwenden. Der Leuchteffekt tritt erst nach dem

    Trocknen ein. In einer Frischhaltebox

    halten sich die prparierten Kreiden bis

    zu drei Monate. Besonders schn sehen

    die Zuckerkreiden brigens auf dunklem

    Papier aus.

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    Ein weiterer Farbgeber aus der Kche ist Kurkuma. Mit diesem Gewrz knnen spannen-

    de Farbkleckse und regelrechte Fabelwesen auf Papier entstehen. Lassen Sie die Kinder

    dafr ein wenig Kurkuma auf einem Blatt verreiben. Mischen Sie gemeinsam eine basische

    Lsung aus einem Teelffel Splmaschinenreiniger oder Natron und etwas Wasser. Die

    Kinder knnen nun einige Tropfen der Lsung auf das mit Kurkuma beriebene Blatt geben

    (Pipetten eignen sich gut dazu) und anschlieend das Papier in der Mitte falten.

    Auf die entstandenen roten Kleckse knnen wiederum einige Tropfen saure Flssigkeit,

    wie z. B. Essig, getrufelt werden. Das Blatt wird wieder gefaltet und glatt gestrichen. Be-

    obachten Sie gemeinsam mit den Kindern, wie sich die Kleckse auf dem Blatt verndern.

    Kurkuma enthlt den Farbstoff Curcumin. Dieser wird von basischen Lsungen rot gefrbt,

    Suren frben ihn gelb.

    Durch die Sammlung von Farbklecksen oder beim Farben-Spaziergang erleben die

    Kinder sehr anscha