Konzeption von Angeboten haushaltsnaher Dienstleistungen ... Kinderbetreuungs- und...

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  • Konzeption von Angeboten haushaltsnaher Dienstleistungen mit

    Schwerpunkt hauswirtschaftlicher Leistungsangebote im Rahmen

    ausgewhlter Modellprojekte

    Juli 2015

    Dr. Stefan Zapfel

  • HandbuchInstitut fr empirische Soziologie

    an der Friedrich-Alexander-Universitt Erlangen-NrnbergJuli 2015

    Zitierweise: Zapfel, Stefan (2015) Konzeption von Angeboten haushaltsnaher Dienstleistungen mit Schwerpunkt haus-wirtschaftlicher Leistungsangebote im Rahmen ausgewhlter Modellprojekte. Nrnberg: Institut fr empirische Soziologie.

    Institut fr empirische Soziologie an der Friedrich-Alexander-Universitt Erlangen-Nrnberg

    Marienstrae 2 90402 Nrnberg Telefon 0911 23 565 0, Fax 0911 23 565 50

    http://www.ifes.uni-erlangen.de E-Mail: info@ifes.uni-erlangen.de

    Auftraggeber: Bayerisches Staatsministerium fr Ernhrung,

    Landwirtschaft und Forsten

  • Seite 3

    Institut fr empirische Soziologie an der Universitt Erlangen-Nrnberg

    Inhalt

    1 Einleitung ....................................................................................................... 5

    2 Ausgangslage ............................................................................................... 10

    2.1 Haushaltsnahe Dienstleistungen Eingrenzung des Gegenstandsbereichs .. 10

    2.2 Nutzung und Nutzungsbarrieren bei haushaltsnahen Dienstleistungen ...... 11

    2.3 Bedarfe, Bedarfslagen und Bedarfsentwicklung ............................................ 14

    2.4 Beschftigung und Beschftigungsformen in haushaltsnahen

    Dienstleistungen .......................................................................................... 19

    2.5 Frderung und Finanzierung haushaltsnaher Dienstleistungen .................... 32

    2.6 Qualittsstandards und Qualittsmanagement ............................................ 39

    3 Wissenschaftliche Begleitung ....................................................................... 46

    4 Empirische Befunde der Begleitstudie .......................................................... 54

    4.1 Hintergrnde, Anforderungen und Voraussetzungen des Projekts ............... 54

    4.1.1 Projektinitiierung und Auswahl der Modellkommunen ......................... 54

    4.1.2 Dienstleistungsangebot ......................................................................... 57

    4.1.3 Kompetenzanforderungen und Personaleinsatz .................................... 68

    4.1.4 Qualittssicherung ................................................................................ 81

    4.1.5 Finanzierung ......................................................................................... 82

    4.2 Mindelheim .................................................................................................. 93

    4.2.1 Teilnahmehintergrund der Modellkommune ........................................ 93

    4.2.2 Bedarfssituation ..................................................................................... 93

    4.2.3 Angebote an haushaltsnahen Dienstleistungen ..................................... 98

    4.2.4 Zugang zu den haushaltsnahen Dienstleistungen ............................... 100

    4.2.5 Personaleinsatz .................................................................................... 102

  • Seite 4

    Institut fr empirische Soziologie an der Universitt Erlangen-Nrnberg

    4.2.6 Qualittssicherung .............................................................................. 106

    4.2.7 Finanzierung ....................................................................................... 107

    4.3 Weidenbach ............................................................................................... 109

    4.3.1 Teilnahmehintergrund der Modellkommune ...................................... 109

    4.3.2 Bedarfssituation ................................................................................... 110

    4.3.3 Angebote an haushaltsnahen Dienstleistungen ................................... 112

    4.3.4 Zugang zu den haushaltsnahen Dienstleistungen ............................... 116

    4.3.5 Personaleinsatz .................................................................................... 118

    4.3.6 Qualittssicherung .............................................................................. 126

    4.3.7 Finanzierung ....................................................................................... 128

    4.4 Erkheim ...................................................................................................... 131

    4.4.1 Teilnahmehintergrund der Modellkommune ...................................... 131

    4.4.2 Bedarfssituation ................................................................................... 131

    4.4.3 Angebote an haushaltsnahen Dienstleistungen ................................... 133

    4.4.4 Zugang zu den haushaltsnahen Dienstleistungen ............................... 136

    4.4.5 Personaleinsatz .................................................................................... 137

    4.4.6 Qualittssicherung .............................................................................. 143

    4.4.7 Finanzierung ....................................................................................... 144

    5 Fazit und Empfehlungen ............................................................................ 146

    Literatur .................................................................................................................. 153

    Anhang ................................................................................................................... 162

  • Seite 5

    Institut fr empirische Soziologie an der Universitt Erlangen-Nrnberg

    1 Einleitung

    Traditionale Gesellschaften zeichneten sich durch die Etablierung einer strikten ge-schlechtsspezifischen Arbeitsteilung aus und wiesen haushaltsbezogene Aufgaben die praktische Haushaltsfhrung, die Kindererziehung, Pflegettigkeiten einseitig der Frau zu. Die damit verknpften Geschlechtsrollenvorstellungen wurden mit dem bergang zur entwickelten modernen Gesellschaft nicht obsolet und fanden lange Zeit ungebrochen Niederschlag in den gesellschaftlichen Praktiken. Bis 1977 wurde die damit korrespondierende Auffassung von der Arbeitsteilung zwischen den Ehe-partner/innen in Deutschland noch rechtlich fixiert. So legte 1.356 BGB bis dahin fest: Die Frau fhrt den Haushalt in eigener Verantwortung. Sie ist berechtigt, er-werbsttig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist. Auch war die Verankerung der hauswirtschaftlichen Wissensvermittlung im Bildungs-system nicht von Beginn an darauf ausgerichtet, ein eigenstndiges Berufsfeld zu ge-nerieren und die Bildungsteilnehmer/innen auf Aufgaben am Arbeitsmarkt vorzube-reiten. Vielmehr zielte sie darauf ab, Frauen auf informelle husliche Ttigkeiten im Eheleben vorzubereiten (Wittenberg 2013: 8).

    Trotz der spteren Liberalisierungserfolge, gewandelten Geschlechtsrollenvorstellun-gen und Gleichstellungsbestimmungen lsst sich auch heute noch konstatieren, dass die familial organisierte Hausarbeit, Kindererziehung und Pflegearbeit de facto nach wie vor hauptschlich Angelegenheit von Frauen ist (Bcker et al. 2010a: 218). Frau-en stehen auch aus diesem Grund dem Arbeitsmarkt im Vergleich zu Mnnern nur eingeschrnkt zur Verfgung (Gottschall 2010: 677).

    Verschiedene Entwicklungen fhren jedoch dazu, dass haushaltsassoziierte Ttigkei-ten immer weniger auf traditionellem Wege im Rahmen des Familienverbands geleis-tet werden knnen. Die an steigenden Scheidungs- und sinkenden Heiratsraten wie auch an reduzierten Kinderzahlen sichtbar werdende Fragilitt des modernen Famili-ensystems, die wachsende Zahl von Einpersonenhaushalten, gewandelte Ge-schlechtsrollenbeziehungen und Familienstrukturen, die forcierte Erwerbsbeteiligung der Frau,1 der zunehmende Verlust hauswirtschaftlicher Kenntnisse und Fertigkeiten in Privathaushalten, die gesellschaftliche Alterung sowie fortschreitende Professionali-sierungstendenzen, welche das Feld der Hauswirtschaft nicht unberhrt lassen, fh-ren zu einer wachsenden Nachfrage nach alternativen Organisationsmglichkeiten

    1 Vor allem bei Frauen hat die Erwerbsbeteiligung zugenommen. Je besser die Qualifikation ist, desto hher ist

    auch die Beteiligung am Erwerbsleben und bei den Frauen ist das Qualifikationsniveau deutlich gestiegen []. Aber auch unabhngig von der Qualifikation hat die Bereitschaft der Frauen zur Teilnahme am Erwerbs-leben in allen Altersgruppen erheblich zugenommen (Brenke 2015: 75). Diese Zunahme der Erwerbsbeteili-gung hat allerdings vornehmlich im Bereich der Teilzeitbeschftigung stattgefunden. Auch ist die Teilhabe von Frauen an attraktiver Erwerbsarbeit geringer als bei Mnnern: Frauen sind hufiger geringfgig beschftigt und seltener in Fhrungspositionen anzutreffen (Ristau-Winkler 2015: 19).

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    fr die Erledigung von haushaltsbezogenen Arbeiten, insbesondere nach entspre-chenden entlastenden und erschwinglichen Dienstleistungsangeboten (Gottschall 2008: 264f; Kaufmann 2009: 348f; Gottschall 2010: 688). Die damit verbundene Umstrukturierung der gesellschaftlichen Arbeitsteilung kommt vor allem Frauen zu-gute, denn dadurch lassen sich weibliche Doppelbelastungen verringern und die Work-Life-Balance von Frauen verbessern.

    Die genannten Entwicklungen fhren dazu, dass der Bereich haushaltsnaher Dienst-leistungen als Wachstumsmarkt angesehen wird, dessen Potential zum gegenwrti-gen Zeitpunkt bei Weitem noch nicht ausgeschpft ist