Katia · PDF file ZAZEN Bild, Serie und Sequenz. 1 “Zuallererst musst du dich setzen,...

Click here to load reader

  • date post

    02-Feb-2019
  • Category

    Documents

  • view

    212
  • download

    0

Embed Size (px)

Transcript of Katia · PDF file ZAZEN Bild, Serie und Sequenz. 1 “Zuallererst musst du dich setzen,...

Katia Klose

ZAZE

NBi

ld, S

erie

und

Seq

uenz

1

Zuallererst musst du dich setzen, auch wenn du wahrscheinlich bereits sitzt. Der Tradition nach sitzt man mit berkreuzten Beinen auf einem Zafu-Kissen auf dem Boden, aber du kannst auch auf einem Stuhl sitzen, wenn du magst. Wichtig ist, dass man eine gute Haltung einnimmt und nicht krumm dasizt oder sich irgendwie aufsttzt.Jetzt kannst du deine Hnde bereinander in den Scho legen, so dass die Rckseite der linken Hand in der Handflche der rechten liegt und die Daumenspitzen sich oben berhren und einen kleinen Kreis bilden. Die Stelle, an der sich die Daumen berhren, sollte auf einer Hhe mit dem Bauchnabel liegen. Jiko sagt, diese Handhaltung heit hokkai jo-in und symbolisiert das kosmische Universum, das man wie ein groes, schnes Ei im Scho hlt.Als nchstes entspannst du dich, hlst schn still und konzentrierst dich auf deine Atmung. Das ist gar nicht kompliziert. Man denkt nicht ber das Atmen nach, aber man denkt auch nicht nicht darber nach. Das ist so hnlich, wie am Strand zu sitzen und den Wellen zuzusehen, wie sie auf den Sand auflaufen, oder ein paar Kindern, die du nicht kennst und die in der Ferne spielen. Du nimmst einfach alles wahr, was gerade passiert, in dir und auerhalb von dir, einschlielich deiner Atmung und der Kinder und der Wellen und des Sandes. Und das ist es im Grunde schon.

aus Geschichte fr einen Augenblick von Ruth Ozeki

2

Und wen auer mir wrde das Ganze interessieren? Ich meine, wenn ich dchte, dass alle Welt sich fr die alte Jiko interessiert, wrde ich ihre Geschichten in einem Blog posten, aber damit habe ich vor einer Weile aufgehrt. Als ich mich dabei erwischte, so zu tun, als wrde sich jeder da drauen im Internet fr meine Gedanken interessieren, obwohl es eigentlich allen scheiegal war, machte mich das traurig. Und als ich diese Traurigkeit mit all den Millionen Menschen in ihren einsamen kleinen Zimmerchen multiplizierte, die wie wild schreiben und auf ihren kleinen, vereinsamten Websites posten, die zu lesen niemand Zeit hat, weil alle so mit Schreiben und Posten beschftigt sind, brach mir fast das Herz.

aus Geschichte fr einen Augenblick von Ruth Ozeki

3

4

K

atia

Klo

se, 2

015

ww

w.ka

tiakl

ose.

de