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  • ICH KANN DIE SYMPTOME MEINES BABYS VERSTEHEN UND DAMIT UMGEHEN-

    KINDLICHE SIGNALE UND TYPISCHE KRANKHEITSBILDER IN DER SÄUGLINGS- UND KLEINKINDZEIT

    10. Fachtag des Netzwerkes „Frühe Hilfen/ Kinderschutz Erfurt“ 25.04.2018 M. Kempter

  • Gliederung

    ◦ Zahlen

    ◦ Fallbeispiele – Regulationsstörungen/ kindliche Feinzeichen

    ◦ Fallbeispiele – Fütterstörungen

    ◦ Fallbeispiele – PTBS/ Deprivations-Misshandlungsstörung

    ◦ kleiner Exkurs Bindungstheorie und soziale Signale/ Feinfühligkeit

    ◦ Psychisch kranke Eltern

    ◦ Vorstellung Eltern-Kind-Psychosomatik

  • Zahlen 2016 ◦ Erwachsene zw.18 - 79 Jahre (alle Krankheitsschweregrade)  ~ jeder vierte Mann (22,0 %)

    und jede dritte Frau (33,3 %) zumindest zeitweilig voll ausgeprägte psychische Störung

    ◦ 1. Platz: Angst / 2. Platz: depressive Störungen

    ◦ neuer Höchststand: ~246 Ausfalltage je 100 Versicherte

    ◦ Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen in 20 Jahren mehr als verdreifacht

    ◦ Gesamtschau: mehr als 50% aller Fehltage auf 3 Krankheitsarten zurückführen:

    1. Rückenleiden u. a. Muskel-Skelett-Erkrankungen (22%)

    2. Psychische Erkrankungen (17%)

    3. Erkältungen u. a. Krankheiten des Atmungssystems (15%)

    (https://www.tagesspiegel.de/politik/krankheitsstand-in-deutschland-fehlzeiten-rekord-wegen-psychischer-leiden/19313458.html)

  • Psychische Störungen im frühen Kindesalter

    ◦ 14-25% aller Kleinkinder zeigen klinisch relevante psychische Störungen

    ◦ 9-12% haben schwere Störungen mit erheblicher Beeinträchtigung

    ◦ nur 11-25% der Kleinkinder mit Verhaltensstörungen werden tatsächlich

    vorgestellt (Egger und Angold, 2006)

    ◦ 3,5 Mio. Kinder in Dtld. leben mit mind. 1 psych. kranken Elternteil

  • Häufige Manifestationsformen frühkindlicher Regulationsstörungen Papousek et al. Regulationsstörungen der frühen Kindheit 2004

    Schlafstörungen 62,8%

    Fütterstörungen 40,4%

    Dysphorische Unruhe (mit motorischer Unruhe und

    Spielunlust)

    30,1 %

    Exzessives Schreien 29,4%

    Probleme der Schlaf-Wach-Regulation 25,8 %

    Exzessives Trotzen (mit Grenzsetzungskonflikten) 20,3 %

    Exzessives Klammern (mit Ängstlichkeit, sozialem Rückzug

    und/ oder abnormen Trennungsreaktionen)

    12,3 %

    Aggressives/ oppositionelles Verhalten 6,8 %

  • Fallbeispiel

    ◦ 6 Wochen alter männlicher Säugling

    ◦ stillen nahezu stündlich, Schreiphasen bis zu 3 Std. am Stück, Schlafprobleme

    ◦ G1/ P1, Schwangerschaft nicht geplant

    ◦ KM gearbeitet bis 1 Woche vor Entbindungstermin

    ◦ viele Fragen und Unsicherheiten während der Schwangerschaft

    ◦ Spontan 41+4 SSW, protrahierter Geburtsverlauf, Schmerzen im Enddarmbereich

  • Fütter-Schlaf-Schreitagebuch

  • Kindliches Schreien

    ◦ 1.-3. LM  tägl. schreien, oft später Nachmittag und Abend

    ◦ Zunahme Schreihäufigkeit bis 6. LW  2 oder mehr Stunden tgl.

    ◦ erste Lebenswochen  körperliche Bedürfnisse (Hunger, Durst, heiß o. kalt etc.), Bedürfnis

    nach Schutz/ Nähe, Schreien = anhaltend

    ◦ 3.-8. LM  Kommunikation v. diff. Bedürfnissen (Protest, Frustration, Traurigkeit, Angst, Panik),

    Schreien = kürzer, Kind wartet auf Reaktion d. Betreuungsperson

    ◦ Reagiert Bezugsperson prompt und unmittelbar  Kind Bedürfnisse effektiv kommunizieren

     Hilferufe werden gehört  Vertrauen in Umwelt

  • kindliche Stresszeichen

    ◦ starr werden (Muskulatur)/ Überstreckung

    ◦ Anspannung

    ◦ flache Atmung

    ◦ Vermeidung von Blickkontakt

    ◦ „leerer Blick“

    ◦ Schluckauf

    ◦ Zunge heraus strecken

    ◦ marmorierte Haut

    ◦ Fäusteln/ bizarre Fingerstellungen

    ◦ hektische Bewegungen

    ◦ quengeln

    ◦ Weinen/ Schreien

    ◦ erbrechen/ Spucken/ beissen

    ◦ „floppy“

    Erregungszustand

    ◦ Schlaf-/ Wach- und Übergangszustand

    ◦ wacher Aufmerksamkeitszustand 

    Körper eher ruhig u. entspannt, Augen strahlen Aufmerksamkeit aus  offen f.

    Interaktion mit d. Umwelt u.

    aufnahmebereit

    ◦ Bewegungen ruckartiger, unkoordinierter  Belastung

    ◦ quengeln = Übergangszustand zum

    Weinen o. schreien, nicht mehr

    ansprechbar

    ◦ Wache Phasen mit Exploration 

    Erholungsphasen

  • Regulationsstörung - Exzessives Schreien (Boleten, Möhler und v. Gontard; Psychische Störungen im Säuglings- und Kleinkindalter)

    Definition: Exzessives Schreien = anfallsartiges, unstillbares Schreien, welches oft mit

    erhöhtem Muskeltonus und Problemen der Schlaf-Wach-Regulation verbunden ist.

    „Dreier-Regel“ nach Morris Wessel:

    Schreien über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen an mindestens drei Tagen pro

    Woche mehr als drei Stunden pro Tag

    - subjektiv erlebte Belastung der Säuglinge und Eltern

    - Wachphasen  erhöhte Schreckhaftigkeit, quengeln, starke Irritabilität, reizoffen,

    Unfähigkeit abzuschalten und selbst zu beruhigen

    geruchs-, geräusch-, berührungs- und lageempfindlich

    - Pseudobalance durch Stimulation (Fön-, Staubsauger-App)

  • Trias der frühkindlichen Regulationsstörungen

    ◦ Kindliche Verhaltensauffälligkeit

    ◦ Elterliches Überforderungs- und Erschöpfungssyndrom

    ◦ gestörte Eltern-Kind-Interaktion

    Teufelskreis

    Regulationsstörung  exz. Schreien/ Schlafstörung/ Fütterstörung

    https://www.babycenter.de/thread/226683/schwierige-

    babys---was-kann-helfen-?startIndex=10

  • Fallbeispiele Schlafstörungen

    ◦ 14 Monate altes Mädchen

    ◦ KM 2. Kind KV 1. Kind

    ◦ müde, trauriger Blick

    ◦ quengelig

    ◦ scheu

    ◦ wenig Exploration

    ◦ anhänglich

    ◦ Tagesmutter versucht

    ◦ noch nicht selbständig gegessen

    ◦ 12 Monate alter Junge

    ◦ 1. Kind beider KE

    ◦ tagsüber gut drauf

    ◦ gesteigertes Explorationsverhalten

    ◦ bringt andere zum Lachen

    ◦ quirlig

    ◦ perzentilenflüchtiges Gewicht

    ◦ 4 Mahlzeiten

    ◦ Betreuung durch KM

  • Schlafstörungen ◦ erst ab Alter von 12 Monaten

    diagnostizierbar, Persistenz von

    mindestens 4 Wochen

    Einschlafstörungen

    ◦ verlängerte Dauer bis zum

    Einschlafen oder der Notwendigkeit

    der Anwesenheit der Eltern

    Durchschlafstörungen

    ◦ elterliche Interventionen nach

    nächtlichem Aufwachen und/ oder

    Weiterschlafen im elterlichen Bett

    Christian Krogh – Schlafende Mutter

    mit Kind

  • Fallbeispiele Fütterstörungen

    ◦ 8 Wochen alter Säugling

    ◦ 2. Kind d. KM, 1. Kind d. KV

    ◦ FG 35. SSW, angeborenen Herzfehler, Z.n. OP

    ◦ Trinkschwäche, Sonde

    ◦ zu Beginn der Trinkmahlzeit gut getrunken, nach kurzer Zeit aufgehört

    ◦ KM Borderline-PS

    ◦ 1. Kind der KM in FU nachdem KM mit diesem Kind 2 Jahre in Mutter-Kind- Einrichtung verbracht hatte

    ◦ geplant erneut Mutter-Kind-Einrichtung

  • Fütterstörung im Zusammenhang mit einer medizinischen Erkrankung

    ◦ Nahrungsverweigerung, inadäquate Nahrungsaufnahme

    ◦ Beginn in jedem Alter

    ◦ Kind ist zunächst zur normalen Nahrungsaufnahme bereit

    ◦ im Verlauf des Fütterns Zeichen von Distress (z.B. GÖR, Herzerkrankung,

    Atemwegserkrankung...)

    ◦ mangelnde Gewichtszunahme o. Gewicht

    ◦ medizinische Behandlung bessert Fütterprobleme

  • Posttraumatische Fütterstörung

    ◦ akut einsetzende, schwere und anhaltende Nahrungsverweigerung

    ◦ Beginn in jedem Alter

    ◦ ein o. mehrere Trauma/ta oral bzw. GIT

    ◦ Verweigerung der Flaschenfütterung im Wachzustand (trinken im

    Halbschlaf/ Schlaf möglich) oder

    ◦ Verweigerung fester Nahrung, Akzeptanz Flasche/ Flüssiges/ Püriertes,

    oder

    ◦ Verweigerung jeglicher Nahrungsaufnahme über den Mund

    ◦ Erinnerung an Trauma bewirkt Stress  antizipierten Stress, Widerstand

    ◦ Gedeih- und Entwicklungsstörung!!!

    http://www.familie.de/gesundheit/ursachen-fuetterstoerung-546828.html

  • Fallbeispiel ◦ 5 Monate alter Säugling

    ◦ stationär bei Infekt der oberen Luftwege

    ◦ KM nicht als Begleitperson mitaufgenommen

    ◦ „der ist pflegeleicht“

    ◦ „ich hab Termine“

    ◦ sehr ruhig, schläft viel

    ◦ Gewicht unzureichend, hager, angegebene tgl. Trinkmenge zu wenig

    ◦ wenig Mimik, ausdrucksloser Gesichtsausdruck

    ◦ durchlässiger Blick

    ◦ Stirn gerunzelt, schlaffer Tonus

  • Fütterstörung mit unzureichender Eltern-Säuglings-Reziprozität

    ◦ im ersten Lebensjahr (oft zufällig festgestellt bei Kinderarztkontakt)

    ◦ in Füttersituation Mangel an entwicklungs