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  • Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz

    Ganzheitliches Betriebliches

    Gesundheitsmanagement System

    (GABEGS)

    HANDLUNGSLEITFADEN

    für Unternehmen ab 50 Mitarbeiter

    Stand:19.09.2007

  • - 2 - Vorwort Die Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter wirkt sich nachhaltig auf den

    Unternehmenserfolg aus. Studien belegen, dass Investitionen in die Mitarbeiter

    einen mehrfachen Return on Investment bringen. Vorausgesetzt, der

    Unternehmer erklärt dieses Ziel zur Chefsache.

    Investitionen in die Mitarbeiter heißt in erster Linie die psychosoziale Kompetenz

    der Führungskräfte zu verbessern. Das ist die Kernkompetenz für

    Innovationsfähigkeit und Wertschöpfung.

    Doch wie umsetzen? Die „Models of good practice“ von Großunternehmen sind

    meistens nicht transparent. Auf der anderen Seite gibt es spezialisierte

    Dienstleister, die „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ anbieten. Deren

    Konzepte und Schwerpunkte sind unterschiedlich und der Unternehmer muss

    abschätzen können, welche Leistungen für seinen Betrieb notwendig sind.

    Daher haben wir einen Handlungsleitfaden entwickelt, der Bewährtes

    zusammenfasst und einen pragmatischen und vielfach erprobten Weg für ein

    „Ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagementsystem“ (GABEGS)

    aufzeigt.

    Das GABEGS kann mit bereits vorhandenen Managementsystemen integriert

    werden, wie Qualitäts-, Umwelt- und Arbeitsschutzmanagement. Die Kennzahlen

    lassen sich in EFQM, Balanced Scorecard, etc. abbilden.

    Will man GABEGS einführen, so braucht man eine Initialzündung. Dafür eignet

    sich eine innovative Art der Mitarbeiterbefragung, die „Mitarbeiterbefragung über Arbeitsbedingungen als Führungselement“ (MAF). Ein Handlungsleitfaden MAF kann zusammen mit einem Auswertungs-EDV-Tool (optional) von der Website

    des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und

    Verbraucherschutz (StMUGV) heruntergeladen werden.

    Mit dem ebenfalls zur Verfügung stehenden „Selbstaudit BGM“ kann das

    Unternehmen schnell und ohne großen Aufwand, den Stand und die Qualität des

    eigenen Gesundheitsmanagements feststellen und kostenlos zertifizieren lassen.

    Dieser Handlungsleitfaden berücksichtigt die Luxemburger Deklaration zur

    betrieblichen Gesundheitsförderung in der Europäischen Union vom 27./ 28.

    November 1997 und die Qualitätskriterien des Europäischen Netzwerkes für

    betriebliche Gesundheitsförderung vom Mai 1999.

    © 2003, Dr. Claus Mollenkopf, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz

  • - 3 - Inhaltsverzeichnis: 1 Ausgangslage und Handlungsbedarf .............................................................. 4 2 Ziele des Gesundheitsmanagements.............................................................. 5 3 Umsetzung ...................................................................................................... 6

    3.1 Koordinator Gesundheitsmanagement................................................... 6 3.2 Rolle der Führungskräfte........................................................................ 6 3.3 Handlungsfelder und Regelkreise .......................................................... 8

    3.3.1 Steuerungskreis Gesundheitsmanagement ............................. 10 3.3.2 Mitarbeiterbeteiligung ............................................................... 12

    3.3.2.1 Mitarbeiterbefragung.................................................. 12 3.3.2.2 Workshops................................................................. 14 3.3.2.3 Vorschlagswesen....................................................... 14

    3.3.3 Fehlzeitenmanagement ............................................................ 14 3.3.3.1 Fehlzeitenstatistik ...................................................... 14 3.3.3.2 Arbeitsunfähigkeitsanalyse der Krankenkasse .......... 15 3.3.3.3 Eingliederungsmanagement ...................................... 15 3.3.3.4 Absentismus .............................................................. 17

    3.3.4 Personalmanagement .............................................................. 20 3.3.4.1 Personalauswahl........................................................ 20 3.3.4.2 Personalbetreuung..................................................... 21 3.3.4.3 Personalentwicklung.................................................. 22

    3.3.5 Gesundheitsförderung .............................................................. 23 3.3.6 Arbeitsschutzmanagement ....................................................... 28 3.3.7 Notfallplan und Krisenmanagement ......................................... 30 3.3.8 Suchtprävention........................................................................ 32

    4 Gesundheitsbericht - Erfolgsindikatoren ....................................................... 34 Mustervorlagen: Protokoll Steuerungskreissitzung........................................................................ 35 Gefährdungsbeurteilung...................................................................................... 36 Protokoll Gesundheitszirkel................................................................................. 37 Niederschrift Mitarbeitergespräch ....................................................................... 38 Perspektivbogen ................................................................................................. 39 Verbesserungsvorschlag..................................................................................... 40 Zeitplan.. ............................................................................................................. 41 Ablaufschema Gesundheitsmanagement ........................................................... 42

    Danksagung........................................................................................................ 43

    © 2003, Dr. Claus Mollenkopf, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz

  • - 4 - 1 Ausgangslage und Handlungsbedarf

    Die Arbeitsbedingungen sind härter geworden. Neue Arbeitsformen und der

    ständige Rationalisierungszwang führen zu höheren psychomentalen und

    psychosozialen Belastungen. Trotzdem sollen die Mitarbeiter mehr Leistung

    bringen. Das tun sie auch, wenn sie der Chef optimal unterstützt. Aber da

    haperts oft.

    Die Fehlzeiten sind zwar in den letzten Jahren zurückgegangen. Die

    Beschäftigten sind aber weder gesünder noch leistungsbereiter geworden. Sie

    haben einfach nur Angst um ihren Arbeitsplatz.

    Wie wirkt sich das alles aus?

    Überbeanspruchung, Burnout, Zunahme sozialer Konflikte und - wenn nichts

    dagegen getan wird - Vertrauensverlust in die Unternehmensführung.

    Branchenübergreifend geben zwei Drittel der Beschäftigten an, nur noch eine

    geringe emotionale Bindung an ihren Job zu haben. Sie machen „Dienst nach

    Vorschrift“. Fast ein Fünftel hat überhaupt keine emotionale Bindung mehr. Diese

    Mitarbeiter haben innerlich gekündigt und lassen dies auch ihre Kollegen spüren.

    Bisher wurde versucht, diese Auswirkungen durch Verjüngung der Belegschaft

    abzufangen. Das ist heute wegen der demographischen Entwicklung nur noch

    begrenzt möglich. Qualifizierte Nachwuchskräfte werden immer seltener. Die

    Unternehmer sind gezwungen wieder ältere Mitarbeiter zu akzeptieren. Hier

    kommt das Eingliederungsmanagement, aber auch die Gesunderhaltung und die

    Gesundheitsförderung ins Spiel.

    Und noch ein Trend verschärft die Situation. Heute sucht sich die qualifizierte

    Fachkraft ihren Arbeitgeber aus und nicht umgekehrt. Kompetente

    Führungskräfte und Mitarbeiter wechseln zu Firmen, die mehr Lebensqualität am

    Arbeitsplatz bieten.

    Unternehmer müssen jetzt handeln. Nur wenn es gelingt, den Führungskräften

    ihre eigentliche Aufgabe klar zu machen, nämlich gut zu führen, wird die

    Mitarbeiterzufriedenheit besser. Das wirkt sich unmittelbar auf die Produktivität

    und Produktqualität aus. Mitarbeiter erkennen die Fürsorge ihres Arbeitgebers.

    Der Zug der jetzt verpasst wird, ist später kaum noch einzuholen.

    © 2003, Dr. Claus Mollenkopf, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz

  • - 5 - 2 Ziele des Gesundheitsmanagements

    ZIELE DES

    GANZHEITLICHEN BETRIEBLICHEN GESUNDHEITSMANAGEMENT SYSTEMS (GABEGS)

    Menschengerechte Arbeitsbedingungen

    Guter Führungsstil Lob, Respekt, gegenseitige Unterstützung

    Als sinnvoll empfundene transparente Betriebsabläufe Angemessene Forderung von Kreativität, Motorik, Routine

    Individuelle Entscheidungs- und Gestaltungsräume Als gerecht empfundene materielle und immaterielle Anreize

    Stressoptimierung Störungsminimierung

    Vereinbarkeit von Familie und Beruf Einrichtungen zur Gesunderhaltung

    Ergonomie, medizinischer und technischer Arbeitsschutz

    Persönliche Ressourcen der Mitarbeiter

    Vertrauen in die Führung Soziale Kompetenz

    Gesundheit Psychische Ausgeglichenheit

    Mentale Leistungsfähigkeit Persönliche Entwicklungsperspektiven

    Wertschätzung der eigenen Arbeit Selbstwertgefühl