Das Leben von Albert König 3A978-3-642... · PDF file 2017-08-29 · 458...

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  • Das Leben von Albert König

    ALBERT KÖNIG wurde am 16. August 1871 als Sohn eines Baumeisters in Plettenberg (Westfalen) geboren. Nach Absolvierung des huma- nistischen Gymnasiums studierte er in Jena und Berlin Mathematik und Physik. 1895 wurde er unter WINKELMANN zum Dr. phi!. promoviert. Das Thema seiner Dissertation lautete "Beiträge zur Theorie der Fresnel- sehen Beugungsspektra" ; das Thema war von E. AB BE gestellt worden, der die Arbeit auch betreute. Noch vor Schluß der Arbeit war KÖNIG am 1. Oktober 1894 in das Zeiss-Werk in Jena eingetreten. 1895 übernahm er nach erfolgter Promotion die Berechnung astronomischer Objektive. Be- merkenswert war in diesen ersten Jahren die Schaffung des dreilinsigen astronomischen, achromatischen Objektivs, das unter der Bezeichnung B-Objektiv weite Verbreitung fand. Von 1900 an befaßte sich KÖNIG in zunehmendem Maße mit der Berechnung optischer Systeme für Erdfern- rohre. Bis zu seinem Lebensende war er Leiter der Abteilung für Erd- fernrohre des Jenaer Zeiss-Werkes. Außer der Entwicklung der Erd- fernrohre im engeren Sinne (Feldstecher, Ziel- und Beobachtungsfern- rohre, Entfer~ungsmesser u. a.) übernahm er 1921 die Berechnung der Optik der geodätischen und Feinmeßgeräte, im gleichen Jahr übernahm er auch die wissenschaftliche Leitung der Abteilung für geodätische In- strumente, die er bis zum Jahre 1930 neben seinen sonstigen Aufgaben innehatte. KÖNIG starb am 30. April 1946 im Alter von fast 75 Jahren, nach kurzem Krankenlager. Noch auf dem Krankenbett ist er bis wenige Tage vor seinem Tode mit der Berechnung optischer Systeme beschäftigt gewesen.

    In 52 Berufsjahren schuf KÖNIG eine große Menge neuer optischer Systeme, die einzeln aufzuführen nicht möglich ist. Etwa 70 Patente wurden ihm im Laufe seiner Tätigkeit erteilt. Die wichtigsten Schöpfun- gen seien kurz skizziert:

    Fernrohrokulare mit Gesichtsfeldern bis zu 90°. Fernrohrokulare mit weit abliegender Austrittspupille und solche mit weit

    abliegendem Brennpunkt bei Gesichtsfeldern bis zu 70°. Astigmatisch korrigierte Fernrohrobjektive aus drei benachbarten Linsen

    (Hemiplanare für Gesichtsfelder bis zu 25°). Gewöhnliche Fernrohrobjektive sowie ein- und mehrteilige Umkehrsysteme

    bis zu Öffnungsverhältnissen von 1 : 1,5. Geodätische Fernrohre mit negativer Fokussierlinse, mit vorausberechneter

    Lage des anallaktischen Punktes. Ablesemikroskope für geodätische Geräte mit Keilmikrometern.

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    Meßmikroskope für Feinmeßzwecke bis zu freiem Objektabstand bis zu 100 mm, objektseitigern telezentrischem Strahlengang und völlig gehobener Verzeichnung.

    Projektionsobjektive mit objektseitigern telezentrischem Strahlengang für Werkstattprojektoren sowie die Beleuchtungsoptiken für Werkstattprojektoren.

    In großer Anzahl enstanden Feldstecher, Beobachtungsfernrohre, Zielfernrohre, Entfernungsmesser, Fluchtprüfer, Projektionseinrichtungen und vieles andere mehr.

    Die ungeheure Arbeitsleistung wurde mit einem Minimum an Hilfs- kräften bewältigt. KÖNIG beschäftigte selten mehr als drei optische Rechner, bei deren Auslese er allerdings einen äußerst strengen Maßstab anlegte. Er beherrschte souverän die Kunst, Durchrechnungen optischer Systeme auf das Mindestmaß zu beschränken. Seine reichen Erfahrungen, ein Schatz selbstgeschaffener Näherungsformeln und Faustregeln sowie ein natürliches optisches Gefühl kamen ihm dabei zu Hilfe. Trotz der Beschränkung der Durchrechnungen auf das mindeste Maß hat er kaum Enttäuschungen an ausgeführten Systemen erlebt.

    Bemerkenswert ist seine Arbeitsmethode, für jede Gattung von Optik- systernen möglichst viele Einzelfälle vollständig fertig zu rechnen, und zwar vorausschauend, unabhängig von den augenblicklichen betrieb- lichen Anforderungen. Er war somit in der Lage, bei Auftreten eines Wunsches nach irgendeiner Optik sofort aus seinen laufenden syste- matischen Untersuchungen den geeigneten Fall herauszugreifen und mit meist geringfügigen Änderungen dem Betrieb zur Verfügung zu stellen. Sein glänzendes Gedächtnis und sein ausgeprägter optischer Instinkt kamen ihm dabei ausgezeichnet zu Hilfe, so daß er immer wieder seine Mitarbeiter in Staunen versetzte, wenn er komplizierte optische Systeme sozusagen im Handumdrehen hervorzauberte.

    Umfangreich war auch die wissenschaftliche und publizistische Tätig- keit KÖNIGS. Er ist maßgebend an der Vertiefung der Kenntnisse über die Theorie der optischen Abbildung im vergangenen halben Jahrhundert beteiligt gewesen. Das fand seinen Niederschlag in zahlreichen Beiträgen zu Sammelwerken und Handbüchern. Sie seien im folgenden angeführt:

    1. In dem von M. VON ROHR herausgegebenen Sammelwerk, Die Theorie der optischen Instrumente, Berlin 1904:

    a) Durchrechnungsformeln (zusammen mit M. VON ROHR). b) Die Theorie der sphärischen Aberrationen (ebenfalls zusammen mit

    M. VON ROHR). c) Die Theorie der chromatischen Aberrationen.

    2. In dem Sammelwerk, herausgegeben von S. CZAPSKI und O. EpPENSTEIN, Grundzüge der Theorie der optischen Instrumente nach AB BE, Leipzig 1924, die Kapitel:

    a) Farbenabweichungen und ihre Hebung. b) Verfahren zur Messung der Bestimmungsstücke optischer Instrumente.

    3. Im Lehrbuch der Physik von MÜLLER-POUILLET, Braunschweig 1926, das Kapitel: Optische Instrumente.

    4. Im Handbuch der Astrophysik, herausgegeben von G. EBERHARDT, A. KOHL- SCHÜTTER, H. LUDEN DORF, Berlin 1933, das Kapitel: Das Fernrohr.

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    5. Im Handbuch der Experimentalphysik, herausgegeben von W. WIEN und F. HARMs, Leipzig 1929, die Bände 20/1, Physiologische Optik (zusammen mit C. PULFRICH, nach dessen Tode er die Bearbeitung übernahm) und 20/2: Geo- metrische Optik.

    Von KÖNIGS Einzelpublikationen sei auf folgende hingewiesen: 1. Die Fadenentfernungsmesser bei den Fernrohren mit Zwischenlinse der

    Zeiss-Wildschen Nivellierinstrumente. Zentralzeitung für Optik und Mechanik 42, 197 (1921).

    2. Der neue Zeiss-Theodolit. Zentralzeitung für Optik und Mechanik 45. 151 (1924).

    In der ersten der beiden genannten Einzelpublikationen gab er als erster eine brauchbare Berechnungsvorschrift zur Ermittlung des anal- laktischen Punktes der Fernrohre mit negativer Fokussierlinse (vgl. § 27).

    Zu erwähnen ist noch KÖNIGS wissenschaftliche Berichtertätigkeit. der er sich in seinen ersten Berufsjahren gewidmet hatte. Der größte Teil der Berichte, die er alle mit großer Sorgfalt und nie kritiklos wiedergibt, sind in den Jahren 1895 bis 1903 in der Zeitschrift für Instrumenten- kunde erschienen, einige in der Zeitschrift für ophthalmologische Optik und in der Zentralzeitung für Optik und Mechanik. Es handelt sich um etwa 100 Referate, von denen besonders eins [Zentralzeitung für Optik und Mechanik 45, 122 (1924)] bedeutungsvoll ist, in dem er Angriffe von H. D. TAYLOR, auf die in Deutschland üblichen Methoden der optischen Systemberechnung widerlegt und entkräftet.

    Im persönlichen Leben zeichnete sich KÖNIG durch eine außerordent- liche Bescheidenheit aus. Größere Ehren waren ihm zuwider. So kam es, daß seine im Jahre 1929 durch die Technische Hochschule Stuttgart erfolgte Promotion zum Dr.-Ing. E. h. kaum der Öffentlichkeit bekannt wurde. Ebensowenig wurde bekannt, daß ihm 1938 die goldene Medaille der Weltausstellung Paris für seine Leistungen auf dem Gebiet der Erd- fernrohre verliehen wurde. Mit einer beispiellosen Treue diente er aus innerer Berufung der technischen Optik. Auch persönliches Leid, das ihm nicht erspart blieb, konnte seine Schaffenskraft nicht lähmen. - In tiefer Dankbarkeit bin ich ihm verbunden, der mich in der schweren Zeit des Zusammenbruches nach "1945 in die praktische geometrische Optik einführte, mich mit beispielloser Gründlichkeit für seine Amtsnachfolge vorbereitete und in der relativ kurzen Zeit unserer engeren Zusammen- arbeit mir ein väterlicher Freund und Berater gewesen ist.

  • Literaturverzeichnis

    AB BE, E.: Gesammelte Abhandlungen von ERNST ABBE. 1. Bd., 1904; 2. Bd. 1906. Jena: G. Fischer.

    BAKER, J.: Proc. Amer. Phi!. Soc. 82, 323, 339 (1940). BEREK, M.: Z. Instrumentenk. 63, 297 (1943). Z. Physik 125, 657 (1949). BERTELE, M.: DRP 427048 vom 3. 5. 1924. - DBP 861469 vom 7. 5.1943. - Schweizer Patent 24824'6 vom 18.4. 1946. - DRP 530843 vom 14. 8. 1929. - DRP 570983 vom 2. 9. 1931. - DBP 835202 vom 16. 9. 1949. BOUWERS, A.: Achievements in optics, New York und Amsterdam 1946. BRUNNKOW, K., E. REEGER und H. SIEDENTOPF: Z. Instrumentenk. 64, 86 (1944). CHRETIEN, H.: Rev. d'opt 1, 13, 49 (1927)

    C R. Acad. Sci., Fr. 185, 1125 (1927) - Calcul des Combinaisons optiques. Paris 1959 CZAPSKI, S.: Verhand!. d. Ver. z. Beförd. d. Gewerbefleises in Preußen, S. 39, 1895. CZAPSKI, S., U. O. EpPENSTEIN: Grundzüge der Theorie der opt. Instrumente,

    3. Aufl .. Leipzig 1924. DIEPERINK I. W.: Z. Instrumentenk.19, 381 (1924) ENGI, P.: Schweizer. Z. Vermessungsw. 20, 2 (1922). ERFLE, H.: DRP 350333 vom 24.11. 1917. - DRP 350951 vom 24. 7. 1918. - DRP 346028 vom 24. 2. 1921. GAUSS, C. F.: 5. Bd. der Werke, hrsg. v. d. Ges. d. Wissensch. Göttingen, 1877 (auch:

    Ostwaids Klassiker) "Dioptrische Untersuchungen". - Göttinger Abh. 1838--1841, 1, S. 1-34 "über die achromatischen Doppel-

    objektive besonders in Rücksicht der vollkommenen Aufhebung der Farben- zerstreuung' '.

    - Lindenaus Z. Astr. 4, 345 (1817). GÜNTHER, N.: Fernoptische Beobachtungs- und Meßinstrumente. Stuttgart 1959. - Der koaxiale Entfernungsmesser. Optik 16 (1959) im