Bienen- Zeitung08/2015 · Bienen-Schwei Zeri Sche Zeitung 08/2015 Monatszeitschrift des Vereins...

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Bienen-Zeitung SCHWEIZERISCHE 08/2015 Monatszeitschrift des Vereins deutschschweizerischer und rätoromanischer Bienenfreunde Jürgen Tautz über die Zukunft der Imkerei Richtige Wabenlagerung ohne Wachsmotten und Ameisensäurerückstände Bienenvergiftungen durch Pflanzenschutzmittel: Trends und Massnahmen Alant, gelbe Blumenpracht für Bienen und Schmetterlinge FOTO: FRIEDERIKE RICKENBACH Bienen wissen offenbar, wo man während dieser trockenen Tage Wasser holt: am Wasserhahn!
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    30-Aug-2019
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  • Bienen-Zeitung SchweiZeriSche 08/2015 Monatszeitschrift des Vereins deutschschweizerischer und rtoromanischer Bienenfreunde

    Jrgen Tautz ber die Zukunft der Imkerei Richtige Wabenlagerung ohne Wachsmotten und Ameisensurerckstnde Bienenvergiftungen durch Pflanzenschutzmittel: Trends und Massnahmen Alant, gelbe Blumenpracht fr Bienen und Schmetterlinge

    Foto: Friederike rickenBach

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    Der VDRB fhrt jedes Jahr zwei Umfragen per Internet durch. Im Frhjahr eine zu den Vlkerverlusten, im Herbst eine zu den Honigertrgen. Um mglichst aussagekrftige Zahlen zu erhalten, ist es wn-schenswert, wenn sich etwa 10% der Schweizer Imker/-innen an den Umfragen beteiligen. Machen Sie auch mit? Es spielt keine Rolle, ob Sie zwei oder hundert Vlker betreuen. Wichtig ist, dass Sie bereit sind, lngerfristig teilzunehmen, denn nur so bekommen wir im Laufe der Jahre ein verlssliches Bild.

    Melden Sie sich bis 31.8.2015 auf unserer Webseite an: www.vdrb.ch Rubrik Login Anmeldung Umfragen VDRB

    Anfang September werden wir Ihnen ein E-Mail mit dem Zugang zur Umfrage senden. Personen, die bisher den Link zu den Umfragen erhalten haben, sind bereits registriert und werden wiederum einge-laden. Eine Neuregistration ist fr diese Imker/-innen nicht erforderlich.

    Unter den Teilnehmern werden 5 x 1 Karton (800 Stck) Honigglasdeckel im Wert von je CHF 192.- verlost.

    Geschftsstelle VDRB, Oberbad 16, 9050 Appenzell. Tel. 071 780 10 50, [email protected]

  • 3

    EDITORIAL

    Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015 3

    roBert SieBer, leitender redaktor

    liebe imkerinnen, liebe imker

    in vorbildlicher Weise stellen viele Schweizer und Schweizerinnen Wildbienenhotels sel-ber her oder bieten solche einer unterdes-sen auch bei uns bedrohten insektengruppe als berlebenshilfe an. langsam gewhnt man sich an das Bild dieser meist schmuck gestalteten huschen, vielerorts gehren sie schon fast zum alltagsbild. Whrend vor noch nicht allzu langer Zeit das kind seine Mutter im tram mit der Frage: Mami, was ist das, in Verlegenheit brachte, lau-tet die Frage heute eher: Mami, hast du das schne Bienenhotel gesehen? das ist insofern eine erfreuliche ent-wicklung, als die Bedeutung dieser wichtigen lebewesen langsam einen festen Platz im denken der Bevlkerung einnimmt. Wenn ich aber den Bericht von niels Grndel in dieser ausga-be ber die Bienenautobahn in norwegen lese, muss ich feststellen, dass man anders-wo bereits einen Schritt weiter gegangen ist. da wird in einer Stadt ein netzwerk fr bltenbesuchende insekten aufgebaut und, wie heute blich, mit modernster kommu-nikationstechnologie untersttzt. Vorbei die Zeiten, als alles, was sechs Beine hat, dem Strahl der Giftdose zum Opfer fiel.

    norwegen ist ein reiches land mit vielen gut ausgebildeten einwohnern. Wie die Schweiz auch. Man drfte also auch in der Schweiz mit solchen Projekten rech-nen. dem scheint nicht so zu sein. Mir ist jedenfalls nicht bekannt, dass sich in der Schweiz Gemeinden, Firmen und Private zusammentun, um etwas zum Wohl der Bltenbestuber und damit auch sich sel-ber zu tun. Wre so etwas bei uns nicht auch mglich? Greifen die Brger immer noch lieber zur Giftflasche anstatt zum

    Blumentopf? oder bruchte es lediglich ein paar engagierte Mitarbeiter von Gemeinde-verwaltungen oder regionalpolitiker oder imker/-innen in solchen Gremien, welche die Frage stellen: Warum nicht auch bei uns? damit sollen die vielfach wunderba-ren und professionell betreuten Blhstrei-fen in urbanen regionen keineswegs klein-geredet werden. im Gegenteil!

    aus der Sicht unserer honigbienen ist der august eine spannende Zeit. der hhe-punkt der Volksstrke ist berschritten, die drohnen werden aus den Vlkern gedrngt, die entwicklung der Winterbienen nimmt

    ihren anfang. es ist die Zeit, in der sich das Zahlenverhlt-nis der Varroa zu den Bienen zunehmend zugunsten der Varroa verschiebt. auch bei uns imker/-innen sind die

    hhepunkte des kalenderjahres berschrit-ten. der honig ist geschleudert, knigin-nen sind nachgezogen, Jungvlker gebildet. Weniger erfreuliches steht jetzt auf unse-rer agenda: Putzen, auffttern und damit die zunehmende Gefahr von ruberei, die Varroabehandlung. aber auch wenn unser enthusiasmus vielleicht etwas nachgelassen hat, erfordern diese ttigkeiten unser volles engagement. Fehler, die wir heute bege-hen, werden sich im kommenden Jahr r-chen. Vor allem bei der Varroabehandlung gibt es keinen Spielraum. nur, wer gesunde und starke Vlker einwintert, darf sich un-besorgt auf den nchsten Frhling freuen.

    herzlich ihr

    robert [email protected]

    Wer gesunde, starke Vlker einwintert ...

    ... darf sich auf den kommenden Frhling freuen.

  • 4

    Bienen-Zeitung SchweiZeriSche Monatszeitschrift des Vereins deutschschweizerischer und rtoromanischer Bienenfreunde138. Jahrgang nummer 08 august 2015 iSSn 0036-7540

    ImpREssum / InhALT

    Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    Dieter Schrer 9999 Musterhausen Tel. 072 795 55 50 Fax 072 795 55 51 [email protected] www.swisshoney.ch

    IMPReSSuMHeRAuSGeBeRVerein deutschschweizerischer und rtoromanischer Bienenfreunde (VdrB)internet: www.vdrb.ch oder www.bienen.ch

    PRSIdenTrichard Wyss, Strahlhttenstrasse 99050 appenzell (ai), tel.: 071 787 30 60

    GeScHfTSSTelle VdRBoberbad 16, 9050 appenzell (ai)tel.: 071 780 10 50, Fax: 071 780 10 51e-Mail: [email protected]: www.vdrb.ch

    RedAkTIone-Mail: [email protected]

    internet: www.vdrb.ch (rubrik: Bienen-Zeitung > Leserservice)

    robert Sieber, leitender redaktorSteinweg 43, 4142 Mnchenstein (Bl)tel.: 079 734 50 15

    Franz-Xaver dillier, redaktorBaumgartenstr. 7, Postfach 333, 6460 altdorf (Ur)tel.: 031 372 87 30

    Pascale Blumer Meyre, lektorat7993 Summerhill dr., Park city, Ut 84098, USa

    ABonneMenT, AdReSSndeRunGen und InSeRATeGeschftsstelle VdrBoberbad 16, 9050 appenzell (ai)tel.: 071 780 10 50, Fax 071 780 10 51

    e-Mail: [email protected]: www.vdrb.ch (rubrik: Bienen-Zeitung > Abo)

    e-Mail: [email protected] internet: www.vdrb.ch (rubrik: Bienen-Zeitung > Inserenten-Service)

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    Platterbsen-Mrtelbiene (Megachile ericetorum ) steckt ihren Rssel tief in eine Wickenblte.

    ARBeITSkAlendeR 6arbeiten im august: aufftterung und Varroasommerbehandlung 6honigwaben ohne chemie lagern 8

    BeoBAcHTen STATT STRen 10ein neues Bienenjahr beginnt 10

    foRScHunG 11Jrgen tautz: die Suche nach der Zukunft der imkerei 11nach Wachsmottenbehandlung 14 ameisensurerckstnde im honig

    foRuM 17Bienenvergiftungen 2014 17oslo baut hummel-autobahn 20honigsensorikkurs begeistert 21

    WIldBIenen 22Platterbsen-Mrtelbienen sind Bauchsammlerinnen 22

    TRAcHTPflAnZen 24Weide und Malerei: die Schweizer Weide (Salix helvetica) 24Bienen- und Falterblume: der alant 26

    leSeRBRIefe 29Bienenschwarm in der ewigen Stadt 29die Feuerwehr im dienste der imker 29Verfehlte landwirtschaftspolitik? 30Sonnen- und Schattenseiten des 30 gewhnlichen natterkopfesBienenschwarm 30achtsam mit den Bienen umgehen 31Bienenvlker auf dem dach 31 eines Berner nobelhotelshitzetage bei den Bienen 31

    nAcHRIcHTen AuS VeReInen und kAnTonen 32honig-zMorge eine idee, die kopiert werden darf! 32Mit Zuchtkniginnen gesunde, starke Bienenvlker 32Publireportage: 33 neues Varroabehandlungsprodukt fr die Schweiz

    APISTIScHeR MonATSBeRIcHT 34apistische Beobachtungen: 16. Juni bis 15. Juli 2015 34kurzberichte aus den Beobachtungsstationen 34 Phnologische Beobachtungen (JuniJuli) 38

    VeRAnSTAlTunGen 38honigsensorik: neue kurse im oktober 2015 38Veranstaltungskalender 39ffentliche Veranstaltungen 40

    MITTeIlunGen 40Schweizerische labelprogramme fr den 40 qualittsbewussten imkerGerichtspraxis: imker handelt bei Wespenangriff fahrlssig 42neonicotinoide schdigen hummeln und Wildbienen schwer 42Bestubungsleistung als risikofaktor 43konstellationskalender: Behandlungstage august 2015 43

  • 5

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    ZUM

    SteGOb Aus DEm nEsT ...

    ... im metallenen eingangstor zum Ssswasser-schutzgebiet (BS), bei dieser hitze der prallen Son-ne ausgesetzt, eine Wildbiene (Gattung harz- und Blattschneiderbienen Megachile) ausschlpfen wird?

  • 6 Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    ARbEITskALEnDER

    Arbeiten im August

    Aufftterung und VarroasommerbehandlungFehler, die jetzt gemacht werden, zeigen sich oft erst im nchsten Jahr. Auf die peinlich genaue Durchfhrung der nun anfallenden Arbeiten lege ich deshalb besonders grossen Wert.

    roBert lerch, kaPPel ([email protected])

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    normalerweise ernten wir den honig in der letzten Juliwo-che. dazu bentigen wir einen tag. ich entnehme die honigwaben und bereite gleichzeitig die Vlker auf die kommende Ftterung und die Varroabehandlung vor. Meine Frau christina schleudert die honigwa-ben. in den Wabenschrank werden ausschliesslich schne, unbebrtete honigwaben gehngt. die ausge-schiedenen werden eingeschmolzen. das Wachs wird von einem Wachsver-arbeiter gerne zurckgenommen und kann so dem Wachszyklus zugefhrt werden. Mit der Sommerhonigernte endet fr mich das Bienenjahr und das neue beginnt. Mit der aufftterung und der Varroabehandlung werden jetzt die Bienen auf die Wintersaison, ihre ruhe- und regenerationsphase, vorbereitet. der zeitliche ablauf er-folgt nach dem in tabelle 1 zusam-mengestellten Schema. allerdings befinden sich meine Bienenstnde auf 450 und 650 m . M., was unter-schiedliche klimatische Bedingungen mit sich bringt. Besonders bezg-lich der aussentemperatur bei der Varroabehandlung sind diese Beson-derheiten zu bercksichtigen.

    Varroabekmpfungdie Varroamilbe begleitet mich und meine Bienen seit Beginn meiner 20-jhrigen imkerttigkeit. Bei ihrer Bekmpfung hilft kein Wenn und aber. Mit der Bekmpfung reduzie-re ich die Milbenbelastung, sodass diese unter der monatsspezifischen Schadschwelle bleibt und die Bienen mit der Milbe leben knnen. an die-ser Stelle mchte ich auf die internet-seite des Bienengesundheitsdienstes www.apiservice.ch hinweisen. auf der

    Schweizerkasten mit eingebautem Schiebeboden.

    Kasten mit nachgerstetem Varroaschiebeboden.

    Seite Varroakonzept sind alle an-gaben zur Varroabekmpfung auf-gefhrt.

    die Bekmpfung basiert auf dem vom Zentrum fr Bienenforschung entwickelten, alternativen Bekmp-fungskonzept, welches ich seit langer Zeit konsequent anwende. es beinhal-tet drohnenschnitt / Jungvolkbildung im Mai / Juni, die erste ameisensu-rebehandlung ende Juli, die zweite ameisensurebehandlung anfangs September und die oxalsurebe-handlung (trufeln) im brutfreien Zu-stand im november oder dezember. als kontrolle fr die Wirksamkeit der Massnahmen hat sich das regelms-sige auszhlen des Varroatotenfalls sehr bewhrt. So entdecke ich immer wieder Vlker, die bei der Vermeh-rung der Varroa von der norm ab-weichen. Vlker mit einer erhhten Varroabelastung knnen so rechtzei-tig identifiziert und allenfalls notwen-dige Massnahmen eingeleitet werden.

    Bei den regelmssigen kontrollen der Unterlagen beurteile ich gleich-zeitig das Gemll eine wunderbare Mglichkeit, den Zustand eines Vol-kes zu beurteilen, ohne das Volk zu stren. dazu sind meine ksten mit Varroaschiebebden ausgerstet. Ja, es stimmt, dass diese von Wachsmot-ten besiedelt werden, wenn sie nicht regelmssig geputzt werden. dies ist fr mich aber ein wesentlicher Be-standteil meiner Betriebsweise.

    Fr die Behandlung der Standvl-ker bentze ich den nassenheider Pro Verdunster. er wird auf die Brutwaben platziert. damit ihn die Bienen nicht mit Propolis auf den rhmchen an-kitten, lege ich die Schale auf zwei schmale Stbchen. nach oben wird der erste honigraum mit deckbrett-chen zugedeckt. ausser dem Flugloch ist der kasten auf allen Seiten zu.

    die Jungvlker werden zur glei-chen Zeit aufgefttert und gegen die Varroa behandelt. in den kleinen Jungvolkksten verwende ich den liebig-dispenser, der ausgezeichnet unter dem hohen deckel installiert werden kann.

    auf meinen Bienenstnden ver-suchte ich auch immer neues und

  • 7Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    ARbEITskALEnDER

    Weiterentwicklungen aus. ich ver-meide es aber strikte, verschiedene Systeme und anwendungsarten zu mischen. dies wird leider sehr oft ge-macht und imker, die erprobte Syste-me nach Gutdnken abndern oder mischen, mssen mit bermssigen Verlusten rechnen.

    Gerade die Varroa hat mich ge-lehrt, die Bienenhaltung immer als Ganzes zu betrachten. die Bekmp-fung der Milbe ist nur eine Seite. Genauso wichtig sind die trachtsi-tuation, die mikroklimatischen Ver-hltnisse des Standes, die art und Weise, wie der imker mit seinen Bie-nen umgeht, die nachbarschaft und fr mich ganz wichtig die Freude am schnsten hobby!

    Was Wann

    erste futtergabe Verabreichung von ca. drei Liter Fruchtzuckersirup.

    direkt nach dem Schleu-dern des Sommerhonigs

    erste langzeit- Varroabehandlung

    Ameisensure mit dem Nassenheider Pro (Anwendung nach Gebrauchsanweisung)

    Woche vom 1. August

    Zweite futtergabe Verabreichung von Fruchtzucker-sirup, bis es auf der hintersten Wabe zu glnzen beginnt.

    August

    Zweite langzeit-Varroabehandlung

    Ameisensure mit dem Nassenheider Pro (ich lasse ihn auf dem Volk, bis die Flasche leer ist, normalerweise 1214 Tage).

    Ende August

    Schlussftterung Dosierte Fruchtzuckersirupgaben, bis die letzte Wabe gedeckelt und das Volk aufgefttert ist. Die Knigin soll immer gengend Platz fr die Eiablage finden.

    bis Ende September

    Tabelle 1: Zeitlicher Ablauf von Aufftterung und Sommer-Varroabehandlung.

    Nassenheider Pro im Schweizerkasten.

    Liebig-Dispenser im Jungvolkkasten Apibox-CH 5.

    entwicklung des wchentlichen Varroatotenfalls seit Juli 2013 auf dem Stand 450 m . M.2013: Die Behandlung war einfach.2014: Die Behandlung war ab dem Juli wetterbedingt sehr anspruchs-voll es gab sehr viele Ausreisser und eine extreme Milbenentwicklung im Sommer. Zwei Vlker wurden im Herbst aufgelst und durch Jung-vlker ersetzt. Alle Vlker berlebten den Winter.

    Ich halte nur so viele Bienenvlker, dass ich die entscheidenden Arbeiten

    gewissenhaft durchfhren kann.

    Volk nr.:

    M

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    tote

    nfal

    l pro

    Woc

    he

  • 8 Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    ARbEITskALEnDER

    Honigwaben ohne Chemie lagernZur Bekmpfung der Wachsmotten sind leider nur noch wenige Produkte auf dem Schweizermarkt zugelassen. Geht es auch ohne Behandlungsmittel? Ja, meine Erfahrungen sind gut und ich gebe meine einfache und kostengnstige Methode gerne preis.

    JrG GlanZMann, kerZerS ([email protected])

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    Der Zargenturm wird unten und oben mit einem licht- und luft-durchlssigen Gitterrahmen abgeschlossen.

    Am unteren und oberen Ende befindet sich eine Leerzarge. Darunter sind die Waben mit den grossen Abstn-den zu erkennen.

    Bis vor zwei Jahren habe ich zur Bekmpfung der Wachsmotten meist Mellonex angewandt und dies mit gutem erfolg. Seit ich mit Ma-gazinen imkere, suchte ich immer wieder nach einfachen und kosten-gnstigen lsungen. So habe ich bei einem Berufsimker ein tolles lager-system ohne chemie entdeckt.

    laut dem infoblatt von Swissmedic (Produkte, die in der imkerei ange-wendet werden drfen) sind zur Be-handlung der Wachsmotte nur noch ameisen- und essigsure zugelassen. die Suren-Produkte funktionieren bei fachgerechter anwendung gut, eine Verunreinigung des honigs bei nicht fachgerechter anwendung ist jedoch nicht ausgeschlossen. honigwaben sind vor ihrem einsatz unbedingt zu

    belften, wenn diese zuvor noch be-handelt wurden. also besser ganz auf chemie verzichten. Somit knnen wir sicherstellen, dass sich diese Substan-zen in unserem honig nicht anreichern. eine alternative besteht darin, die Wa-ben an khlen orten unter 12 c zu lagern. Bei solchen Bedingungen kann sich die Wachsmotte nicht vermehren.

    Grundstzedas a und o der Wachsmottenbe-kmpfung ist sicher das aussortieren der Waben. alte Waben und solche, die bebrtet waren oder Pollen ent-halten, sollten immer aussortiert und zgig eingeschmolzen werden. ist das einschmelzen oder Sortieren nicht um-gehend nach der letzten honigernte mglich, sind die Waben bei tempe-raturen unter 12 c zu lagern. Beson-ders im Juli / august herrschen ideale temperaturen fr die Wachsmotte, sodass bereits nach zwei bis drei Wo-chen Schden an den Waben auftre-ten. in der guten imkerlichen Praxis wird der Wabenbau schrittweise alle drei bis vier Jahre erneuert. auf 10 Waben schmelze ich jhrlich mindes-tens deren drei ein, damit ich dieser anforderung gerecht werde.

    Meine Methode zur Bekmp-fung / lagerung: Sofort nach der letzten honigernte

    alte, bebrtete und Waben mit Pol-len aussortieren und einschmelzen.

    Unbebrtete, noch helle, frisch ge-schleuderte Waben (honigfeucht) in die honigzargen einfgen; statt 10 Waben gebe ich nur sieben in eine Zarge. So entstehen lcken, in wel-che ich dann im Frhling Mittelwn-de einfgen werde.

    Bienendichten Gitterrahmen auf Sockel (Steine) legen.

    darber kommt eine leerzarge ohne Waben.

    acht oder mehr honigzargen mit je sieben Waben bestckt aufeinander trmen.

  • 9Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    ARbEITskALEnDER

    Der Wabenturm im regengeschtzten Unterstand.

    Im Herbst knnen die geschleuderten Honigwaben den Vlkern zur Reinigung aufgesetzt werden.

    Mit dem breiten Spachtel lassen sich die Waben bei Temperaturen unter 10 C leicht reinigen.

    Zuoberst kommt wiederum eine leerzarge ohne Waben.

    als oberer abschluss dient ein mit zwei Steinen beschwerter bienen-dichter Gitterrahmen.

    Mein Wabenlager befindet sich in einem einfachen, regengeschtzten Unterstand, der sich unter einem grossen Kirschbaum befindet. Ideal ist auch ein Vordach oder ein carport. Wichtig ist, dass mglichst viel licht von oben und von unten in die Wa-benstapel eindringen kann.

    Mit diesem Vorgehen treten Sch-den von Wachsmotten sehr selten auf. durch den luftzug, das licht, das von oben wie von untern eindringen kann, sind die Waben fr die Motten unat-traktiv. auch fehlen nymphenhut-chen und Pollen, sodass die unbe-liebten Motten ihren nahrungsbedarf nicht decken knnen. also eine recht einfache Methode, die der Wachs-motte keinen lebensraum bietet.

    Bei meinen modifizierten Dadant-Magazinen beinhalten die honigauf-stze 10 statt mglicher 12 Waben. dadurch bilden die Bienen lngere Zellen, welche ber die Wabenschen-kel hinausragen. Je nach Jahr setze ich die honigwaben anfangs oktober nochmals auf die Vlker auf und las-se sie von den Vlkern auslecken. da-mit sind die Waben bei der reinigung nicht mehr klebrig. Beim Putzen werden die Wabenschenkel und die Zellen, die angebaut respektive ver-lngert wurden, mit einem breiten Spachtel abgestossen. diese arbeit ist idealerweise bei temperaturen unter 10 durchzufhren, wenn das Wachs etwas sprde ist.

    diese technik habe ich auch fr die ho-nigwaben der Schweizerkasten einge-fhrt. ich besitze 12er Wabentransport / lagerboxen aus holz, die ich nach dem gleichen System stapeln kann.

    Lagern von BrutwabenBrutwaben lagere ich sehr wenige, das heisst nur unbebrtete oder solche mit viel Futter, die ich dann sptestens bei der honigernte im Sommer zur ab-legerbildung einsetze. diese lagere ich nach dem gleichen System, flle die Zargen jedoch nur mit sechs statt 12 Waben, damit noch mehr raum fr licht und durchzug entsteht. das

    lagern bis ende Mai ist unproblema-tisch. anschliessend werden diese Waben kontrolliert und allenfalls mit Wachsmotten befallene Waben mit ameisen- oder essigsure behandelt.

    Und der Wabenschrank?der Wabenschrank bietet oft gerade-zu ideale Bedingungen fr die Wachs-motte. im Schrank ist es meist dunkel, es herrscht wenig oder kein luftzug. Wenn dann noch Waben mit nym-phenhutchen und Pollen gelagert werden, ist dies ein Schlaraffenland fr die Wachsmotten. Wird der Wa-benschrank benutzt, sind die honig-waben in einem separaten Schrank oder noch besser in luftdurchlssi-gen Zargen zu lagern. in der guten imkerlichen Praxis sollte der Waben-schrank sptestens ende Mai leer sein. Sollte dies nicht der Fall sein, kann mit ameisen- oder essigsure behandelt werden.

  • 10 Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    bEObAchTEn sTATT sTREn

    Ein neues Bienenjahr beginntBeim einen oder andern Imker drfte das Interesse an den Bienen zu dieser Jahreszeit vielleicht etwas nachlassen. Trotzdem sollten wir auch jetzt wichtige Zeichen erkennen und sie richtig deuten.

    alFred hhener, MhletUrnen ([email protected]) haben unsere Vlker nach der Waldtracht gengend Platz fr die aufzucht der neuen Bienenge-neration? oder sind die Brutwaben derart mit Waldhonig gefllt, dass der Platz fr die eiablage fehlt? in diesem Fall werden eine oder mehrere leere Brutwaben beigegeben.

    Abweichungen von der NormBei der durchsicht der Vlker, bei der wir auch den Wintervorrat schtzen, entdecken wir in einem Volk droh-nenbrut und frisch bestiftete Zellen. Auch wird anfliegenden Drohnen beim Flugloch einlass gewhrt. der Flug der trachtbienen ist normal und sie tragen dicke Pollenpckchen ein. hier weiselt mit hchster Wahr-scheinlichkeit das Volk um. es kommt nicht selten vor, dass im Sptsommer die alte knigin, deren tage gezhlt sind, weiterhin Zellen bestiftet, wh-rend die junge knigin bereits mit der eiablage begonnen hat.

    in einem andern Volk gibts noch Drohnenflug, die Flugbienen fliegen aber nur vereinzelt und tragen keinen oder nur wenig Pollen ein. Im Volk fin-den wir auch keine bestifteten Zellen. nun knnen wir auf unsere Zucht-kniginnen zurckgreifen und diese dem Volk zusetzten. dies machen

    wir nur bei starken Vlkern, schwache lsen wir auf.

    Abnehmender Bienenflug und RubereiDer Bienenflug ist im August im Gegensatz zum Juni viel schwcher. dieser Zustand beunruhigt uns, ist aber ganz normal. die jungen Win-terbienen schonen sich, denn sie mssen den Winter berstehen, wh-rend die Sommerbienen das verab-reichte Zuckerwasser zu Winterfutter umarbeiten.

    Whrend der Bienenflug bei den meisten Vlkern recht schwach ist, herrscht bei einem Volk starker Flug-betrieb. Beim nheren hinschauenent-decken wir vor dem Flugloch kampf-szenen. hier hat raub eingesetzt und das Volk versucht sich zu wehren. die raubgefahr ist im herbst um ein Vielfa-ches hher als im Frhling. raub kann mehrere Grnde haben. Vielleicht hat sie der imker mit der Ftterung oder einer andern Fahrlssigkeit verursacht. oder ein Volk ist zu schwach, um raub abzuwehren. Wir untersttzten das Volk mit dem einengen der Fluglcher entsprechend seiner Volksstrke. Falls mglich wenn auch sehr aufwendig ziehen wir mit dem Volk an einem mindestens zwei kilometer entfern-ten ort. Bitte dabei die Seuchensitu-ation beachten. es gibt noch weitere Massnahmen zur raubverhinderung, wie zum Beispiel eine Glasscheibe vor dem Flugloch oder den aufbau von hindernissen. ob diese Massnahmen wirkungsvoll sind oder nicht, mchte ich nicht beurteilen.

    raub ist immer wieder auslser fr Streit unter imkernachbarn. So wer-den nachbarn oft wegen ihrer Bie-nenrasse oder der verfehlten Ftte-rung beschuldigt. Vielleicht habe ich da eine etwas extreme Meinung: Vl-ker, die ausgeraubt werden, sind nicht berlebensfhig! das ist nicht nur bei den Bienen so, das finden wir bei allen mir bekannten lebewesen.

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    Wachskrmel auf dem Flugbrett weisen eindeutig auf Ruberei hin. Nicht immer sind die Zeichen aber so deutlich.

    Drohnen werden aktiv aus den Vlkern vertrieben (links) und Zweikampf zwischen Ruberin und Verteidigerin (rechts).

    Unter normalen Verhltnissen vermgen die Wchterinnen Ruberei zu verhindern.

  • 11Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    FORschung

    Jrgen Tautz: die Suche nach der Zukunft der ImkereiJrgen Tautz ist einer der bekanntesten Bienenforscher Deutschlands. An der Universitt Wrzburg erforscht der 66-jhrige emeritierte Professor den Superorganismus Bien. Im Interview spricht Tautz ber die neue Bienenforschungsstation Smart HOBOS sowie ber Imker, Bienenbeuten und Holzrhmchen als Stressfaktoren fr die Bienen.

    Von JrG VollMer, chUr ([email protected])

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    Prof. tautz hatte 2006 das interdis-ziplinre Projekt honeyBee online Studies (hoBoS) gegrndet, eine internet basierte lehr- und lernplatt-form mit der live-Beobachtung und -datenbertragung eines Bienen-volkes. Smart hoBoS heisst das neueste Projekt von Jrgen tautz, der mittlerweile emeritiert ist, sich aber als Senior-Professor der Univer-sitt Wrzburg weiterhin voll fr das hoBoS-Projekt einsetzt.

    Herr Professor Tautz, sie knnen auf dem Audi-Werksgelnde bei Ingol-stadt eine neue HOBOS-Bienenfor-schungsstation aufbauen. Was unter-scheidet den Smart HOBOS von den beiden bisherigen HOBOS-Stcken?

    Unsere zwei Bienenvlker in Wrz-burg und Bad Schwartau beobachten

    wir in ihren Bienenstcken durch eine Glasscheibe im hellen licht. Wenn wir dabei ihre tanzkommunikation beob-achten, wissen wir nicht, ob und wie stark die honigbienen durch die St-rung beeinflusst werden.

    Zudem sind die beiden Bienenvlker in Zargen und auf handelsblichen holz-rhmchen mit Wachs-Mittelwnden untergebracht. Wie jeder imker be-nutzen wir auch den Smoker, um die verteidigungsbereiten Bienen zu besnftigen. Unter diesen bienenst-renden Umstnden lernen wir zwar sehr viel ber Vorgnge im Bienen-volk bei diesen haltungsbedingungen sind aber weit von den natrlichen Zustnden entfernt.

    Bei Smart HOBOS soll das ganz an-ders sein. Wie knnen Sie ein Bienenvolk

    beobachten, ohne dass es die Bienen merken? Welche Technik kommt da-bei zum Einsatz?

    Bei Smart hoBoS berlassen wir das Bienenvolk vollstndig sich selbst. die Bienen bauen ihr nest komplett frei. Wir machen keine Vor-gaben in Form von Zargen, holzrhm-chen oder Wachs-Mittelwnden. Statt in einer Baumhhle lebt das Bienenvolk in einem fensterlosen haus mit einem industrie-roboter als Untermieter. anstatt bei audi ka-rosserien zu schweissen, sammelt der roboter mit 3d-laserscanner, Wr-mebild-kamera sowie thermometer, hygrometer und anderen Messinstru-menten wertvolle daten.

    Mit seinen um 360 Grad schwenk-baren, ferngesteuerten armen kann der roboter jeden Winkel des stock-dunklen Bienennestes erforschen. eine in die decke integrierte Waa-ge zeichnet zudem die Gewichtszu-nahme des Bienenbauwerks auf. So wird das Wachsen des Bienennestes trotz dunkelheit in echtzeit messbar. Und wie bei den bisherigen hoBoS- Bienenvlkern kann jeder interessierte

    Professor Jrgen Tautz anlsslich der Churer Bienen-ausstellung im Interview mit Jrg Vollmer.

    Versuchsanordnung Smart HOBOS-Projekt: 1) Freigebautes Bienennest; 2) Waage; 3) Sensoren im Bienennest; 4) Roboter Kuka; 4a) Infrarot-Kamera; 4b) Wrmebild-Kamera; 4c) 3D-Laserscanner; 5) Einflugbereich mit Zhlvorrichtung; 6) Infrarotbeleuchtung des Raumes; 7) Messdaten-Erfassung und -Zwischenspeicherung; 8) Raumbeobachtungs-Kamera.

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  • 12 Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    FORschung

    die Videobilder und die daten online live beobachten.

    Finanziert wird Smart hoBoS von der audi Stiftung fr Umwelt, die wh-rend dreier Jahre Geld- und Sachleis-tungen von ber 500 000 euro zur Ver-fgung stellt und zudem dafr sorgt, dass das Bienenvolk auf dem Werksge-lnde eine reichhaltige Tracht findet.

    Welche Ergebnisse und Neuentde-ckungen versprechen Sie sich von dem frei gebauten Bienennest im Smart HOBOS?

    Wir wissen, dass zwei Faktoren den honigbienen zu schaffen machen, die wir nicht beeinflussen knnen: ers-tens die intensiv-landwirtschaft mit Monokulturen und agrochemie, zwei-tens die Bienen-krankheiten und Para-siten. der grsste Stressfaktor fr die honigbienen ist aber der imker. natr-lich arbeitet jeder imker nach bestem Wissen und Gewissen. Wir knnen und mssen aber die imkerliche Pra-xis in vielen details verbessern.

    Mit Smart hoBoS suchen wir des-halb neue Grundlagen-erkenntnisse, die direkt in die imkerliche Praxis ein-fliessen knnen. Ich kann aber noch nicht sagen, welche alten Vorstellun-gen zur honigbiene revidiert werden mssen oder besttigt werden kn-nen. ein derartiges Forschungspro-jekt mit einem vllig autonomen Bienenvolk und einer derart grossen datenmenge hat es bisher nmlich noch nicht gegeben.

    Wieso ist der Imker fr die Bienen ein Stressfaktor? Und wie knnte er das vermeiden? Wie knnte er das Bie-nenvolk am besten untersttzen?

    der imker stresst die Bienen na-trlich nicht vorstzlich. aber Bienen knnen viel verkraften und viel Stress ausgleichen. der imker merkt oft gar nicht, wie sehr seine Bienen schon durch landwirtschaft, krankheiten und Parasiten gestresst sind. in dieser explosiven Gemengelage braucht es nur einen Funken, dann brechen die Bienenvlker reihenweise zusammen.

    Wir fragten uns: Wie haben die honigbienen 30 Millionen Jahre ohne den Menschen gelebt? Und wie le-ben sie heute in der hand der imker? dabei haben wir als wesentlichen Unterschied die Geometrie des rau-mes entdeckt. Bienen sind ursprng-lich Waldinsekten, die in natrlichen Baumhhlen leben. in diesen Baum-hhlen gibt es keine ecken. das ist kein anthroposophischer ansatz, son-dern reine Bauphysik: in einem runden raum gibt es keine kltebrcken.

    Ein Stressfaktor fr die Honigbienen sind auch die Holzrhmchen, welche die Kommunikation unter den Bienen erschweren. Auf die Rhmchen kann der Imker aber nicht verzichten, oder sehen Sie einen Ersatz?

    Solange wir die heutigen Bienen-beuten haben, gibt es keinen ersatz fr die holzrhmchen. Und diese Beu-ten haben wir, weil sie fr den imker

    praktisch sind nicht, weil sie fr die honigbienen gut sind. der imker muss mit der honiggewinnung mindestens einen teil seiner investitionen wieder erwirtschaften, die er fr die allge-meinheit und die landwirtschaft im Speziellen aufbringt.

    Sie haben an der Entwicklung der Bie-nenkugel von Andreas Heidinger mit-gewirkt. Knnte das die Bienenbeute der Zukunft werden?

    die Bienenkugel ist nach dem Prin-zip der Baumhhle entwickelt, in de-ren dicken Wnden ohne ecken eine gleichbleibende temperatur herrscht. das spielt nicht nur im Winter eine we-sentliche rolle, auch die Schwankun-gen zwischen tages- und nachttempe-ratur werden deutlich verringert. ohne ecken und kanten gibt es auch keine Wrmebrcken. die Bienenkugel ist nur das Brutnest in einem Beuten-system, mit dem der imker seine be-stehenden Bienenbeuten ergnzen kann. auf die Bienenkugel werden nmlich handelsbliche honigzargen mit holzrhmchen und Wachs-Mittel-wnden aufgesetzt und dann gibt es noch eine sehr spezielle Bodenfall-Zarge unter der Bienenkugel. in den von Bienen bewohnten Baumhhlen liegt nmlich ein Bodenfall, der von einer Vielzahl von kleinlebewesen be-wohnt wird. in der Bodenfall-Zarge entsteht ein solches Mini-kosystem, das unter anderem lebensraum fr den Bcherskorpion bietet. dieses nur wenige Millimeter grosse Spinnentier frisst andere kleine Gliedertiere wie die Varroamilbe.

    Wabenbau des Beobachtungs-volkes.

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    Die halbrunden Brutwaben in der Bienenkugel von Andreas Heidinger.

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  • 13Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

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    die restlichen Varroamilben kann der imker in gewohnter art bekmp-fen. der Varroadruck ist aber deutlich geringer. ebenso die Wahrscheinlich-keit der Schimmelbildung, die in kon-ventionellen Bienenbeuten zu krank-heiten wie kalk- oder Steinbrut fhrt. der honigverbrauch im Winter ist da-fr bis 70 % niedriger als in eckigen Beuten. Und die Bienen sind merklich gesnder, vitaler und friedfertiger.

    Seit ber 160 Jahren imkern wir mit Magazinbeuten, wie sie Lorenzo Langstroth 1851 und Charles Dadant 1863 erfunden haben. Kann die Bie-nenkugel diese Bienenbeuten ersetzen?

    ich habe im laufe meiner karriere schon viele Vorschlge fr neue Bie-nenbeuten gesehen. Viele imker, die auf solche neuen Beuten umgestiegen sind, kehrten nach einigen Jahren ent-tuscht wieder zu den konventionel-len Beuten zurck. Zu umstndlich und zu teuer waren diese, der nut-zen fr imker und honigbienen stand in keinem Verhltnis zum aufwand.

    als Wissenschafter bin ich grund-stzlich skeptisch. die idee der Bienen-kugel von andreas heidinger ber-zeugt mich aber aus physikalischen und biologischen Grnden. Und jeder der ber 100 imker, welche die Bie-nenkugel schon im einsatz haben, ist total begeistert und hundertprozentig berzeugt. Bis jetzt hat noch jeder Bie-nenkugel-imker gesagt: das ist die beste Methode, dabei bleibe ich!

    In der Schweiz werden rund 50 % der Bienenvlker im Schweizerkasten ge-halten. Sehen Sie fr diese Hinterbe-handlungsbeute im Bienenhaus oder fr Schweizermass-Magazine eine Zukunft?

    ich knnte mir als perfekte lsung sogar eine kombination der Bienen-kugel mit dem Schweizermass-Ma-gazin vorstellen. das Brutnest also in der Form der Bienenkugel und die honigrume darber mit Schwei-zermass-Zargen aus holz. dank dem schmalen und hochformatigen Wabenbau im Schweizermass lagern die Bienen den honig schnell in die honigrume ein, weshalb auch in mageren Jahren etwas honig geern-tet werden kann.

    Ein anderes Thema: Sie haben einmal erklrt, dass die Bienen genetisch ver-armt sind. Jede Zucht bei Tieren re-duziert die genetische Vielfalt, was ist daran falsch?

    Wildlebende Bestnde ohne Zuchtbemhungen reprsentieren noch die ganze Spannbreite des Gen-pools, was extrem wichtig ist fr die anpassungsfhigkeit der tiere an Ver-nderungen. Manche kommen dann auch mit ungnstigen Bedingungen besser zurecht sie bilden das Funda-ment fr die nchsten Generationen.

    der Zchter verengt das erbgut, was nicht schlimm ist, solange alles gut geht. Bleibt die Umgebung kons-tant, macht inzucht nichts aus. in dem Moment aber, wo neuanpassungen notwendig sind, fehlt das genetische Potenzial. Und genau da stehen wir heute mit den honigbienen. Mit fa-talen Folgen!

    Dann wre es aus biologischer Sicht wnschenswert, dass Schutzgebie-te errichtet werden, in denen eine artenreine Standbegattung mg-lich ist? In der Schweiz zum Beispiel die Alpennordseite als Mellifera- Schutzgebiet und die Alpensdseite als Ligustica-Schutzgebiet?

    als Biologe wrde ich sagen, das ist genau der Weg, den wir gehen mssen. nur mit der natr-lichen Standbegattung anstel-le von aufwendiger Zucht kn-nen wir die krfte und die inneren regulations-Mechanismen der na-tur nutzen. tatschlich sind Schutz-gebiete fr Bienenarten natrlich

    ein brisantes Politikum und als sol-ches kaum realistisch.

    Die Schweiz hat eine hohe Bienen dichte von etwa vier Vlkern pro Quadratkilo-meter (Deutschland: zwei Vlker). Ist das ein Grund fr die Vlkerverluste? Leiden die Schweizer Honigbienen als viertem Faktor unter Dichtestress?

    rein rechnerisch ist tatschlich bei einer hheren Bienendichte auch die Wahrscheinlichkeit fr einen Vl-kerverlust grsser. Und eine zu hohe Bienendichte kann zu Problemen fhren, etwa durch erhhte anste-ckungsgefahr. Bei fachkundiger Pflege der Bienenvlker fhrt aber eine hohe Bienendichte nicht zu einem relevan-ten konkurrenzverhalten unter den Bienenvlkern.

    Eine letzte Frage: Was knnen wir Men-schen von den Honigbienen lernen?

    da kann man schnell philosophisch werden. Wir Menschen beuten die ressourcen unserer erde ohne rck-sicht auf Verluste aus. das machen die honigbienen besser. Sie entziehen der Umwelt rohstoffe und energie, ohne sie dabei zu zerstren. honigbienen le-ben nachhaltig und das tun wir Men-schen leider nicht.

    Links1. Website von hoBoS:

    www.hobos.de2. Website der Bienenkugel:

    www.bienenkugel.de3. Video mit einer kurzfassung des

    interviews: https://www.youtube.com/watch?v=hQUtJQVrXj0

    Jrgen TautzDer deutsche Verhaltensbiologe und Bienen-experte Jrgen Tautz grndete 2004 die Bienen-forschung Wrzburg e. V. Seit 1990 forscht und lehrt er am Biozentrum der Universitt Wrzburg. Dort entwickelte und leitet Tautz seit 2006 das in-terdisziplinre Projekt HOneyBee Online Studies (HOBOS). HOBOS ist eine internetbasierte Lehr- und Lernplattform, welche Zugang zu Messdaten aus einem Bienenvolk bietet.Jrgen Tautz erreicht seit Jahren die unter-schiedlichsten Zielgruppen ber zahlreiche Vortrge, Artikel in Zeitungen und Zeitschrif-ten, mit Buchpublikationen sowie ber ein eigenes Bienen-Hrbuch und Fhrungen durch die von ihm geleitete Bienen-station. Sein Sachbuch Phnomen Honigbiene (in 19 Sprachen bersetzt) und das Hrbuch Der Bien: Superorganismus Honigbiene sind Standardwerke.

  • 14 Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    FORschung

    Nach Wachsmottenbehandlung Ameisensurerckstnde im HonigDie Behandlung von Honigwaben mit Ameisensure kurz vor Trachtbeginn fhrt zu einer deutlichen Erhhung dieser Substanz im Honig. Zur Bekmpfung der Wachs-motte sollten deshalb Alternativmethoden bevorzugt werden.

    Benot droZ Und Jean-daniel charrire, aGroScoPe, ZentrUM Fr BienenForSchUnG

    Schwefel. Um die larven und Fal-ter der Wachsmotte abzutten, ver-brannten sie Schwefelschnitten oder versprhten in den Wabenschrn-ken oder den Stapeln der honigru-me So2 aus einer Druckflasche. Seit dem 1. Januar 2014 ist Schwefel jedoch von der liste der zugelasse-nen Biozide gestrichen und ist folg-lich als Bekmpfungsmittel gegen die Wachsmotte nicht mehr erlaubt. Zudem ist das Produkt Mellonex (auf der Basis von Bacillus thuringiensis Var. aizawai ) seit September 2014 auf dem Schweizer Markt nicht mehr erhltlich. eine der alternativen zur Behandlung gegen Wachsmotten besteht im Verdampfen von amei-sensure. dabei sollte das risiko von rckstnden im honig im auge be-halten werden, besonders wenn auch honigwaben behandelt werden.

    Die Wachsmotte in der natur spielt die Wachsmotte eine wichtige rolle. Sie ist eines der ganz wenigen lebewesen, das in der lage ist, Bienenwachs zu verdauen und dem nahrungskreislauf wieder zuzufhren. imker/-innen betrach-ten das aber aus einem etwas andern Blickwinkel: Fr sie stellt die Wachs-motte primr ein rgernis dar. die Wachsmotte (Galeria mellonella l.) ist ein nachtfalter, dessen larve sich hauptschlich von kokons der Bie-nenlarven sowie von Bienenbrot er-nhrt.1,2 die adulten Wachsmotten verursachen keinen Schaden, nur die laven zerstren die Waben. auf der nahrungssuche bohrt die larve Frass-gnge und kleidet sie mit Seide aus. das kann zur vlligen Zerstrung der befallenen Wabe und spter der nach-barwaben fhren. Mit Wachs allein

    kann sich die Wachmottenlarve nicht vollstndig entwickeln. Mittelwnde und Waben ohne Brut oder Pollen werden von ihr deshalb nicht oder nur wenig befallen. die dunklen alten Waben hingegen sind am attraktivsten und werden am strksten befallen.

    Ameisensure im Honigameisensure ist eine natrliche komponente des honigs und kann je nach botanischer herkunft in sehr unterschiedlichen konzent-rationen darin enthalten sein. die natrliche ameisensurekonzent-ration im honig variiert zwischen 5 und 600 mg / kg.3,4 im allgemei-nen enthlt heller honig (z. B. aka-zie, raps) weniger ameisensure als dunkler honig (z. B. honigtau, kastanie). obwohl ameisensure kein gesundheitliches risiko fr den Menschen darstellt und natrlicher-weise im honig vorkommt, ist jeg-liches hinzufgen von ameisensu-re verboten. dem honig darf kein inhaltsstoff beigefgt werden, wel-cher dessen geschmackliche eigen-schaften verndern knnte (codex alimentarius).5 der Geschmack von hellem honig kann ab einer kon-zentration von 150 bis 300 mg / kg und von dunklem honig ab 300 bis 600 mg / kg verndert sein.6 da ameisensure ein wasserlsliches Molekl ist, tendiert sie ausserdem dazu, sich im honig anzureichern.

    Feldversuchim Frhjahr 2014 fhrten wir in Witzwil einen Versuch mit 16 Vlkern durch, um beurteilen zu knnen, wie hoch das risiko von rckstnden im honig ist, wenn die honigrume mit ameisensure behandelt werden. als kontrolle dienten unbehandel-te Vlker, um bei der ameisensure zwischen natrlicher herkunft und Behandlungsrckstnden unterschei-den zu knnen. die 16 Vlker wur-den dazu in vier gleichgrosse Grup-

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    Grosse Wachsmotte (Galleria mellonella ).

    Kot am Boden (oben) und die mit Seide ausgekleideten Tunnel (unten) sind Indizien fr das Vorhandensein von Wachsmotten.

    die Wachsmotte stellt die grsste Bedrohung fr Brutwaben dar, welche ausserhalb des Volkes gela-gert werden. Zu ihrer Bekmpfung verwendeten zahlreiche imker/-innen

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  • 15Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

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    pen aufgeteilt. Bei zwei der Gruppen wurden die aufstze mit ameisensu-re gegen Wachsmotten behandelt, die zwei anderen blieben unbehandelt. Bei je einer Gruppe jeder Behandlung waren die aufstze leer aber feucht d. h. nach der extraktion nicht sauber geleckt bei der anderen enthielten die honigrume teilweise kristallisier-ten honig. die Behandlung erfolgte auf einem Stapel mit 8 aufstzen. diese enthielten entweder die bereits beschriebenen feuchten honigwaben oder Waben mit kristallisiertem honig. Auf diese Weise lsst sich der Einfluss eines mglicherweise auftretenden konzentrationsgeflles der ameisen-sure ausgleichen. das Schwammtuch auf dem Stapel wurde mit ameisen-sure getrnkt und der Stapel ver-schlossen. Whrend acht tagen wurde der Stapel bei einer temperatur von 1525 c aufbewahrt (siehe Versuchs-schema in abb. 1). die aufstze wur-den anschliessend, als der trachtein-trag bereits begonnen hatte, auf die Vlker verteilt. Fnf Wochen spter, am ende der ernte, wurden von jeder Wabe einzelhonigproben genommen und mit einer enzymatischen analyse (Boehringer Mannheim) der ameisen-suregehalt bestimmt.

    Bei diesem Versuch wurde einmal eine Woche vor dem aufsetzen mit ameisensure behandelt. Zudem waren die honigwaben zum teil nicht sauber

    geleckt und enthielten kristallisierten honig. diese Bedingungen mgen extrem erscheinen. in der Praxis be-handeln imker ihre Waben manchmal mehrmals, vor allem wenn die Brutwa-ben zusammen mit den honigwaben gelagert werden. dadurch erhht sich das risiko einer ameisensurekonta-mination des honigs. Zudem lassen viele imker, vor allem solche mit vie-len Vlkern, ihre honigwaben nach der ernte nicht immer auslecken.

    Ergebnissedie analysen zeigten, dass die amei-sensurekonzentration im honig infol-ge der Behandlung klar angestiegen ist, sowohl in den Proben aus den feuchten honigwaben als auch in denjenigen, die kristallisierten honig enthielten. die ameisensurekonzentration in den beiden kontrollgruppen betrug 36 res-pektive 35 mg / kg. die ameisensure-konzentration im honig aus den behan-delten, feuchten honigwaben betrgt jedoch 105 mg / kg und bei denjenigen mit kristallisiertem honig 148 mg / kg. dies entspricht einer erhhung um 69 und 113 mg / kg bzw. einem 1,9- und 3,2-mal hheren ameisensuregehalt. die Unterschiede zwischen den Vlkern in den kontrollgruppen sind klein, in den behandelten Gruppen jedoch recht deutlich. die Werte bersteigen in je-dem Fall deutlich diejenigen der kont-rollgruppen (tab. 1 und abb. 2).

    ProbeAmeisensure-konzentration

    (mg / kg)

    durchschnitt [mg / kg]

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    4 30,9

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    t 1 155,5

    104,6 33,52 69,8

    3 80,0

    4 113,2

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    elt 1 41,1

    35,2 4,42 29,2

    3 33,8

    4 36,6

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    t 1 180,2

    147,7 28,72 113,3

    3 125,6

    4 171,7

    Tabelle 1: Ameisensure-konzentration im geschleuderten Honig pro Volk.

    Abb. 1: Das Schwamm-tuch wird mit der erforderlichen Menge Ameisen-sure getrnkt. Der Stapel wird anschliessend verschlossen.

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    Holzdeckel

    Viskoseschwamm

    Abstandgitter

    80 ml 85%-ige Ameisensurefr 100 l Volumen(Krasnik M. pers. Mitteilung)

    Honigwaben schtzen ohne Konta minationsgefahr?die ergebnisse des Versuches zeigen, dass die Wachsmottenbehandlung von honigwaben mit ameisensure ein ernst zu nehmendes kontamina-tionsrisiko fr den honig darstellt und folglich dessen Qualitt gefhrden kann. obwohl nach der Behandlung die ameisensure Werte noch leicht unterhalb der geschmacklich wahr-nehmbaren Grenze liegen, kam es dennoch zu einer signifikanten Erh-hung des ameisensuregehalts. laut Gesetz drfen rckstnde im honig nur in technisch unvermeidbaren Mengen vorhanden sein (art 1. FiV 1995).7 deshalb sollten folgende Vor-sichtsmassnahmen beachtet werden: in erster linie ist es wichtig, die

    Brutwaben von den honigwaben zu trennen, da der Wachsmotten-befall hufig auf den alten Waben beginnt, die Brut enthalten haben. Zudem ist es empfehlenswert, die honigwaben einzuschmelzen, die larven- und nymphenhute oder Pollen enthalten. im allgemeinen werden honigwaben nur wenig oder gar nicht von der Wachsmot-te befallen, wenn sie in gutem Zu-stand sind und getrennt von den Brutwaben aufbewahrt werden. Wir empfehlen die anwendung

  • 16 Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    FORschung

    physikalischer Bekmpfungsme-thoden wie das einfrieren der Waben, dadurch werden alle ent-wicklungsstadien der Wachsmotte gettet, oder das aufbewahren in einem khlen raum bei einer tem-peratur unterhalb von 12 c, dabei wird die entwicklung der Wachs-motte gestoppt. diese techniken erfordern eine infrastruktur, ber die nicht jeder imker verfgt. eine andere Mglichkeit ist das Stapeln von mindestens sechs honigaufst-zen (siehe arbeitskalender).

    lassen sich keine alternativen techniken anwenden, ist es wichtig, in einem vernnftigen ausmass zu behandeln. eine re-gelmssige kontrolle der Waben, um die entwicklung von Wachs-motten rechtzeitig zu entdecken und frhzeitig eine punktuelle Behandlung einzuleiten, ist dem systematischen Behandeln vorzu-ziehen. ist eine Behandlung er-forderlich, sollte diese nicht fter als ntig wiederholt werden und mglichst nicht kurz vor dem auf-setzen der honigrume erfolgen. andere Vorsichtsmassnahmen, die sich positiv auswirken knn-ten, bestehen darin, die Waben vor dem einsetzen im Bienenvolk zu lften und sie vor der lagerung auslecken zu lassen. die Wirksam-keit dieser beiden Punkte ist noch nicht nher untersucht worden.

    die Brutwaben knnen hingegen mit Sure behandelt werden. Ge-mss guter imkerlicher Praxis wer-den sie nicht geschleudert und sie sind der ameisensure auch bei den Varroabehandlungen ausgesetzt.

    allerdings kann das risiko einer leichten kontamination des honigs nicht vllig ausgeschlossen wer-den, falls die Bienen mit ameisen-sure belastetes Futter vom Brut-raum in den honigraum umtragen. Zudem ist es empfehlenswert, die dunklen Waben zu entfernen; ei-nerseits, weil sie zu allererst von den Wachsmotten befallen werden und andererseits aus hygienischen Grnden.

    Schlussfolgerungenaus diesem Versuch geht hervor, dass das risiko einer kontamination der nchsten ernte besteht, wenn die honigwaben mit einer Sure behan-delt werden. Folglich ist es notwendig, bestimmte Vorsichtsmassnahmen zu treffen. die in diesem artikel beschrie-benen und in der tabelle 2 zusam-mengefassten Massnahmen ermgli-chen es, die anwendung chemischer Produkte und damit die rckstnde im honig zu begrenzen. durch das trennen, Sortieren und kontrollieren der Waben lsst sich das risiko eines Wachsmottenbefalls der honigwaben stark einschrnken. diese Vorsichts-massnahmen knnten auch wirksa-me hygienemassnahmen gegen den kleinen Beutenkfer (Aethina tumida) darstellen, der mglicherweise bald in der Schweiz auftreten knnte.

    BemerkungZur Behandlung kann auch 60 %-ige essigsure in einer dosierung von 200 ml pro 100 l Volumen verwendet werden. der Versuch wurde nur mit ameisensure durchgefhrt. da die beiden Molekle jedoch sehr hnlich

    Tabelle 2: Kurzzusammenfassung der Wabenschutzmassnahmen.

    Aufbewahrung der Honigwaben

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    Die Brutwaben von den Honigwaben trennen.

    Waben schmelzen, die Larven- und Nymphen-hute oder Pollen enthalten.

    Bevorzugt physikalische Techniken einsetzen.

    Regelmssig kontrollieren.

    keine Verwendung chemischer Produkte

    Beha

    ndlu

    ng Behandlung als letzte Mglichkeit einsetzen (anschliessend Lften der Waben).

    Behandlung nicht zu hufig und nicht erst kurz vor der Ernte durchfhren.

    Ameisensure =

    Rckstandsrisiko

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    20

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    120

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    feuchteAufstze

    kristallisierteAufstze

    Ameisensurekonzentration[m

    g/kgHonig]

    unbehandelt behandelt

    Abb. 2: Ameisensure-konzentration im geschleu-derten Honig pro Gruppe (4 Vlker pro Gruppe).

    sind, darf davon ausgegangen werden, dass auch die kontaminationsrisiken hnlich sind und die gleichen Vor-sichtsmassnahmen zu beachten sind.

    Wir bedanken uns fr die kritischen anmerkungen von christina kast und Jrg Glanzmann.

    bersetzung: Simone Bader

    Literatur1. charrire, J.-d.; imdorf, a. (2005) Wachsmotten

    Biologie und Bekmpfung. Schweizerische Bienen-Zeitung 1: 2327.

    2. charrire, J.-d.; imdorf, a. (2004) Schutz der Waben vor Mottenschden. Schweizerisches Zentrum fr Bienenforschung Mitteilung 24 (Broschre auf der Website des ZBF verfgbar unter www.apis.admin.ch > krankheiten > Schdlinge).

    3. capolongo, F.; Baggio, a.; Piro, r.; Schivo, a.; Mutinelli, F.; Sabatini, a. G.; colombo, r.; Marcazzan, G. l.; Massi, S.; nanetti, a. (1996) trattamento della varroasi con acido formico: accumulo nel miele e influenza sulle sue caratteristiche. LApe nostra Amica 18: 411.

    4. Stoya, W.; Wachendrfer, G.; kary, i.; Siebentritt, P.; kaiser, e. (1986) ameisensure als therapeutikum gegen Varroatose und ihre auswirkungen auf den honig. Deutsche Lebensmittel-Rundsch. 82: 217221.

    5. www.codexalimentarius.org6. Bogdanov, S.; kilchenmann, V.; Fluri, P.; Bhler, U.;

    Lavanchy, P. (1998) Einfluss von organischen Suren und komponenten therischer le auf den honigge-schmack. Schweizerische Bienen-Zeitung 9: 581585.

    7. www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19950193/8. liste der in der Bienenhaltung zugelassenen Pro-

    dukte: www.swissmedic.ch > Marktberwachung > abgrenzungsfragen > Prparate fr tiere > tier-arzneimittel, Futtermittel, Biozide und chemikalien in der imkerei (kurz- oder langfassung)

  • 17Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    FORum

    Bienenvergiftungen 2014Sieben der 21 beim BGD gemeldeten Verdachtsflle waren eindeutig auf die Wirkung von Pflanzen-schutzmitteln (PSM) zurckzufhren. Fnf dieser Flle waren wahrscheinlich auf eine fehlerhafte Anwendung von PSM zurckzufhren, zwei auf eine Verunreinigung eines Fungizids mit dem Insektizid Fipronil.

    BenJaMin dainat, BienenGeSUndheitSdienSt, aPiSerVice; Jean-daniel charrire, ZentrUM Fr BienenForSchUnG,

    katJa knaUer, BUndeSaMt Fr landWirtSchaFt

    der Bienengesundheitsdienst (BGd) veranlasst die analyse aller in der Schweiz gemeldeten Verdachtsflle auf Bienenvergiftungen, wertet diese aus und interpretiert die ergebnisse. Seit einigen Jahren liegen die jhrli-chen Verdachtsmeldungen bei durch-schnittlich 10 bis 20 Fllen (abb. 1). 2014 wurden 21 Verdachtsflle ge-meldet. die erhebungen der Vergif-tungsflle sind nicht nur fr betroffene imker/-innen von grosser Bedeutung, sondern auch fr die Zulassungsstelle des Bundesamtes fr landwirtschaft. So knnen einerseits anwendungsvor-schriften fr Produkte erneut kontrol-liert werden oder die landwirte auf die notwendigkeit der richtigen anwen-dung sensibilisiert werden.

    erfasst werden nur Flle mit vie-len toten Bienen, die auf eine hohe akute Belastung schliessen lassen. neben einem falschen einsatz von

    Pflanzenschutzmitteln kommen fr ein erhhtes Bienensterben auch ein zu starker Varroabefall oder sehr ungns-tige Witterungsverhltnisse infrage.

    Unter einer akuten Vergiftung ver-steht man eine einmalige einwirkung einer hohen Dosis eines Pflanzen-schutzmittels. Subletale effekte oder Verluste, bei denen nur wenige Bie-nen im Feld betroffen sind, sind nur schwer feststellbar und knnen kaum quantifiziert werden. Sie wurden des-halb hier nicht bercksichtigt.

    liegt ein Verdachtsfall einer Vergif-tung vor, werden Proben zur analyse auf Rckstnde von Pflanzenschutz-mitteln an ein spezialisiertes labor geschickt. Ein Nachweis von Pflanzen-schutzmitteln bedeutet nicht notwen-digerweise, dass ein Vergiftungsfall vorliegt. es wird deshalb genau unter-sucht, welche Pflanzenschutzmittel ge-funden wurden, wie bienengiftig diese

    sind und wie hoch die rckstnde sind. erst diese Bewertung erlaubt den rck-schluss, ob ein Vergiftungsfall besteht.

    Wie erkennt man eine akute Vergiftung?Bei einer akuten Vergiftung liegen zahlreiche tote Bienen am Boden des Bienenstands oder vor dem Flug-loch. nur usserst selten beschrnkt sich eine Vergiftung auf ein einziges Volk des Bienenstandes; vielmehr sind meist alle Vlker wie auch die benachbarten Bienenstnde betrof-fen. Bei der grossen Bienenvergiftung von Zziwil im emmental, ber die die Schweizerische Bienen-Zeitung im de-zember 2014 berichtete, waren ber 160 Vlker betroffen.

    Sterben die Bienen fernab des Vol-kes, ist im Bienenstand nur ein pltz-licher rckgang der arbeiterinnen er-kennbar. in solchen Fllen knnen die

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    Verdachtsmeldungen

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    Schweiz

    Jahr* keine Daten

    Abbildung 1: Anzahl Verdachts-meldungen von Bienen-vergiftungen seit 1957.

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  • 18 Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    FORum

    Bienen im Feld aber auch einer Mh-maschine zum opfer gefallen sein.

    da Verluste zuerst die Sammelbie-nen betreffen, sind starke Vlker oft am meisten betroffen. in der Folge entsteht ein Ungleichgewicht zwi-schen ammen- und Sammelbienen. Um diese Situation zu kompensieren, werden ein teil der ammenbienen vorzeitig zu Flugbienen nachgezo-gen. So kann es passieren, dass sich die Brut in ermangelung der ammen-bienen unterkhlt.

    Auswertung der Verdachtsflle 2014 Von den 21 Verdachtsfllen auf eine Bienenvergiftung wurden 18 Proben zur analyse eingeschickt. in elf Fl-len konnte mindestens ein Pflanzen-schutzmittel nachgewiesen werden

    (tabelle 1). in vier Fllen wurden rck-stnde von einem oder mehreren Fun-giziden / herbiziden festgestellt; diese konnten allerdings das Bienensterben nicht erklren, da die gemessenen konzentrationen im Vergleich zur to-xizitt der Mittel zu gering waren, um eine akute Vergiftung hervorzurufen. in sieben Verdachtsfllen konnten hohe Konzentrationen an Pflanzen-schutzmitteln, also eines oder mehrere fr Bienen giftiger insektizide, nachge-wiesen werden. Bei diesen konnte der Vergiftungsfall damit besttigt werden.

    tabelle 1 zeigt, dass oft mehrere Pflanzenschutzmittel gefunden wur-den. dies ist nicht erstaunlich, weil Bienen verschiedene Parzellen beflie-gen und so mit kulturen in kontakt kommen, die mit unterschiedlichen Mitteln behandelt wurden.

    Was tun bei einem Verdacht auf eine Bienenvergiftung? Imker/-innen, die viele tote Bienen am Bienenstock entdecken, melden dies unverzglich dem zustndigen Bieneninspektor (siehe Imkerkalender). Er wird helfen, eine Bienenprobe zu nehmen und einzusenden. Er kann auch beurteilen, ob es sich um eine Erkrankung handelt. Das in diesem Fall mit der Probe einzusendende Formular kann im Internet unter: www.apiservice.ch > Bienengesundheitsdienst heruntergeladen werden.Um die im Laufe des Tages frisch gestorbenen Bienen besser zhlen zu knnen, sollte am Boden vor dem Flugloch eine etwa einen Meter breite Blache aufgespannt werden.Fr Fragen unterhlt der BGD eine Hotline unter der Nummer 0800 274 274.

    in den analysen knnen auch die Abbauprodukte von Pflanzenschutz-mitteln erfasst werden, sodass auf den ursprnglich eingesetzten Wirk-stoff zurckgeschlossen werden kann.

    Jahreszeitliche UnterschiedeVor April werden kaum Pflanzen-schutzmittel eingesetzt. hohe Bie-nenverluste sind deshalb eher auf einen zu starken Varroabefall, Futter-mangel oder eine Unterkhlung der Bienen zurckzufhren. 2014 gab es zudem zwei Flle, bei denen ein ber-dosiertes synthetisches Varroazid ge-funden wurde. die meisten Vergiftun-gen treten zwischen april und august auf (abb. 2). im Frhjahr werden in der Landwirtschaft die meisten Pflan-zenschutzmittel eingesetzt. die Be-handlung von obstbumen ist fr die

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    Flle Anzahl Negativ

    Flle Vergiftung wahrscheinlich

    Vergiftungwenig

    wahrscheinlich

    Vergiftungwenig

    wahrscheinlich

    MglicheUrsachen:Varroa,VerkleinerungBienenvolk(Einwinterung)

    MglicheUrsachen:Varroa,Unterkhlungder Bienen,synthetischesVarroazid,Futtermangel

    Jahreszeitlicher Verlauf gemeldeter Verdachtsflle im 2014

    Abbildung 2: Anzahl ge-meldeter Verdachtsflle 2014 (n = 21) im jahreszeit-lichen Verlauf.

  • 19Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    FORum

    Tabelle 1: Tabelle der Rckstnde, die in den 11 Fllen festgestellt wurden.

    fall Wirkstoff Gemessene konzentration [ug / Biene] PSM-Typ* ld50 pro Biene [ug / Biene]erklrt das

    Bienensterben **

    1 Coumaphos 0,005 A 14,39 Nein

    2 Coumaphos 0,013 A 14,39 Nein

    2 Diethyltoluamid 0,033 R Nein

    3 Chlorpyrifos 0,180 I 0,06 Ja

    3 Chlorpyrifos-methyl 24,600 I 0,11 Ja

    3 DEET 0,001 R Nein

    3 Difenoconazole 0,002 f > 100 Nein

    3 Dimethoat 0,230 I 0,12 Ja

    4 Chlorpyrifos-methyl 0,010 I 0,11 Ja

    5 Cyprodinil 0,024 f 113,00 Nein

    5 Indoxacarb 0,600 I 0,09 Ja

    6 Pyremethanil 0,001 f > 100 Nein

    6 Difenconazole 0,019 f > 100 Nein

    6 Folpet 0,015 f > 200 Nein

    6 Fipronil 0,006 I 0,00417 Ja

    7 Clothianidin 0,001 I 0,00400 Ja

    8 Chlorpyrifos 0,001 I 0,06 Nein

    8 Cyprodinil 0,009 f 113,00 Nein

    8 Pyremethanil 0,003 f > 100 Nein

    8 Fipronil 0,002 I 0,00417 Ja

    8 Iprodion 0,002 f > 25 Nein

    9 Chlorpyrifos-methyl 0,005 I 0,11 Ja

    9 Diazinon 0,001 I 0,09 Nein

    9 Dimethoat 0,005 I 12,00 Nein

    10 Flumethrin 70,5 I Nein

    11 Tau-fluvalinate 0,003 I 12 Nein

    11 Piperonylbutoxid 2,1 enhancer 294 Nein

    11 Pyrethrum 0,2 I Nein

    * H = Herbizid, I = Insektizid, f = Fungizid, A = Akarizid, R = Repellent** Nein: Bedeutet nicht zwingend, dass der Wirkstoff fr Bienen unbedenklich ist. Ja: Wenn die gemessene Konzentration in den toten

    Bienen grsser oder bis fnfundzwanzig Mal niedriger als die Toxizitt (LD50) der Wirkstoffe ist, kann man davon ausgehen, dass diese Wirkstoffe fr den Tod der Bienen verantwortlich sind.

    Bienen besonders problematisch, da sie von blhenden Pflanzen wie bei-spielsweise dem lwenzahn in den kulturen angelockt werden. allerdings ist das Sprhen mit insektiziden in die Blte untersagt.

    ab September wird das Bienenster-ben meistens durch einen zu hohen Varroabefall verursacht. es ist nicht unblich, dass Bienenproben mit ber 100 Varroamilben pro 100 Bienen be-fallen sind. dies ist auch darum be-sonders problematisch, weil sich das Volk zu dieser Jahreszeit auf die ber-winterung vorzubereiten beginnt. die Sommerbienen sterben jetzt langsam

    aus und tote Bienen vor dem Stand sind deshalb nicht unblich.

    FazitWerden vor einem Bienenstand tote Bienen gefunden, bedeutet dies noch nicht zwingend, dass eine Vergiftung vorliegt, auch wenn der nachbar beim Ausbringen von Pflanzenschutzmit-teln gesehen wurde. Um Bienenver-giftungen durch Pflanzenschutzmittel zu vermeiden, ist es wichtig, dass die Anwendungsvorschriften von Pflan-zenschutzmitteln befolgt werden, denn nur so knnen Bienenverluste mglichst vermieden werden.

    DankWir bedanken uns bei Benot droz vom ZBF fr das lektorat des Manu-skripts.

    Literatur1. charrire, J.-d.; hurst, J.; imdorf, a.;

    Fluri, P. (2006) Bienenvergiftung. ALP forum 2006, nr. 44 d.

    2. Volles, c.; charrire, J.-d.; knauer, k. (2014) Pflanzenschutzmittel- Zulassungsverfahren: risikobewer-tung fr Bienen. Schweizerische Bienen-Zeitung 8: 1922.

  • 20 Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    FORum

    Oslo baut Hummel-Autobahn

    Fr die norwegische Hauptstadt ist der erste Hummel-Highway angekndigt. Ein Korridor von Ost nach West, quer durch die Stadt, der den Insekten alle 250 Meter die Mglichkeit zum Auftanken geben soll.

    nielS Grndel, d-MlheiM an der rUhr ([email protected])

    Sechs der 35 norwegischen hummel-arten sind vom aussterben bedroht. im Vergleich zu anderen lndern ist dies vergleichsweise wenig; fast ein Viertel der europischen hummelarten drohen auszusterben. dies hat ein Be-richt der red list of the internatio-nal Union for conservation of nature (iUcn) im Jahr 2014 festgehalten.

    in oslo selbst liegt die Bedrohung weniger an den sonst blichen aus-wirkungen monotoner landwirtschaft, sondern vielmehr am Mangel an geeig-netem lebensraum mit attraktiven Bl-tenpflanzen. Im Osloer Brgerprojekt kooperieren daher Stadtverwaltung und Umweltschutzorganisationen,

    einwohner und Unternehmen, damit sie alle fr reichlich Blumen auf ihren Grundstcken sorgen, die hummeln als nahrungsquelle dienen. Jeder kann auf seinem dach oder Balkon einen Beitrag fr mehr bienenfreundliches Grn in der Stadt leisten.

    Bienenstadtdie organisation ByBi (Bienenstadt) hat fr das internet eine kartendar-stellung (www.pollinatorpassasjen.no) entwickelt, aus der ablesbar ist, wel-che Gegenden in der Bestuberpas-sage noch dringend eine bienenge-rechte Begrnung bentigen. die osloer sollen so dazu animiert werden,

    Viele kleine und kleinste Vor-grten tragen wesentlich zum Gelingen des Projektes bei.

    Die Stadtkarte im Internet gibt Auskunft ber den Stand der Hummelauto-bahn.

    lcken zu schliessen. agnes lyche Melvr, koordinatorin bei ByBi, sieht den Vorteil der aktion darin, dass die Brger selbst handeln knnen: im Gegensatz zu vielen anderen globa-len Problemen kann jeder etwas fr die Bestuber tun. Man kann sie be-obachten, wenn sie die eigens ausge-sten Pflanzen besuchen. Und weil sie so klein sind, bentigt man auch keine Unmengen von Blumen, um sich wie ein Besitzer eines Sterne-restaurants zu fhlen. die Bestuber danken den einsatz ganz bestimmt.

    die internetseite untersttzt dabei die Mglichkeit, Bilder des eigenen kleinen Projektes hochzuladen, um Mitmenschen zu inspirieren, selbst t-tig zu werden und mitzumachen. die internetseite geht auch deutlich ber das eigentliche kerngebiet in oslo hi-naus. neben den hummeln stehen ebenso Wildbienen im Fokus. Fr sie sollen Bienenhotels gebaut werden. Wer einen Garten hat, kann beispiels-weise altes holz herumliegen lassen, damit es insekten besiedeln knnen.

    der Plan in oslo zeigt, dass das berleben der Bestuber Stadtbewoh-nern nicht egal ist, und es ist ein vor-bildliches Beispiel fr einen gemein-schaftlichen ansatz, der direkt von den einwohnern ausgeht.

    Ganz neu ist die idee eines korridors fr seltene arten nicht. in den USa hat die regierung einen fast 2 500 kilo-meter langen korridor zwischen dem Bundesstaat Minnesota und Mexico eingerichtet, um die Wanderbewe-gung des Monarchfalters aus seinem berwinterungsgebiet zu unterstt-zen. der korridor verluft entlang des highways 35 und soll dem Falter den Fortbestand sichern. der Bestand ist in den letzten Jahren um 90 % ge-schrumpft. Man hofft, die derzeit auf 56,5 Millionen exemplare geschtzte Population bis zum Jahr 2020 wieder auf 225 Millionen ansteigen zu lassen. Profitieren werden davon natrlich auch andere Wildtiere.

    Link1. www.bybi.no

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  • 21Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

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    Honigsensorikkurs begeistert Der VDRB-Kurs mit Susanne Wimmer war ein grosser Erfolg. Die Leiterin des Labors fr Bienenprodukte im sterreichischen Imkereizentrum in Linz vermittelte whrend jeweils zwei Tagen in Landquart (GR), Ebikon (LU) und Ittigen (BE) insgesamt 57 Teilnehmenden die Grundlagen der Honigsensorik.

    JrG VollMer, chUr ([email protected])

    So viele verschiedene Schweizer Bie-nenhonige auf einem tisch hatten die kursteilnehmer noch nie gesehen. ber 60 Proben verschiedener herkunft, Sorte und Qualitt brachte Susanne Wimmer in den honigsensorik-kurs mit. dazu hatte noch jeder imker die Gelegenheit, seinen eigenen Bienenho-nig beurteilen zu lassen. der eine oder andere Schweizer Bienenhonig brachte auch die expertin ins Studieren, obwohl sie seit 1993 honigqualittskontrollen durchfhrt und seit 2002 das labor fr Bienenprodukte des sterreichischen imkereizentrums in linz leitet.

    Bei einem Bienenhonig aus dem tog-genburg er duftete und schmeckte nach erika, die im weiten Umkreis um den Bienenstand nicht vorkommt fan-den Wimmer und der imker aber eine berraschende antwort: Seine Bienen lassen sich offenbar bei einer Felswand von der thermik hochtragen, besuchen hoch oben die erika-Felder und se-geln mit Pollen und nektar vollbeladen wieder zum Bienenstand ins tal zurck.

    Kenntnis seines Honigs hilft dem Imkerin den nachbarlndern werden vor al-lem Sortenhonige verkauft, also zum Beispiel raps- oder Waldhonig (und dazu muss der honig billig sein). Ganz anders in der Schweiz, wo der konsu-ment honig aus seiner region oder einer region mit emotionalem Bezug mchte. Bndner Berghonig weckt erinnerungen an schne Ferien. der konsument ist gerne bereit, dafr mehr zu bezahlen, als fr einen ano nymen honig. erst dann kommen Sorte und aroma und auch da ist der Schwei-zer konsument sehr whlerisch: Bie-nenhonig aus tessiner kastanienwl-dern, alpenrosenhonig aus dem Berner oberland oder Buchweizenhonig aus dem thurgau fr fortgeschrittene honig-liebhaber, die auch crottin de

    chvre geniessen, einen Ziegenkse mit dem aussehen von Pferdepfeln.

    die genaue kenntnis des tracht-gebietes, eine Pollenanalyse aus dem labor und die honigsensorik geben dem imker argumente in die hand fr den erfolgreichen Verkauf seines honigs. klare deklaration auf der etikette sorgt fr transparenz, steigert das Vertrauen des konsumenten und bringt Wertschtzung fr den imker und seine Bienen.

    The fifty shades of honeySusanne Wimmer weckte zuerst einmal die Sinnesorgane und die Sen-sibilitt der teilnehmer. dann wurden in praktischen bungen immer wie-der Farbe, Geruch, Geschmack und konsistenz der Bienenhonigproben

    beurteilt. diese sensorischen Parameter sind nicht messbar, aber durch standar-disierte Verfahren vergleichbar.

    alleine das Farbspektrum von Bienen-honig ist viel grsser, als sich auch im-ker bewusst sind. es beginnt bei reinem Weiss (raps) und geht ber champag-nerfarben (alpenrose) oder Zitronengelb (linde) bis zu Schwarzbraun (Waldhonig oder Buchweizen). in anlehnung an den Skandalfilm knnte man von The fifty shades of honey sprechen.

    Geruch und Geschmack prgen den BienenhonigWichtig bei der sensorischen Bewertung ist, dass ein Sortenhonig auch ein sor-tentypisches aroma aufweist. das aro-ma von Beitrachten kann den Sorten-charakter stren. trachten mit mildem Geschmack wie akazie knnen zum Beispiel von der aromastarken kastanie bertnt werden. Selbst bei positiver Pollenanalyse drfte dieser honig nicht als Sortenhonig verkauft werden.

    natrlich muss ein Bienenhonig frei von Fremdgeruch und -geschmack sein. honig darf nicht nach rauch schmecken oder riechen, was bei ex-zessivem einsatz des Smokers schnell einmal passiert. Und wenn der honig nach Grung schmeckt oder riecht, hat der imker bei der ernte oder lagerung des Bienenhonigs Fehler gemacht.

    Von Susanne Wimmer lernten die kursteilnehmer diese und viele andere details der honigsensorik: Wir hatten ein aha-erlebnis, weil wir bisher prak-tisch nichts ber honigsensorik wuss-ten. dabei ist der honig doch unser wichtigstes Produkt.

    Links1. www.vdrb.ch/service/siegelimker2. www.imkereizentrum.at/labor/

    das-labor.html

    Die Honigexper-tin brachte ganz unterschiedliche Proben in die Sensorikkurse.

    Volle Konzentration bei den Kursteilnehmern und Kursteilnehmerinnen.

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  • 22 Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

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    Platterbsen-Mrtelbienen sind Bauchsammlerinnen

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    Erst das Zusammenspiel einer Vielfalt von Wild- und Honigbienen fhrt zu einer effizienten Bestubung.

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    Platterbsen-Mrtelbienen Megachile (Chalicodoma) ericetorum lepeletier 1841

    Grsse: 1214 mm, 1013 mmAussehen: oberflchlich einer Honigbiene hnlich. Von an-

    deren Megachile-Arten durch auffallend kontrastierende helle Binden der Rckenschilde 25, einheitlich schlankem Krperbau und den weniger breiten Fransen der Vorderbein-Fussglieder des zu unterscheiden.

    Flugzeit: 1 Generation im Jahr (univoltin): Juni bis Juli bzw. August .

    Verbreitung: ganz Europa bis Mittelfinnland.

    Lebensraum: Magerrasen, Sand- und Lehmgruben, Brachen, Ruderalstellen, Bschungen auch in Siedlungen und Grten.

    Nahrung: Spezialisiert auf Schmetterlingsbltler (Fabaceae): Hornklee, Platterbsen, Hauhechel, Steinklee etc.; auch Lippenbltler (Lamiaceae), bes. als Nektarquelle (oligolek-tisch). Die Weibchen sind bltenstet.

    Nistplatz / Nistweise: Hohlrume in Steilwnden, Abbrchen, Mrtelfugen und Ziegeln, Spalten in Fels und Trockenmau-ern, Pelzbienennester; auch in Nisthilfen (Bienenhotels, be-vorzugt 6 mm Lcher); Schilfrohr; Brutzellen aus Lehm- und Sand-Mrtel; Zellen innen mit Harz ausgekleidet.

    besuch meist auf eine charakteristische Weise schrg in die hhe gestreckt wird. dank der Grsse und die bei beiden Ge-schlechtern nicht unterbrochenen, hel-len haarbinden auf den rckenschildern 25 kann man Platterbsen-Mrtelbienen bereits im Feld erkennen.

    Wie alle Arten der Harz- und Blattschneiderbienen (Gattung Megachile ) sammelt die Platterbsen-Mrtelbiene (Megachile ericetorum ) Pollen in der Bauchbrste. Die auf den ersten Blick honigbienenhnliche Art, die man auch in Grten und an Nisthilfen antrifft, streckt beim Bltenbesuch auffllig ihre Pollenladung in die Hhe.

    honigbienenhnlich, gib sie sich durch den abgeflachten Hinterleib mit der Pollentransporteinrichtung der haar-brste auf der Unterseite des hinterlei-bes als Mitglied der Verwandtschaft der Mrtel- und Blattschneiderbienen zu erkennen. Sie zeigt auch den typi-schen Megachile-habitus mit der hal-tung des hinterleibes, der beim Blten-

    Wenn im hochsommer in meinem Garten die Wicken blhen, wim-melt, summt und brummt es dort von verschiedenen Wild- und honigbienen. Als hufigste Art entpuppt sich die Platterbsen-Mrtelbiene (Megachile ericetorum ). obwohl von Weitem

    Als Bauchsammlerin zeigt die Platterbsen-Mrtelbiene beim Bltenbesuch die fr die Gattung Megachile typische Haltung mit dem schrg nach oben gerichteten Hinterleib.

    Die Mrtelbiene prsentiert die gut mit Platterbsen-Pollen gefllte Bauchbrste.

  • 23Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

    WILDbIEnEn

    Nestbaudie Mrtelbienen verwenden fr den Bau der Brutzellen mit Speichel aus den labialdrsen versetzte erde und Stein-chen. einige arten bauen die Brutrhre selber oder sie legen die Zellen wie die Platterbsen-Mrtelbienen in vorhande-nen hohlrumen an. innen sollen die Zellen mit einer harzschicht ausgeklei-det sein. Vorjhrige nester werden re-gelmssig von kot, Pollen und kokon-resten gesubert und wiederbenutzt. die Zellen werden direkt hintereinan-der in hohlrumen (kferfrassgngen, hohlen Pflanzenstngeln, verlassenen nestern anderer Stechimmen, erd-, Fels- und Mauerspalten, nisthilfen, unter Steinen, in totholz bzw. Stn-gelmark) angelegt. der Pollen-nektar-

    Vorrat ist oft sehr feucht bis halbflssig. die larven spinnen einen kokon.

    TrachtpfanzenWie der name Platterbsen-Mrtelbie-ne schon andeutet, sammelt diese art den Pollen fr ihre Brut gerne an ver-schiedenen Platterbsen-arten (Lathyrus spec.) aber auch an hornklee (Lotus spec.) und einigen anderen Fabaceen (Schmetterlingsbltengewchse).

    Territorien und MnnerparfmWahrscheinlich in abhngigkeit von der Dichte der Nahrungspflanzen der Weibchen patrouillieren die Mnnchen auf teilweise festgelegten und duftmar-kierten Flugbahnen entweder Blten ab oder verteidigen kleine territorien. die bei den Mnnchen gewisser arten mchtig verbreiterten und befransten, weissgelb gefrbten Vorderbein-Fuss-glieder werden bei der Paarung derart ber Vorderkopf und augen des Weib-chens gelegt, dass die mit drsen aus-gestattete Beininnenseite mit dessen Fhlern, dem Sitz der Geruchsorgane, in kontakt kommt. die Funktion der bei der Paarung abgesonderten Mnn-chen duftstoffe ist noch rtselhaft. die Mnnchen schlafen einzeln oder in kleinen Gruppen in unterschiedlichen hohlrumen.

    Literatur1. Mller, a.; krebs, a.; amiet, F.,

    (1997) Bienen. Mitteleuropische Gattungen, lebensweise, Beobach-tung. naturbuch Verlag, Mnchen.

    2. www.naturspaziergang.de/ Wildbienen

    3. www.wildbienen.de

    Platterbsen-Mrtelbiene im Anflug auf Gartenwicke oder Duftende Platterbse (Lathyrus spec.)

    Harz- und Blattschneiderbienen (Megachile ) auf verschiedenen Trachtpflanzen: (von oben) Blutweiderich (Lythrum salicaria ), Brombeere (Rubus spec.) und Hornklee (Lotus corniculatus ).

    Mrtelbiene am Nesteingang im Wildbienenhotel in meinen Garten.

  • 24 Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

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    chriStoPh JakoB-lthy, Weier i. e. ([email protected])

    Aus dem Ktzchen links entsteht ein Blatt, aus jenem rechts eine weib-liche Blte.

    Im Monat unseres Nationalfeiertages mchte ich die Schweizer Weide vorstellen, ein berlebensknstler in den Alpen, welcher auch im Mittelland gedeiht. Aus Weiden lassen sich ohne grossen Aufwand auch Naturfarben und Zeichenstifte gewinnen.

    Weide und Malerei: die Schweizer Weide (Salix helvetica)

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    das natrliche Vorkommen der Schweizer Weide liegt um 2000 m . M. in den alpen ist diese Weidenart sehr hufig anzutreffen und sie ist leicht zu erkennen. als Einzelpflanze ist ihre Form kugelig, das heisst, fast gleich breit wie hoch, etwas ber einen Meter. die Bltter sind sehr klein und weisen eine dich-te Behaarung auf, sodass die Pflanze als Ganzes fast grauweiss wirkt. die-se fast wollige Behaarung schtzt die Bltter vor der trockenheit und der starken UV-Strahlung in der dnnen luft in den hochlagen der alpen. die Schweizer Weide kommt meist ge-huft an einem Standort vor, da die bodennahen Zweige leicht Wurzeln schlagen und dann ein dichtes, oft

    grossflchiges Polster bilden. Manch-mal staunt man, wo die Weide wchst: auf Gerllhalten oder bei, ja sogar auf Steinblcken, wo prak-tisch kein Humus zu finden ist. An ihrem natrlichen Standort blht sie im Juni / Juli. im Mittelland ist die Schweizer Weide relativ selten an-zutreffen. Sie gedeiht nur, wenn sie durch Menschen gepflanzt wird.

    Enorme Wurzelbildungda diese Weidenart, wie oben er-whnt, auch auf trockenen Steinhal-den wchst, ist ihre Wurzelbildung enorm, um an Wasser zu gelangen. Vielfach sind die Wurzeln mehrere Meter lang und somit lnger als die oberirdischen Zweige.

    Meist bleiben die Wildbche in den alpen unverbaut. Muss trotzdem ein-mal wegen einer Verkehrsverbindung ein Ufer gesichert werden, wird dazu vielfach die Schweizer Weide verwen-det, da sie nicht nur den randbereich befestigt, sondern sie ihre Wurzeln auf und unter dem Bachbett ausbrei-tet und so eine nachhaltige Sicherung erreicht wird.

    Naturfarben aus WeidenWie in den bisherigen ausgaben der Bienen-Zeitung aufgezeigt, viel schner noch bei einem Spaziergang einem Bach entlang, sieht man die usserst unterschiedlichen Farben der verschiedenen Weidenarten. Von Gelb, orange, rot ber hell- und dunkelgrn zu hell- und dunkel-braun bis hin zu Blau und Violett gibt es praktisch jede Schattierung. Wie kann diese Vielfalt an Farben nun aus den Weiden gewonnen werden? Von drei bis vier mglichst unterschiedli-chen Farben werden frische Zweige geschnitten und diese mit einem k-chenrster geschlt. die rinde wird mit einer Schere oder einem scharfen Messer in mglichst kleine Stcklein zerschnitten (hnlich dem Schnitt-lauch schneiden). eine gute handvoll von jeder Farbe wird nun mit wenig Wasser ausgekocht. dabei ist es wich-tig, die richtige dauer zu whlen: Wird die Masse zu lange gekocht, werden alle Weidenfarben braun. Wird hin-gegen zu wenig lange erwrmt, wer-den die Farben zwar unterschiedlich, aber sehr hell. ein auskochen mit al-kohol oder l bringt erfahrungsge-mss die gleichen Probleme. die l-sung liegt einerseits in mehrmaligen Versuchen und anderseits darin, einen teil des Bildes mit einer schwachen Farbe zu malen, diese gut trocknen zu lassen und einen zweiten Belag mit der gleichen Farbe darber zu malen. da ich beim trocknen oft zu ungeduldig bin, greift das stndige netzen das Papier an. etwas dickeres

  • 25Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

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    Papier als jenes vom kopierer schafft abhilfe. allenfalls braucht es einen dritten oder gar vierten anstrich, bis beispielsweise ein schwaches Grn deutlicher wird. natrlich knnten auch einige tropfen des eierfrbe-Sudes von ostern beigefgt werden, um Farben deutlicher zu machen. ob man dies nun gutheisst oder nicht, ist ansichtssache. die fertigen Bilder soll-ten mglichst dunkel (in einer Mappe o. .) gelagert werden, da sie bei Son-nenbestrahlung langsam nachdun-keln oder ausbleichen knnen und zuletzt alle Farben in Brauntnen zu sehen sind. Ich persnlich finde die langsame Vernderung eines Bildes aber hchst spannend.

    Zeichenkohle aus Weidenholz einige Fotografen stellen noch heu-te Fotos nur in schwarz-weiss her. Sie sagen, dass kontraste viel deut-licher hervortreten wrden und der Betrachter sich auf das Bild konzen-trieren und nicht von Farben abge-lenkt wrde. hnliches gilt fr das Skizzieren mit kohlestiften. die beste Zeichenkohle, die ich bis heute ver-wendet habe, besteht aus verkohl-tem Weidenholz. deren herstellung ist sehr einfach: Ungeschlte Wei-denzweige, egal welcher art, von etwa einem halben Zentimeter di-cke, werden in Stcke von zehn bis fnfzehn Zentimetern geschnitten. nun legt man sie in eine Blechdose (alte Farbschachtel) oder wickelt sie in alufolie ein. anschliessend wird das Paket ins offene Feuer oder in die Glut nach dem Brteln gelegt. auch die reste eines cheminefeu-ers eignen sich. nach etwa dreissig Minuten knnen die Stifte herausge-holt, abgekhlt und getestet werden. Meistens sind sie verwendbar. War das Feuer zu wenig heiss, enthalten die Stifte im innern noch holz und mssen nochmals ins Feuer. War das Feuer hingegen zu heiss, zerbrckeln die Stifte leicht, sind aber trotzdem zu verwenden. Beim Zeichnen muss an eine Unterlage fr die zeichnende hand gedacht werden, da sonst das Bild verwischt wird. am Schluss wird das Werk mit einem Fixativ besprht.

    So, und nun geht ans Werk, ihr Weidenfreunde!

    Hier war ein Kohlestifft aus Weidenholz bei einem Knstler mit eidgenssi-schem Fach-ausweis der Imkerschule im Einsatz.

    Haben die Farben der Schweizer-weide ihren Namen gegeben?

    Der Baumkrone haben erst sechs Anstriche hinter-einander ihre Farbe gegeben.

  • 26 Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

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    Der Echte Alant (Inula helenium ) drfte wohl eher unter Blumen-freunden und Heilkundigen ein Begriff sein. Doch auch pflanzen-kundliche Laien knnen die hochwachsende Staude im Hochsommer leicht an ihren sonnenfrmigen, strahlend gelben Blten erkennen.

    helMUt hinterMeier, 91605 d-GallMerSGarten ([email protected])

    Bienen- und Falterblume: der Alant

    Honigbienen nutzen die Bl-ten des Alants als Nektar- und Pollenquelle. Die Farbe der Pollen-hschen ist gelb.

    dieser stattliche Vertreter aus der Fa-milie der korbbltler (asteraceae) wchst weit verbreitet in europa, asien, afrika und amerika. Seine heimat ist vermutlich klein- und Zentralasien. die bis zu zwei Meter hohe, mehrjhrige Pflanze sie gehrt zu den Riesen ihrer Gattung wchst an Waldrndern, hecken und Wiesengrben. der ech-te Alant wurde frher hufig als Zier-, Kchen- oder Heilpflanze in Bauerngr-ten kultiviert, sodass es sich bei seinem heutigen Vorkommen um verwilderte exemplare frherer kulturen handeln drfte. Erwhnung findet der Alant schon vor 2500 Jahren in einem heil-pflanzenbuch. Auch der Aberglaube hat sich dieser Pflanze bemchtigt: der echte alant galt frher als Mittel gegen angezauberte krankheiten wie

    hexenschuss oder albtrume. als Bei-gabe zu allerlei rucherwerk sollte alant haustiere vor krankheiten schtzen.

    Namenkundlichesder botanische artname, wie auch die volkstmliche Bezeichnung helenen-kraut grndet in einer der grssten liebesgeschichten aller Zeiten: die schne helena schmckte sich noch rasch mit alant-Blten, bevor sie sich vom Jngling Paris entfhren liess. die Pflanze tritt ferner in alten griechischen Schriften unter dem namen helenae lacrymae (trnen der helena) auf, entsprechend der Sage, dass sie aus dem Boden wuchs, wo die trnen der helena beim tode des kanopos fielen. Der Name Alant stammt da-gegen aus Spanien, wo die Pflanze

    ala genannt wurde. Weitere, zum teil auf die heilwirkung dieses korb-bltlers bezogene namen sind: darm-wurz, darmkraut, Brustalant, edel-wurz, edelherzwurz, Schlangenkraut, Schlangenwurz, hexenschusskraut, helenenkraut, Glockenwurz, Galant-wurz, odinskopf, Wotanshaupt, alt-wurz, Ulenkwurz, Gottesauge, Gros-ser heinrich und Beinerwell.

    Die nchsten Verwandtendie Gattung alant (Inula) umfasst etwa 100 arten. Zu den bekannte-ren arten zhlen: deutscher alant (I. germanica) auf trockenen abhn-gen, Weinbergen, Bltezeit Juli bis august. Wiesen-alant (I. britannica) auf feuchten Wiesen, an Grben, Bchen, Bltezeit Juli bis august. Schwertalant (I. ensifolia) auf sonni-gen, grasigen abhngen, Bltezeit Juli bis august. rauer alant (I. hirta) auf sonnigen hgeln, in trockenen Wl-dern, gerne auf kalk, Bltezeit Mai bis Juni. Weiden-alant (I. salicina) auf Wiesen, an Grben, an Waldrndern, Bltezeit Juni bis oktober.

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  • 27Schweizerische Bienen-Zeitung 08/2015

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    Die Dunkle Erd-hummel (Bombus terrestris ), hier bei der Nektar-aufnahme, zhlt zu den mit Ab-stand hufigsten Gsten.

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    Bltengste: Bienen und Falter die aufflligen, gelben Bltenkrbe erreichen einen durchmesser von bis zu vier cm und erscheinen von Juli bis September. Inula-arten haben zwitt-rige, rhrige Scheiben- und weib-liche randblten, wobei sich letz-tere zuerst entwickeln. ihre narben knnen, wenn auch auf einige tage beschrnkt, nur mit Pollen anderer individuen bestubt werden. als Bl-tengste, die auch die Bestubung bewirken, stellen sich ein: hummeln, honigbienen, Seidenbienen (colletes), lcherbienen (Heriades), Furchenbie-nen (Lasioglossum, Halictus) und Blatt-schneiderbienen (Megachile). Mehrere tagfalterarten nutzen die Bltenkrbe nur als nektarquelle: tagpfauenau-ge (Inachis io), kleiner Fuchs (Aglais urticae), Grosses ochsenauge (Maniola jurtina), rotbraunes ochsenauge (Pyronia tithonus), Schachbrett (Melanagria galathea), rostfarbiger dickkopffalter (Ochlodes sylvanus) und Braunkolbiger- oder ockergelber Braun-dickkopffalter (Thymelicus sylvestris).

    Gewrz- und HeilkrautSchon die rmer benutzten den Echten Alant als Kchenpflanze und Genussmittel. Plinius berichtet, kai-serin Julia augusta habe jeden tag zur anregung der Verdauung und zur hebung der Stimmung etliche kan-dierte Wuzeln der Pflanze gegessen. hnliches wird fr das mittelalterliche deutschland berichtet: die angeblich bei asthma, Verdauungsstrungen und Mundgeruch hilfreichen kan-dierten Wurzeln konnte man kuflich erwerben. in Frankreich und in der Schweiz fand der alant frher auch bei der absinthbereitung Verwen-dung. Ungleich grsser ist jedoch die Bedeutung als Heilpflanze, sodass der echte alant in grossem Masse auch in deutschland lange Zeit feldmssig an-gebaut wurde. heute wird die alant-wurzel (sie enthlt ein therisches l und grosse Mengen inulin) medizi-nisch kaum mehr verwendet, ist aber noch immer ein geschtztes hausmit-tel bei erkrankung der harnwege, bei husten und Bronchitis, Magen- und darmbeschwerden (auch darmpara-siten). usserliche Anwendung fin-det der alant bei schwer heilenden

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    Das Grosse Ochse nauge (Maniola jurtina ) besucht eben-falls die Blten als sommerliche Nektarquelle.

    Aparter Blten-gast: Der Kaiser-mantel (Argynnis paphia ), die Mnnchen besit-zen auf den Vor-derflgeln dunkle Streifen, die aus Duftschuppen