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  • Kapitel 2 Betriebswirtschaftliche Konzepte und deren Umsetzung in den IFRS und im dHGB

    Lernziele Nach dem Studium dieses Kapitels sollten Sie wissen,

    – welche betriebswirtschaftlichen Konzepte es für die Rechnungs- legung von Konzernen gibt,

    – wie man bei welchem Konzept im Prinzip vorgeht, um Konzern- Finanzberichte zu erstellen und

    – wie die verschiedenen Konzepte zu beurteilen sind.

    Schließlich beschreiben wir den Sachverhalt, den wir den Beispielen der folgenden Kapitel zu Grunde legen.

    Überblick Das Kapitel dient der Darstellung der verschiedenen Konzepte, die im Zusammenhang mit der Erstellung von Konzern-Finanzberichten für die Erst-, die Folge- und die Entkonsolidierung1 entwickelt wur- den. Die gängigen Methoden werden aus betriebswirtschaftlicher Sicht dargestellt, losgelöst von gesetzlichen oder anderen (regulato- rischen) Vorgaben, bevor wir die Ausgangsdaten für unsere Beispiele vorstellen, mit denen wir in den nachfolgenden Kapiteln die Kon- solidierungsmethoden detailliert erläutern.

    1 In der Literatur findet man für den Prozess der Entkonsolidierung auch andere Ausdrücke, beispielsweise Endkonsolidierung oder Dekonsolidierung.

    Betriebswirtschaft- liche Grundlagen dargestellt an Beispielen

    H.P. Möller et al., Konzernrechnungslegung, Springer-Lehrbuch, DOI 10.1007/978-3-642-18176-4_2, � Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2011

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  • Begonnen wird mit der Annahme der Interessenzusammenführung. Es schließt sich ein Überblick über die verschiedenen Varianten der Konsolidierung unter der Annahme des Erwerbs an. Dabei kann man vier unterschiedliche Vorgehensweisen voneinander unterscheiden:

    – eine oben bereits kurz erwähnte Vorgehensweise, bei der man nur den Wert der Beteiligung der Obereinheit an der Untereinheit um die Eigenkapitalveränderungen in der Untereinheit modifiziert,

    – eine Vorgehensweise, bei der man in den Konzern-Finanzberich- ten anstatt der Beteiligung der Obereinheit an der Untereinheit die anteilig auf die Beteiligung entfallenden Vermögensgüter und Fremdkapitalposten der Untereinheit sowie einen Restposten erfasst,

    – eine Vorgehensweise, bei der man in den Konzern-Finanzberich- ten anstatt der Beteiligung der Obereinheit an der Untereinheit die gesamten Vermögensgüter und das gesamte Fremdkapital der Untereinheit zusammen mit einem Restposten für den auf Kon- zernfremde in Untereinheiten entfallenden Teil des Eigenkapitals darstellt. Zugleich zeigt man die Unterschiede zwischen einerseits dem Marktwert der Beteiligung und andererseits dem Marktwert der erworbenen Vermögensgüter und Fremdkapitalposten, der auf die Beteiligung entfällt.

    – eine Vorgehensweise, bei der man in den Konzern-Finanzberich- ten anstatt der Beteiligung der Obereinheit an der Untereinheit die gesamten Vermögensgüter und das gesamte Fremdkapital der Untereinheit zusammen mit einem Restposten für den auf Kon- zernfremde in Untereinheiten entfallenden Teil darstellt. Dabei führt man die Unterschiede zurück auf die Differenz zwischen dem Marktwert der Beteiligung einerseits und andererseits dem Marktwert der erworbenen Vermögensgüter und Fremdkapitalpos- ten mit demjenigen Restwert, der auf eine Beteiligung von 100% entfallen würde.

    Für jede dieser Vorgehensweisen zeigen wir in späteren Kapiteln mit jeweils einem Beispiel, welche Konsolidierungsschritte vorzuneh- men sind und wie diese im Rahmen von Finanzberichten verarbeitet werden.

    Vorgehensweisen bei der Konsolidierung

    40 Kapitel 2 – Betriebswirtschaftliche Konzepte und deren Umsetzung in den IFRS und im dHGB

  • 2.1 Betriebswirtschaftliche Konzepte zur Konzernrechnungslegung

    2.1.1 Grundlagen

    2.1.1.1 Konzerninternes Bilanzierungshandbuch als wesentliche Ergänzung der Vorgaben

    Buchführung und Finanzberichte werden weltweit für Unternehmen vorgeschrieben, die man jeweils als rechtlich selbständige Einheiten versteht.2 Für den Fall eines Unternehmens, das ökonomisch eine Einheit darstellt, die jedoch nicht aus einer einzigen, sondern aus mehreren rechtlich selbständigen und ökonomisch unselbständigen Einheiten besteht, für so genannte Konzerne, gibt es dagegen keine ausgeprägten Buchführungsregeln. Für solche Unternehmen lassen sich Konzern-Finanzberichte nur aus den Finanzberichten der recht- lich selbständigen Einheiten des Konzerns herleiten. Bei Konzernen wird lediglich mehr oder weniger genau vorgeschrieben, wie aus den Finanzberichten der rechtlich selbständigen Einheiten die Konzern- Finanzberichte zu erstellen sind. In Konzernen werden in der Regel zusätzlich zu den vorgegebenen Buchführungs- und Bilanzierungs- regeln der rechtlich selbständigen Einheiten umfangreiche konzern- interne Bilanzierungsrichtlinien oder Konzern-Bilanzierungshand- bücher erstellt und angewendet. Mögliche Ermessensspielräume, die im Rahmen der jeweils zu beachtenden regulatorischen Vorgaben bestehen, sind dabei derart einzuengen, dass alle rechtlich selbstän- digen Einheiten eines Konzerns diese Spielräume einheitlich nutzen. Die Einheitlichkeit über die Konzerneinheiten hinweg erscheint wichtig, wenn man gleiche Sachverhalte im Konzern immer gleich abbilden möchte. Eine solches konzerneinheitliches Bilanzierungs- handbuch ermöglicht es somit, den Konzernberichtspflichten effizi- ent, einheitlich und nebenbei auch noch zeitgerecht nachkommen zu können. Ohne solche konzerninternen Vorgaben gestaltet sich die Herleitung einheitlicher und damit aussagefähiger Konzern-Finanz- berichte als ein sehr schwieriges Unterfangen. Wir unterstellen hier, dass alle Vereinheitlichungen so weit wie möglich von den rechtlich

    2 Vgl. hierzu beispielsweise die Ausführungen in Möller und Hüfner (2009), S. 45–76.

    Buchführung und Finanzberichte von Konzernen

    2.1 Betriebswirtschaftliche Konzepte zur Konzernrechnungslegung 41

  • selbständigen Einheiten durchgeführt werden, bevor diese ihre Finanzberichte zur Erstellung von Konzern-Finanzberichten bei der Konzernzentrale einreichen.

    2.1.1.2 Annahmen für die Erstellung von Konzern-Finanzberichten

    Vier Annahmen werden für die Erstellung von Konzern-Finanzbe- richten diskutiert: (1) die Annahme der Interessenzusammenführung ( pooling of interests, dabei steht interest für Anteil), (2) die Annahme der Neugründung ( fresh start method), (3) die Annahme des Erwerbs ( purchase method oder acquisition method) sowie (4) die Annahme eines umgekehrten Erwerbs (reverse aquisition method).3

    Im Fall der Annahme der Interessenzusammenführung wird unter- stellt, mehrere ökonomisch selbständige Unternehmen vereinbarten, sich für die Zukunft zu verbinden und gemeinsam leiten zu lassen. Wenn es vor dem Zusammenschluss keine ökonomischen Beziehun- gen zwischen den Einheiten gegeben hat, ist die Erstellung von Konzern-Finanzberichten relativ einfach. Man addiert für alle Posten die eventuell wegen des Zusammengehens vereinheitlichten und eventuell neu bewerteten Posten der zusammengehenden Einheiten. Darüber hinausgehende Posten können erst bei Folgekonsolidierun- gen entstehen.

    Die Annahme der Neugründung unterstellt unabhängig von ökono- mischen Vorgängen, dass mit dem Konzern ein neues Unternehmen entsteht, das nicht mehr durch Beteiligungen, sondern durch eine Neubewertung aller seiner Vermögensgüter und Fremdkapitalposten gekennzeichnet ist.

    Bei der Annahme des Erwerbs unterstellt man, die Obereinheit habe die Untereinheit erworben, sie besitze also nicht die Anteile an der Untereinheit, sondern deren Vermögensgüter und Fremdkapi- talposten. Dieser Fall unterstellt gewissermaßen eine Hierarchie zwischen der erwerbenden und der erworbenen Einheit. Die Annahme des Erwerbs legt es zudem nahe, die Vermögensgüter und das Fremdkapital der Untereinheit vor einer Addition mit ihren fiktiven Kaufpreisen anzusetzen und diese fiktiven Kauf- preise wie die Anschaffungsausgaben der Vermögensgüter und

    3 Vgl. insbesondere Busse von Colbe et al. (2010), S. 197–199.

    Konzeptionelle Überlegungen zur

    Konzernbilanzierung

    Interessenzu- sammenführungs-

    annahme

    Neugründungs- annahme

    Erwerbsannahme

    42 Kapitel 2 – Betriebswirtschaftliche Konzepte und deren Umsetzung in den IFRS und im dHGB

  • Fremdkapitalposten zum Zeitpunkt der Konzernentstehung zu behandeln.

    Bei der umgekehrten Erwerbsmethode unterstellt man, dass die erworbene Einheit finanziell bedeutender ist als die erwerbende Ein- heit und deswegen die Rollen beider Einheiten zu tauschen seien. Die Begründung wäre nur nachvollziehbar, wenn man die Bedeutung einer Einheit im Konzernverbund zum Kriterium für die Konsolidie- rung erheben würde, was aber nicht der Fall ist.

    In der Praxis spielt heute die Erwerbsmethode eine große Rolle. Bis vor einigen Jahren war auch die Interessenzusammenführungs- methode bedeutsam. Die Neugründungsmethode wird erst disku- tiert, seitdem die US-GAAP und die IFRS die Anwendung der Interessenzusammenführungsmethode untersagt haben. Die umge- kehrte Erwerbsmethode wird erwogen, wenn dadurch ein größerer goodwill entsteht. Die Begründungen der Neugründungs- und der umgekehrten Erwerbsmethode erscheinen problematisch und hauptsächlich durch die Interessen eines oder mehrerer Beteiligter geprägt zu sein. Wir betrachten deswegen im Folgenden nur die Interessenzusammenführungsmethode und die Erwerbsmethode näher.

    2.1.1.3 Konzept der Interessenzusammenführung

    Im Fall der Interessenzusammenführung, bei dem sich zwei ökono- misch voneinander unabhängige Unternehmen zu einem Konzern zusammenschließen, werden die unterschiedlichen Gruppen von Anteilseignern sich üb