BEM – Das Betriebliche Eingliederungsmanagement .Editorial Liebe Leserin, lieber...

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Transcript of BEM – Das Betriebliche Eingliederungsmanagement .Editorial Liebe Leserin, lieber...

  • 6. Jahrgang . 9/10 September/Oktober 2015

    Zeitschrift fr Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie

    ROHSTOFFE BAUSTOFFE . CHEMIE PAPIER ZUCKER . HANDWERK

    Neuer BG RCI-Praxishilfe-Ordner Gerstet fr den NotfallA+A Unternehmertag 2015

    Neue Mobilitt dank computergestzter Prothesentechnik

    BEM Das Betriebliche Eingliederungs management lohnt sich

  • EditorialLiebe Leserin, lieber Leser!

    Prventionskultur ein Begriff macht welt-weit Karriere, so schrieben wir vor etwa ei-nem Jahr in diesem Magazin im Rckblick auf den XX. Weltkongress fr Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, zu dem sich rund 4.000 Gste aus aller Welt in Frankfurt am Main eingefunden hatten. Inzwischen hat der Begriff, zumindest hierzulande, zum groen Sprung angesetzt.

    2017 werden die Berufsgenossenschaften und die Unfallkassen der ffentlichen Hand eine neue Prventionskampagne starten. Sie wird in den Betrieben und ffentlichen Einrichtun-

    gen fr eine strker ins allgemeine Bewusst-sein gehobene Kultur der Prvention werben. Das haben die Arbeitgeber und die Vertreter der Versicherten jetzt gemeinsam im Vorstand der Deutschen Gesetzlichen Unfallversiche-rung, dem Spitzenverband der Berufsgenos-senschaften und Unfallkassen, beschlossen. Ziel ist es, Sicherheit und Gesundheit dau-erhaft zu einem festen Bestandteil aller Ent-scheidungen und Betriebsablufe zu machen. Die Kampagne ist erstmals auf einen Zeitraum von zehn Jahren angelegt und wird einen wel-

    lenfrmigen Verlauf nehmen, um ihre Nach-haltigkeit zu steigern.

    Aktuelle Untersuchungen bei Unternehmen und Beschftigten haben gezeigt, dass die Be-triebe der Prvention zwar einen hohen Stel-lenwert beimessen. Aber sie sind mehrheitlich weit davon entfernt, das Thema systematisch und in allen Belangen zu bercksichtigen. Le-diglich bei der Hlfte der Unternehmen sind der Studie zufolge finanzielle, personelle oder zeitliche Investitionen im Hinblick auf Sicherheit und Gesundheit erkennbar. In durchschnittlich nur vier von zehn Betrieben sind Prventionsthemen in den Fhrungsleit-linien fest verankert.

    Das Thema Prventionskultur gilt in der in-ternationalen Fachwelt als wegweisend fr die Gestaltung der Lebens- und Arbeitsbedingun-gen. Vision Zero, eine Welt ohne schwere oder gar tdliche Arbeitsunflle, bestimmt da-bei den langfristigen Zielhorizont. Die BG RCI wird ihren Mitgliedsunternehmen alle Mg-lichkeiten erffnen, um an der neuen, lang-fristigen Prventionskampagne teilzuhaben und die vielfltigen Chancen zu nutzen, die sich damit fr den Betrieb und die Beschf-tigten in puncto Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit erffnen.

    Ihr

    Ulrich MeesmannMitglied der Geschftsfhrung

    2

    BG RCI.magazin 9/10 2015EDITORIAL

  • Aus der PraxisSicher, schnell einsetzbar und kostengnstigAbsturzsicherung im Steinbruch 20

    K+S KALI GmbH, Werk Werra2. Arbeitssicherheits-Aktionstag fr Azubis 22

    Multimedia-DVD fr den Einsatz im BetriebSicherheitsquiz fr Auszubildende 2014/15 ab sofort lieferbar 23

    Schwitzen fr die SicherheitBei der Elektrolyse von Aluminium hat Sicherheit viele Facetten 24

    IVSS-Sektion BergbauNeue Vorstands mitglieder gewhlt 25

    Henkel AG & Co. KGaA, HeidelbergFamilientag im Zeichen der Sicherheit 26

    BG RCI-Bildungszentren Tage der Sucht 27

    Berichte und Informationen Bildung geht durch den MagenBG RCI-Bildungszentren von der DGE zertifiziert 28

    Wegeunflle und Jahreszeiten 30

    Arbeitsunfall-Versicherung fr Bangladesch 32

    Impressum 32

    BlickpunktEditorial 2

    Betriebliches Eingliederungsmanagement lohnt sich! 4

    Betriebliches EingliederungsmanagementNher dran an den BeschftigtenUmsetzungsbeispiele aus der Praxis 6

    Einfach gehen, ohne darber nachzudenkenNeue Mobilitt dank computergesttzter Prothesentechnik 8

    Thomas Khler zum 60. Geburtstag 9

    A+A, DsseldorfUnternehmertag 2015 10

    Gerstet fr den NotfallBG RCI stellt neuen Praxishilfe-Ordner vor 11

    Was wre, wenn ...?BG RCI-Medien zur Gefhrdungsbeurteilung 12

    Brandgefhrliche SauerstofftrgerVorsicht bei der Lagerung brandfrdernder (oxidierender) Stoffe 14

    Beitrge aus dem Schlema VIII Gefahrstoff-symposium 2015Lsemittelbelastungen beim Befllen von Kanistern, Fssern und IBC 16

    BG-Kliniken grnden Holding 19

    BG-Klinik LudwigshafenForschungsinstitut gegrndet 19

    Titelbild: Aluminium-Produktion im Rheinwerk der Hydro Aluminium Rolled Products GmbH in Neuss: Ein Beispiel gelebter Sicherheitskultur. Foto: Rheinwerk

    9/10 2015 BG RCI.magazin INHALT

    3

  • Die Umsetzung des Betrieblichen Eingliede-rungsmanagements (BEM) ist bei weitem noch nicht flchendeckend. Auch gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Gro- und Kleinbetrie-ben. Dabei sind der umfassende Nutzen des BEM fr unterschiedliche Betriebsbereiche und damit einhergehende Synergieeffekte unbestritten.

    Das Sozialgesetzbuch 9 verpflichtet zu BEM-AngebotenDas BEM beinhaltet Manahmen zur Pr-vention, Gesundheitsfrderung und Reha-bilitation. Daraus ergeben sich Schnittstel-len und Synergieeffekte zum Beispiel zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement und zum Arbeits- und Gesundheitsschutz. Wenn schon im Rahmen von Gefhrdungs-beurteilungen potentielle physische und psychische Belastungen betrachtet und dokumentiert werden, bietet dies auch in Zusammenhang mit dem BEM eine gute Basis. Umgekehrt ist der Rckfluss der im BEM gewonnenen Erkenntnisse ber ein-zelne Arbeitspltze gewinnbringend fr den Arbeits- und Gesundheitsschutz. Denn ana-lysierte Beanspruchungen und festgelegte Manahmen sind sowohl im Rahmen des BEM als auch fr die Gefhrdungsbeurtei-lung relevant. Eine systematische Erfassung von Arbeitsunfhigkeitszeiten nach Dia- gnosegruppen zeigt Hufungen und bie-tet Ansatzpunkte, um ttig zu werden. So knnen beispielsweise Erkrankungen des Sttz- und Bewegungsapparats, Herz-Kreis-lauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Atem-organe, psychische Erkrankungen, bsartige Neubildungen oder sonstige Erkrankungen gebndelt betrachtet werden. BEM-Flle las-sen Rckschlsse auf relevante Themen wie Arbeitsschutz, Gesundheitsfrderung oder Fhrungsaspekte zu und knnen Schulungs-aktivitten oder vernderte betriebliche Ab-lufe initiieren.

    Damit Menschen mglichst lange gesund arbeiten knnen, mssen die Arbeitsbe-dingungen gesundheitsfrderlich gestaltet

    sein. Das ist gerade bei einer lter werden-den Belegschaft besonders wichtig, auch um Fachkompetenz und Erfahrungswissen im Betrieb zu halten.

    BEM dient somit dem Erhalt der Beschfti-gungsfhigkeit und ist gleichzeitig ein gutes Instrument, dem demographischen Wandel und dem drohenden Fachkrftemangel wirk-sam zu begegnen.

    Durch den Erhalt der Arbeitskraft von quali-fizierten Mitarbeitern werden zudem Kosten fr die Einstellung und Einarbeitung neuer Mitarbeiter vermieden. Auerdem erhhen BEM-Strukturen die Identifikation von Mitar-beitern mit dem Betrieb, verbessern die Mit-arbeitermotivation und das Betriebsimage.

    Fr die Beschftigten ist BEM ein Angebot, das vor Arbeitslosigkeit und Frhverrentung schtzen kann. Denn beim BEM wird hufig im Laufe des Verfahrens eine angemessene Beschftigungsmglichkeit entdeckt oder es werden technisch-organisatorische Hil-fen eingesetzt, mit denen die Arbeitsunf-higkeit berwunden und damit die Weiter-beschftigung gesichert werden kann. Fr die Beschftigten ist die Teilnahme am BEM freiwillig. Das BEM lebt von einer vertrauens-vollen Gesprchskultur, die wesentlich auf Freiwilligkeit aufbaut und von vorherigen In-formationen ber Zielsetzung und Ablauf des BEM profitiert.

    Die Einfhrung und Umsetzung des BEM unterliegt der Mitbestimmung des Betriebs- bzw. Personalrats. In greren Betrieben werden ber die grundstzlichen organisa-torischen Rahmenbedingungen hufig Ver-einbarungen zwischen Arbeitgeber und be-trieblichen Interessenvertretern geschlossen. Eine Beschreibung des BEM-Systems lsst sich auch in das Qualittsmanagementsys-tem des Betriebs integrieren.

    Nhere Regeln zur BEM-Durchfhrung nennt das Sozialgesetzbuch 9 nicht. In der Praxis hat sich die Einsetzung eines betrieblichen BEM-Beauftragten bewhrt, der sich im Auf-trag des Arbeitgebers um den BEM-Prozess kmmert, indem er das Verfahren im Einzelfall anstt, Daten erhebt, Auswertungen und Berichte erstellt. Die BEM-Gesprche kn-nen auch von einer anderen Person gefhrt werden, etwa einem BEM-Verantwortlichen. Diese Person steuert den Einzelfall, vom Erst-kontakt bis zum Abschluss. Der BEM-Verant-wortliche unterliegt der Schweigepflicht.

    Betriebliches Eingliederungsmanagement lohnt sich!Eine gute Basis fr Prvention, Rehabilitation, Mitarbeiterzufriedenheit und wirtschaftlichen Erfolg

    Das Betriebliche Eingliederungsma-nagement (BEM) ist seit 2004 durch 84 Absatz 2 Sozialgesetzbuch 9 (SGB IX) gesetzlich verankert. Dort ist festge-legt, dass Arbeitgeber allen Beschftig-ten, die innerhalb eines Jahres lnger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfhig sind, ein BEM anzubieten haben. Der Arbeitgeber muss klren, wie die Arbeitsunfhigkeit mglichst berwunden und mit welchen Leistungen oder Hilfen erneuter Arbeits-unfhigkeit vorgebeugt und der Arbeits-platz erhalten werden kann. Dabei soll und kann der Arbeitgeber inner- und auerbetriebliche Interessenvertreter und Experten einbeziehen wenn der Betroffene einverstanden ist.

    Die Verantwortung zur Durchfhrung des Verfahrens liegt ausschlielich beim Ar-beitgeber. Die BEM-Verpflichtung be-steht unabhngig von der Beschftig-tenanzahl, gilt also gleichermaen fr kleine wie groe Betriebe.

    Das BEM bezieht sich gleichermaen auf ar-beitsbedingte Erkrankungen wie auch auf Er-krankungen, die ihre Ursache auerhalb des Arbeitslebens haben.

    Ein erfolgreiches BEM entlastet die Sozialkas-sen, weil es die Gesundheit und Leistungsf-higkeit der Beschftigten frdert,