Audacity - Die Effekte

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Andreas Klug: Audacity Die Effekte

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1. GrundlagenSalz in der SuppeMit den Effekten bei der Audiobearbeitung verhlt es sich wie mit den Gewrzen in der Kche: Wenn die Gesamtkomposition berzeugt ohne dass sich die Tischrunde darauf verstndigen kann, welche Zutaten bei der Zubereitung wohl zum Einsatz gekommen sein mgen hat die Kche gewonnen. Wenn die Muskatnuss dagegen die Quiche dominiert ist vielleicht der Deckel vom Gewrzglas abgesprungen - beim berzogenen Einsatz des Kompressors hingegen gibts keinen Unfall: In der Welt der Software lsst sich jeder Ausrutscher rckgngig machen. Umgekehrt gewinnt so manches Essen, wenn kurz vor dem Auftischen noch fein abgeschmeckt wird - genau darum soll es im Folgenden gehen. Fast jedes Audiobearbeitungsprogramm bietet die Mglichkeit, Klangeffekte einzusetzen, mit Fingerspitzengefhl eingesetzt knnen sie so manchen Radiobeitrag abrunden.

Open-Source

Audacity bietet eine Flle von Effekten wie kaum ein anderes Audiobearbeitungsprogramm. Der Grund: Audacity ist Open-Source-Software, das heit die Programm-Quellen liegen offen, die Arbeit der EntwicklerInnen ist einsehbar, eben kein Firmengeheimnis. Open-Source heit deshalb auch: Audacity ist kostenlos, kann aus dem Internet heruntergeladen und - unter den stets gleichen Bedingungen - weitergegeben werden. Das heit aber auch: Die Bausteine, aus denen Audacity besteht, mssen ebenfalls Open-Source sein. (Ein Grund brigens, warum der mp3Encoder lame zunchst nicht in Audacity enthalten ist; mp3-Codecs sind proprietre - in diesem Fall berwiegend der Firma Thomson gehrende - Software, die unabhngig von Audacity installiert werden muss.) Fr die in Audacity enthaltenen Klangeffekte bedeutet das: Auch sie mssen unter der Open-Source-Lizenz verffentlicht worden sein. Kompressor- oder Echo-Effekte beispielsweise knnen von EntwicklerInnen auerhalb des eigentlichen Audacity-Projektes stammen; so untersttzt sich die Entwickler-Community gegenseitig.

Effekte: eingebaut oder als Plug-in

Aus diesem Grund werden in diesem Reader mehrere Arten von Effekten vorgestellt: Manche sind fest in Audacity eingebaut, sie tauchen unter dem Menpunkt Effekte mit Klartextname im oberen Teil der Liste auf. Andere sind als Plug-ins einsetzbar: Sie mssen eventuell erst aus dem Internet heruntergeladen und dann installiert, Audacity sozusagen zur Verfgung gestellt werden. Unzhlige Plug-ins gibt es fr Linux (als Open-Source-Betriebssystem, auf dem Audacity sehr gut luft), whrend es

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fr die Windows- und Mac-Welt kaum Open-Source-Plug-ins gibt; lediglich einige VST-Plug-ins (eine Effekte-Serie der Firma Steinberg) gibt es im Download. Einzelheiten dazu am Ende des Readers. Zwei Analysewerkzeuge werden im letzten Kapitel vorgestellt, sie sind als Open-SourceEffekte an den geschilderten Download-Stellen erhltlich, im Radioeinsatz sehr gebruchlich, mssen aber separat eingesetzt werden, etwa in einem Audioplayer wie xmms.

Praxiseinsatz

Der praktische Einsatz der Effekte in Audacity erfolgt in der Form, dass zunchst ein Audio-Bereich ausgewhlt, also markiert wird, auf den der Effekt angewendet werden soll. Anschlieend wird ber den MenpunktEffekte ausgewhlt, welcher Effekt zum Einsatz kommen soll. Nun kann

der Effekt zunchst vorgehrt werden, die Vorhrdauer kann (seit Audacity 1.3.1) eingestellt werden ber den Menpunkt Bearbeiten > Einstellungen > Audio I/O. Mit Ok/Anwenden wird der Effekt auf

den ausgewhlten Bereich angewandt. Hufig ist es nicht sinnvoll, mit normalisiertem (auf 0 dB ausgesteuertem) Ausgangsmaterial zu arbeiten: In vielen Fllen wird dem Material beim Effekt-Einsatz etwas hinzugefgt, was dann zu bersteuerungen fhren kann. Der Equalizer etwa hebt auf Wunsch ausgewhlte Frequenzbereiche an, Hall fgt dem Signal Reflexionen hinzu, die in der Summe ebenfalls zu einer Anhebung des Pegels fhren. Deshalb: erst Effekt anwenden, danach normalisieren! Bei Nichtgefallen kann ber die bliche Rckgngig-Funktion wieder der Ursprungszustand des Audios hergestellt werden.

Arbeiten mit mehreren Spuren

In einigen Fllen ist es praktisch, mit mehreren Spuren zu arbeiten. Hierbei wird die Spur mit der Originalaufnahme identisch in eine zweite kopiert (Bearbeiten > Duplizieren) und der Effekt (beispielsweise Hall) nur auf der zweiten Spur angewandt. Im Ergebnis liegt nun eine Spur mit und eine Spur ohne Effekt vor. ber die Einstellung der jeweiligen Spurlautstrken kann dann experimentiert werden, welches Mischungsverhltnis den gewnschten Klang ergibt. (1)

Mehrkanalaudio

Audacity verfgt seit der Version 1.3.1 ber die Mglichkeit, Mehrkanalaudio zu erzeugen - siehe Reader Einfhrung in Audacity aus dieser Reihe (0). Bei Dateiformaten, die dies untersttzen (beispielsweise *.wav und *.ogg) knnen beispielsweise Signale fr die hinteren Lautsprecher definiert werden; im Zusammenspiel mit den Effekten fr Raumeindruck kann dies sehr interessant sein.

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2. Beeinflussung des FrequenzgangsEqualizerDer Equalizer ermglicht die gezielte Beeinflussung des Frequenzverlaufs einer Aufnahme.

Einsatzgebiet

Gezielte Beeinflussung des Frequenzspektrums; Absenkung strender Bereiche, Anhebung bestimmter Frequenzen zur Erhhung der Prsenz einer Stimme.

Eigenschaften

Whrend bei der Hhen- und Tiefenregelung der Stereoanlage lediglich ein vom Hersteller festgelegter oberer und unterer Grenzbereich des Frequenzspektrums angehoben bzw. abgesenkt werden kann, ermglicht der Equalizer die gezielte Auswahl von Frequenzbereichen, bei denen ein Eingriff erfolgen soll. Darber hinaus ist die Flankensteilheit einstellbar: Je nach Erfordernis arbeitet der parametrische Equalizer punktfrmiger oder in einem weiteren Frequenzbereich.

Einstellbare Parameter

Kurven zeichnen / Grafischer Equalizer Hier gibt es zwei Arbeitsweisen: In der Einstellung Kurven zeichnen kann der Frequenzverlauf als Linie gezeichnet werden, hnlich wie die Lautstrkekurve im Spurbereich: Anfasspunkte knnen gesetzt, verschoben und durch das Verschieben ber die Spur hinaus (nach oben bzw. unten) auch wieder entfernt werden. Die entstehende grne Linie zeigt den

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tatschlichen Filterverlauf. Alternativ kann bei der Einstellung Grafischer Equalizer mit Schiebereglern gearbeitet werden. Mit dem

Listenpfeil kann das mathematische Verfahren festgelegt werden, mit dem der Effekt berechnet wird. Arbeitsbereich Mit den beiden Schiebereglern (links) kann festgelegt werden, um wie viel dB die maximale Anhebung / Absenkung erfolgen kann. Gewissermaen der Arbeitsbereich des Equalizers hinsichtlich des Pegels. Lnge des Filters Mit dem Schieberegler kann die Filtergte eingestellt werden: Filter beeinflussen auch die Frequenzen oberhalb und unterhalb der eingestellten Mittenfrequenz. Je weiter der Regler links steht umso breitbandiger, je weiter rechts er steht umso punktfrmiger wirkt der Filter. Kurve auswhlen Eine Auswahl klassischer Filterverlufe steht zur Auswahl bereit, darber hinaus knnen eigene Filter definiert und ber den Button Speichernunter... dauerhaft verfgbar gemacht werden. (Die eingestellten Werte

werden im Userverzeichnis in der Datei EQCurves.xml gespeichert.)

Notch- oder Kerb-FilterDer Notch- oder auch Kerb-Filter entfernt sehr eng eingegrenzte Frequenzbereiche. (Hier am Beispiel von Mag's Notch-Filter als Plug-in) (3)(6)

Einsatzgebiet

Gezielte Beeinflussung des Frequenzspektrums, etwa um im Frequenzspektrum punktuell auftretende Strgerusche zu entfernen oder um - bei Beschallungen - die Gefahr von Rckkopplungen zu reduzieren.

Eigenschaften

Der Notch-/Kerbfilter ist eine Sonderform des Equalizers. Er arbeitet mit hoher Flankensteilheit, sodass ber den gewnschten Einsatzpunkt hinaus kaum Frequenzbeeinflussungen stattfinden.

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Einstellbare Parameter

Center Frequency Der Punkt im Frequenzbereich, an dem der Filter ansetzt. Bandwidth Das Spektrum ober- und unterhalb der Center Frequency, innerhalb dessen der Filter arbeitet. Stages Einstellung der Flankensteilheit, mit der das Arbeitsspektrum begrenzt wird.

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3. Beeinflussung des PegelverlaufsKompressorDer Kompressor gleicht leise und laute Stellen einander an.

Einsatzgebiet Eigenschaften

Aufnahmen mit schwankendem Pegel, etwa durch schwankenden Mikrofonabstand. Der Kompressor arbeitet - im Gegensatz zum Limiter - relativ weich, senkt den Pegel lauter Passagen dezent ab und reduziert dadurch den Lautstrkeabstand zu leisen Stellen.

Einstellbare Parameter

Grenzwert Der Pegelwert, ab dem aufwrts der Kompressor arbeitet. Kompression Das Verhltnis, in dem laute Stellen (oberhalb des Grenzwerts) leiseren angepasst werden. Die sinnvolle Grenze ergibt sich durch die gegebenenfalls unerwnschte Erzeugung des unangenehmen Pumpens, also des hrbaren Eingriffs in den Pegelverlauf. Ansprechzeit Die Reaktionsgeschwindigkeit des Kompressors; je krzer, umso besser werden auch kurze Spitzen erfasst, umso eher wird allerdings auch das

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Arbeiten des Kompressors hrbar. Normalisieren Auf Wunsch kann das in seiner Dynamik reduzierte und nun deutlich untersteuerte Signal auf 0 dB angehoben werden.

DeesserDer Deesser ist eine Sonderform des Kompressors. (Hier am Beispiel des TAP-Deessers von Tom Szilagyi als Plug-in) (5)(7)

Einsatzgebiet Eigenschaften

Vermeidung von unangenehm hervorgehobenen Zischlauten, insbesondere bei Wortaufnahmen mit starker Hhenanhebung. Der Kompressor ist ein regelbarer Verstrker, der seine Verstrkungseinstellung am aktuellen Pegel ausrichtet. Bei hherem Eingangs-Pegel